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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 133 Minuten

Call Me By Your Name

Lasst uns mal ein bisschen träumen: Ich bete schon, seit ich ihn gesehen habe, dafür, dass genau dieser Film den Goldjungen in der Kategorie “Best Picture” abräumt!
Es wäre so ein dermaßen endgeiles Statement der Academy und ganz ehrlich: Timothée Chalamet spielt zum Heulen schön! Egal, was du über die Thematik denkst: Nach diesem Film bleibt garantiert kein Auge trocken und kein Herz unberührt!
Bislang hat man noch nicht oft genug versucht, den Menschen diese Inhalte in einer derartig normalen Version zu vermitteln, und alle früheren Versuche hatten bislang eins gemeinsam: Sie scheiterten grandios!
Call Me By Your Name macht die Ausnahme und holt garantiert jeden aus seiner Ecke ab und pulvert ihn mit Normalität zu, dass gar nicht auffällt, was sich hier eigentlich tatsächlich abspielt!
Und Leute: Vorbilder! Es ist so tränenrührend nachahmenswert, wie sich Stuhlbarg und Co. hier verhalten: Jede Gesellschaft muss davor niederknien, zutiefst um Entschuldigung flehen und anschließend schwören, sich für alle Zeiten zu bessern! Eine bessere, sinnlichere und aufwühlendere Pointe in einem Bilderbad der Gefühle hat bislang noch niemand so unvergesslich auf die Leinwand gebannt!
Nach Call Me By Your Name gibt es einfach keine Entschuldigungen mehr, kein “Ich konnte es ja nicht wissen”, keine Intoleranz und Wegsehen – danach muss es endlich jeder verstanden haben und ich erbitte, dass die Welt reif genug ist, um damit umgehen zu können: Der Oscar® in Best Picture würde ein Vielfaches dazu beitragen!
Und ja, ich hab selten so intensiv und berührt im Kino gesessen und einfach geweint!
 

.kinoticket-Empfehlung: Mein Lieblingsfilm 2018? Call Me By Your Name.
Timothée Chalamet legt eine Performance an den Start, die dieses Genre ENDLICH mit Normalität, verspielter Jugendlichkeit und absolut liebenswürdiger Unerfahrenheit beseelt, was aus Call Me By Your Name für mich schon jetzt DEN Film des Jahres macht!
Rein! Anschauen und von dem lernen, was euch da vor die Füße gespielt wird – etwas herzergreifenderes wie das hier werdet ihr sowieso nicht so schnell wieder finden!
Vote 4 Best Picture!

 
Nachspann
😭😭😭😭😭😭😭 Wer hält sowas aus?
Kinostart: 1. März 2018
P.S: Man spricht bereits über Fortsetzungen … JAAAAAA BITTE!!!

Boston

Genau wie auch schon bei Sully kommt hier wieder eine Verfilmung, die nicht durch trickreiche Plot-Twists brillieren kann, da die Geschichte bereits landesweit durch die Medien gegeistert ist und so ziemlich jeder aufmerksame Nachrichten-Verfolger durchaus weiß, zu welchem Ende diese Story führt.
Sofern schließt das von vornherein schon mal alle Politik- und Weltgeschehen-Interessierten aus, hier einen durchaus spannenden Film zu sehen, der eine unglaubliche Geschichte wiedergibt und verarbeitet. Da man sich seitens der Macher dieses Umstandes auch ganz und gar bewusst zu sein schien, hat man sich auch von vornherein gar nicht erst die Mühe gemacht, hier irgendwas zu verschleiern oder mit Überraschungsmomenten aufzutrumpfen, sondern erzählt relativ bodenständig und souverän den Hergang aus allen möglichen Blickwinkeln.
Dies baut eine mehr oder weniger gelungene Handlungsverzweigung auf, da die Schauspieler hier nicht durch übermäßiges Talent glänzen, sondern halt einfach ihr Ding machen und man sich auch nicht großartig Zeit dafür nimmt, die Charaktere mit emotionaler Verbundenheit aufzuladen, sondern die einzelnen Stränge mehr oder weniger abfrühstückt.
Insgesamt hat sich mir der Anfang des Films als viel zu langwierig, wenig patriotisch und langatmig präsentiert, so dass ich glaube, dass durchaus das Gros der jugendlichen Kinozuschauer hier ihre Schwierigkeiten mit dem Film haben könnten.
Gegen Ende des Films wird es dann tatsächlich etwas besser. Es kommt mehr Drive in die Sache, die Erzählgeschwindigkeit wird durch mehr Actionmomente angehoben und die Anforderungen, die man aus den Szenen, die im Trailer angeteasert wurden, erwartet, werden zumindest entschädigt.
Dass man am Ende sehr gefühlvoll seine Respektsbekundung äußert, hier aber auch kein heroisches Denkmal menschlicher Interaktion aufträgt, lässt Zweifel am Originaltitel aufkommen (Patriot’s Day).
Dennoch war Wahlberg besser in seiner Rolle als der Trailer vermuten ließ und machte im Film durchaus seine Sache vorbildlich. Allerdings sehe ich auch viel Enttäuschung auf Seiten der Kundschaft, denn im Kino erwartet man irgendwo Spektakuläres, Spannung, Interessantes und irgendwo auch Schnelligkeit, die in einer Zeit, wo man nicht mit dem ersten Moment an sofort Aufmerksamkeit erzeugen kann, weil man anschließend über die Facebook-Timeline weggewischt wurde, geradezu überlebenswichtig für den Film ist.
Das Publikum sehe ich hier also eher in denen, die bei den Geschehnissen live dabei waren, evtl. sogar persönlich betroffen sind oder einfach die Zeit mit anderen gemeinsam neu aufarbeiten möchten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder völlig unvoreingenommen an die Sache rangehen und hier auch absolut keine Ahnung von den Geschehnissen aus dem Jahr 2013 haben, um im Kino dann eine überraschende Story geliefert zu kriegen.
Ansonsten bekommen man hier die aufgearbeitete Version der Vorfälle am 15. April geliefert, die die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln darstellt und hier nicht mit sonderlich packender Erzählweise vermittelt wird.
Der Anfang ist zäh, gegen Ende wird es besser – Wahlberg ist insgesamt klasse, jedoch fehlt mir persönlich einfach das gewisse Etwas, um diesen Film tatsächlich großartig sein zu lassen.

 
Nachspann
kommt nichts mehr. Rausgehen erlaubt.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (3D)

Wir alle kennen Harry Potter und haben die Filme bis zum Erbrechen gezeigt bekommen. Alljährlich im Free-TV, ständig im Kino, in den DVD- und Blu-ray-Regalen… man kann es bald nicht mehr sehen.
Ja, das Universum, dass Rowling da erschaffen hat, hat durchaus seinen Reiz und definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, jedoch habe ich es – Achtung: Blogbeichte! – immer noch nicht geschafft, mir tatsächlich alle bisher acht Harry Potter-Filme anzusehen.
Warum? Ich finde es irgendwie … kindisch. Klar, mag es Spaß machen, sich in diese Welt zu begeben, allerdings empfinde ich das “Gehabe” von Potter und seiner Hermine etwas zu laienhaft, schulisch, unprofessionell – wie auch immer. Warm geworden bin ich damit genauso wenig wie mit der Der Herr der Ringe-Trilogie, die als solches genauso ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, mich jedoch in ihrer Weise genauso wenig abgeholt hat.
Ich weiß, dass ich mich filmisch damit etwas zu einem Außenseiter degradiere und hoffe inbrünstig, dass ich euch trotzdem die Message rüberbringen kann, die mir bei diesem Spin-Of extrem am Herzen liegt.
Aufgrund meiner extraordinären Abneigung gegen diesen ganzen Kinderhexen-Quatsch bin ich nämlich mit reichlich angefüllten Vorurteilen und höchst niedrigen Erwartungen in den Saal spaziert und dachte mir: Gleich die Vorpremiere abgreifen, bevor der ganze Pöbel dann ins Kino rennt und man wieder die Hype-Kinder um sich rum hat.
Hat sich’s gelohnt?
Äh … ich würde ohne Umschweife sämtliche Harry Potter-Filme ohne zu zögern für die Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind-Filmreihe opfern.
Filmreihe? Yes! Geplant sind fünf Teile, die die neuen Handlungsstränge miteinander verweben und innerhalb des Potter-Universums ausleben, ohne dabei zu sehr an die Original-Geschichte angehaftet zu sein.
Und damit kommen wir zu dem, was mich bei Phantastische Tierwesen extrem vom Hocker gehauen hat.
Die Magie ist endlich erwachsen geworden. Der Witz, dieser humorvolle, umspielende Charme ist geblieben und auf einer wundersamen Art in Eddie Redmaynes Schüchternheit verpflanzt, der sich als Hauptdarsteller hier nicht nur extrem nach oben spielt, sondern seine in meinen Augen beste Leistung überhaupt abgeliefert hat.
Dazu gesellen sich die neuen “Teammitglieder”, die nicht nur extreme Frische zurück in die magische Filmwelt katapultieren, sondern zwischen denen die Chemie derart stimmt, dass man sie allesamt direkt ins Herz schließt und sich mit ihnen auf Lebenszeit anfreunden möchte.
Gespickt mit kreativen Einfällen, die dann doch wieder etwas ans Potter-Universum anknüpfen, hier jedoch keinerlei Wettbewerbsvorteile herauskitzeln wollen, wird eine (neue) magische Welt geschaffen, in der man sich als Zuschauer nicht nur zu Hause fühlt, sondern die man sich sehnlichst in immer mehr Filme hineinwünscht.
Geplant sind derzeit fünf … sorgt dafür, dass es mehr werden, indem die Vorstellungen überrannt werden und ihr den Schöpfern damit zeigt, dass ihr genau so etwas sehen wollt.
Denn diese Welt macht nun nicht mehr nur 6jährigen Spaß, sondern erhebt sich fast schon zur Märchenerzählung, die ausschließlich an Erwachsene gerichtet ist und nur am Rande zulässt, dass auch Kinder in die Vorstellung dürfen. Und es geht nicht nur mir so, sondern auch anderen, die Potter in und auswendig kennen, die mir ebenfalls mitgeteilt haben, dass sie von diesem Einschlag als Bystander-Filmserie zutiefst beeindruckt sind und sie fast besser finden als das Original.
Und die Ideen sind grandios. Die Einführung neuer Figuren, die Eröffnung neuer Möglichkeiten, das sanfte Umweben verschiedener Erzählstränge, die allesamt in einem großen Ganzen münden wollen, eröffnen hier so viel Handlungsspielraum, dass es kaum auszuhalten ist, bis Ende 2018 dann Teil 2 auf die Bühne kommt…
…was mich schon wieder begeistert, denn dieser 1-Jahres-Zyklus, mit der die Filmreihen konzipiert und aus dem Fließband gezerrt werden, empfinde ich angesichts der Zeit, die man braucht, um etwas anständiges zu produzieren, als zu kurz. Phantastische Tierwesen gibt auch hier schon von Anfang an bekannt, dass im 2-Jahres-Zyklus veröffentlicht werden soll, wo dann genügend Zeit ist, um nicht nur irgendwas Geldbringendes zu verwursten, sondern man sich tatsächlich den Tiefen der Story annehmen und sie bis ins Exil hinaus zu einer erzählenswerten Story transformieren kann, die den Kinozuschauer nicht nur abholt und tief in eine andere Welt hineinreißt, sondern auch dafür sorgt, dass man sich im Alltag immer wieder zurück in diese Ebenen der Erzählung wünscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: Der Text wird zu lang, wenn ich hier ins Schwärmen gerate, aber genau das sprießt nur so aus meiner Empfindung für diesen Titel in die Welt hinaus.
Geht rein! Flutet die Säle, kuckt euch den Film wieder und wieder an und beweist damit den Studios, dass ihr genau das wollt – wieder und wieder – immer mehr. So werden gute Geschichten erzählt. So geht man mit Effekten um. So produziert man sagenhaftes 3D. So vereint man unsägliche Raumtiefe mit tiefgründiger Story und unterhaltsamem Witz.
Und noch etwas: Dieser Film wurde für’s Kino erschaffen. Keine Heimkinoanlage kann diese Power aufbringen, die benötigt wird, um die zerberstenden Eindrücke so wiederzugeben, wie sie gedacht sind. Devise: Je größer der Saal, je lauter die Boxen, je näher an der Leinwand, desto größer das brachiale Filmerlebnis, in das man hier eingeladen wird.
Also würdigt den Film mit einem .kinoticket und besucht ihn an dem Ort, für den er geschaffen wurde: im Kino.
Rein! REIN REIN REIN REIN!

 
Nachspann
Endlich bricht der Song hervor, den man den ganzen Film über immer wieder im Ohr hat … aber auch sonst ist der Soundtrack einfach gelungen und meines Erachtens neben vielen Dingen einen Oscar wert. Wem das egal ist, der darf den Raum vorzeitig verlassen, denn weitere Szenen folgen keine mehr.

Die Glorreichen Sieben (2016)

Einen Film aus dem Jahre 1960 2016 wieder in die Kinos zu bringen, gehört für mich nicht unbedingt zu den billigen Abklatschen, die schmerzlich als “Remake” an die Zuschauerschaft verkauft werden. Genauso wenig zählt das für mich als Einfallslosigkeit oder sprödes Kohle scheffeln wollen, wenn man sich dieses Themas glanzvolle 56 Jahre später erneut annimmt.
Dass die Generation X, die gerade auf dem Spielplan der Welt steht, sich keine Streifen mehr von vor knapp 60 Jahren reinziehen möchte, ist für mich vollkommen nachvollziehbar und somit ist es zugunsten der Geschichte sinnig, dieses Thema etwas modernisiert wieder auf die Leinwand zu bringen.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, der immer wieder leise das Wort “Remake” flüstert, das gleichzeitig all die negativen Beigefühle mit auf den Plan ruft und einem schon von vornherein etwas die Lust am Schauen verderben will.
Völlig zu Unrecht.
Die Glorreichen Sieben offenbart sich als exzentrisches Werk voller Hingabe, Ideologie, Krach und einer soliden, eigenen Welt: Das Bild der Darsteller, das in diesem Machwerk gezeichnet wird, strahlt geradezu vor Authentizität und Glaubhaftigkeit. Keine dieser überzeichneten Fantasy-Charaktäre, die man neuerdings in Computerspielverfilmungen gerne auf den Platz lässt, genausowenig das typisch-westernhafte Klischee des huttragenden Cowboyhelden, der sich durch nichts weiter definiert als seinem Aussehen, sondern schöne, geprägte, ausgereifte Kerle, die alle eine Geschichte im Hintergrund verbergen, über die man auch im Verlauf der Spielzeit nicht unbedingt alles erfährt.
Das Mysterium um die Legenden, von denen hier gesprochen wird, bleibt etwas im Hintergrund, doch statt des erwarteten überbordenden Getöse durch die Überladung an Actionsequenzen nimmt hier eine rühmliche Bodenständigkeit den Platz ein und führt durch den Film, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Es rummst schon mächtig, man ist auch als Spektakel-Fan definitiv unterhalten und hat seine Freuden, doch niemals kommt es zu derartigen CGI-Übertreibungen, dass dem gepflegten Freund des Kinos das Lachen im Halse stecken bliebe. Stattdessen braucht die Story etwas Zeit, um anzuwärmen und rennt dann gnadenlos in eine Schlacht, die beim Zusehen tierisch Spaß macht und einen vergessen lässt, dass es derlei bereit schon mal auf der Kinoleinwand gegeben hat.
Und all das sind doch verdammt gute Zeichen dafür, sich durchaus ein .kinoticket für Die Glorreichen Sieben zu lösen und den Film mit seinen besten Freunden zu genießen. Denn wieder einmal gilt: Nur im Kino kommen die Momente und Sphären so rüber, wie sie gedacht waren und für’s Heimkino ist das mal definitiv nichts.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn man Verfechter von Originalen ist, sollte man dieser Neuauflage eine Chance geben: Die Portierung von alt in neu hat dieses Mal nämlich richtig gut funktioniert.
Der Film besticht mit einer authentischen Art, sympathischen Darstellern, einem ausgereiften Bühnenbild und jeder Menge unterhaltsamer Power, die nur im Kino richtig zur Geltung kommt.
Überzeichnung oder -ladung sind fehl am Platze und die erwartete Grobheit eines modernen Remakes bleibt tatsächlich aus. Stattdessen definiert dieser Film das Westerngenre in einer modernen Art und Weise wieder gänzlich neu und führt auch heutige Generationen erneut in die Zeit des Wilden Westens.
Daumen hoch: So was darf man sich gerne anschauen!

 
Nachspann
anfangs noch schön im Zeichenstil des Films gemacht (auch hier wieder ein Original statt eine Kopie), verlässt der Abspann dann bald die Farbebene und läuft bis zum Schluss nur noch in schwarz-weiß runter – man darf sich also wieder ans Sonnenlicht begeben.

Creed – Rocky's Legacy

Die Alten werden älter, vergangene Zeiten reihen sich in die Geschichtsbücher ein und manche begehren davon nochmal auf und rufen historische Erinnerungen wach, um damit zu signalisieren, dass sie noch nicht untergegangen sind.
Dieses Gefühl hatte ich, als Sylvester Stallone mit seiner The Expendables-Reihe anfing und so ziemlich alle bekannten Helden vergangener Jahrzehnte zusammentrommelte, um nochmal einen großen Coup zu landen.
Was daraus geworden ist, ist längst Filmgeschichte. Jedoch denkt man bei Stallone nicht nur an seine heldenhaften Zeiten im Wettstreit mit Arnold Schwarzenegger, sondern verbindet ihn auf jeden Fall mit einem: Rocky.
Die inzwischen in die Jahre gekommene Filmreihe umschließt neben vier Rocky-Fortsetzungen und Rocky Balboa nun noch einen weiteren Teil, der sich geschichtlich mit in die Story einreiht, in dem Stallone sein Vermächtnis nun nicht im Nirgendwo enden lässt, sondern ruhmreich an die Spielerschaft unseres Jahrzehnts abgibt.
Man merkt, dass dieser Mann alt geworden ist und fühlt sich als Zuschauer direkt zurück in die 90er versetzt, wo er die Glanzblüte seiner Zeit feierte. Ganz im Sinne der “old school”-Methoden gibt er seinen Namen nun nicht für billige Cremes oder Weichspülmittel her, sondern übergibt innerhalb der Filmwelt seine Berühmtheit an neue Schauspieler, die von ihm lernen und in seine Fußstapfen treten sollen.
Somit hat man nicht das Gefühl, einem Reboot erlegen zu sein, sondern empfindet es eher als eine Art Staffelstabweitergabe, die die Geschichte zwar erneut aufzurollen versucht, dabei aber nicht in Nostalgie schwelgt oder Altbekanntes wiederkäut.
Sehr bewundernswert fand ich die klare Struktur, mit der man sich auch hier keineswegs von neuartigen Methoden hat beeindrucken lassen, sondern nicht nur wörtlich, sondern auch faktisch hinter den Kulissen nach den klassischen Motiven gedreht und somit eine Geschichte erzählt hat, die zwar ganz klar im Box-Genre anzusiedeln ist, jedoch nicht – wie bei Tanzfilmen oft der Fall – das Schema F hirnlos abfrühstückt um möglichst vorhersehbar zur Ziellinie zu kommen.
Klar darf man hier keinerlei Vergleiche zu z.B. Southpaw ziehen, der storytechnisch wesentlich brutaler und eindringlicher von der Leinwand herunterpolterte, sondern sollte eher einen Hauch von Spectre in die Wertung einfließen lassen, denn Rocky ist in diesem Genre fast schon das Maß der Dinge und somit einer von den Großen. Dementsprechend viel Ruhe und Bodenständigkeit findet sich hier wieder.
Es geht eben nicht im klassischen Sinne um die Ziel- und Sinnfindung eines Lebens, sondern die Erzählung wird mit sehr viel Ruhe, Ausgeglichenheit und Zeit zum Nachdenken in den Saal getragen und schwängert dort vor sich hin. Sollte man sich also auf die heiße Action freuen, die frenetisch zum Mitjubeln aufruft, ist man mit dem Griff zu Southpaw wesentlich besser bedient. Hat man Zeit für eine Story, die auf Bodenständigkeit und Niveau setzt, dann ist Creed – Rocky’s Legacy die richtige Wahl. Fans von Boxsport kommen hier definitiv auf ihre Kosten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die alten Filme aus der Rocky-Reihe mochte, sollte sich auf jeden Fall den neusten Teil nicht entgehen lassen.
Freunde von Boxsport und Nostalgiker der 90er kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Sympathisanten von Sylvester Stallone und Michael B. Jordan.
Die Geschichte wird nicht wiedergekäut, sondern differenziert-perspektivisch neu überarbeitet und somit gelungen in unser Jahrzehnt transportiert. Dabei fallen die unübersehbaren Trends der 90er schwer ins Gewicht und hauchen dem Gesamtwerk eine nostalgische Frische ein.

 
Nachspann
darf man gemütlich über sich ergehen lassen, da hier nicht nur mit Buchstabensalat gearbeitet wird. Also ganz gelassen, genau wie vorher in dem Film.

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