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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 130 Minuten

Mackie Messer – Brecht's Dreigroschenfilm

Die Mission “Operisierung des Kinos” schreitet voran und bekommt mit Mackie Messer einen Film, der sich gehörig gewaschen hat und selbst die Theaterwelt auf den Kopf stellt. Seinerzeit von Brecht inszeniert erlebt das Kino des modernen 21. Jahrhunderts ein Revival der Rebellion gegen die Künste der Gegenwart und das borniert-verstoßene Auftreten der offiziellen Pagen des Theaters. Brecht bricht mit allen bekannten Konventionen und legt selbst Hand an das Gewissen und die Psychowelt der Zuschauer, um sie davon zu überzeugen, dass alles Bekannte förmlicher Schwachsinn ist.
Und genauso, wie ihr beim Lesen des ersten Absatzes dieses Beitrags verwirrt seid, verwirrt dieser Film. Auf eine unfassbar positive Art und Weise. Ich habe jüngst schon bekannt gegeben, dass ich die mediale Einflechtung von Theaterinhalten in die Form des Kinofilms beginne, abgöttisch zu lieben. Und dieser Titel beansprucht zwar viel Lebenszeit ob seiner unglaublich starken Laufzeit, besticht dabei aber mit einer optischen und inhaltlichen Brillanz, wie sie lange nicht im Kino zu sehen war.
Kenner der Szene beschweren sich schon vor Kinostart darüber, dass man viel zu wenig Augenmerk auf die Dreigroschenoper selbst gelegt hat, ich als blutender Anfänger empfand es eher als eine herausragende Einführung in eben jene Welt, von der der Durchschnitt längst nichts mehr wissen will. Genau das Alltäglich-Durchbrechende, mit dem Brecht groß geworden ist, besticht hier mit einer mitreißenden und anmutenden Eleganz, wie ich sie in einem Kinofilm lange nicht erlebt habe.
Ich meine, der Streifen ist durch und durch seltsam. Hat keine Handlung und irgendwie doch, ist Theater und doch wieder keins, räumt Wände beiseite und baut gleichzeitig Räume, in denen man sich hin und her bewegen kann ohne zu wissen, was man tut. Es fühlt sich an, als durchflute eine dunkle Masse deine Seele und gräbt sich dabei immer tiefer in deine Psyche vor, packt dann zu und lässt dich nicht mehr los.
Und obwohl du eigentlich denkst: “Was für ein Schwachsinn” fühlst du dich gleichzeitig dazu hingezogen, nochmal rein zu gehen und ihn dir wieder anzusehen, denn irgendwas fasziniert dich daran. Damit erhebt man nicht nur den längst nicht erloschenen Hype um die Dreigroschenoper selbst erneut zu güldenem Glanz, sondern feiert gleichsam eine Wiederauferstehung der Magie, die Systeme durchdringt und sie von innen heraus aufbricht.
Dieser künstlerisch durchzogene “Hass”, den Brecht auf diese erhabene Weise auslebt, trifft genau den Nerv einer Zeit, deren Ära noch lange nicht vorbei ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer eine vollkommen neue Kinoerfahrung sucht, sollte hier zupacken.
Die Inhalte des Theaters ins Kino zu bringen ist eine Sache, wenn man aber dann etwas, dass selbst den Bühnen Schwierigkeiten bereitet hat, so aufarbeitet, dass die Vorhänge dabei zerrissen werden und man in völlig neue Dimensionen eintauchen kann, dann wird’s erst richtig spannend.
Ein so aufgewühltes, hassdurchdrungenes und künstlerisch wertvolles Werk hat es selten gegeben. Es ist in jeder Hinsicht einzigartig und besticht durch Optik, inhaltliche Brillanz und intellektuelle Forderungen, die der Zuschauer selbst unwissentlich erfüllen kann.

 
Nachspann
✅ Den Anfang darf man noch mitnehmen, sobald dann auf schwarz geblendet wird, ist es rum.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm
Length: 135 Min.
Rate: FSK 6

Operation: 12 Strong

Wer hier schon eine Weile mitliest, wird erkannt haben, dass ich für kriegerische Auseinandersetzungen auf der Leinwand sehr empfänglich bin – und es mir dabei egal ist, ob daran ein historisches Ereignis oder einfach nur fiktive Einfälle geknüpft sind.
Meiner Meinung nach sollte man seine Diskrepanzen immer über künstlerische Mittel austragen und niemals zu echten Waffen greifen, um zurück zur inneren Zufriedenheit zu gelangen, da ich glaube, dass die schwerer durch echte Schüsse und viel mehr durch Verständnis, Interaktion und Durchleben verschiedener Szenarien in emotional ergreifenden Geschichten erreicht werden kann.
Und weil ich Ausnahmezustände liebe und generell für diesen “Soldat in Kampfanzug während des Krieges” sehr viel übrig hab, kribbelte es mir schon tierisch in den Fingern, als ich nur davon hörte, dass Operation: 12 Strong in die Kinos kommen soll.
Jerry Bruckheimer, allseits als Garant für Blockbusterkino bekannt, holte sich hier auch prominente Unterstützung aus dem Team von La La Land und Sicario ins Boot und liefert damit erneut eine Feuerwerksrakete amerikanischen Heldentums ab.
In der Zeit, als die Welt noch geschockt und gelähmt war, zogen 12 Männer los, um einen Angriff auf das amerikanische Volk zu rächen. Was sich im Plot ziemlich lahm runterliest, ist tatsächlich eine wahre, unveränderte und bislang geheimgehaltene Geschichte, die so erstmals an die Öffentlichkeit gelangt und euch demnächst auf der Leinwand verzaubern wird.
Dieses Machwerk erschafft durch seine Nähe zur Realität völlig neue Bezüge und lässt einen den noch nicht verjährten Krieg auf völlig neuen Ebenen erleben. Während des Schauens kann man oft gar nicht glauben, dass dies alles tatsächlich so passiert sein soll – was es aber ist.
Erstaunlich für mich war die einerseits voll ausgekostete Stille, in der man sich mit Momenten der Besinnung, Überlegung und menschlicher Philosophie auseinandersetzt, um das Wesen eines Krieges zu ergründen und zu höherer Erkenntnis zu gelangen, andererseits hat Bruckheimer aber auch wieder seine Stärken spielen und uns ein bombastisches Effekt-Feuerwerk durchleben lassen, dass in seiner Situation absurd und erstaunlich zugleich wirkt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fans von Army-Filmen kommen hier ungeschoren auf ihre Kosten und kriegen weit mehr mit auf den Weg, als man klischeehaft erwarten würde.
Bruckheimer gesellt sich mit La La Land– und Sicario-Machern gemeinsam an menschliche Historie und erzählt eine völlig wahre und gleichermaßen unheimliche Story, die sich damals tatsächlich so zugetragen hat. Wahnsinn!

 
Nachspann
gibt Aufschluss über die wahren Helden dieser Geschichte, was zusätzlich belegt, dass dieser unfassbare Wahnsinn tatsächlich echt ist.
Kinostart: 8. März 2018

Der seidene Faden

Dass Phantom Thread (Ja, ihr würdet niemals drauf kommen, dass Der seidene Faden tatsächlich so übersetzt klingt) Oscar®-Anwärter geworden ist, war mir glaube ich schon von Anfang an völlig klar.
Die Methodik, mit der man hier Kamera, Szenerie, Kostüme und Kulisse präsentiert, schreit förmlich danach, ausgezeichnet zu werden. Als geneigter Kinogänger hat man wohl auch ein wenig seine Schwierigkeiten damit, in die Zeit dieses Films abzutauchen, da es insofern keine wirkliche Einführung gibt, sondern man direkt in dieser Epoche landet und keine filmische Begleitung hat, um dort auch wirklich anzukommen.
Aber es funktioniert. Nach ein paar Minuten hat man sich damit abgefunden, die Art und Präsentation wirkt familiär und man erkennt, mit welch professioneller Natur man sich hier hinter die Kulissen einer Welt begibt, die vielen Normalsterblichen eher verborgen bleibt, da wir deren Ergebnisse sehr wohl bestaunen, das Schaffen dahinter und die präzise Kunst aber kaum verstehen geschweigedenn nachvollziehen können.
Daniel Day-Lewis hat ja bereits verlautbaren lassen, dass dies der letzte Auftritt seiner Karriere sein wird – und auch das mag PR-strategisch klug angelegt sein, da sich nun keiner die Chance entgehen lassen wird, um ihn noch ein letztes Mal in seiner großartigen Schauspielkunst zu erleben und zumindest sein letztes Werk noch gesehen zu haben – was dem Film auch unglaublich zuträglich ist.
Und ich kann neidlos anerkennen, dass seine Leistungen in diesem Stück hervorragend sind. Ebenso die von Vicky Krieps und seinen Mitspielerinnen.
Womit ich jedoch meine Schwierigkeiten habe, ist das vergleichsweise belanglose Finale, auf das man hier alles zulaufen lässt. Hat man sich hier und da schon ein paar Filmchen angesehen, hat man längst ein Gespür dafür entwickelt, was nun passieren könnte und was nicht – und es ist Aufgabe der Regisseure und Filmcrew, genau diese Erwartungen zu brechen und mit Überraschungen und anderen Situationen zu bestücken, um den Zuschauer zu flashen und eben keine einfallslose TV-Spielkost auf die Bühne zu zerren, sondern darüber hinaus zu wachsen.
Und das lässt mich zwiegespalten zurück: Die Schauspielkunst ist großartig, die Kostüme klasse, das Bühnenbild und die teils beklemmende Stimmung hervorragend, die politische Message beachtenswert und Inszenierung erstaunlich, jedoch gelangt man gegen Ende an einen Punkt, an dem man sich tatsächlich fragt, was nun jetzt wirklich der Sinn des Ganzen ist, da die meiner Meinung nach langweiligste Alternative und erste Vorahnung einfach konsequent durchgeboxt wird und am Ende als DIE Botschaft präsentiert wird – und das, obwohl man als gebildeter Zuschauer ab der Mitte des Films längst weiß, worauf das alles hinauslaufen wird.
Hier hätte ich mir einen spektakuläreren Twist gewünscht, der am Schluss eben nochmal die Stufe des Intellekts betritt und nicht einfach die erstbeste Schlussfolgerung als die Offenbarung präsentiert, aber genau das ist geschehen – und war für mich eine einzige Enttäuschung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Daniel Day-Lewis spielt hervorragend und auch seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor und hinter der Kamera liefern hier erstklassige Arbeit ab, die zu Recht mit einer Oscar®-Nominierung bedacht wurde, jedoch das Ende wirkt etwas einfallslos und banal und lässt Enttäuschung bei mir aufkommen, weil es dem Film als solches irgendwo seinen Sinn raubt bzw. man als Zuschauer die großartige Veränderung viel zu früh vorausahnen kann.
Dass das den Sehspaß etwas trübt, brauch ich ja niemandem zu erzählen. Wer aber für Dinge, die mit “Fäden” zu tun haben, etwas übrig hat, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen, da er diese Branche erstklassig durchleuchtet und hervorragende Einblicke in die Arbeit(sweise) liefert.

 
Nachspann
Keine After-Credits-Szenen und auch sonst nichts weiter. Man darf den Kinosaal also vorzeitig verlassen.
Kinostart: 1. Februar 2018

Die Schöne und das Biest (3D)

Vor der Pressevorführung habe ich mich gedrückt, den Film in Ruhe anlaufen lassen und mich dann doch dazu bequemt, ihn mir im Kino anzuschauen.
Meine Kritik zu Vaiana ließ meinen Geschmack zu Disney-Filmen ja bereits etwas durchblitzen und erkennen, dass ich nicht unbedingt der Typ dafür bin, der gesungenen Musicals auf der Leinwand großartig etwas abgewinnen kann.
Dazu kommt die relativ einfallslose Geschichte, die man so schon hundertfach gesehen hat und auswendig mitbeten kann, die Disney im Zuge der Wiederaufbereitung der vergangenen Film-Jahrzehnte jetzt auch wieder ausgräbt, um noch mal ordentlich Kasse zu machen.
In Verbindung mit der Gier des Konzerns nach Geld, die vielen kleinen Kinos das Leben schwer macht – was ich Disney bisher immer noch nicht verziehen habe, sorry! – bin ich mit sehr stark gemischten Gefühlen in diese Vorstellung gegangen ohne große Lust, mir den Film tatsächlich anzusehen.
Von der Presse wird Emma Watson für ihre Darbietung sehr gelobt, der Film erhält insgesamt positive Kritiken und die Menschen scheinen zufrieden damit zu sein.
Was mich auf nüchternen Magen und ohne das magische Einhornsprühen glitzernder Sterne in den Augen habend etwas gestört hat, waren die teilweise unterirdischen Dialoge, die sowohl bei den Erzählungen als auch in den Songs verwendet werden. Dies entbehrte an vielen Stellen einer unfreiwilligen Komik, die dem ziemlich gefüllten Saal auch zu viel Gelächter verhalf.
Aber ich möchte dem zukünftigen Publikum die Show jetzt auch nicht schlecht reden, und da ich persönlich ehrlich gesagt nicht wirklich weiß, was ich zu diesem Film noch sagen soll, habe ich mich auf die Suche nach ein paar Damen im Saal gemacht und sie einfach gefragt, wie sie die Vorstellung fanden.
Dabei kam raus, dass – wie auch schon bei Fifty Shades of Grey – eine der Damen nur wegen ihrer Freundin mitgegangen ist, dann aber die Liebe zum Film entdeckt hat und sich ihn sogar noch einmal ansehen würde, wenn sich jemand findet, der eine Begleitung fürs Kino braucht.
Gut gefunden wurde auch, dass man sich hier eher am klassischen Märchen orientiert hat und nicht so auf die Horrorelemente gegangen ist, wie es bei anderen Märchenverfilmungen ja durchaus öfters zu finden ist. Damit erinnert dieser Film eher an die eigene Kindheit und wenn man die Erzählung früher schon mochte, bekommt man sie heute in einer technisch aufbereiteten aber dennoch gelungenen Version wieder auf der Leinwand zu sehen.
Eine der Damen hatte – wie ich – auch größere Probleme damit, dass ständig gesungen wird, weil sie so etwas persönlich überhaupt nicht mag. Sie empfand bei diesem Werk die richtige Ausgewogenheit zwischen Gesangseinlagen und erzählter Geschichte, was die Story als solches recht angenehm rüberbrachte.
Die Animationen und das 3D sind bei diesem Film so dermaßen herausragend, dass man den Kinos fast schon verbieten sollte, überhaupt 2D-Vorstellungen anzubieten. Die Räumlichkeit und Integration in die reale Verfilmung ist derart gelungen, dass ich Disney erstmalig zugestehe, das verdiente Geld auch wirklich in gute Filme zu investieren.
Man sollte sich als Zuschauer von vornherein darüber im Klaren sein, dass hier eben keine klassische Märchenerzählung stattfindet, sondern das ganze eher wie ein gefilmtes Musical rüber kommt, das in sehr großem Stil mit sehr viel Detailgetreuheit inszeniert wurde, um hier einmal mehr die technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu feiern.
Damit hat Disney für mich zwar nicht den großen Coup gelandet – dafür hätte ich mir etwas mehr Inspiration und Kreativität im Plot gewünscht – aber dennoch eine Vorstellung abgeliefert, die Musical-Niveau hat und durchaus auf einer Theaterbühne gezeigt werden könnte. Damit entfernt man sich etwas von den klassischen Erzählungen des Kinos und sollte hier nicht von Kinokritikern bewertet werden, sondern sich sein Publikum eher im Opernbereich suchen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fest steht, dass Disney sich selbst im Vergleich zu allen anderen Filmen hier getoppt hat, denn auch meine beiden Interview-Gäste empfanden dieses Werk deutlich qualitativ über den Vorgängerfilmen wie Vaiana & Co.
Wer also auf klassische Märchen steht, keine großartigen Innovationen hinsichtlich einer Geschichte braucht und einfach tollen Farben, Formen und Bewegungen etwas abgewinnen kann, der sollte sich zwingend ein 3D-Ticket kaufen und diese Vorstellung aus Herzenslust genießen.
Der Song, der mir persönlich am besten gefallen hat, befindet sich am Beginn des Nachspanns, der irgendwie auch eine Art Charakter des Films darstellt.
Also hört euch von Celine Dion “How does a Moment Last Forever” an und entscheidet auf Basis des Gefallens dieses Songs, ob dieser Film für euch taugt oder nicht.

 
Nachspann
Bei den 3D-Animationen bleibt sowieso jeder noch sitzen, danach kommt nichts weiter, auch wenn der Hintergrund wunderbar aussieht.

The Big Short

Anspruchsvisage aufgesetzt: Hier kommt ein Film, bei dem die Dummen schon vorher den Saal verlassen sollten – oder sich zumindest darauf einstellen, dass sie nach dem Gesehenen nicht mehr als solche bezeichnet werden können.
FaktThe Big Short trägt derart mit verbaler Kommunikation zwischen den Zuschauern und Machern auf, dass selbst gebildeten Bürgern das Folgen der Leitlinien im Film schwer fallen dürfte. Dies stellt jedoch kein Betrachtungs-Dilemma auf, da Adam McKay gekonnt Stilmittel einsetzt, um den Zuschauer bei der Stange zu halten und selbst trockene Themen wie diese unterhaltsam und kurzweilig präsentiert.
Fakt 2: Wer irgendwas mit Geld zu tun hat, sollte sich diesen Film ansehen!
Fakt 3: Wer nichts mit Geld zu tun hat, sich aber für Aktien, Banken, Finanzen, Gelder, Geldströme und die ausbeuterischen Machenschaften der (Welt)-Banken interessiert, sollte sich diesen Film ansehen!
Außerdem jeder, der einkaufend tätig ist oder in irgendeiner Form Waren gegen Geld veräußert oder ersteht. Und dann noch alle, die in unserem Zeitalter leben und die Finanzkrise 2008 bei lebendigem Leib mitgekriegt haben.
Zuguterletzt diejenigen, die planen, irgendwas in Richtung Aktien, Fonds, Anlagen, Wertpapiere, Wetten und ähnlichem in naher und später Zukunft zu machen.
 
Was hier offenbart wird, basiert zwar nur teilweise auf wahren Begebenheiten und erhält seine Inspiration ansonsten aus einem Buch von Michael Lewis, dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass mit dem Unwissen um unsere Finanzwelt hart und offen abgerechnet wird, indem man das dumme Publikum schlichtweg einfach mal eben … bildet.
Wo ARD, ZDF und Konsorten mit ihrem Bildungsauftrag versagten und stattdessen wild das unverständliche Gelaber der Presseagenturen herunterbeten, um die Zeit zwischen 20:00 Uhr und dem Spielfilm zur Primetime irgendwie sensationsheischend zu füllen, schickt sich dieser Film hier an und erpresst das Hirn eines jeden Zuschauers in kürzester Zeit mit wahnsinnig wichtigen Fakten, die einem – die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehend vorausgesetzt – jede Menge Geld einbringen können.
Was offensichtlich breit und fett auf den Bannern der Macher stand: Wissen schaffen. Wissen schaffen im Wirrwarr der unverständlichen Bezeichnungen im Finanzwesen, mit denen Banken auf legale Art und Weise Menschen ausbeuten, Existenzen vernichten, Menschen dazu erziehen, über ihre Verhältnisse zu leben und sie systematisch mit immer neuen – scheinbar tollen – Angeboten in den Ruin locken und nebenbei mit dem Geld, das sie daraus ziehen, zocken und somit im großen Stil Unheil anrichten. Denn zahlen tut immer der, der am wenigsten dafür kann: Du.
The Big Short gibt hiermit eine wahnsinnig wichtige Anweisung mit auf den Weg, wie man als Privatbürger in Zukunft mit der Bank seines Vertrauens umgehen kann, um eben jener Abzocke zu entweichen und sich nicht mehr mittäterisch an den inhumanen Machenschaften zu beteiligen.
Dass hierbei nicht an Witz, Komik und Unterhaltung gespart wird, ist für mich mehr als ein großes Kunststück, denn der Blick hinter die Kulissen unserer Zeit ist hier so offensichtlich und großangelegt, dass einem beim Schauen oftmals fast schon schlecht werden kann, wenn der Erkenntnishammer wieder und wieder von innen gegen die Schädeldecke schlägt.
Überträgt man die gewonnenen Einsichten dann auf das Gebrabbel aus den Abendnachrichten, stellt man sehr schnell fest, dass “Buch” und “Fiktion” aus diesem Kapitel Kinogeschichte ganz schnell gestrichen werden können und hier fast schon als Stilmittel eingesetzt wurden, damit der Bürger nicht zu hart mit den Fakten unserer Realität konfrontiert wird und brav weiter sein “Es ist ja nur ein Film und nicht die Wirklichkeit” runterbeten kann.
Leute, die jedoch Freude daran haben, ihre Augen zu öffnen und die Dummheit begehen, einfach mal hinzusehen, werden anschließend völlig anders mit ihrem Geld umgehen und feststellen, dass der Reichtum im eigenen Denken begraben liegt, da einfach absolut jeder mit seinen derzeitigen Finanzen um so vieles reicher sein könnte, als es anfangs den Anschein hat. Wenn man sich an die Botschaft hält, die dieser Film mit auf den Weg gibt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das ist keine Empfehlung, das ist ein Befehl: GEHT IN DIESEN FILM!
Geht meinetwegen auch nochmal rein. Wartet bis zur Veröffentlichung, damit ihr die Stellen pausieren und euch die Untertexte in Ruhe durchlesen und verstehen könnt, aber geht solange ins Kino und schaut ihn euch an.
Jede Minute, die verstreicht, in der ihr nicht über diese Machenschaften aufgeklärt seid, ist eine Minute, in der ihr in eurem Leben viel Geld verlieren könnt, einfach aus dem Unwissen heraus, in das die Finanzwelt euch rein erzogen hat.
Die Zeiten sind vorbei, in denen einigen exklusiven Menschen das Recht auf Wissen und Reichtum vorbehalten war. Heute kann jeder dazu beitragen, sich selbst zu bilden und über die Dinge Bescheid zu wissen, die sich vor unseren Augen abspielen, um hinterher gezielt und richtig und vor allem wirkungsvoll darauf zu reagieren.
Eine wahnsinnig spannende, unterhaltsame, witzige und zutiefst intelligente Methode, um sich in diesem Sektor zu bilden, stellt dieser Film. Man darf sich also sogar zurücklehnen und weiß hinterher trotzdem besser, was da draußen vor sich geht.
Also geht verdammtnochmal einfach rein und lasst mich nicht ständig darum betteln!

 
Nachspann
Im Nachspann flackern hier und da noch ein paar Bildchen auf, mit dem Rausrennen kann man sich also Zeit lassen. Lieber das Gesagte noch eine Weile sacken lassen und verinnerlichen.

A World Beyond

Zuallererst einmal: Herzliches Dankeschön an Disney, dass sie beim Titel nicht den verhudelten Deutschversuch gelassen haben, sondern bei der englischen Bezeichnung geblieben sind. Im Rausche meiner Kinoextase sind mir nämlich durchaus hier und da Trailer vor die Augen gekommen, in denen für “Projekt: Neuland” geworben wurde, was schon vor Beginn für ein mieses Gefühl gesorgt hätte. A World Beyond ist da doch um so vieles tiefgründig- und zweideutiger … und in meinen Augen einfach der bessere Titel. Also: Danke!
Desweiteren hatte ich beim ersten Trailer, der in die Kinos kam, anfangs noch so ein wenig Bedenken, ob das nicht wieder irgendein Disney-Abklatsch wird, der Altbackenes neu aufwärmt und als frische Idee verkaufen will. Bisschen Animation hier, bisschen Schabernack da und fertig ist das neue Gewinsel, mit dem wieder viel Geld gemacht werden kann. Die Häufigkeit, mit der dieser Film beworben wurde, tat ihr übriges, um mich erneut mächtig zittern zu lassen.
Dann: Ein kurzer Exklusiv-Clip im Rahmen einer Sneak Preview, der den Spieß sofort umgedreht hat und offenbarte, dass hier tatsächlich mehr dahinter steckt als anfänglich vermutet. Die Neugier war geweckt, der Platz auf der Liste wieder ganz weit oben.
Kürzlich war’s dann so weit: .kinoticket gelöst und angeschaut.
Leute? Reingehen!
Hier treffen Schauspielgrößen aufeinander, die sich nicht gegenseitig die Show stehlen, sondern gemeinsam eine viel größere erschaffen. George Clooney ist bekannt dafür, Filme zu generieren, die ein wenig zum Nachdenken anregen und Hugh Laurie dürfte als Dr. House vielen ein Begriff sein. Beide gemeinsam kreieren ein Verbalfeuerwerk, das nicht nur den Gaumen aufheizt.
Und nicht nur die Großen vollziehen Profiarbeit, sondern gerade die Newcomer begeistern von Anfang an mit Charme und einer schnippisch-freudigen Lebensgier, die einfach nur Spaß macht und mehr als nett anzuschauen ist. Hier wurde nicht blind gefrühstückt, sondern mit Liebe zum Detail gekocht und unter Applaus des ganzen Saales aufgetischt.
Ganz ehrlich? Geht rein und hört auf das, was Hugh Laurie euch zu sagen hat! Es ist so wahr, so tief, so begehrenswert ehrlich – das tut einfach nur gut.
Manche der Effekte mögen an Kinderfilme erinnern (und als solches mag man ihn wohl auch vermarkten), aber von kindisch kann hier absolut keine Rede sein, denn Unerfahrenheit oder Halbherzigkeit findet man hier nirgends. Im Gegenteil: Gerade die Kleinsten begeistern mit einer schauspielerischen Reife, die nicht nur nicht enttäuscht, sondern in großem Maße begeistert.
Und das wichtigste: Disneys Botschaft mag seit Jahren die gleiche sein, so gut, so einprägsam und nachhaltig rübergebracht haben sie die bisher aber noch nie. Und das – Ladies und Gentlemen – haut einen echt um!
Dieser Film ist ein Weckruf an die eingeschlafene Welt, die langsam aber sicher im Sumpf der Negativ-Schlagzeilen erstickt und daran zu zerbrechen droht. Er fordert jeden dazu auf, durchzuatmen und die Komplettheit einmal ganz anders zu betrachten, um weit weit über sich hinauszuwachsen.
Und das zu zeigen – ohne dabei in Klischees abzudriften oder gar darin zu versinken – ist Kino der Meisterklasse. Und als solches geht der Film auch in meinem Schädel ein: Ganz ganz großes Kino, das man unbedingt gesehen haben sollte! Dieser Film lebt beim Vorstellen seiner Idee bereits vor, was er zu sagen hat. Anschauen!
 

.kinoticket-Empfehlung: Witzig, unterhaltsam, spannend, einfallsreich, kreativ, erstaunlich, fordernd, fördernd – das sind nur ein paar der vielen Eigenschaften, die A World Beyond mitbringt. Dieser Film gehört zu den ganz Großen und sollte definitiv von jedem einmal gesehen werden.
Nicht nur die völlig neue Ideenschöpfung überzeugt im Film wieder und wieder, sondern auch das schauspielerische Talent von Jung und Alt begeistern von der ersten Sekunde an.
Und die Botschaft – in dieser Form präsentiert – frisst sich direkt in dein Herz und züchtet dort drin Nachwuchs. Wer hier nicht zugreift, für den ist Kino nicht interessant. Definitive Kino-Empfehlung!

 
Nachspann
dürft ihr genießen, denn auch der wartet mit netten Animationen auf.

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