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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 129 Minuten

Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D)

Testfrage: Gehst du in Jurassic World: Das gefallene Königreich – evtl. sogar in eine 3D-Vorstellung?
Menschen, die unlängst bei der Vorbestellung zugeschlagen haben, dürften hier schon eine feststehende Antwort parat haben. Und alle anderen? Hand aufs Herz? Ja oder nein?
Daran seht ihr, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen sind und man daran auch als Kritiker womöglich nicht mehr wirklich etwas ändern könnte.
Und darum wird der Film auch funktionieren.
Logisch. Der alte hat ja auch funktioniert. Jurassic World gehört immerhin zu den weltweit (!) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten nach Einspielergebnis (da ist das böse Wort) und belegt dort gleich Platz 5 im Ranking. Sein Urvater Jurassic Park schafft es im Jahr 1993 sogar auf den historischen Platz 1 auf der Toplist der weltweit erfolgreichsten Einspielergebnisse.
Als erfolgreichstes Franchise räkelt sich die Filmreihe derzeit auf Platz 12, was sich demnächst dann ändern dürfte. Franchise?
Das ist dieses Ding, wo jemand eine – zugegebenermaßen – grandiose Idee hat, sich dann hinsetzt und ein Papier aufsetzt, in dem steht, was andere mit dieser Idee im Rahmen der Freigaben anstellen dürfen und fortan damit nur noch Geld verdient. Und hier fangen die Probleme an. Ja, Entschuldigung, ich jammere …
Jurassic Park war damals einzigartig. Was gab es drumrum an Filmen? Wie sah der Markt aus? Was wurde dem Zuschauer an Gros aus Filmen geboten, wenn er sich für ein Lichtspielhaus entschied? Welche Alternativen gab es? Alles war gleich. Mehr oder weniger. Normale Menschen, normale Größen, mal lustig, mal traurig, aber alles auf ein und demselben Level.
Und es gab Jurassic Park. Dinosaurier! Egal, ob man sich vorher dafür interessiert hat oder nicht, danach tat man es. Diese unfassbare Vorstellung, dass diese Viecher, von denen keiner von uns je eines lebend gesehen hatte, jetzt lebendig auf der Leinwand rumtobten und dort jede Menge Krawall anrichteten – ein Traum! Allein die Faszination des Lebens ganz neu bestaunen zu dürfen und von den Protagonisten mitgerissen zu werden – das Dinofieber war ausgebrochen und ein Wort bekam neue Dimensionen: Superlative!
Die Dinos waren vor allem eins: Groß und mächtig. Wir Zuschauer fühlten uns unterlegen, klein, voller Begeisterung und Bewunderung – gefesselt von der Magie und Faszination, fast schon demütig vor ihnen und zuckten alle in unseren Sesseln zusammen, wenn das schwere Trappen der übergigantischen Monster zu vernehmen war. Es gab nichts, was ihnen den Rang ablief. Sie waren die absoluten Götter der Giga-Dimension mit einer vernichtenden Kraft, vor der man ganz automatisch in die Knie ging.
Heute?
Gibt es Godzilla, Kong: Skull Island, Transformers, Transformers – Die Rache, Transformers – Die dunkle Seite des Mondes, Transformers – Ära des Untergangs, Transformers – The Last Knight, Pacific Rim, Pacific Rim: Uprising, Cloverfield, 10 Cloverfield Lane, Monsters, Rampage: Big meets Bigger … und? Jurassic Park, Jurassic Park II, Jurassic Park III, Jurassic World und nun eben auch Jurassic World: Das gefallene Königreich. Um mal nur ein paar zu nennen.
Die Einzigartigkeit, die Jurassic Park damals ausgemacht hat, das “riesige” was uns über den Kopf gewachsen ist und seit jeher in den historischen Gedanken der Menschheit verankert existierte, wieder neu zum Leben erweckt, fristet heute ein Dasein in einer dunklen Nische und ist umgeben von Superlativen, in denen wir alle in den letzten Jahren längst ersoffen sind.
Geben wir es doch zu: Keiner will mehr was von diesen monströsen “immer noch größer und noch besser und noch schlechter animiert, aber dafür 2489 Billiarden teurer”-Filmen mehr sehen, denen jedweder Geist und Seele fehlt und denen es allen nur ums Geld geht, aber nicht mehr um eine grandiose, und vor allem funktionierende Geschichte.
Willkommen in Jurassic World. Verdammte hacke!
Und jetzt fang ich wirklich das Kotzen an! Warum?
Ihr erinnert euch an meine jüngsten Hasstiraden gegen den Megakonzern Disney, der das weltweit unrühmliche Beispiel geliefert hat, wie man aus etwas Wunderschönem eine karambolagierende Untergangsmaschinerie gestaltet und damit zahlungsunfähige und filmliebende Kinos ausblutet, die fortan mit schlechteren Filmen die großen Blockbuster subventionieren müssen, um über Wasser zu bleiben?
Universal Pictures folgt ihrem diabolischen Beispiel. Sie wollen Geld. Sie werden raffgierig. Sie kriegen nicht genug. Die Zeiten der Dankbarkeit und des “Hey, Wow, wir haben es weltweit zu Bekanntheit und Ruhm geschafft” sind vorbei und machen dem Mammon Platz. Irgendjemand hat zwischen seinen Trilliarden immer noch Lücken im Portmonee und die müssen dringend auf Kosten von kleinen Kinos gestopft werden!!! Da werden harte Verhandlungen im Hintergrund geführt, die sogar Multiplex-Kinoketten wie CinemaxX in die Knie zwingen und bis ganz zum Schluss die Entscheidungen offen stehen lassen, ob Jurassic World 2 dort überhaupt anlaufen wird oder nicht. Warum? Weil der Konzern so immens hohe Gebühren fordert, dass die Kinokette daran nichts mehr verdienen würde.
Ernsthaft jetzt?
Und was machen dann die kleinen, die nicht so solvent und zahlungsstark sind wie solche Megaketten?
Ist das wirklich euer Ernst? Ist das der Respekt vor dem Leben und die Aufrichtigkeit, die uns Jurassic Park gelehrt hat?
Ihr – die ihr die Macht in euren Händen haltet, hättet mit beispielhaftem Vorbild vorangehen müssen und sagen: Wir geben ihn euch. Wir machen damit sowieso Kohle. Unfassbar viel Kohle! Wir verdienen so viel, wie wir niemals tragen oder ausgeben können. Hier ist ein Bruchteil dessen für euch, damit keiner sich zu Tode schuften und irgendwas subventionieren muss, um unseren Film zu zeigen.
Ihr habt nämlich vergessen, dass Kinos die Plattform sind, wo eure Filme gezeigt werden und ihr auf diese Häuser angewiesen seid. Ohne ihre Leinwände seid ihr … nichts! Eure ganze verdammte Großkotzigkeit ist NICHTS ohne eine Leinwand! Ihr verachtet mit solch einer Aktion eure eigene Familie und blutet die aus, die dafür sorgen, dass ihr euch hinterher stolzierend brüsten und selbst feiern könnt, weil nur die Kinos die Menschen anlocken und dort eure Werke gefeiert werden. Oder eben nicht.
Ich warte bis heute auf den Konzern, der das einsieht und der endlich ein markantes Beispiel setzt und sich erkenntlich zeigt. Der es begreift, wenn man große Macht hat, dass darauf große Verantwortung folgt. Habt ihr denn alle nicht euren eigenen Worten zugehört? Habt ihr nichts von den Superhelden der Vergangenheit gelernt? Scheinbar nicht.
Und dieser Umstand kotzt mich an! Recherchiert man ein wenig, findet man ruckzuck Kinos, in denen ein (1!!!) Ticket für einen Film in 3D knappe 30 € – also 60 DM – kostet. Warum DM? Weil ich an die Zeit erinnern wollte, wo man für 50 Pfennig durch die Tür gelassen wurde. Aus 0,25 € wurden 30,00 €. Findet ihr nicht auch, dass ihr durch diesen Wahnsinn den Kinogängern eh das Geld aus der Tasche zieht? Und dass immer genügend Gewinne da sein werden, in denen ihr euch suhlen könnt?
Okay okay … wenn ihr auch etwas dafür bietet. Dann schauen wir doch mal.
Jurassic World: Das gefallene Königreich – gefallen … gehört das zur Selbsterkenntnis oder ist euch nichts besseres eingefallen? Selbst der grottenschlecht abschneidende Solo: A Star Wars Story hatte Momente, die an seinen Schöpfer erinnerten und bei jedem die Gänsehaut aufflammen ließen, z.B. als die beiden erstmalig im Millennium Falcon sitzen und der Beat von Star Wars erklingt. Redet den Film schlecht. Kritisiert seine Unzugehörigkeit zum Rest von Star Wars, aber die Szene hat funktioniert. Und davon hättet ihr in Jurassic Park genügend Ansatzmöglichkeiten gehabt, um genau das wieder hervorzurufen.
Und was tut ihr stattdessen? Weiß jemand, was Killcounts sind? Diese Counter, die am Bildschirmrand mitzählen, wieviele Leute abgemetzelt werden? So etwas hätte ich gerne im Eck gehabt, und zwar für Logikfehler.
Ein Dino rammt mit seinem Schädel gegen Wände und bringt massive Betonsteinmauern zum Einsturz und scheitert anschließend an einer kleinen Holzdiele? Läuft.
Dino rennt eine Treppe hoch und hinterlässt Zerstörung und das absolute Chaos, erklimmt das Dach und die zerbrechlichen, sensiblen kleinen Dachziegelchen bleiben allesamt heile? Läuft.
Oder euer Einfallsreichtum. Ich kann mir das so vorstellen: “Was hat denn schon mal funktioniert?” “Hm… keine Ahnung? Dinos?” “Ahh … ja. Welche denn?” “Ähm, wir könnten … irgendwas mit Raptoren. Ach und T-Rex vielleicht.” “Ja, machen wir das doch. Wie halten wir das Budget gering?” … das könnt ihr im Film selbst anschauen.
Euer Film erstickt an seiner eigenen Vorhersehbarkeit. Ausnahmslos jede einzelne verdammte Szene ist vorhersehbar. “Jetzt passiert das.” … und es passiert. “Und jetzt müsste das passieren” und es passiert. “Und jetzt müsste sie eigentlich dahin rennen.” … und sie rennt dahin. So geht das den ganzen Film über. Es gibt absolut keine Überraschungen oder Momente, die einen wirklich vom Hocker reißen und auch nur ansatzweise das Staunen, die Mystik und Faszination zurückkehren lassen, die uns Jurassic Park einst lieferte. Statt dessen presst sich aus allen Poren etwas völlig anderes: Scheinheilige Kompromisse, um ja niemanden auf der ganzen Erdkugel vor den Kopf zu stoßen. Jurassic World 2 ist alles: heilig, halal, vegan, bio, glutenfrei, koscher und laktoseintolerant. Diese Kompromissbereitschaft und das Daniederliegen in Angst, auch nur einen einzigen Cent zu verlieren, weil IRGENDJEMAND sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist zum Erbrechen!
Ich meine: Überlegt euch das mal… wir haben hier einen Film mit der wohl gewaltigsten Schöpfung und Kraft, die es auf diesem Planeten jemals gegeben hat. Eingepackt in einen Film, der vor Symbolträchtigkeit und Schwere von niemandem anzuheben ist und eigentlich Unvergleichbar sein sollte. Und seine Schöpfer haben Angst? Angst davor, Geld zu verlieren? Stattdessen verlieren sie sich selbst in einer Kompromissbereitschaft, die zum Himmel stinkt und in einer öden, langweiligen und lahmarschigen Variante seiner selbst untergeht und aus etwas Meisterwerk-Unangreifbarem einen Schundfilm gemacht hat, der wie ein billiges, hässliches Kind wirkt, dass mit nichts zufrieden ist, was man ihm gibt.
Die Dialoge sind so dermaßen öde und langweilig, uninspirierend und langsam, überhaupt nimmt der Film keinerlei Fahrt auf. Alles ist einfach da. Dinos rennen. Juhu. Ach nein, auf einmal stehen wieder alle einfach nur rum. Obwohl im Hintergrund …. egal. Spoiler ich? Tschuldigung. Da … eine offene Autotür. Ach Mist, der Dino ist noch nicht da. Warten … Warten …. bloß nicht einsteigen … nicht reingehen und einfach abhauen und wegfahren. Kucken! Warten und Kucken! Noch mal kucken! Und warten. Jetzt ist der Dino da. Ein Schritt. Es wäre nur ein Schritt. Aber ich gehe ihn nicht. Sondern warte lieber. Und kucke den Dino an. Der bewegt sich. Auf mich zu. Ich bewege mich aber nicht, denn ich muss kucken. Und warten. Und zack – ist meine zehnstündige Chance, im Auto mit offener Tür direkt vor meiner Fresse auf einmal unwiderbringlich verloren.
MEINE FRESSE! Und sowas verkauft ihr uns als erfolgreichsten Dinofilm aller Zeiten, der so verhandelbar stark ist, dass ihr sogar Monster-Kinoketten in die Knie zwingen wollt, so dass sie daran nichts mehr verdienen?
Go, fuck yourself.
Das einzige, das an diesem Film gigantisch ist, ist der gigantische Schlag in die Fresse eines jeden, der im Leben schon mehr als 5 Filme gesehen hat, den ihr nach Strich und Faden verarscht und ihn perverserweise noch dafür bezahlen lasst. Und zwar teuer. Teuer mit Zeit und teuer mit Geld, über das ihr dann auf der Leinwand wieder scheinheilig rumlamentiert und es aufs höchste verurteilt. Erkannt? Das, was Jurassic World 2 am Wesen des Menschen anprangert, erfüllt ihr mit eurem eigenen Film parademäßig selbst. Wie pervers bitteschön ist das denn?
Und das eigentlich traurige daran kommt jetzt: Es wird funktionieren. Der Film wird sensationelle Einspielzahlen einfahren, denn wer will denn nicht Dinos auf der Leinwand hüpfen sehen? Wir alle lieben es doch abgöttisch, wenn diese Monster vor uns die Welt in Schutt und Asche legen und wir dabei zuschauen dürfen.
Nur, dass das leider in dem Film hier nicht passiert.
Wisst ihr, was mir an dem Film gefallen hat?
Das, was die meisten meiner Pressevorführungsmitglieder alle schon nicht mehr mitgekriegt haben, weil der Saal grottenleer war: Die After-Credits-Szenen. Ganz zum Schluss – nachdem alles abgelaufen ist, kommt nämlich noch ein saftiger Nachspann. Und bei der Sequenz hatte ich Lust auf einen neuen Film. Der war da aber dann endgültig vorbei. Verdammt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Werk ist auf allen Ebenen des Seins eine grandiose Enttäuschung.
Auf der Leinwand, in Sachen Logik, in Sachen “baut Geschwindigkeit auf”, in Sachen Dialoge, in Sachen Animation, in Sachen Einfälle.
Hinter der Leinwand in Sachen Verhandlungen, in Sachen Geldgier, in Sachen Ausbluten kleinerer Kinos, in Sachen Ausbluten großer Kinos, in einem verachtungswürdigen Verhalten der Betreiber in jederlei Hinsicht.
Und aus diesem Grund sollte man dieses Werk konsequent boykottieren, um hier als zahlender Kunde ein Zeichen zu setzen und zu sagen: So nicht! Denn eines haben die Studios auch vergessen: Ihr braucht nicht nur die Kinos, um selbst reich zu werden. Ihr braucht in allererster Linie uns zahlende Kundschaft. Und wenn die auf mein Nachfragen nicht wie aus der Pistole geschossen antwortet “Geil!!!”, sondern Sätze fallen wie “Da muss ich erst nochmal eine Nacht drüber schlafen, ob der wirklich gut war oder nicht”, dann gibt es in meinen Augen kein besseres Zeugnis eures Versagens.
Geht, haut ab und kommt einfach nicht wieder.
P.S: Jurassic World 3 ist bereits für 2021 angekündigt.

 
Nachspann
✅ Hocken bleiben – und zwar ganz bis zum Schluss, sonst verpasst ihr das Beste des Films! Hier kommt noch eine mörderische Szene!
Kinostart: 06. Juni 2018

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (3D)

Es ist der fünfte Teil dieser Saga.
Kritik beendet.
So oder so ähnlich könnte man schreiben. Damit wäre fast alles gesagt. Alles, was ursprünglich mal Fluch der Karibik gewesen ist, wurde ersetzt durch monströse Effekte. Die charmant-dämliche Art eines Johnny Depp, der in Captain Jack Sparrow seine Paraderolle gefunden zu haben scheint, war anfänglich noch die absolut tragende Säule der ganzen Scharade. Seine dauerbetrunkene, selten-dämliche Aufführung in der Öffentlichkeit, gespickt mit den banalen Strukturen dieser simplen Gesellschaft formten damals ein Bild, wie es bislang keines gab. Der sprühende Nebel des komödiantischen Untergangs war noch hell genug am Disney-Himmel, um daraus eine Story zu schöpfen, die sowohl jung als auch alt in ihren Bann zog und Filmgeschichte schrieb.
Die meisten, die ich im Laufe des Neustarts des aktuellen Teils dazu befragt habe, sagten mir, dass sie irgendwo zwischen Teil 2 und 3 ausgestiegen sind, da dort bereits das Elend begann. Ich zähle mich übrigens auch dazu, denn bereits beim zweiten Teil war mir nicht mehr wohl ums Herz. Und das, obwohl ich die Dunkelheit liebe und es bei mir ruhig düster sein darf. Zum einen passt diese allseits von Tod umgebende Sphäre so überhaupt gar nicht mehr zu Disneys sonstigen Werken, zum anderen erhält man in Pirates of the Caribbean – Salazars Rache zwar erstmals endlich einen korrekten Titel, der jedoch absolut nichts mehr mit dem Original zu tun.
Sparrow ist überflüssig geworden und wird von den monströsen Effekten einfach nur noch zum symbolgebenden Logo degradiert. Früher war er derjenige, ohne den der Film nicht funktioniert hätte, dieses Mal hätte es wohl gereicht, wenn man sein Konterfei Mumienlike am Schluss ins Wasser gerendert hätte, um einen Cameo-Auftritt zu geben, der Rest des Films wird durch absolut übertriebene Effekte maskiert und damit zur CGI-Feier verwahrlost.
Versteht mich nicht falsch: Die Arbeit an den Computern ist herausragend und durchaus einen Kinobesuch wert, auch das 3D basht so dermaßen tief in den Kinosaal rein, dass man sich manchmal gerne wegducken würde, jedoch verkümmern die einzelnen Schauspieler dadurch nur noch zu austauschbaren Plastikpüppchen, die durch markantes Aussehen tatsächlich bestätigen, dass es sich hier um Fluch der Karibik und nicht um ein x-beliebiges anderes Epos dreht. Als ob Disney einfach mal gesagt hätte: “Komm, wir streichen sämtliche Gagen und pulvern einfach alles ins Rendering.”
Wer also auf der Suche nach abartigen Effekten ist, Gigantomanie liebt und sich von erschlagender Größe in Perfektion niedermachen lassen will, ist hier genau richtig. Wer den Flair des ersten Teils aufleben lassen möchte, wird maßlos enttäuscht. Und da hilft auch ein Jerry Bruckheimer nichts, der daraus wieder eine seiner typischen Rätsel-Erkundungen à lá Das Vermächtnis der Tempelritter machen möchte. Starrt man so manch altem Charakter ins Gesicht, stellt man fest, dass sie genau das geworden sind: Alt, verbraucht, farblos. Genauso verhält es sich mit der Dialogschwere, dem mythologischen Tiefgang und der Story selbst: Der wahre Vorstoß auf den Grund des Meeres findet hier nicht statt, sondern alles ereignet sich knapp unter der Oberfläche. Die Figuren wirken eher harmlos, werden nur als Erzählroboter gebraucht in einer ansonsten perfekt austarierten CGI-Umgebung, die für sich allein atemberaubend genug ist, um das .kinoticket zu rechtfertigen, jedoch keineswegs irgendwelche Ansprüche an Story oder Originalität befriedigt.
Überlegt euch also lieber dreimal, ob ihr wirklich in diese Vorstellung gehen möchtet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wir haben einen funktionierenden Titel und die Leute werden schon rein rennen, also ist es egal, was wir daraus machen.
Wer dieses System nicht unterstützen möchte, der geht einfach nicht rein. Denn wenn die großen Filmschmieden damit aufhören, originell zu sein, haben wir Cineasten bald ein Problem mit nachwachsenden Rohstoffen guter Geschichten.
Hier lohnen sich wirklich nur noch die Effekte, der Rest ist für’n …………

 
Nachspann
lässt es sich auch diesmal wieder nicht nehmen, bereits erste Anzeichen auf Fortsetzungen zu setzen, denn nach erfolgtem Abspann kommt noch eine längere Szene.

Live by Night

Die Generationen vor uns hatten Francis Ford Coppola’s Der Pate, dessen unerreichte Genialität und Zeitlosigkeit bis heute unübertroffen ist.
Nicht umsonst stehen bis dato noch hochpreisige Boxen dieser Trilogie in den Ladenregalen und erfreuen sich auch bei der Käuferschaft immer noch großer Beliebtheit.
An diese unerreichte Meisterleistung hat sich seitdem keiner mehr so wirklich rangetraut. Klar hat man auch in Hollywood versucht, Geschichten dieser Art in neuem Gewand zu verkaufen, aber entweder waren diese Unterfangen schon von vornherein zum Scheitern verurteilt oder haben sich während der Spielzeit selbst ihr Grab geschaufelt. Man versuchte zu kopieren, “auch etwas großartiges zu schaffen” und wenn bei einer solchen Sache nicht alle (auch die unbekannten) Faktoren genauso zusammenkommen, kann das nicht in dem Ausmaß funktionieren, wie es Der Pate vorgemacht hat.
Das zumindest beweist, dass es nur ein echtes Original gibt und alles andere entweder abgekupfert oder schlecht gekonnt wirkt und nie so richtig tief in die Essenz des Films einsteigt. Dabei hat die Thematik, die auch Live by Night aufgreift, so viel Schöpfungskraft und Erzähldichte, dass man hier schier unendliche Storys bereitstellen könnte.
Woran Johnny Depp in Black Mass scheiterte, wo sich Tom Hardy verzweifelt in Legend emporkämpfte, daran erblüht Ben Affleck nun in Live by Night.
Der Film steigt genauso langfristig und solide ein, wie Der Pate, wo es auch erstmal eine geschlagene halbe Stunde dauert, bis man überhaupt in der Sachlage durchsteigt. Man schafft hier genau das gleiche solide Erzählfundament und arbeitet sich bis zum Schluss permanent weiter nach oben.
Salopp gesagt hatte ich größte Schwierigkeiten zu Beginn des Films, ausgehend von den abartig krassen Trailern im Vorfeld, in die Ruhe und Gediegenheit zurückzufinden, die hier konsequent ausgelebt und permanent gesteigert wird. Ist man aber erstmal drin, macht selbst die lange Spielzeit absolut nichts mehr aus, denn Affleck vollbringt das Wunder, in mir den Gedanken hervorzurufen, dass diese Generation nun auch endlich einen eigenen Paten ihr eigen nennen darf.
Der Junge hat ja auch vorher schon mehrmals bewiesen, dass in ihm nicht nur ein schlechter Daredevil sondern ein wahnsinnig guter Regisseur steckt, der durchaus etwas zu sagen hat und dies auch überzeugend auf die Leinwand transportiert bekommt.
So beweist sich im Film oftmals auch die Tatsache, dass er nicht nur an das große Vorbild der ehemaligen Generation X anknüpft, sondern auch dessen Wesenszüge studiert und verstanden hat. Die Liebe zur Familie, der Bezug zum Geschäftlichen, die krassen Gegensätze zwischen Tod und Leben, selbst die Härte der Durchschlagskraft der einzelnen Ziele wurde hier genauso aufgegriffen, wie man es aus Coppola’s Zeiten kennt.
Auch wenn man dem Werk letztendlich den Nachahmereffekt nicht gänzlich absprechen kann, so ist diese Kopie jedoch in meinen Augen sehr gut gelungen und läuft in der zweiten Hälfte des Films dann zur Höchstform auf.
Die floppende Wirkung in den Kinos kann ich mir daher nur durch die durchaus miese PR vorstellen, denn der Trailer macht auch nicht unbedingt Lust auf den Film.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des klassischen Kinos kommen mit etwas Vorsprungs-Zeit hier voll auf ihre Kosten.
Mit Live by Night erwächst ein neuer Filmmeilenstein, der den Paten der heutigen Generation darstellt und im Laufe der Spielzeit zu immer höheren Zielen aufläuft und diese herausragend erreicht.
Und nicht nur Story, Hintergründe, Schauspieler und Effekte, sondern auch der Soundtrack zeigt, dass man sich hier im oberen Milieu aufhält.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also aufspringen und raus. Was gibt es eigentlich immer so wichtiges, dass da jeder wie bekloppt rennt?

Stonewall

Roland Emmerich ist einigen ein Begriff, richtig?
Dass der gebürtige Stuttgarter sich einem Film widmet, der die Ursprünge der Schwulenbewegung in New York und die dabei geschehenen Konfrontationen der Gays mit der New Yorker Polizei beleuchtet, haben sicherlich weniger von euch gedacht.
But so it is.
Was mir an diesem Film enorm gefallen hat, war die endlich mal klischeefreie Darstellung von schwulen Hauptdarstellern. Ich bin jemand, der hasst Klischees. Gleich welcher Art. Jeremy Irvine macht hier mal alles richtig und etabliert das Bild eines Menschen, der auf das gleiche Geschlecht steht und dabei so ganz und gar nicht mit der ganzen Szene-Suppe klar kommt, in die der mediale Schwule jedesmal provokant gepresst wird.
Und ebenso vorbildlich ist sein aus der Rebellion entstandenes Verlangen, für eben jene Gerechtigkeit einzufordern und sich gegen die Unterdrückung der New Yorker Polizei zu stellen.
Ich habe mir diesen Film als Mensch angeschaut und versucht, jegliche Vorurteile unter den Tisch fallen zu lassen. Und unter Beachtung der Tatsache, dass genau diese Aufstände 1969 tatsächlich stattgefunden und damit den Grundstein der heute noch aktuellen Christopher Street Day-Aufmärsche gelegt haben, finde ich es höchst interessant, von einem Regisseur eine Dokumentation dieser Art vorgelegt zu bekommen, der sich weder im schwulen Milieu behaupten will noch es nötig hätte, sich mit irgendwelchen Randgruppen zu beschäftigen.
Und genau das macht dieses Werk für mich so einzigartig. Man spürt im Vergleich zu klassischen Spartenfilmen dieser Art eine ungemein erwachsene, professionelle Herangehensweise an ein Thema, bei dem sich vielen heute immer noch die Fußnägel hochrollen. Und das, obwohl sich das Thema Gleichgeschlechtlichkeit eigentlich langsam in der Gesellschaft etabliert haben sollte, da sich mittlerweile bereits genügend Prominente dazu bekannt haben und wir uns als Menschheit eigentlich dahingehend weiterentwickelt haben sollten, so viel Toleranz und Akzeptanz mitzubringen, dass wir eine vielschichtige Gesellschaft haben, in der nicht mehr ausschließlich die konservativen Werte und Weltvorstellungen ausgelebt werden.
Wer jetzt der Meinung ist, früher wäre alles einfacher gewesen und da hätte es so etwas nicht gegeben, der irrt schlichtweg. Früher wurde das nicht öffentlich ausgelebt, sondern hinter verschlossenen Türen praktiziert. Da gingen Menschen noch in den Tod, wenn jemand derartiges entdeckt hätte.
Und auch heute gibt es immer noch Länder, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird.
Überlegt euch mal: Menschen werden wegen irgendeiner verdammten Einstellung und Sichtweise hingerichtet!
Aufklärung tut bitter Not und dazu trägt dieser Film in seiner Gänze bei. Er bewertet nicht. Er verurteilt nicht. Er hasst nicht. Er bevorteilt nicht. Er beleuchtet einfach historische Ereignisse, aus denen heraus sich eine Gruppe von Menschen gebildet und für ihre Rechte gekämpft hat.
Und damit ist Stonewall für mich ein wertvoller Beitrag für mehr Menschlichkeit untereinander und das fundierte Miteinander und füreinander einstehen können, selbst wenn ich dieser Lebensweise selbst absolut nichts abgewinnen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Roland Emmerich wagt sich hier an ein Thema, das ihm wohl die wenigsten zugetraut hätten.
Tatsächlich ist es aber immer noch nicht so, dass die Gesellschaft dazu fähig ist, seine Nachbarn und Mitbürger einfach so zu akzeptieren, wie sie sind. Und so lange dieser Tatbestand noch nicht erfüllt ist, so lange braucht es Filme wie diesen auf den Leinwänden, um den Menschen zu zeigen, was passiert, wenn die Toleranz fehlt.

 
Nachspann
zeigt die Bilder der echten Jungs, die diesen Schlamassel damals ausbaden durften.

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