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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 127 Minuten

Gundermann

Gundermann – selbst als Geborener in dieser Region ist mir dieser Name niemals aufgefallen. Ja, es gibt diejenigen, die sich dem nachhallenden Hype der Nostalgie hinterherwerfen und der Meinung sind, damals war alles perfekt. Wer dort leben musste, wird wissen, dass zwar einige Dinge ganz okay waren, vieles aber auch sehr fragwürdig bzw. beängstigend. So zumindest habe ich es in meiner Kindheit erlebt, die ich zum Großteil in der DDR verbracht habe.
Nimmt man jetzt mal Augenschein auf die unzähligen Dokumentationen, die zum Teil in schwarz/weiß bereits hunderte Male in den TV-Stationen rauf und runtergespielt wurden, wird man sehr schnell merken, dass diese Themen unlängst alle einmal behandelt wurden und eigentlich nur noch nervig sind. Das ewige Schwelgen in den immergleichen Lobeshymnen auf die “gute alte Zeit” oder das dramatische Panikmachen in wüster “Aufklärung” über die Ära und die ach so bösen Politiker … ich kann und will es nicht mehr sehen. Es nervt. Ausschließlich. Kommt sowas, zappt meine Fernbedienung fast schon von alleine weg, weil sie weiß, dass mich derlei einfach nur noch ankotzt.
Und dann findest du dich eines Tages im Kino wieder und betrachtest einen Film, über den du vorher noch nie was gehört hast und der sich mit genau dieser Ära beschäftigt.
Und fühlst dich immens unterhalten. Lachst, bangst, siehst die Dinge in einer verspielten Leichtigkeit und Ruhe, empfindest Sympathie und Empathie und freust dich über die kleinen Erfolge, betrauerst die Misserfolge und denkst am Schluss: Wann läuft der endlich an, damit ich ihn direkt nochmal sehen kann?
Gundermann ist ein Biopic von einem DDR-Bürger, der von Alexander Scheer so glaubwürdig und authentisch gespielt wurde, dass viele, die das Original nicht kannten, dachten, er wäre es wirklich. Die Performance ist unglaublich! Und dieser Film so vielschichtig, dass man sich wünschte, er würde in allen Ecken und Enden der TV-Landschaft über den Äther fließen und das Volk endlich mal vernünftig über das aufklären, was dort gang und gebe war.
Denn die Verflechtungen mit den verschiedenen Bereichen, mit denen ein Mensch im Laufe seines Lebens in Berührung kommt, wurden hier so wunderbar zusammengeführt, dass es einfach Spaß macht, ihm zuzusehen, wie er mehr oder weniger durch sein eigenes Leben stolpert und dabei trotzdem weiß, was er will. Seine schillernde Persönlichkeit wurde so grandios eingefangen, dass allein dafür schon ein Ticket lohnenswert wäre.
Dazu kommt, dass dies die erste Dokumentation über das Leben in der DDR ist, die ich mit Freuden aufgesogen habe und mir jederzeit wieder anschauen würde, auch wenn sie recht lang ist. Und das sage ich als jemand, der seiner “Heimat” (wie viele den Geburtsort nennen) schon lange den Rücken gekehrt hat und der es nirgendwo lang genug aushält, um die Wurzeln zu schlagen, die ihn an diesen Boden binden würden. Ich liebe das Reisen, ich liebe die Bayern, ich fühle mich hier viel mehr zu Hause als in Sachsen und wenn ich auf meiner Arbeit erzähle, dass ich gebürtiger Sachse bin, glaubt mir keiner ein einziges Wort.
Meine Bindung zum Sächsischen ist quasi nicht vorhanden und ich vermisse überhaupt nichts, sondern liebe das, wo ich jetzt lebe und bin und mir sind die Leute immer peinlich gewesen, die dem Hype um die DDR nachrennen, dennoch bitte ich euch inständig darum: Schaut euch diesen einen Film an und genießt ihn, denn er hat rein gar nichts von dieser abstoßenden Materie, die andere Dokus über diese Zeit schon im Vorfeld versprühen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Entfesselt die Einblicke in ein verborgenes Reich aus anderen Perspektiven und beleuchtet Dinge, die nicht in der allgemeinen Öffentlichkeitswahrnehmung vorhanden waren.
Alexander Scheer spielt so glaubwürdig, das man meinen könnte, er wäre “der Echte” und der Film bietet Unterhaltungspotenzial, das einen vergessen lässt, dass dies eigentlich nur eine “langweilige Biografie” sein sollte. Selbst als DDR-Hasser empfindet man Sympathie mit den Handlungen und fühlt sich auf höchstem Niveau entertaint. Also geht rein und genießt es… noch niemals wurde Geschichte so wunderbar aufgearbeitet und erzählt.

 
Nachspann
❔Der finale Nachspann stand zur Pressevorführung noch nicht fest, daher können dazu keine Aussagen gemacht werden.
Kinostart: 13. August 2018

Schloss aus Glas

Das Thema Breakout ist derzeit in vielen Kinos wieder in Mode und erweist sich so langsam auch als Publikumsmagnet. Zumindest in kleineren Städten reißen sich die Menschen um .kinotickets für solche Vorstellungen und man rüstet den Wochenplan dementsprechend um, um genau das zu bieten.
Schloss aus Glas basiert erneut auf einer wahren Geschichte und ist somit zugleich Buchverfilmung als auch “aus dem echten Leben erzählt”. Die Geschichte ist derart verblüffend, tragisch und ergreifend, da sie nicht zwischen A und B entscheidet, sondern den erbitterten Zwist zwischen der notwendigen Realität und dem unerklärlichen Drang nach Freiheit und Ausbruch sorgfältig unter die Lupe nimmt und hier neue Formen des Umgangs damit präsentiert.
Durch seine “Tatsächlich passiert”-Nacherzählung verpuffen alle Argumente, die dieses Leben als “nur ein Film” hinstellen wollen und offenbart einmal mehr, dass es durchaus möglich ist, nicht nach den konformen Regeln des Konservatismus leben zu müssen, um tatsächlich erfolgreich und – viel wichtiger – glücklich im Leben sein zu können.
All dies verrät aber immer noch nichts über das, was uns in Schloss aus Glas in eindrücklichen und bleibenden Bildern erzählt wird. Brie Larson glänzt neben Naomi Watts an der Seite von Woody Harrelson, der wieder einmal Höchstleistungen darbietet, die auch in diesem Film wieder zum Anbeten sind.
Und neben all den Exzessen, Querulanten, Absonderlichkeiten und dem unbändigen Streben einer Coming-of-Age-Generation, die sich im harten Alltag durch alle möglichen und unmöglichen Situationen durchbeißt, erblüht hier eine diskutierbare Offerte von Optionen des Erwachsenwerdens, ohne dabei auf den Respekt und die Liebe verzichten zu müssen.
Und ich wage zu versprechen, dass jeder, der diesen Film besucht, auf irgendeine Weise angesprochen wird. Denn um das völlig gefühlskalt und emotionsbefreit abzutun, braucht es die Abwesenheit jedweder menschlicher Regung – und das dürfte in den seltensten Fällen der Fall sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine ergreifende und wahre Geschichte, die nicht nur mit völliger Schrägheit verblüfft, sondern die irren Windungen inmitten von Gesetzen und Normen durchbricht, um schlussendlich völlig befreit aus dieser Lage emporzusteigen.
Die Szenen sind beeindruckend und hallen noch lange nach, die Darsteller erobern die Herzen im Sturm und die erbitterte Wahrheit dieser Erzählung erschüttert noch lange danach den Geist.
Definitiv sehenswert und mega emotional!

 
Nachspann
sollte man mitnehmen, da dieser zur Glaubwürdigkeit extrem viel beiträgt.
Kinostart: 21. September 2017

Regeln spielen keine Rolle

Der Geschichte dieses Mannes ist man im Laufe seiner Filmlaufbahn sicherlich schon hier und da begegnet, nicht zuletzt deshalb, weil u.a. Großmeister Martin Scorsese sich deren Verfilmung bereits in der Vergangenheit angenommen hat. Warum also alten Stoff erneut hervorkramen und schon wieder verfilmen?
Ganz einfach: Weil es sich gelohnt hat. Nicht nur Lily Collins, sondern auch Alden Ehrenreich kauft man die Rolle dank seines süffisanten Charmes sofort ab und erliegt nicht nur seinem smarten Lächeln, sondern auch der Atmosphäre, die die beiden um sich herum aufbauen.
Dass man etwas Dagewesenes so verfilmen kann, dass man dennoch spannungsgeladen im Stuhl hockt und die Weiterführung der Geschehnisse herbeisehnt, verbuche ich mal als dramaturgischen Erfolg und ziehe hier in aller Demut meinen Hut vor den Machern.
Was mir zudem außerordentlich gut gefallen hat, war der Stil, in dem man die Räumlichkeiten und die damalige Zeit eingefangen hat: Die Authentizität schleicht auch hier aus allen Ritzen und formt erneut eine historische Epoche, in die sich auch heute noch viele zurückwünschen. Das ganze Trara um die eigentliche Hauptperson umgarnt hier eine völlig neue Sichtweise und offenbart einmal mehr die Chronologie der Ereignisse von vor über einem Jahrhundert. Dabei wurde nicht nur stilistisch, sondern auch mit Worten und Handlungen sehr sensibel agiert und dem Zuschauer eine wohlwollende Plattform für weiterführende Fantasien geboten, die sich mit den Regeln einer Gesellschaft auseinandersetzt, wie sie vor langer Zeit existierten.
Die Schwierigkeit und Komplexität im Gefühlschaos zu entschlüsseln und einen gemeinsamen Konsens zu finden, der alle Seiten glücklich macht, ist hier nicht nur Aufgabe der Darsteller, sondern auch Thema des Films und führt zu einer für mich befriedigenden Konklusion.
 

.kinoticket-Empfehlung: Allein das Schauspiel der oben genannten Hauptdarsteller ist es wert, ein .kinoticket zu lösen und sich auf den Weg zu machen, um diese Interpretation der Story erzählt zu bekommen.
Die Designer haben hier großartige Arbeit geleistet, die Spannung ist zum knistern und am Schluss wird man zufrieden aus dem Kino entlassen – mit einer großartigen Geschichte im Gepäck, die man ab sofort zu seinem Wissensschatz hinzuzählen darf.
Der Besuch im Lichtspielhaus seiner Wahl ist hier also durchaus angebracht.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also frühzeitig rausspringen, sofern man nicht an der Abschlussmusik interessiert ist.

King Arthur: Legend of the Sword (3D)

Vorab und mega kurz zusammengefasst:
Trailer: Scheiße.
Plakat: Scheiße.
Thema: Oh Gott, nicht schon wieder diese dämliche Arthur-Sage, die schon gefühlte eine Million Mal + 7 Fortsetzungen oft erzählt wurde und jetzt wieder ausgebuddelt wird. Bitte nicht. Bitte bitte bitte nicht.

Dann: Männerabend. Ein prall gefüllter, großer Saal, Lautstärke bis zum Umfallen und nach dem Studiologo wars dann aus mit der Abneigung gegen diese Vorstellung und mir sind meine Augen fast rausgefallen => vor Bewunderung und Erstaunen!
Leute, echt jetzt? Ich meine, Guy Ritchie ist ein Genie und Könner seines Fachs, er weiß durchaus mit Menschen umzugehen und hat Erfahrung darin, wie man Stoff auf der Leinwand richtig erzählt, aber: Echt jetzt?
Wie zur Hölle schafft man es, einen Stoff, den absolut jeder schon mindestens 1000x gehört hat, so zu erzählen, dass man während des Films vor Spannung manchmal kaum mehr ordentlich im Kinosessel hocken bleiben kann?
Die Gewalt – diese bombastische Bildgewalt sucht seinesgleichen. Manche mögen sich noch zurück an die damals alles erschlagende Trilogie von Der Herr der Ringe erinnern und das Gefühl, jetzt cineastisch in einem epischen neuen Zeitalter angekommen zu sein. Meine Meinung? King Arthur – Legend of the Sword legt da nochmal ordentlich eins drauf und darf sich gerne mit der Trilogie messen – und gewinnt!
Die Effekte sind so dermaßen überragend, dass einem vor Staunen nur der Mund offen stehen bleibt und die brachiale Gewalt prasselt so schlagartig auf einen nieder, dass es kaum auszuhalten ist.
Dazu kommt dann der unverkennbare Stil von Guy Ritchie, der hier nicht nur in den Dialogen beweist, dass die Leinwand für ihn kein Ort ist, vor dem er kniend vorspricht und hoffentlich akzeptiert wird, so wie viele andere Filmemacher dies oft tun. Er ist dort nicht nur zu Hause, sondern hat das so dermaßen im Griff, dass man die Professionalität förmlich im Bauch spürt, während sie aus allen Ebenen von der Leinwand schießt. Ritchie versteht es, dem Film das gewisse Etwas zu verpassen und aus ihm tatsächlich einen Epos zu machen, der alle anderen Verfilmungen bisher in Grund und Boden tritt.
Meine Meinung nach der Vorstellung? Außer Die Nebel von Avalon hätte man allen anderen verbieten müssen, sich über dieses Thema zu äußern und gleich ihm das Regiezepter überreichen müssen, denn was hier rausgekommen ist: Wow!
Und wir reden hier von klassischem Stoff, den man ja nicht verändern darf, der immer wieder gleich erzählt werden muss und Tradition und bla und so … Fuck yourself! Diese Neuinterpretation dieser fast schon langweiligen Geschichte hat mich dermaßen gepackt … ich glaube, ihr spürt es ein wenig.
Und was auch herausragend war: Man trumpft nicht nur verbal auf und zieht hier die Leinen straff an (es gibt keine Filmlücken, kein “Wann geht’s endlich weiter”, keine Warteschleifen, sondern mal schneller mal weniger schnelleres Erzähltempo, aber dennoch konsequent Speed im Film), sondern haut auch beim Soundtrack und dem allgemeinen epischen Moment ENDLICH mal auf die Pranke und zeigt dem Kinobesucher, was Bildgewalt ist.
Wo andere immer so anfangen, mal an den Rippen zu kitzeln, man am ganzen Körper Gänsehaut bekommt, der Score anfängt aufzudrehen und man sich freut: Yeah, endlich wird’s episch….. bwaaaaaaaahhhhh schon vorbei. Hier? Dreht der Score nicht auf, sondern fängt gleich mit Maximum an und hält das Level konsequent … man wird umgerannt, in den Schwitzkasten genommen und in einem so brutal überwältigenden Momentum auf den Boden gehauen, dass man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Durchchoreografierte Kampfszenen, denen man folgen kann, ein unglaubliches (!!!) – wirklich absolut unfassbar räumliches 3D – und dazu eine tiefe, dunkle Aura, die diese Sage zu der besten meines Lebens macht – sofern man sie so erzählt, wie Ritchie.
Und dieses brachiale Momentum reißt nicht nach ein oder zwei Minuten ab, sondern bewegt sich ständig weiter und rollt walzend alles vor sich geschehene platt. Mal im Ernst: Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mann so stilvoll und überragend mit einem Schwert zwei Striche in die Luft ziehen kann, wie es hier gezeigt wird.
Überhaupt: Der Cast ist so extrem gut gewählt, jeder einzelne macht hier eine so gute Figur und ringt von mir tiefste Bewunderung und ehrwürdige Verneigungen ab – ich kann es echt jedem nur empfehlen!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ich euch mit dem Text oben noch nicht geil genug auf die Vorstellung gemacht hab, dann eben nochmal: Scheißt auf die Guardians, die kann man sich hinterher immer noch auf ProSieben in der Free-TV-Premiere anschauen, King Arthur nicht, denn dazu braucht man das monumentale Soundsystem eines Megakinos und Personal, dass sich dazu verpflichtet fühlt, alles unter 80% Maximallautstärke konsequent zu verbieten.
Der Film schlägt ein neues Kapitel in der Geschichten epischen Kinos auf und erzählt eine tausendmal erzählte Sage völlig stilsicher, neu interpretiert und mit einem absolut bleibenden Eindruck auf eine Weise, wie sie die Welt bis dato noch nicht erlebt hat.
Also tut euch selbst den Gefallen und straft das Versagen der PR-Abteilung nicht durch Ausbleiben aus dem Film ab – ihr schadet euch damit nur selbst!

 
Nachspann
hatte keine weiteren Bilder, aber die braucht man hier nicht, sondern eher die angekündigten Filmreihe-Fortsetzungen, denn davon will ich garantiert mehr sehen! Viel mehr!

Die Insel der besonderen Kinder (3D)

Was soll jemand wie ich über einen Film wie diesen sagen?
Tim Burton.
Reicht das?
Im Trailer wird dazu eingeladen, in magische Fantasiewelten einzutauchen und die Realität hinter sich zu lassen. Es funktioniert.
Nicht nur, dass Burton wieder einmal einen Geniestreich abliefert, sondern die Eindrücke – ob nun audiovisueller oder tatsächlich bildhafter Art – setzen sich im Gehirn nieder und beginnen zu brüten. Der Trip, auf den man hier geschickt wird, ist nicht nur unbehaftet von anderen Inspirationen, sondern birgt wieder extremes Unterhaltungspotenzial, das nicht verschenkt, sondern genüsslich Stück für Stück ausgekostet und an den Zuschauer verteilt wird.
Dass Burton auch oft Kinder dazu einlädt, an seinen erzählerischen Machenschaften teilzuhaben, darf man bei Die Insel der besonderen Kinder gerne mal außer Acht lassen, denn der Stoff ist für die Jüngsten fast schon zu starker Tobak, dafür aber für das erwachsenere Klientel mega gut geeignet, um sich für eine Weile aus dem Alltag entführen und in eine gänzlich andere Welt schicken zu lassen.
Und ja, diese Reise funktioniert wirklich. Schon bald beginnt man, mit den Unnatürlichkeiten der Story zu harmonieren und erlebt sich selbst, wie man in einem Boot der Gefühle auf einer See umhergeschaukelt wird, die man vorher weder kannte, noch beherrschte. Und nicht nur der visuelle Anspruch sucht hier Menschen, deren Kopf noch funktioniert, sondern auch die inhaltlichen Pointen erfordern Denkenskraft, um die richtigen Parallelen zu unserer Welt zu ziehen und die richtige Moral davon mit in den Alltag zu kopieren.
Für mich persönlich war jedoch die visuelle Bildgewalt der ausschlaggebendste Punkt, weshalb man sich diesen Film im Kino anschauen sollte: Die Eindrücke beflügeln und lassen selbst Werke wie Big Friendly Giant (3D) ungeschlagen hinter sich – und das soll was heißen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier darf jeder unüberlegt reinspazieren, der Märchen, fantastischen Erzählungen und der Magie des Lebens etwas abgewinnen kann.
Dass hier ein Profi am Werk sitzt, braucht nicht weiter erwähnt werden, dass der sich jedoch wieder einmal selbst übertroffen hat, wäre Grund genug, andere Vorstellungen sausen zu lassen, um Die Insel der besonderen Kinder zu durchleben und nicht nur am grandiosen 3D seinen Spaß zu haben.

 
Nachspann
nur Namen und Berufsbezeichnungen und nichts magisches – auch hinterher nicht.

Gods of Egypt (3D)

Kennt ihr das, wenn euch der ganze intellektuelle Kram zum Hals raushängt und ihr einfach mal Bock auf stupides RTL II-Fernsehen habt, wo man nicht nachdenken muss, sondern einfach nur dümmlich unterhalten wird?
Mit genau diesen Erwartungen bin ich in Gods of Egypt und erhoffte mir bombastische 3D-Unterhaltung ohne großartige Inhalte, sondern einfach nur mit Haudrauf-Action und jeder Menge cineastischem Zündstoff.
Jemanden, der jetzt höherwertigere Erwartungen mitbringt, wird man in den ersten 20 Minuten auch erstmal davon überzeugen müssen, dass dieser Film tatsächlich sein Geld wert ist, aber dann geht’s los.
Superlativen? Braucht hier keiner. Geöffnet wird das Portal ins Land der Götter und Mythen, die dem ganzen “deine Religion-meine Religion”-Schwachsinn mal gehörig das Hirn waschen und hier eine völlig andere, erstaunlicherweise glaubwürdige Götterwelt etablieren, in der sich der Zuschauer nur zu gerne gefangen nehmen und von dem Geschehen mitreißen lässt.
Obgleich man bei der verbalisierten Akustik hier ganz und gar nicht von gottgleichem Können sprechen kann, sondern sich ob der teils wirklich unterirdischen Konversationen wünscht, man hätte das Ganze in einen Stummfilm umgewandelt, so entdeckt man mit fortwährender Spielzeit immer mehr Tiefe und Sinn hinter dem Ganzen und sieht sich fast schon dazu genötigt, zur ägyptischen Lehre zu konvertieren, um dort seinen Seelenfrieden zu finden.
Der Titel holt einen definitiv ab und reißt sogar deinen Intellekt aus dem Winterschlaf, sobald der Einstieg überstanden ist. Mit der teils labilen Humoreinstellung der Götter und menschlichen Protagonisten findet man sich mit der Zeit ab und entdeckt eine Art Sympathie, die schwer zu beschreiben ist.
Fakt ist: Jeder, der nicht in dem Film war, sprach abfällig darüber, was für ein Scheißdreck da wieder produziert wurde und diejenigen, die aus der Vorstellung rausgingen, unterhielten sich mit Worten wie “Mal ehrlich, ich wäre niemals in so einen Film gegangen”, “Doch, der war echt gut.”, “Das hätte ich nach dem Trailer auf keinen Fall erwartet.”
Dem kann ich nur beipflichten. Gods of Egypt erschafft ein religiöses Fundament, das im Entfernten an die mystische Welt aus Stargate SG:1 erinnert und einen mit Vollkaracho in diese göttlichen Ebenen katapultiert.
Mein Gedanke dazu? Ganz einfach:
 

.kinoticket-Empfehlung: Geht ins Kino und schaut euch den Film keinesfalls im Fernsehen oder außerhalb eines Kinos an.
Wieso? Ganz einfach: Selbst meine wahnsinnig übertriebene Heimkino-Anlage ist unwürdig für dieses Actionspektakel, das nahezu nach gigantischer Größe und Superlative schreit.
Es gibt Szenen – viele Szenen – in diesem Film, derer ist kein Fernseher, kein Handy, keine Heimkino-Anlage gewachsen.
Dort bliebe dann nur die teils labbrige Story, die nicht in dieser Größe und Intensität in die fremde Welt entführt, was ein völlig falsches Bild auf das Gesamtwerk würfe.
Also geht ins Kino, wartet die ersten 20 Minuten ab und dann lasst euch entführen in eine Welt, über die es gerne zwei, drei oder auch mehr Fortsetzungen geben darf.

 
Ich für meinen Teil war bereits 2x drin und ich würde auch ein drittes Mal eine Vorstellung buchen, sofern garantiert ist, dass diese in einem meiner Stammkinos stattfindet, wo der Sound und das 3D dich definitiv tief mitreißen.
 
Nachspann
kommt keiner außer das übliche, unterlegt mit dem monströsen, ägyptischen Sound, der auch schon im Film sehr zum Tragen kommt und die Welt nochmal ein wenig sinnlicher für Augen und Ohren gestaltet.
Kinostart: 21. April 2016
Social: www.facebook.com/GodsofEgypt.derfilm

Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne

Schaut man den Trailer, erwartet man irgendwas zwischen Kunst, Frauenfilm, Schadenfreude und Tragik. Schaut man den Film, wird man vom Rausch der stilvollen Akzentsetzung schlichtweg dahingerafft.
Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne bildet nicht nur den Rahmen für die angebliche Verspottung einer Frau, die nichts auf dem Kasten zu haben scheint, sondern bebildert ein völlig subtiles Projekt, das seine Vollendung im Schlussakkord förmlich orchestral auf die Leinwand bringt.
Fast pausenlos wird man beschallt von Klängen, die weit ab des radiomäßigen Mainstreams ihr zu Hause haben und sowohl Kunstliebhaber als auch -hasser gleichermaßen irgendwo berühren. Doch die Zurschaustellung beschränkt sich nicht nur auf die Welt der Töne, sondern gipfelt ihre Ausflüchte ebenfalls in die der Formen, Figuren, Fotografie und umspannt somit ein künstlerisches Umfeld einer Größe, die jeden, der nur ansatzweise etwas für die Schönheit des Lebens übrig hat, erreichen dürfte.
So viel Antipathie, wie man anfangs möglicherweise mit den Hauptdarstellern empfinden kann, so huldvoll und bewegend ist der Schluss, an dem eine wunderbar erzählte Geschichte ihr rühmliches Ende findet und einen Film beschließt, der sich von Minute zu Minute stärker in die Seelen der Zuschauer eingebrannt hat.
So etwas ist fast schon zu schade fürs Fernsehen, denn hier würdigt man nicht nur die Kunst, sondern auch Werte wie Menschlichkeit, Rebellion, Durchhaltevermögen, Angst, Hingezogenheit und spricht auch weitere Charakterstärken und -schwächen großer Persönlichkeiten an.
Die seelische Backpfeife für alles Oberflächliche steckt in ihrer ausgewachsenen Montur in diesem Film. Wer den nicht sieht, verpasst ein großes Stück Kinogeschichte, das nicht auf den Werbetafeln der Stadt zu sehen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur Musik, sondern auch Formen, Kunst, Farben und Fotografie spielen in diesem Film eine große Hauptrolle.
Die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie, die Geschichte reißt tief in ihren Bann und spricht Empfindungen ganz tief in deiner Seele an.
Was anfänglich noch als schwierig zu empfinden sein möge, mutiert mit zunehmender Zeit zu Mitgefühl, Mitfiebern, Verständnis und Trauer und gipfelt schließlich in einem Schlussakkord, mit dem keiner so richtig hat rechnen wollen.
Großartiges Kino mit einem ruhmreichen Thema, das nicht nur in diesem Segment Spuren hinterlassen dürfte. Reingehen!

 
Nachspann
Darf man sich gerne noch anschauen, denn der Schlussakkord hallt darin noch ein klein wenig nach.

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