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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 123 Minuten

Hereditary – Das Vermächtnis

Horror und Kino – zwei Gegensätzlichkeiten. Könnte man meinen. Szenenintern geht der Horrorfan eher ins Festival, denn ins richtige Kino und selbst Normalos, die sich “nur ab und an mal einen Horrorfilm anschauen”, finden, dass das klassische Kino in den letzten Jahrzehnten kaum brauchbare Streifen in diesem Genre rausgebracht hat. Ein überdeutliches Kennzeichen dafür, was in der Massenproduktion der Filmindustrie schon seit Jahren falsch läuft: Man möchte wieder niemanden vor den Kopf stoßen und produziert daher kompromissbereit, was unweigerlich zur Folge hat, dass man die Liebhaber und eingeschworenen Fans unweigerlich vor den Kopf stößt.
Das, was man vermeiden möchte, um damit eine große – teils desinteressierte – Zuschauerschaft anzusprechen, stülpt man den Fans gezwungenermaßen über und vergrault so im Prinzip gleich alle. Diese elenden Eingriffe zugunsten von “Das könnte jemandem nicht gefallen und dieser Umstand kostet uns bares Geld!”, diese rigorose Selbstzensur zugunsten von Dollar und Reichtum, wird uns eines Tages noch unsere Freiheit im Reden und in der Kunst kosten.
Die Produzenten müssen wieder aufwachen und anfangen, Regisseure und Schreiberlinge das sagen zu lassen, was sie sagen möchten, um Streitgespräche zu entfachen, um zu provozieren. Um den Mächtigen dieser Welt zu zeigen, wo ihre Grenzen sind. Um Menschen zu mobilisieren, für ihre Rechte einzustehen und als Vorbild voranzugehen, diese Welt zu einer besseren Welt zu machen.
Dafür braucht es Leute, die Eier in den Hosen haben – Menschen, die sich was trauen und denen Geld auf deutsch gesagt scheißegal ist.
Ari Aster gehört zu diesen Menschen. Bereits zwei Jahre vor Produktionsbeginn sprach er mit Menschen und warb für sein Projekt. Er wusste genau, was er wollte. Er engagierte mehr oder weniger bereits große Teile der Crew, obwohl noch überhaupt nichts feststand und von Finanzierung noch gar keine Rede war. Er verfasste ein 75seitiges Manuskript nur mit Einstellungen und Festlegungen, wie der Film zu sein hat, ohne vorher Drehorte noch etwas anderes gesehen zu haben. Große Teile seines Sets baute er schlichtweg einfach selbst, da die Kameraeinstellungen und Drehmöglichkeiten schon so exakt feststanden, dass es quasi unmöglich geworden ist, einen Location Scout auf die Suche zu schicken, der dann wieder mit Kompromissen in der Tasche angekommen wäre.
Sprich: Er wusste genau, was er sagen wollte und ließ sich nicht durch irgendwelche dubiosen Grenzen und Panikentscheidungen ausbremsen.
Und das Ergebnis, liebe Kapitalismusgeilheitsfanatiker?
Der Film ist noch nicht mal in den Kinos gestartet und die breite Fangemeinde feiert ihn jetzt schon sensationell ab – und das zu Recht!
Dieses Ding revolutioniert das Horrorgenre auf eine völlig neue Weise und gilt jetzt schon als der Höhepunkt unseres Jahrhunderts. Und ja, seit Äonen war das wieder mal ein Film, bei dem ich im Kino saß und mitgezittert habe, der so richtig schön einzigartig und sehenswert ist – und der dem Psychohorror-Genre angehört. Dass ich so etwas noch zu Lebzeiten erleben werde, hatte ich schon längere Zeit bezweifelt. Allein die Kameraeinstellungen und Drehweisen sind spektakulär und erschaffen hier eine völlig neue Dimension des Schauens.
Diesen ganzen massengeglätteten Schwachsinn darf man sich also gerne getrost sonstwohin stecken – hier kommt der Titel, der endlich wieder das hält, was er verspricht: Hereditary. Wer das am Ticketschalter schlecht aussprechen kann, sagt einfach: “Ein Ticket für den besten Horrorfilm unseres Jahrzehnts!” und schult so gleich das Kinopersonal, ebenfalls reinzugehen und zu schauen, was die Leute da so mögen.
Gabriel Byrne gehörte mit Stigmata zu einem meiner Kindheitsträger, die damals schon eine tragende Rolle gespielt haben und Alex Wolff liefert hier auch sensationelle Darstellungen ab. Und das Ende ist gleichermaßen eine Verneigung vor dem klassischen Horror der 90er als auch eine grundlegende Neuschöpfung in Sachen Twist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein herausragendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man sich einfach gnadenlos auf ein Genre einlässt und diese Menschen mit Bravour bedient: Ein Film, der schon weit vor Erscheinen von seinen Fans gefeiert wird und als DAS Meisterwerk seiner Branche schlechthin gilt.
Die absolute Verweigerung jedweder Kompromisse dient Regisseur Ari Aster hier als Erfolgsgarant: Die Menschen lieben diesen Titel und können es alle kaum erwarten, dass dieses Ding endlich in den Kinos startet, die damit zum ersten Mal seit Jahren endlich einmal erstklassigen Horror auf dem Big Screen präsentieren und sich nicht mit glattgebügeltem Schwachsinn zufriedengeben müssen.
Ein großartiger Meilenstein, der mit Würde schafft, worin vorher hunderte andere versagten.

 
Nachspann
❌ lohnt nicht, auszusitzen, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 14. Juni 2018

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Mit 13 Oscar(r)-Nominierungen an der absoluten Spitze der diesjährigen Vorfreude auf die Academy Awards hat dieser Film bereits jetzt etwas völlig richtig gemacht!
Und das kann man von Guillermo del Toro’s Filmen generell behaupten: Er versteht es, den Zuschauer gleichermaßen zu faszinieren und zu schocken. Dafür hat man sich hier ein unglaublich sinnliches Beispiel hergenommen, mit einem exzellenten Cast besetzt und daraus eine Geschichte gemacht, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Die Grenzen zwischen unbändiger Liebe und roher Gewalt verschwimmen auch hier wieder zu einer märchenhaften Erzählung, deren Wurzeln viel zu tief im Realismus des Erwachsenseins verankert sind, als dass man sie tatsächlich als Märchen abtun könnte. Shape of Water ist so viel mehr!
Es fällt wieder schwer, über etwas zu reden, ohne zu spoilern, aber ich denke, ich nehme nicht zu viel vorweg, wenn ich sage, dass man hier in allen Facetten mit ausdrucksstarker Bildgewalt gearbeitet hat, die weit über Worte hinausgeht. Um diese schauspielerische Vielfalt erbringen zu können, wurden nicht die Rollen geschrieben und anschließend nach Kompromissen gecastet, sondern jeder Einzelne stand bereits vorher fest und ihre Rollen wurden an die Stärken dieser Schauspieler angepasst.
Daraus erblüht eine Basis, auf der sich jeder Protagonist vollkommen ausleben und “er bzw. sie selbst” sein konnte, was vorzeiglich zu diesem Nominierungsergebnis geführt hat. Daraus lässt sich erkennen, dass der Zuschauer es ungemein schätzt, wenn Charaktere authentisch sind und nicht nur versucht wird, etwas möglichst gut zu spielen.
Aber del Toro hat auch ein unglaubliches Gespür dafür, Menschen zu fesseln und sie in ihren eigenen Emotionen ertrinken zu lassen, indem er Szenerien erschafft, in die man sich einlullt, nur um anschließend von ihm wieder durchs Eck gebeutelt zu werden. Diese unfassbare Erzählstärke und bildgewaltigen Ausdrücke einer tiefsinnigeren Welt mit Elementen, die einen aus dieser hier entreißen, erschafft ein filmisches Monument, dass ich im März einfach ausgezeichnet sehen will – weil es gottverdammtnochmal verdient ist!
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier explodieren Nominierungen und Auszeichnungen aller Art und das hat einen Grund: Dieser Film basht so ziemlich alles vom Thron, was vorher mal daran geglaubt hat, hier Platz nehmen zu dürfen.
Diese Zeiten sind vorbei, denn Shape of Water – Das Flüstern des Wassers eruiert den Meilenstein des Kinos völlig neu und belegt dabei gleich mal das Treppchen ganz oben. Gut gemacht!

 
Nachspann
Braucht man nicht sitzen bleiben – aber genießt das geniale Gefühl, mit dem euch der Film wieder nach draußen schickt einfach noch ein wenig.
Kinostart: 15. Februar 2018

John Wick: Kapitel 2

Auf diesen Film haben sich Fans wohl schon lange gefreut und auch die Vorankündigungen der Presse haben Lust auf mehr gemacht. Hand aufs Herz: Wann ist das nicht so?
Völlig vorurteilsfrei habe ich mich in der Sneak davon überraschen lassen, wie man eine Geschichte, die im Ganzen eigentlich fertig erzählt ist, fortsetzen möchte und dabei der Sahne noch die berühmte Aufsteigerkrone aufsetzen möchte, die einen “noch besseren, noch gigantischeren zweiten Teil” ausmachen will.
Tatsache ist, dass man hier in punkto Style, Action und fahrischer Stärke noch einen oben drauf gesetzt hat und gleich mal zu Beginn richtig Speed aufkommen lässt, bevor klar ist, welchen Film man da überhaupt sieht.
Beim Humor hat man sich nichts nehmen lassen und steigt auch wieder voll in die Echtheit von John Wick ein, dessen Darsteller Keanu Reeves hier seine Paraderolle nachgesagt wird.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die eher in The Matrix stattgefunden hat und der Junge sich nach Werken wie Knock Knock sein “Newcomer”-Debüt in der düsteren Filmszene erobert, in die John Wick natürlich hervorragend passt und mit genügend Blockbuster-Potenzial auch wuchtig zu Buche schlägt.
Die Marke, die man mit dem ersten Teil etabliert hat, zeigt auf jeden Fall Wirkung und der sarkastisch-zynische Humor trifft vielerorts auf fruchtbaren Boden – auch bei mir.
Dennoch empfand ich, dass dem Film ein wenig die spielerische Harmonie fehlte, da die Szenen im Film teils etwas zu langatmig waren, sowohl die “Ruhephasen” als auch der actionlastige Anteil. Irgendwie kommt dabei kein richtiger Rhythmus auf und man versucht unterschwellig verzweifelt, so etwas wie eine gelungene Fahrt hinzukriegen, bei der man aber eher mehr stolpert als grandios erzählt.
Das Schwierige daran ist wohl auch, dass die Gelüste, denen er im ersten Teil frönt, ja insofern abgeschlossen sind und man hier nur etwas künstlich in die Länge ziehen will, was auch am Schluss sichtbar ist. Der lüsterne Blick auf eine neue Welle von John Wick-Filmen ist auch jeden Fall nicht völlig unberechtigt.
Sei’s drum: Die Action macht Spaß, der Momente, die wirklich Gaudi machen, sind viele und man hat auch so jede Menge Spaß inmitten von echtem Style, der so noch nicht oft kopiert wurde und daher ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, von dem sich andere große Produktionen gerne ein bisschen mehr Initiative und Erfindergeist abschauen dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Daher meine Empfehlung: Popcorn schnappen, Freundin zu Hause lassen (es sei denn, sie steht auf Action und mag Filme wie Trainspotting) und dann einfach mal etwas hirnfrei die Show genießen.
Action, Style, Humor und Look des Films haben neben den schauspielerischen Fähigkeiten durchaus ihre Aufmerksamkeit und somit den Kauf eines .kinotickets verdient.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf sich also getrost richtung Ausgang bewegen.

Bridget Jones' Baby

Nach Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück und Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns erblüht nun nach jahrelanger Pause der dritte Teil dieser Filmreihe und besticht einmal mehr mit der sympathisch-unsympathischen Renée Zellweger, die wieder in die Rolle des tollpatschigen Mittdreißigers schlüpft und ihre Unbeholfenheit zum Besten gibt.
Man muss die beiden Vorgängerfilme lieben, um auch im dritten Teil voll auf seine Kosten zu kommen. Dies gestaltet sich bei mir durchaus als schwierig, da ich dieser Art von Erzählungen so gar nichts abgewinnen kann, das Verhalten nicht als amüsant, sondern fast schon als peinlich bezeichnen würde.
Klar – auch die Mitstreiter Colin Firth und Patrick Dempsey leisten hier volle Arbeit und bilden einen bunten Reigen rund um die Stammgeschichte, jedoch hat Ersterer in Kingsman: The Secret Service eine wesentlich bessere Figur abgegeben, die dem britisch-zurückhaltenden Humor viel mehr gewachsen ist, als der Unbeholfenheit, die er hier ausstrahlt. Und auch Dempsey hat bereits in anderen Rollen bewiesen, dass er es besser drauf hat, zumindest was die Integration in die Geschichte angeht.
Dass hier auf charmante Weise wohl eher weibliches Publikum unterhalten werden möchte, gereicht an dieser Stelle dann bei mir wohl zum Minuspunkt. Einzig und allein Emma Thompson leistet vollwertigen Einsatz und besticht durch ihren Charakter und Komik, was den Film für mich bis zum Schluss erträglich machte. Jedoch hat sie bedingt durch ihre Besetzung nicht allzuviel Spielzeit auf der Bildfläche – die Erbrachte jedoch kostet man in vollen Zügen aus.
Dass man als Plotinteressierter auch keine großartigen Geschmackskirschen auf der Sahne oben drauf suchen braucht, muss glaube ich nicht unbedingt erwähnt werden. Man zieht die Sache durch, belebt die ganze Geschichte wieder und führt sie auf seine Weise fort. Das weibliche Publikum findet’s einigen Meinungen nach durchaus witzig und dann bleibt mir wohl auch nur noch zu sagen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Geht rein, aber nehmt die Freundinnen mit, für Kerle ist das schwere bis unerträgliche Kost, die nicht nur langatmig ist, sondern eben keinerlei Freudenperlen ausstößt, die männliches Publikum gekonnt unterhalten könnten.
Das Schauspiel der Hauptdarsteller/innen ist sehr wohl gut anzusehen, jedoch passt die Story für mich irgendwie nicht oder das ist einfach nicht meine Welt.

 
Nachspann
Wer’s bis zum Schluss aushält, wird noch mit einer unspektakulären Überraschung belohnt.

Suicide Squad (3D)

Ich beobachte in der Welt immer wieder Phänomene, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel, wenn Menschen etwas Großartiges hernehmen, daraus eine kleine Ecke abbrechen und alle wie die wilden Hunde über diese kleine Ecke herfallen und den Rest stillschweigend ignorieren.
Batman ist so ein Phänomen, ein Meisterwerk, bei dem wirklich alles stimmt. Schauspieler, Geschichte, subtile Moralpredigten, der aufkeimende Wahnsinn, der ausbrechende Wahnsinn, Schauspielerleistungen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, ein Score zum Niederknien und in der Neuzeit eine Form von Boshaftigkeit und Düsterness, die Leuten wie mir die Gänsehaut auf den Rücken jagt – vor Begeisterung.
Und was tut der Großteil der Menschen?
“Wähhhhh, Joker hat viel zu wenig Spielzeit bekommen buhahahahahaäääääMAMAAAAAAA!!!”
Ganz ehrlich? Ich versteh’s nicht.
Ja, wir alle wissen um die Vorherrschaft außergewöhnlichen Schauspielerns des grandiosen Jokers aus The Dark Knight, der eine Show hingelegt hat, die selbst im Folgeteil nicht überboten werden konnte (und: Überraschung => auch niemals mehr überboten werden wird!) und nun rennen Scharen von Menschen dem Irrglauben hinterher, etwas Vollkommenes ließe sich durch Wiederholungen zu etwas noch vollkommenerem umwandeln.
Leute, das funktioniert nicht. Genauso wie in der Musik, wenn einer eine grandiose Idee hat, die jeder abfeiert und anschließend Milliarden anderer “Künstler” sich dieses Machwerk zu Herzen nehmen und abertausende Male kopieren – es ist und bleibt ein langweiliger Brei an Musik, der hinterher auf dem Tablett steht und niemandem mehr schmeckt, sondern nur noch das fade Gefühl von Traurigkeit und Bedauern auslöst, wo doch so viel kreative Kunst stattdessen durchs Radio schallen könnte.
Wieso also – wieso heulen alle rum und fixiert sich jeder verdammte Bundesbürger einzig und allein auf einen einzigen Charakter in einem Universum, das von interessanten Persönlichkeiten nur so geprägt ist?
Suicide Squad schert sich darum einen Scheißdreck. Macht zumindest den Eindruck. Denn was hier geboten wird, lässt mir persönlich die Gänsehaut nicht den Rücken hoch und runterfahren, sondern dringt direkt ins Fleisch ein und sorgt für einen Dauerzustand von düsterem “Wow”.
Ja, ich mochte den Film. Ich mochte die Art, wie man großartige, epische Charakter mal eben an den Rand packt und etwas viel größeres auffährt, wie man mit Effekten spielt und aus Verzweiflung zu bunt wechselt, weil die Seele, das Empfinden, die Umgebung und alles andere einfach nur noch böse ist.
Ich mochte, dass man es geschafft hat, einen Film ins Leben zu rufen, in dem es so absolut rein gar nichts Gutes mehr gibt, und dieser krampfhafte Versuch, das Böse böse aussehen zu lassen, schlichtweg nicht nötig ist, weil die Schauspieler (jeder von ihnen) auf ihre Weise so authentisch spielen, dass der Regisseur zu Recht Psychologen ans Set gerufen hat aus Angst, ihm würden die Leute schier durchdrehen.
Dass hier nicht nur mit Wahnsinn gespielt wird, sondern der Wahnsinn eine allgegenwärtige Macht ist, die den ganzen Film über durchzieht und durch seine Omnipräsenz fast schon einen eigenen Charakter darstellt – darüber hört man kein Wort. Und meine Fresse, wie zieht sich alles in einem zusammen, wenn man die durchgeknallten Charaktere auf der Leinwand rumwüten sieht, während alles um sie herum zerbricht und keiner von ihnen dabei seinen krankhaften Humor verliert oder in anderer Art und Weise abtrünnig wird und in kritisierenswürdiger Form schwächelt – nichts!
Die Boshaftigkeit und dunkle Schwere in dem Streifen ist kaum zu ertragen. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie so mächtig und überzeugend ist, dass man sich als psychisch Labiler durchaus ernsthaft die Frage stellen sollte, ob man sich diesen Film überhaupt anschaut oder besser nicht.
Der Trailer hat ja sein Übriges dazu geleistet, um möglichst viele Menschen davon abzuhalten, in Suicide Squad zu gehen, den verhaltenen und abweisenden Reaktionen des Publikums anderer Filme nach zu urteilen, wenn im Vorprogramm die gute alte Musik lief.
Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so. Die Herrschaften in diesem Film geben sich die größte Mühe und setzen hier ein Werk in Gang, dass den Massenphänomenen nicht gewachsen sein will, sondern lieber böse ist und in Nischen vorprescht, die langsam keine mehr sind. Und – oh Wunder – langsam setzt sich das Phänomen Suicide Squad doch durch und wandert in immer größere Säle, die selbst zu den Spätvorstellungen noch reichlich gefüllt sind.
Fakt ist: Suicide Squad ist ein Film, der die Nation ohne Frage spaltet und kein Mittelding zulässt. Diejenigen, die ihn mögen, trauen sich in der immer überwachteren Öffentlichkeit kaum noch, das laut auszusprechen und beginnen fast schon zu flüstern und sich vorsichtig vorzutasten, um ihre Sympathie mit dem Streifen zu bekunden, während die, die ihn hassen, mit schwenkenden Fahnen durchs Land ziehen und versuchen, den Hype um diesen Film gleich im Keim zu ersticken.
Ganz ehrlich? Lasst es uns doch einfach abfeiern und die Show genießen, denn was man hier geboten kriegt, ist längst nicht der Zenit dessen, was im Rahmen dieser Veröffentlichung noch vor uns liegt.
Nur eines: Haltet eure Kinder von diesem Film fern und gebt ihnen genügend Zeit zum Reifen, Stärke aufbauen und dem sinnvollen Umgang mit derlei Gefühlen, denn Suicide Squad ist keine Unterhaltung, sondern vielmehr ein Spiegel der Unterwelt unserer heutigen Zeit. Und genau dieses Erschreckende und Boshafte wird hier ungeschönt auf die Leinwand produziert und hat zumindest mich zutiefst berührt. Anders kann ich mir die 30minütige Gänsehaut nach dem Film nicht erklären. Und ich stehe dazu. Öffentlich.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lange nicht mehr so viele Gothics, Metal-Fans, Punks und andere Nicht-Mainstream-Gruppierungen in einem großen Kinosaal gemeinsam zusammen sitzen und feiern gesehen.
Allen schlechten Kritiken zum Trotz sollte man sich – einen positiven Geist und genügend Willensstärke vorausgesetzt – diesen Film ansehen und genießen, dass endlich wieder ein Großer den Mut dazu hat, etwas zu produzieren, was sich auch als Flop erweisen könnte.
Die Darsteller machen ihre Sache so überzeugend, dass man sich tatsächlich wundert, dass hierbei keine größeren psychischen Schäden entstanden sind – und allein das ist eine Filmleistung, die man mit dem Lösen eines .kinotickets durchaus würdigen sollte.

 
Nachspann
die 3D-Effekte noch mitnehmen, das ist nämlich im Film herausragend, und anschließend darf man sich wieder ans Sonnenlicht wagen.

Jason Bourne

Juhu, endlich wieder ein Jason Bourne-Film, der auch die konservativen Kinogänger wieder ins große Wohnzimmer lockt und die Geschichte von … Jason Bourne erzählt, die wir alle in äh … vier vorherigen Teilen bereits ausführlich kennengelernt haben.
Genauso fühlt man sich, wenn man den Titel liest, den Trailer sieht und schließlich ins Kino spaziert, um zu schauen, was daraus nun geworden ist.
Jason Bourne gehört für mich zu den Großen im Filmbusiness, der eine weitreichende Masse an Menschen erreicht und somit auch internationale Werte vermitteln kann, die dem Zuschauer eingeprägt und somit lehrreich untergeschoben werden können, während der unwissend im Kino sitzt und sich angeblich unterhalten lässt.
Und zu unterhalten weiß der Film in seiner Weise schon, auch wenn für den eingefleischten Cineasten die tatsächliche Offenbarung irgendwo fehlt, denn alles war schon mal da, alles hat es schon mal in irgendeiner Form gegeben und so wirklich beeindruckend und neu ist dabei nichts.
Dass man in puncto Action und Aufruhr nun die Schrauben etwas angezogen hat, dass alles ein klein bisschen größer und gewaltiger erscheint und man sich wohl auch irgendwo darüber im Klaren ist, dass die mysteriöse Verschwiegenheit um die Person selbst nun komplett hinfällig ist, darüber wussten wohl auch die Macher Bescheid. Insofern hat man den “Sinn” des Films ein wenig verloren und dabei aber nicht wirklich den großen Absprung auf das Erzählbrett vieler neuer Geschichten geschafft, sondern hier tatsächlich wieder mal ein klassisches Aufwärmen alter Geschichten vorgenommen, die einfach nur effektträchtig und audio-visuell beeindruckend auf die Leinwand konzipiert wurden.
In einer Größenordnung wie dieser hätte ich dabei etwas mehr erwartet und habe etwas bedauert, dass man die Chance verstreichen ließ, hier wieder einen Schritt weiter in Richtung Konkurrenzprodukt zu gehen, das völlig neue Maßstäbe als Orientierung für weitere Filme ansetzt und somit wieder etwas völlig begeisterungsfähiges in die Lichtspielhäuser bringt. Stattdessen fühlt man sich eher, als hätte man ein wenig den Hang zum Übertriebenen genutzt, um mit anderen bewusst übertreibenden Filmen mithalten zu können und hier eben nicht nur klassische Geschichten zu erzählen, sondern eben auch mit Gigantismus zu spielen, was aber ganz und gar nicht ins Modul dieser Filmreihe passt, sondern sie eher unglaubwürdiger macht.
Okay, ich jammere hier auf hohem Niveau, denn der Film lohnt sich schon für einen guten Kinoabend, dafür ist er professionell gemacht und technisch sowie schauspielerisch auf hohem Niveau, allerdings sollte man nicht zu viel erwarten, denn die große Offenbarung bleibt wie gesagt aus.
 

.kinoticket-Empfehlung:Wer großes leistet, von dem darf großes erwartet werden.
Und diese Erwartungen werden ein bisschen enttäuscht, auch wenn der Film selbst als solides Machwerk dasteht und mit seiner Art tatsächlich zu unterhalten weiß. Als Kenner der Vorfilme und als eingefleischter Kinogänger hat man allerdings zu hohe Erwartungen und erlebt daher ein klein wenig Ernüchterung sobald der Abspann über die Bildfläche rollt.

 
Nachspann
folgt in üblicher Weise ohne Szenen oder Teaser fürs nächste Produkt.

Warcraft: The Beginning (3D)

Warcraft ist wieder eines der digitalen Technikwunder, das breite Lücken in die Welt von Fans und Kritikern reißt. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Viele finden es zu konstruiert-langweilig, wieder andere feiern frenetisch die Verfilmung ihrer Kindheitsspiel-Erinnerungen ab. Ich bewege mich wohl etwas zwischen beiden Welten.
 
Erzählt wird die Geschichte aus dem Computerspiel von 1994, was an sich ja schon mal fürs Kino eine Hammeraufgabe ist, da sich Computerspiele meist aus anderen Mitteln und Erzählstrukturen zusammensetzen und somit für den Mensch vor dem Display ganz andere Optionen an Nervenkitzel bieten, als man es im Kino erlangt, wo man stoisch auf die Leinwand blickend einfach nur konsumieren kann, was einem da vorgesetzt wird. Dies wird wohl einer der Hauptgründe sein, weshalb mediale Pressevertreter den Film anders bewerten als die spielende Generation, die ihre Helden abgefilmt auf der Leinwand wiedererkennt und dementsprechend glücklich darüber ist, dass dem Computerspielwahnsinn jetzt noch eine weitere digitale Schublade zugeordnet wird, in dem das Genre ausgeweitet und erneut belebt wird.
Dem Trailer in 2D entnahm ich ein ziemlich fades, fast schon erdrückendes Beispiel eines Films, der keine großartigen Überraschungen bereithält und seicht vor sich dahinfließend eines der großen Hypes der 90er wieder aufleben lässt, das an sich eher als “Nischenfilm” zu betrachten wäre und keineswegs als der große Sommerblockbuster an den Start geht.
Interessant wurde es, als ich zum ersten Mal den Trailer in 3D sah und erkannte, welch detailverliebte Wucht hier in den Klingen der Technik steckte und mit welcher Hingabe man sich der Verfilmung eines Computerspiels widmete, das an sich ja mit genau diesen Effekten arbeitet und ein optisch-illusorisches Wunderwerk projizieren möchte, in dem sich der Gamer/Filmschauer verliert.
Und genau dieser Punkt kommt im Film ganz groß raus. Man spürt förmlich die Mitwirkung von Blizzard, wenn es um die digitalen Effekte und das Darstellen der Zauberformeln geht, die förmlich dem Spiel entspringen und aus dem Werk keinen Kinofilm, sondern eine mörderisch-lange Zwischenspiel-Sequenz auf einer überdimensionierten Leinwand machen, die jedem Spielliebhaber das Herz schneller schlagen lässt.
Das Transformieren eines Geschichtsbruchstückes aus einem Computerspiel in die lineare Erzählform des Films ist hiermit mehr oder weniger gelungen, denn die Knallereffekte gehören eindeutig eher der visuellen Instruktion und dem gigantischen Aufeinandertreffen von Kräften, die jenseits unseres Vorstellungsvermögens sind und daher wieder den virtuellen Welten zuzuordnen sind, in denen sich so viel Spielsüchtige schon verloren haben.
Dass dem Kinozuschauer dann der Kauf seines .kinotickets vergoldet werden soll, ist in diesem Zusammenhang eben eher schwierig, da hier oftmals mehr Augenmerk auf die inhaltliche Komponente gelegt wird, die meiner Meinung nach eben nicht gerade ein Aushängeschild für die Öffentlichkeit ist, sondern mehr oder weniger zwangsweise eingebaut wurde, und somit etwas von dem Spielcharme verloren geht, den man auf dem heimischen Computer wiederfindet.
Ich suche verkrampft seit Wochen nach dem Wort, mit dem ich dieses fehlende Stückchen betiteln soll, das mir den Gesamteindruck des Films etwas schwer gemacht hat, aber ich finde bis heute keins.
Man ist sehr schön tief in die Spielewelt abgetaucht, man hat sehr viel originalen Blizzard-Charme eingebaut, man hat der Welt gezeigt, dass man es locker mit Herr der Ringe oder anderen Fantasy-Epochal-Schlachten aufnehmen wird, weil hinter dem Namen eben eine unglaublich starke Fangemeinde steht, für die der Film weit mehr ist als für jemand, der ohne Vorkenntnisse in die Geschichte plumpst und sich streckenweise dann etwas schwer mit dem Verständnis der ganzen Spielelemente tut, die hier eben nicht für dumme inszeniert wurden, sondern quasi als Vorabwissen vorausgesetzt werden.
Und darauf basierend, dass man hier ein Milliardenprojekt erschaffen hat, das eine ganze Fangemeinde bedient und für die Spieler höchst erfreulich ist, ist man meines Erachtens dann zu wenig in die Nische abgetaucht und hat den Spielfaktor zu sehr vermainstreamt, um die restlichen Kinozuschauer auch abzuholen und nicht mit völliger Verständnislosigkeit vor den Kopf zu stoßen. Und dafür fällt mir kein Wort ein, was bezeichnet, was ich an Warcraft: The Beginning vermisse.
Sollte sich das Ganze jetzt finanziell zu einer melkbaren Kuh entwickeln, ist ja geplant, aus der Geschichte wieder einen der üblichen 3-Teiler zu machen (wer wettet mit mir, dass es 4 werden?), wo dann das Spektrum, das der Film nach oben bietet, reichlich ausgefüllt und der intellektuelle Anspruch, den man als Quereinsteiger beim Film entwickelt, bedient werden kann.
Wünschenswert wäre dies allemal, denn die Geschichte hat viel Potenzial für ein paar wunderbare Stunden im Kino – und die Effekte sind hier wirklich einzigartig und große Klasse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die Spiele schon in den 90ern gespielt hat, für den ist der Besuch im Kino sowieso längst Pflicht und mit Sicherheit auch schon lange auf der ToDo-Liste abgehakt.
Wer noch mit sich hadert, darf bei diesem Film auf gigantische Effekte gespannt sein, eine etwas seichtere Erzählung über einen Zwist, der sich im Laufe der Zeit zu einem mörderisch-großen Spiele-Epos herauskristallisiert hat und den man nun versucht, fürs Kinopublikum verdaulich einzufangen, dabei aber eher an herausragender Technik hängenbleibt, die den Kinobesuch letztendlich aber locker wett macht.

 
Nachspann
verrät nichts über kommende Teile oder hält im Nachgang noch ein Gimmick bereit, man darf also ruhig wieder nach draußen wandeln und den Saal verlassen.

Erschütternde Wahrheit

Auch wenn ich dafür in der Vergangenheit oft ausgelacht wurde: Ich vertrete die Ansicht, dass Hollywood eine der wenigen Institutionen ist, wo man dir die Wahrheit aufs Brot schmiert und eiskalt serviert. Warum auch nicht? Es ist ein perfektes Versteckspiel, nach dem sich die Gesellschaft sehnt, um eben solche Wahrheiten zu konsumieren. Echte Wahrheit tut weh. Und die will keiner hören, geschweigedenn spüren. Also packt man die Tatsachen einfach in einen Film und überlässt dem Publikum dann die Wahl, sagen zu können, dass das “ja nur ein Film ist”.
Super bequem. Wer sehen will, der sieht. Wen’s nicht interessiert, der spielt weiter darauf, dass es ja “nur” ein Film ist. Klappte bisher hervorragend und wird es in 100 Jahren vermutlich noch genauso tun.
Erinnern wir uns daran zurück, was in den vergangenen Jahrzehnten auf den Bildschirmen als “Science Fiction” über den Äther geschwemmt wurde (meine Eltern fanden es z.B. wahnsinnig cool, dass sich Türen von selbst öffnen, wenn man hindurchgehen will) und schauen uns unsere gegenwärtige Zeit an, stellen wir schnell fest, dass sich die Dinge aus Filmen meistens in ein paar Jahr(zehnten) bewahrheitet haben. Unsereiner ist enttäuscht, wenn sich die Türen nicht von selbst öffnen, wir empfinden es mittlerweile als so normal, dass es fast schon unfreundlich wirkt, wenn man als Kunde die Tür zu einem Laden selbst öffnen muss.
Für mich ist dies schon seit Jahrzehnten ein Grund, bei Filmen genau hinzuschauen. Und zwar nicht nur Unterhaltungsstreifen, in denen solche Wahrheiten versteckt sein könnten, sondern gerade jetzt in unserer Zeit, wo man viele Fakten offen auf die Tisch legt und das Publikum unverfroren mit der Wahrheit konfrontiert. The Big Short war einer dieser Filme, den sich jeder angesehen haben sollte (!), Erschütternde Wahrheit hat etwas völlig anderes zum Ziel, richtet aber genauso den Fokus auf das öffentliche Leben einer Gesellschaft, die seit Jahrhunderten existiert und sich im Hintergrund scheinbar in die völlig falsche Richtung zu entwickeln scheint.
Was mir in diesem Film absolut wie Öl die Seele runtergegangen ist: Wie man den Menschen hier behandelt. So viel Respekt vor dem Leben, dem Menschen selbst, egal, ob tot oder lebendig, hat man lange nicht gesehen. Unsere Zeit ist darauf ausgerichtet, jedem lebenden Wesen eine Nummer zu verpassen und somit alles Leben zu verbürokratisieren, um jegliche Emotion und Menschlichkeit auszurotten und nur noch steif nach Vorschrift vorzugehen.
Erschütternde Wahrheit macht hier den absoluten Unterschied und achtet das Leben wieder aus einer Warte heraus, die fast schon gottgleich ist. Es geht nicht um amerikanischen Patriotismus (und ich finde es wunderbar, wie der am Rande auch noch abgehandelt wird), es geht auch nicht um gut oder böse, sondern einfach mal darum, innezuhalten und sich zu überlegen, was sich vor unseren Augen eigentlich seit Jahren abspielt.
Und was dort zu Tage getragen wird, schreit tatsächlich zum Himmel. Und zeigt mir, dass selbst das Kino eine Institution ist, die dazu beitragen kann, dass geschehenes Unrecht am Ende doch aufgedeckt wird und niemand auf diesem Planeten einfach so rumlaufen und anderen schaden kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Zumindest denjenigen, die von den Skandalen damals betroffen waren, ist dieser Film eine warmherzige Entschuldigung und Wiedergutmachung dessen, das man ihren Liebsten angetan hat. Es wird öffentlich, die Welt erfährt davon und wer weiß, vielleicht ändert eine ganze Gesellschaft ja in ein paar Jahrzehnten dann auch ihre Meinung und richtet ihr Dasein auf Dinge, die weniger mit Geld und mehr mit dem Menschen zu tun haben. Wünschenswert wäre es allemal.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Saal war absolut voll … und absolut ruhig! Jeder war irgendwo ergriffen von dem, was er gesehen hat.
Ich finde es gut, dass Filme dafür genutzt werden, um Unrecht aufzuzeigen und der breiten Masse vor Augen zu halten, das auch in den Medien nicht immer alles das ist, als was es hingestellt wird.
Ja, man darf Dinge anzweifeln. Ja, man darf in Frage stellen. Ja, man sollte hinschauen und sich nicht auf das Geplapper aus irgendwelcher Münder verlassen und unreflektiert hinnehmen, was man vorgesetzt kriegt.
Erschütternde Wahrheit ist einer der Filme, die man gesehen haben sollte, um sein Bild von ganz alltäglichen Dingen ein kleines bisschen korrigieren zu können und zu wissen, dass hinter all dem Trubel und der Gewohnheit noch andere Dinge verborgen sind, die dann nicht in den Medien ausgeschlachtet werden, weil sie nicht ins kapitalistische Grundbild der Wirtschaft passen und eben kein Geld einbringen, sondern eher kosten.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also in Gedanken nach Hause wanken und darüber nachdenken, was hier grade publiziert wurde.

The Walk (3D)

Wer seine Freunde mal in eine 3D-Welt entführen möchte, die es so bisher noch nicht gegeben hat, der sollte sich The Walk auf jeden Fall auf seine Liste schreiben.
Der Film erzählt eine wahre Geschichte, die nicht auf digitaler Effekthascherei basiert, sondern die gewöhnlichen Erfahrungen eines ideologischen Menschen wiedergibt, der sich einen Traum in den Kopf gesetzt hat und diesen unbedingt durchführen will. Klar, dass da der amerikanische Optimismus nicht weit um die Ecke ist, jedoch finde ich, dass hier extrem gut auf etwas hingewiesen wurde, das wohl vielen Europäern fehlt: Der Mut, etwas unerreichbares zu tun.
Spätestens an dieser Stelle hörte der letzte im Saal dann damit auf, die zugegebenermaßen stückweise oberflächliche Vorgeschichte zu belächeln und sich über die lächerliche Synchronisation aufzuregen. Scheinbar wurde beim Dreh auf andere Dinge wesentlich mehr Wert gelegt: Das 3D.
Denn das ist nicht nur spektakulär, sondern spiegelt eine derartige Realität wider, dass sich der Körper selbst auf eine Reise begibt und man beim Zuschauen nicht nur die Augenmuskeln anspannt. Gepaart mit der fast schon rehkitzhaften Annäherung an die Tiefe und Kunst, die mit so einem Akt einhergeht, geht ersteres im Rausch von überwältigenden Bildern fast schon ein wenig unter.
Nichtsdestotrotz schafft es The Walk spätestens im letzten Drittel, wirklich jeden Kinobesucher zu fesseln und derart gewaltig zu unterhalten, dass man hinterher froh ist, nicht selbst mitten im Geschehen gewesen zu sein, obwohl es unbewusst den Anschein hatte.
Man hat beim Zuschauen oft dieses Gefühl, als würde eine Nadel ins Auge stechen und man zuckt im ganzen Körper zusammen, weil man diesen Anblick nicht erträgt – nur eben im positiven Sinne und permanent. Genau das lässt einen völlig berauscht wieder aus dem Kinosaal wanken und hinterlässt beeindruckende Spuren beim Konsument.
Ich weiß nicht, wie ich es umgesetzt hätte, hätte man mich ans Mischpult der einzelnen Szenen gelassen, jedoch finde ich, dass hier ruhig noch ein wenig mehr in punkto Sinnlichkeit und Gefühle investiert hätte werden können, damit eben nicht nur die Show selbst, sondern auch die künstlerischen Ambitionen dahinter etwas mehr zur Geltung gebracht würden.
Sei es drum: Der Film mutet mit Bildern an, wie sie Kino braucht: Das bringt kein Fernseher derart realistisch auf die Bildfläche, egal, wie groß das Display ist. Reingehen, anschauen, sich vor Anspannung den Schmerz aus den Muskeln massieren und ein 3D-Erlebnis genießen, dass sicherlich noch einige Zeit seinesgleichen suchen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Noch nie war es schöner, 3D im Kino zu genießen.
Die Geschichte ist nicht unbedingt der Brüller, die Umsetzung derselben in ihrer Präzision und Zielorientiertheit der Hammer.
Und was einen wirklich den Boden unter den Füßen verlieren lässt, ist ein 3D, dass sich nicht nur gewaschen hat, sondern mit blinkenden neuen Chromfelgen glänzt: Dieser Film wurde eindeutig ausschließlich fürs Kino erschaffen. Also gönnt ihn euch, solange es die großen Leinwände noch hergeben.

 
Nachspann
weiterführende Szenen oder neue Impressionen gibt es seit dem Abspann keine – man darf den Saal also getrost räumen.

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