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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 116 Minuten Page 1 of 2

Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon

Zur Zeit holt Deutschland aus sich raus, was rauszuholen geht und liefert Leinwandbombardements ab, die tierisch begeistern. Nach Sauerkrautkoma und der drei Millionen Zuschauerrekordmarke für die Eberhofer-Reihe setzt nun Elmar Wepper als grantelnder Gärtner den Siegeszug missgelaunter Hauptdarsteller im Kino fort und begeisterte schon vor Wochen die Presse.
Die Geschichte ist denkbar einfach und der Plot mag als solches bereits hunderte Male verwurstelt worden sein, was dem Film jedoch zu seiner Einzigartigkeit verhilft, sind ganz andere Sachen. Ich persönlich habe grundsätzlich ja schon mal viel für “Roadmovies” übrig, da ich generell ein freiheitsliebender Mensch bin, dem Sesshaftigkeit und Konsequenz schlecht stehen und der dem “Hier bin ich geboren, hier sterbe ich” noch nie etwas abgewinnen konnte.
In meinen Augen entwickelt sich der Mensch immer dann, wenn er reist und dabei seinen Horizont erweitert – nur so kann er Bereicherungen in das bisherige Leben bringen und lebt nicht einen immer wiederkehrenden Zyklus der Dinge, die eben nun grad an dem Flecken Erde vorhanden sind, wo er geboren wurde.
Und da sich viele aus ihrer Bequemlichkeit und thronenden Dauer-Prokrastination nicht erheben können, darf man zumindest gedanklich diese Mühen auf sich nehmen und sich von dem Gefühl der Veränderung mitreißen lassen, dass hier auf unfassbar liebende und herzliche Weise inszeniert und von den Protagonisten zum Leben erweckt wurde.
Buchverfilmung – dies merkt man an einigen Stellen im Twist und auch von den Figuren her, tut der Unterhaltungsebene, die man hier eröffnet, aber keinerlei Abbruch, sondern fasziniert mit einem durchweg funktionalen und unterhaltsamen Momentum.
Und dass bayerisches Granteln grad aktuell auf den Leinwänden gefeiert wird, ist wohl mit ein Grund, weshalb man sich gerade jetzt für die Veröffentlichung entscheidet und die Stimmung der Zuschauer auskosten möchte. Es funktioniert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Familiäre Stimmung, jede Menge Herzschmerz, Wehleid, Fernweh, Lebensfindung und sarkastischer Zynismus mit Blick auf die Welt, die auf ein völlig neues Leben abzielen: Dieser Film dürfte so ziemlich jedem gefallen.
Deutschland packt seine Könner aus und präsentiert sich in diesem Sommer als Event-Begeisterer von seiner besten Seite: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon reiht sich in den Erfolg dieser Filme ein und liefert euch in den nächsten Wochen beste Unterhaltung im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
❌ liefert keine zusätzlichen Szenen oder Abschnitte mehr. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 30. August 2018

Die Verlegerin

Mit zwei Oscar®-Nominierungen in den wichtigsten Kategorien “Best Picture” und “Best Actress in a leading role” hat sich Die Verlegerin seine Aufmerksamkeit bereits vor der Verleihung erkämpft.
Wieder einmal geht es um Polit-Skandale und wieder einmal erreicht man ein Niveau, das sich vom BILD-gebeutelten Leser abhebt und mehr sein will.
Tom Hanks und Meryl Streep geben ein funktionierendes, klassisches und harmonierendes Spielpaar ab, das zu den Machenschaften von Steven Spielberg mehr als passt. Der als sehr konservativ geltende Regisseur ist für seine bodenständige und hochwertige Arbeit bekannt – und genau diesem Schema entsprechen auch die Inhalte, um die es in Die Verlegerin geht.
Es lässt andeuten, dass man in Zukunft mehr dieser Art ins Kino portieren möchte, denn nicht umsonst hat man in der Zeitungsgeschichte “ganz am Anfang” angefangen. Erschreckend, festzustellen, dass die damaligen Vorfälle selbst in heutiger Zeit immer noch topaktuell sind und von ihrer Brisanz kein Stück verloren haben.
Tatsächlich muss man sich mit dieser Art Film ein klein wenig anfreunden können, um hier wirklich seine Freude dran zu haben. Performance und Darbietung der einzelnen Darsteller sind herausragend, das Thema allerdings sehr “anstrengend”, insofern man solche Dinge nicht sowieso liebt.
Vielleicht ein klein wenig vergleichbar mit Filmen wie The Big Short oder Spotlight, bei denen auch die Hirnaktivität gefragt war und man sich nicht einfach nur zurücklehnen und popcornmampfend unterhalten lassen konnte. Wer allerdings seinen Spaß daran findet, darf hier einmal mehr in die amerikanische Wirtschafts- und Politikwelt eintauchen und erhält knappe zwei Stunden brisante und extrem spannende Unterhaltung aus der Geschichte der Menschheit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hochkarätige und extrem gut recherchierte Aufarbeitung historischer Ereignisse.
Das Kinoerlebnis kann sich sehen lassen, erfordert aber ein wenig die Hingabe für solch fordernde Themen. Wer damit kein Problem hat, erlebt einen spannenden Kinoabend und ist hinterher definitiv informierter.

 
Nachspann
Bis auf die aufgeführten Mitspieler und Details zu den damaligen Vorfällen gibt es hier auch keine weiteren Szenen oder After-Sequenzen. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 22. Februar 2018

Das Leben ist ein Fest

Frankreich. Ziemlich beste Freunde. Damit ist eigentlich alles schon gesagt.
Nur, dass der Humor hier noch viel zynischer, sarkastischer, witziger und greifbarer ist. Es macht so viel Spaß, sich mit dem Protagonisten von einem Fettnäpfchen ins nächste zu bewegen, der einen Tag erlebt, den sicher niemand – auch kein Kinozuschauer – mehr so schnell vergessen wird.
Lachen ist vorprogrammiert. Aber sowas von!
Dass sich die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache auf spaßige Unterhaltung verstehen, haben sie mit ihrem Welterfolg bei Ziemlich beste Freunde ja schon längst bewiesen. Allerdings zäumt man das Pferd jetzt nicht wieder von der gleichen Seite auf (“Ah, die, dann muss es ja gut sein!”), sondern generiert einen Plot, der dem Zuschauer die Chance bietet, sehr tief blicken zu lassen und ein Profil zu ergründen, dass in unkontrollierbaren Lachkrämpfen endet.
Und die Situationskomik schreit tatsächlich mit großartigen Tönen in die Welt. Vielleicht braucht man hier und da ein wenig Verweildauer, aber man hat es definitiv geschafft, die Zuschauer mitten ins Geschehen zu katapultieren, die sich nicht mehr als fremde Betrachter, sondern Teil des Geschehens erleben und damit Kino in seiner größten Vollendung genießen dürfen.
Und wahrlich: Das Leben ist ein Fest ist hier wörtlich gemeint: Es ist ein seelischer Gaumenschmaus, diesem Possenspiel beizuwohnen und man wackelt vergnügt wieder zurück ins Leben und hat definitiv keine schlechte Laune mehr, egal, was vorher gewesen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Darum: Reingehen!
Auch wenn dieser Titel sicher nicht in jedem Kino zu finden sein wird: Die Suche danach lohnt sich!
Die üblichen Verdächtigen wie “Frankreich kann Comedy” hier runterzuplätschern, fühlt sich fast schon verräterisch an, denn Das Leben ist ein Fest ist so viel mehr: Herzallerliebst, urkomisch, zum Schreien, herrlich, lustig und in vielen Facetten mit Gefühlen verbunden, die jeder Mensch gerne um sich herum hat.
Also gönnt euch mal wieder etwas und besucht diesen Film – es lohnt sich!

 
Nachspann
nicht sitzenbleiben, geht den Saal zum Reinigen frei 🙂
Kinostart: 1. Februar 2018

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Ewig ist es her, dass ich diesen Film in einer Pressevorführung gesehen habe und Aussagen dazu noch unter Embargo standen – und nie ist es mir schwerer gefallen, dazu die Klappe zu halten.
Nun sind die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben worden und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hat sage und schreibe 7 (!) davon eingeheimst und steht damit unter den Top 3 der diesjährigen Nominierten bei der größten Verleihung überhaupt – allein das sagt ja schon mal verdammt viel über den Film aus!
In diesem bitterschwarzen Stück, das im Übrigen von seinen zynischen Inhalten lebt, die Ernsthaftigkeit und Tiefe, zum Himmel schreienden Schmerz und Provokation gegen das Eingefahrensein und die Gleichgültigkeit des Rechtssystems proklamieren, erhebt sich Francis McDormand in einer Frauenrolle zur Schauspielikone, die nicht nur für Recht und Gerechtigkeit kämpft, sondern auch das weibliche Geschlecht weltweit auf ein ansehnliches Niveau hebt, was Schauspielerei und die Bedeutung der Frau in Hollywood und grundsätzlich auf der Leinwand ganz neu bewertet.
Allein schon diese starke Weiblichkeit, die sich gegen unzählige frauenfeindliche Männercharaktere durchsetzen muss, habe ich bereits beim ersten Schauen genüsslich begrüßt! Ich liebe es, wenn endlich nennenswerte weibliche Beispiele an der Front der Schauspielerei stehen, damit tatsächlich mal etwas in Sachen Gleichberechtigung getan wird und die Klischees nicht immer weiter gefüttert und diese unglaublich wichtige Grundsatzdiskussion durch Lächerlichkeiten ad absurdum geführt wird.
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es richtig angeht und grollt mit unfassbarem Zorn gegen ein System, dass vielerorts auf der Welt für Ungerechtigkeit sorgt und Menschen in den richtigen Positionen die Macht gibt, Dinge falsch zu machen ohne dafür bestraft zu werden.
Dass man sich hier nicht vollkommen der Menschlichkeit entledigt und einfach auf einen groben Schlachtfeldzug geht, bei dem alles, was sich einem in den Weg stellt, zunichte gemacht wird, sondern die Emotionen und Gefühle, aber auch Verantwortung und Ehre gefordert werden, macht diesen Film unter allen Filmen dieses Jahr zu einem der ganz großen.
Und die bisherigen Nominierungen und Auszeichnungen sprechen eine ganz klare, deutliche Sprache: 3x AACTA International Awards 2018, Aufnahme in die Top-10-Filme des Jahres 2017 im American Film Institute, 9 Nominierungen bei den British Academy Film Awards 2018, 5 Nominierungen und 2 Auszeichnungen bei den British Independent Film Awards 2017, 6 Nominierungen und 3 Auszeichnungen bei den Critics’ Choice Movie Awards 2018, 4 Golden Globes und 6 Nominierungen bei den Golden Globe Awards 2018 und und und … die Liste ist endlos!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr seht: Man braucht kein Oscar®-Filmjäger zu sein, um diesen Film gut zu finden, sondern von allen Seiten strömt der Tenor zu einem, dass dieses Werk eines der besten Filme aller Zeiten ist, das zu Recht mit Preisen überschüttet wird und jede einzelne Auszeichnung davon redlich verdient!
Francis McDormand pusht starke, weibliche Charaktere in Paraderollen in Hollywood, während sich die Männerriege hinten anstellt und gleichermaßen herausragende Performances abliefert, bei denen sich jeder einzelne davon sehen lassen kann.
Nicht nur der zynisch-sarkastische Humor, der es in vielen Dingen oft auf die Spitze treibt, sondern die unfassbare Härte und Konsequenz, der man sich hier opfert, machen aus diesem Stück einen Film, den jeder – wirklich jeder – unbedingt gesehen haben muss!
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gehört für mich schon seit einigen Monaten zu den Top 10 Lieblingsfilmen meines Lebens, und jeder, der ihn gesehen hat, weiß anschließend, warum!
Also tut euch selbst den Gefallen und geht rein – es lohnt sich. In jedem Kino. Zu jeder Zeit. Hauptsache gesehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

Baywatch

Testosteron. Busen. Knappe Bikinis. Jede Menge Fleischeslust. Prollgehabe. Strand. Sommer, Sonne, Heiterkeit. Dazu eine Prise Dwayne Johnson, etwas Zac Efron und jede Menge stupide Dialoge, eine billige Story, unterstes Niveau und jede Menge Assis, die die Kinosäle mit ihren Chicas füllen und dabei mächtig einen abfeiern.
So oder so ähnlich habe ich mir die Auswirkungen von Baywatch vorgestellt und dementsprechend meine Erwartungen ganz nach unten geschraubt. Realitätsnähe? Nada. Übertrieben testosterongeschwängerte Szenen mit jeder Menge Überzeichnung? Aber bitte doch.
Jedoch ist das Ergebnis ein völlig anderes. Natürlich braucht jetzt keiner die tiefenentspannte Glückseligkeit mit lehrreicher Moral und unterschwelliger Botschaft erwarten, allerdings werden die Miesepeter wie meinereiner auch nicht mit Erfolg behaftet, was ihre pessimistischen Erwartungen an die Kinoadaption angeht, denn: In vollen Sälen macht die Show tatsächlich richtig Gaudi.
Dabei ist die absichtlich übertriebene Proletenhaltung der beiden Hauptdarsteller sogar ganz förderlich, da genau durch diese realitätsferne Überzeichnung das Werk erst zu leben beginnt und der Charme hier tatsächlich darin liegt, dass keiner das alles auch nur ein Stück ernst nimmt. Allein schon die vielen Spitzen, die man im Drehbuch verankert hat, um alte Fans erneut mit auf die Reise dieser eigentlich stumpfsinnigen Momente zu nehmen, haben mir desöfteren ein lautes Lachen abgerungen und die labile Haltung zu möglichst natürlichen Handlungsabläufen schlägt jeden Logiker zehnmal so tief in die Fresse wie erwartet.
Und genau diese Übertreibung macht aus dem Stück eine Portion Sommerfreude, die das Kino auch in dunklen Sälen mächtig anheizt und so richtig Stimmung aufkommen lässt. Sommer, wir kommen – und zwar mit allen Klischees, die man sich mit aller Mühe ausdenken kann.
Der große Gag-Antreiber ist hier wieder einmal Johnson, dessen Figur schon in vergangenen Filmen bewiesen hat, dass er sowohl ein Publikumsmagnet ist als auch die Fähigkeit besitzt, aus jedem noch so schlechten Drehbuch mit noch so niedrig angesetztem Niveau etwas ansehnliches und beachtenswertes zu kredenzen, an dessen finalen Entgleisungen am Ende auch der Intellektuellste seine helle Freude hat.
Und die Gleichung geht voll auf. Trotz miesester Erwartungen sitzt man im Saal und hat einfach Spaß daran, was gleich noch passiert. Und wenn man einmal nicht selbst am Lachen ist, dann tun es andere für dich und sorgen somit generell für gute Laune.
Die Befürchtungen, dass das wieder nur die dämlichsten aller Zuschauer aus ihren Löchern lockt, sind also unbegründet. Man sollte sich den Trailer anschauen, wissen, worauf man sich einlässt und dann einfach das Folgende genießen. Zwischenrein genauso erfrischend, wie ein kühles Blondes an einem heißen Sommertag.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dwayne Johnson rockt die Show und liefert ein Gag-Gewitter, dass sich gewaschen hat.
Die Brachialität der gezeigten Szenen vollgepumpt mit machohaftem Gehabe erzeugt hier eine spritzig-überzeichnete Realität, die mit Selbstironie überhäuft wird und dem Zuschauer eher früher als später unzählige Lacher abringt. Dass man dabei noch versucht hat, auf freundschaftliche Moralansätze zu bauen, ist fast schon überflüssig, denn die Show funktioniert auch ohne diese Versuche.
Geht rein – genießt den Sommer und teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit.

 
Nachspann
Anfänglich sollte man sich noch nicht gleich vom Kinosessel lösen, denn die gezeigten Outtakes sind durchaus einen Blick wert.

Calgi Cengi Ikimiz

Es ist schon eine Weile her, dass dieser Film in den Kinos lief und ich entschuldige mich an dieser Stelle gleich mal vorweg für die späte Rezension, die allerdings genauso gut für den DVD-Markt hergenommen werden kann.
Mit Calgi Cengi Ikimiz tritt man ins Musikbusiness, vermischt deren Elemente mit fremden Genres und publiziert damit wieder einen Mix, der in die typische Verrücktheit des türkischen Kinos passt. Das absonderliche Verhalten der beiden Hauptprotagonisten ordnet sich dabei in die Reihe anderer türkischer Filme ein und unterstreicht einmal mehr die kongruente Linie, derer sich die landestypische Machart dieser kulturellen Einzigartigkeit in bisher schon vielen Beispielen unterworfen hat.
Thematisch geht es dieses Mal erfreulicherweise nicht um Liebe oder die Beziehung zwischen Mann und Frau, sondern man führt die Emotionen in völlig andere Richtungen. Dass der Film sich dabei – wie seine kulturellen Geschwister auch – absolut nicht ernst nimmt, sondern den Zuschauer zu unterhalten versucht, indem sich ein paar Männer vor der Masse zum Affen machen, gehört hier scheinbar einfach zur alltäglichen Ordnung und wird auch von mir mittlerweile fast schon erwartet.
Durch seine Lockerheit und die charmante Durchgeknalltheit überzeugt die Idee und weiß tatsächlich einen Abend lang zu unterhalten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer seine Freundin beeindrucken möchte, wählt hier nicht unbedingt das treffendste Werk aus.
Komik, Kurzweil und funktionierende Unterhaltung bekommt man trotzdem auf dem Leinwandtablett serviert und es braucht nicht mehr viel, um danach glücklich von dannen zu ziehen.
Der Genremix ist mal etwas völlig Neues und der Besuch im Kino nicht unbedingt erforderlich, da durch die heimelig wirkende Atmosphäre dieser Film viel eher ins Wohnzimmer passt.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf sich also wieder ans Sonnenlicht trauen.

Mit Siebzehn

Kein Bock mehr auf diese scheiß political correctness und den aberwitzigen Krampf an Bürokratie und Sprachgeficke, den man sich tagtäglich antut, nur um rein formal niemanden zu verletzen und sich ja ordentlich und vorbildlich zu verhalten, auf dass dein alltäglicher Scheiß einem niemals zum Verhängnis wird?
Abenteuer sind verboten, es lebe die prüde Alltagsszenerie in einer Welt, die öffentlich unausgesprochen deklariert, dass Männer auf Mädchen und vice versa zu stehen haben – zumindest quatscht in meiner Region hier jeder mal so.
Schwule werden belächelt, Menschen, die aufs gleiche Geschlecht stehen, ausgeschlossen und jeder reißt sein verdammtes Maul auf, um über Dinge zu urteilen, die er persönlich noch nicht mal ansatzweise gesehen, geschweigedenn untersucht hat.
Ich bin ein Mann der Taten. Das habe ich durch den Besuch von einigen Gay-Filmnächten sowie Lesbian-Nights bereits in der Vergangenheit bewiesen. Ich war drin. Und gehöre in meinem Umfeld wahrscheinlich zum einzigen, der in dieser Situation überhaupt etwas sagen dürfte.
Nun habt ihr die Chance, mal etwas völlig Verrücktes zu tun: Geht in diese Gay-Filmnacht und schaut euch diesen Film an!
Ich spüre schon, wie der Ekel schwallartig in den Gedärmen von Heteros aufsteigt und sie die klischeetriefenden Szenen billigen Rumgefickes von zwei … wuäh “Männern” anschauen müssen, die sich Schwänze in den Arsch stecken und gegenseitig widernatürliche Dinge treiben, die eher in die Hölle gehören als auf die Leinwand.
Denn genau so ist das Bild, dass einem vermittelt wird, wenn man mit offenen Ohren durch meine Region schlendert und sich diesbezüglich einfach mal ein wenig umhört.
Und jetzt … kommt die Chance … und Mit Siebzehn steht auf dem Plan.
Jeder, der den Film noch nicht gesehen hat, hält ab jetzt die Fresse und macht sie erst nach dem Abspann wieder auf. Und nein, Bier zählt nicht, denn das vernebelt den Verstand und man könnte vom Geschehen abgelenkt werden.
Es gab bereits einige Gay-Filmnächte, die mir recht positiv zugetan waren, aber nicht diese hier. Angesichts einer abgehakten Kinofilmwoche blieb dieser Titel als einziger auf der Liste, die ich noch nicht gesehen hatte, also ging ich rein.
Und diesmal war ich nicht positiv angetan.
Diesmal lag ich in der hintersten Ecke, weil mich der Film so volle Breitseite erwischt hat und durch Dinge begeistert, die ich versuchen möchte, ansatzweise zu schildern, ohne dabei zu spoilern.
Fangen wir mit der Kulisse an. Von der allerersten Sekunde trifft hier eine Aura von Welt auf die Augen, die als solches schon an hochkarätige Schwedenkrimis erinnert und eine Natur-Kulisse offenbart, die allein schon Grund genug ist, diesen Film zu besuchen. Allein das Spiel mit den Farben, den Jahreszeiten, dem Wetter und diese ganze permanent aktive Wahrnehmung seiner Umgebung gehört für mich nach ganz oben. Fifty Shades of Grey, du kannst einpacken mit deinen Szenendesign-Versuchen.
Die wortlose Kommunikation zwischen Leinwand und Zuschauer ist phänomenal und vermittelt hier eine Art Abgeschiedenheit, Geborgenheit, Ruhe, menschliche Isolation und stellt Brücken zur seelischen Verkrampftheit einer Generation her, die meisterhaft sind!
Womit wir bei den Darstellern wären. Kennt ihr die typische Sat.1-Mutti, die in schlechtem Ostdeutsch ihren Mann Herbert beeindrucken will und dafür alles tut, was im Alltag so fern zu sein scheint?
Gibts hier nicht. Jeder … ja – JEDER !!! Charakter bringt seinen Sack voll Charme selbst mit und feuert erstmal breitflächig um sich, bevor man überhaupt damit anfängt, die Person zu identifizieren und zu analysieren. Selbst Nebencharaktere sind hervorragend gecastet und verdeutlichen hier einmal mehr, mit wie viel Liebe, Hingabe und Herzblut man hinter den Kulissen gearbeitet hat, so dass am Ende wirklich alles im Film stimmt.
“Ja, aber die sind doch schwul und sowas ist eklig” … äh … Also, Anleitung für Doofe.

  1. Du gehst in diesen Film.
  2. Du wartest 1 Stunde 50 Minuten.
  3. Du schließt deine Augen für gefühlte 1,5 Minuten.

und ich garantiere dir, dass du absolut keine einzige schwule Szene sehen wirst!
Ja, du hast richtig gelesen. Keine einzige Szene! Was Regisseur André Téchiné hier auf die Leinwand bringt, ist ein Gedicht fabulösen Ausmaßes über die Annäherung, Selbstfindung und menschliche Emotion, die in den rebellischen Jugendjahren zweier Protagonisten stattfinden, wie ich es bis dato noch nirgends gesehen habe.
Er selbst sagt darüber:
“Wir sind von der Idee eines Dreiecks zwischen einer Mutter ausgegangen, aus der wir eine wichtige Figur machen wollten, und zwei Jugendlichen, die im Laufe der drei Trimester des Schuljahres ihr Verlangen entdecken und auskundschaften. Eine einzige Idee leitete uns: Die Körperlichkeit. Den Film so physisch wie möglich zu schreiben. Jede Szene sollte ein Moment der Aktion sein. Die Figuren mussten stets auf der Lauer liegen und reagieren ohne zu verstehen, was mit ihnen geschieht und wie sie reagieren sollten und es vor allem nicht in Worte fassen könnten. Es war undenkbar, dass Tom und Damien ihre Emotionen ausdrücken wie dies Erwachsene tun würden.”
(Quelle: Queer Film Nacht Flyer 02/2017)
Und damit bringt er es auf den Punkt. Genau so habe ich den Film erlebt – als eine Offenbarung. Allein schon der Humor – brachial ehrlich und so ausgereift und perfekt, dass er andere französische Komödien in den Schatten stellt und mit jeder Pointe der Charmebolzen wieder gen Himmel getrieben wird, denn das macht alle Beteiligten nur um so sympathischer.
Allein dieses Umherschweifen um Unausgesprochenes, was einerseits aufzeigt, dass man eben auch heute noch nicht offen über alles reden kann, obwohl dies bei so vielen Jungs soooooowas von notwendig wäre, sondern auch das grandiose Tanzen und Beibringen von Zuständen und Taten, Gefühlen und Empfindungen, die man als Außenstehender nach diesem Film garantiert begreift und vielleicht zum ersten Mal versteht, was es bedeutet, schwul zu sein.
Schon allein für diese Tatsache verneige ich mich zutiefst vor diesem Film und bedanke mich bei allen Beteiligten, dass sie gezeigt haben, dass es eben doch geht: Mit unbändigem Stil und Eleganz über ein Thema sprechen, dass in den meisten Köpfend dieser Welt als ekelhaft wahrgenommen wird und zu zeigen, dass hier verletzliche Seelen am Start sind, die man nicht zwanghaft mit Füßen treten muss, sondern denen man sich völlig normal nähern kann.
Womit wir wieder bei dem weltumspannenden Motto wären, dass ich persönlich lebe: Akzeptanz, Offenheit, Toleranz und Defensivität in punkto Handeln und Sprache. Erst zuhören, dann urteilen. Erst begreifen, danach evtl. kritisieren.
Ein Kino eurer Wahl gibt euch deutschlandweit diesen Monat die Chance darauf, dieses Erlebnis zu machen und 116 spannende Minuten in eine Geschichte abzutauchen, die ich mir direkt im Anschluss nochmal hätte anschauen können.
Diese Gay-Filmnacht hat mich also nicht positiv überrascht, sie hat mich absolut vom Stuhl gehauen und gezeigt, dass man mit diesen scheiß Vorurteilen im Jahr 2017 nicht weiter kommt als bis aufs Klo – denn da gehören sie runtergespült.
Und alle, die das Datum verpasst haben, an dem der Film lief: Die DVD-Welt gehört euch. Greift zu und macht das Experiment, einfach mal mit der Familie oder dem besten Freundeskreis zu schauen. Danach kristallisiert sich raus, wer Freund ist oder wer einfach nur ein dümmlicher Schwätzer ist, der im entscheidenden Moment entblößt, welch hässliches Inneres er eigentlich hat.
Mögen die Spiele beginnen.
Ich hab’s getan. Ich war drin und hab ihn gesehen. Und ihr?
 

.kinoticket-Empfehlung: Das hier ist keine Empfehlung, sondern ein Arschtritt.
Ich wünschte mir so, die Menschen würden alle gegen die symbolische Wand rennen, innehalten und sich diesen Film zu Gemüte führen, denn der offenbart nicht nur ein hochsensibles Thema, dass so grandios umschifft und eingezäunt wird, um letztendlich auf den Punkt zu kommen, sondern begeistert auch in allen anderen Bereichen eines Films mit herausragendem Können, meisterlichem Handwerk und einer Liebe zum Film, die in allen Facetten aufblüht und unkommentiert bewundernswert ist.
Ich war zutiefst positiv geschockt und habe nun den endgültigen Beweis, dass die Gay-Filmnacht ein Event im Kino ist, dass durchaus meine unabgelenkte Aufmerksamkeit verdient.

 
Nachspann
folgt ohne weitere Szenen und Kommentare.

Passengers (3D)

Ich höre schon die Plot-Eulen am Horizont rumschreien … aber mal der Reihe nach.
Ein jeder erinnert sich noch an das sagenumwobene 2-Mann-Werk, welches von Hollywood gefeiert wurde und neben Avatar – Aufbruch nach Pandora einen erneuten 3D-Hype auslöste, der diese hinter den Zäunen gefeierte Technik innerhalb der Filmwelt mit einem Pro-Argument mehr ausstattete – Gravity?
So manch böse Zunge könnte nun behaupten, dass hier ein zweiter Teil vorliegt, denn viele Komponenten scheinen laut Trailer eindeutig zu passen. Das mag auf den ersten Blick wohl auch stimmen, doch der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass der Filmtitel in der Mehrzahl geschrieben ist, was gleich die erste Abweichung von besagtem Schein-Vorbild ist.
Was mich angeht: Ich liebe das Weltall. Mit all seinen Facetten. Als Horror, als Action, als “unendliche Weiten” – mit Reisen ins Universum kann man mich fast immer einfangen. Demnach hatte man mich schon bei dem ersten Blick auf das Raumschiff im Trailer und der Rest war mir ehrlich gesagt egal.
Ich habe mich auf den Film gefreut. Tierisch.
Und dann kommen die damit!
Ästhetik im Schiffdesign, die sich gewaschen hat. Einem Plot, der die erste Hälfte vom Film so richtig abartig Spaß macht. Immer wieder dazwischen diese unglaublich präzise, anschmiegsame und Lust auf mehr bereitende Schiffsoptik in 3D-Bildern, die selbst Gravity klein machen.
Irgendwann kommt dann der Break und man eröffnet sich einer Actionballade, die meiner Meinung nach gar nicht hätte sein müssen, hätte man die lineare Struktur des ersten Teils einfach gradlinig bis zum Schluss durchgezogen und damit perfekt ein Nischenpublikum angesprochen ohne “am Schluss auch noch die Masse zu befriedigen”.
Dennoch: Ich war beeindruckt. Beeindruckt von der Idee (die es auch in diversen Mangas schon mal gegeben hat – ich weiß), beeindruckt von der Innenarchitektur und dem Design des gesamten Films, beeindruckt von der Durchdachtheit, die bis zur Mitte des Films nahezu perfekt ist. In Anbetracht dessen sehe ich auch gerne über das ein oder andere Manko hinweg, das nicht bis zum Schluss fertig entwickelt worden ist, da sich auch hier so manche Logik- und Denkfehler verbergen. Dennoch bleibt einem im Film kaum Zeit darüber nachzudenken, weil man permanent mit den Darstellern mitfiebert und irgendwo nicht nur das, sondern: Ich kann mich richtig gut in die Lage reinversetzen, weil viele Punkte nicht nur mein persönliches Empfinden zu 100% widerspiegeln, und ich mich dadurch vom Film selbst nicht nur verstanden, sondern umarmt fühle.
Vielleicht rührt auch daher ein wenig meine Beratungsresistenz, was den nicht perfekten Plot angeht und ich überlasse das Heulen den Eulen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein GEDICHT, was die Optik, das Design und das Anfixen der Story angeht.
In der zweiten Hälfte lässt er etwas nach und bricht mit der ruhigeren Schiene, stürzt aber als positiver Eindruck absolut nicht ab, sondern entlässt aus einer Welt bestehend aus wunderschönen Formen, Farben und anschmiegsamer Kunst.
Gibt es die Möglichkeit, das Raumschiff irgendwo zu besichtigen oder sogar dort einzuziehen?

 
Nachspann
Wer auf Zusatzmaterial wartet, tut dies an dieser Stelle vergeblich.

Assassin's Creed (3D)

Es kracht wieder im Kino. Vorausgesetzt, man stellt die Lautsprecher seitens der Betreiber leicht überhöht ein und gönnt seinen Besuchern damit, dass die Euros, die jeder für sein .kinoticket in diesem Fall hingeblättert hat, auch wirklich lohnenswert waren.
Denn hier sollte man als Gast tatsächlich in die Taschen greifen und nicht nur die Vorstellung buchen, sondern alle Features mitnehmen, die dieser Film zu bieten hat, auch das 3D. Scheiß drauf, was es kostet.
Wieso? Eingefleischte Fans dieser Spielereihe (ja, es handelt sich tatsächlich um eine Gameverfilmung, die sehenswert ist) strömen sowieso in die Kinos um sich die Adaption in aller Größe zu geben und zu sehen, was Hollywood aus dem Kultspiel gemacht hat.
Mein allergrößter Pluspunkt: Der Sound! Ich sag nur: Wow! Und meine damit nicht ein bekanntes anderes Onlinespiel… – Komponist Jed Kurzel hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und bietet allein schon vom Hören ein Audioexemple, dass weit und breit in der Game-Verfilmungswelt keinerlei Vergleichbares antrifft. Man kann seine Augen schließen und sich einfach von der Wucht der beeindruckenden Impressionen audiovisueller Natur ein paar Kilometer weiter in den Boden rammen und diesen brachial-harten Beat in seiner ästhetischen Schönheit auf sich wirken lassen … wenn die Betreiber des Kinos vorher rechtzeitig in ihre Anlagen investiert haben und diese bei den Vorstellungen auch an ihre Grenzen führen.
So und nicht anders kann ich mir all die negativen Kritiken seitens der Presse und Besucher erklären, die wiederum eines nicht verstanden haben: Filme sind eine Kunst, die es nicht nur zu konsumieren gilt (man trinkt Wein auch nicht aus alten Pappbechern), sondern bei der man nicht nur gezielt seine Filme auswählt, sondern ebenfalls das passende Kino dazu. Und da greift bei vielen die gute alte Faulheitsregel: Warum sollte ich 120 km in ein passendes Kino fahren, wenn es um die Ecke auch eins gibt, das zwar nicht so toll ist, aber den Film genauso zeigt?
Falsch. Falsch falsch falsch! In diesem Fall macht diese lapidar herbeigeführte Entscheidung nämlich den kompletten Film kaputt! Assassin’s Creed lebt von dem Zusammenspiel der Musik, Töne, Effekte und den dazu gezeigten Bildern, die sich nicht unbedingt auf brutale Action ausrichten, sondern in ihrer Gänze als Konstrukt überzeugen, bei dem man nicht von der Story, sondern deren Umsetzung überzeugt wird und anschließend ohrwurmträllernd durch die Straßen schlendert und dafür dankbar ist, dass es Apple Music gibt …
Selbst in der deutsch synchronisierten Fassung greift diese packende Wucht, obgleich die Dialoge noch etwas bescheuerter klingen als im Original, da plottechnisch hier genauso Schindluder getrieben wurde, wie bereits in den Folgespielen, wo auch nicht wirklich mehr auf die Storyline geachtet wurde, sondern man eher auf visuelle Effekte gesetzt hat.
Die Schauspielgrößen (Michael Fassbender, Jeremy Irons, Marion Cotillard) liefern nämlich auch hier allein durchs Rumstehen irgendwo Größe ab, was letztendlich nur durch das Drehbuch selbst kaputtgeschrieben wird, wofür der komplette Crew-Rest aber auch nicht wirklich was kann. Es mag verwunderlich sein, wieso man sich an dieser Stelle für diese Art von Geschichte entschieden hat, wäre da doch so viel mehr Potenzial gewesen, auch erzählerisch noch auf die höchsten Klippen zu steigen, jedoch sollte man das Beschweren darüber lieber den Kolumnisten irgendeiner Zeitung überlassen, sich ein Popcorn schnappen, die Kinoleitung beknien, dass sie die Lautstärke über Normal regelt und die Show einfach genießen.
Der beeindruckende Effekt, den Assassin’s Creed damit bei den Zuschauern hinterlässt, ist auch so ein Epos an sich, worüber sich all jene freuen, die Gäste in einer meiner Vorstellungen sind, denn ich lass es mir niemals nehmen, diesen Film durch zu nischenhafte Boxen in den Abgrund stürzen zu lassen. Damit lebt oder stirbt er.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wählt zu dem Film das richtige Kino und lasst die richtige Lautstärke einstellen, alles andere macht euch die komplette Vorstellung kaputt!
Sound, die dazu gezeigten Bilder und die Schauspielgrößen, die man dazu gesellt, bilden ein Komplott, das als Ganzes sehenswert ist, sofern man von der packenden Wucht der Szenen audiovisuell in den Sessel gedrückt wird. Ist dies nicht vorhanden (Dorfkinos, TV, Blu-rays oder VOD), ist der Film als solches gar nicht sehenswert.
Wer hier nicht ins richtige Kino geht, der braucht gar nicht erst drüber nachdenken. Alle anderen haben ein Extraerlebnis meisterlicher Klasse, bei dem Story nicht wichtig und Momentum alles ist. Genießt es!

 
Nachspann
wird keiner geliefert, allerdings gilt auch hier wieder: Sperrt die Ohren auf … es lohnt sich so dermaßen, ich bin immer noch ganz zittrig vor Aufregung!

Nocturnal Animals

Es gibt hin und wieder Trailer, die irgendwo nichtssagend sind und dennoch so ein feinfühliges Rausfluppen aus der Allgemeinheit tangieren, das unterschwellig mitschwingt und so manchen Langzeitkinogänger zärtlich ankratzt.
Genau so ein Fall ist Nocturnal Animals, der auf den ersten Eindruck merkwürdig erscheint, man das Gesehene setzen lassen muss, hier und da eine positive Wertung aufnimmt und sich schlussendlich richtig darauf freut.
Strike – was meine Vermutung und mein Hauptwunsch für die Sneak Preview diese Woche angeht – es war Tom Fords neuestes Werk, das nicht nur als film noir wieder berauschende Maßstäbe setzt, sondern eine überraschend packende Story beschreibt, die ich diesmal sogar mega gerne als Buch gelesen hätte.
Die für ihn typischen Charakterzüge mit Achtung vor der Eleganz, Anmut und dem stilistischen Design seiner Schauspieler, dass teilweise bereits schon auf Kosten des Plots in den Himmel gekürt wurde, zieht auch hier wieder kräftig an der Wichtigkeitsleine und beweist, dass es eben ein echter Tom Ford ist.
Stimmung kommt auf jeden Fall auf und das düstere Schauspiel nährt sich im Zuge seiner Episoden immer mehr von den Interpretationsmöglichkeiten, die man als Zuschauer dazu investiert und sich somit irgendwo selbst sein Bild des Geschehens macht – ganz im klassischen Sinne hervorragenden Kinos.
Da ich eh ein Fan von film noir bin und diese Darstellungsmethode liebe, das düstere, das unerreichbare, zerbrochene, markante und trächtige Wesen dieser Filmart total mag, war nicht nur ein Grund, weshalb dieser Titel bei mir voll eingeschlagen hat.
Dazu kommt einer meiner Lieblingsschauspieler – Jake Gyllenhaal – der auch hier wieder eine hervorragende Performance abliefert und dem das Drehbuch – wieder einmal – auf den Leib geschneidert erscheint.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für hervorragende Unterhaltung mit Anspruch, Anmut und Eleganz als empfehlenswertes Stück Filmgeschichte zu gebrauchen.
Die Erzählweise, Verschachtelung der Ereignisse und das Rüberbringen der Atmosphäre sind hier wieder einmal vom Konzept her gründlich durchdacht und mit Hingabe und Liebe zum Detail umgesetzt, ohne dass man sich dazu zu sehr in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verirrt.
Herausragend, so darf es gerne weiter gehen!

 
Nachspann
Es bleibt der übliche Schuss vor den Bug, der den Zuschauer entlässt und ihm Zeit zum Nachdenken gibt. Diese Zeit wird durch nichts weiteres unterbrochen.

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