115 Minuten

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Endlich wieder ein Titel, der von amazon studios produziert wurde und trotzdem das Licht der Leinwand erblicken darf: Dieses Werk braucht sich überhaupt nicht hinter aktuellen Kinoblockbustern verstecken, sondern zeigt einmal mehr, wozu das ehemalige Buchverkäufer-Label in der Lage ist. Und ich finde es großartig, dass man diesem Stück die Kinoauswertung nicht vorenthält, sondern den Zuschauern die Möglichkeit gibt, das Werk auf dem Big Screen zu besehen.
Die Story basiert auf dem wahren Cartoonisten und wird von Joaquin Phoenix hervorragend gespielt. Hat der überhaupt je einen Flop produziert? Mit flapsigem Humor bestückt schlängelt sich das bewegende Drama über alle Ebenen hinweg und portraitiert den Aufstieg und Fall eines Menschen in unterhaltsamer und einprägender Weise.
Die Portion Ruhe, die der Film dabei mitbringt, wirkt wie eine solide Basis, die es einem seelisch nicht ermöglicht, in irgendwelche Abgründe zu fallen, sondern garantiert, dass man trotz der ernsten Phasen dennoch seinen Spaß hat und nicht selbst in irgendwelche Depressionen rutscht. Zeitweilig wirkt es fast wie eine Doku, allerdings ohne das Stundenplan-Gefühl. Man hat einfach seine Freude beim Schauen, darf sich dabei auch gerne ein Popcorn genehmigen und erfährt vielleicht ein wenig Unterstützung dabei, wenn es darum geht, wieder “zurück ins Leben” zu finden.
Die Story ist definitiv spannend und es ist interessant, welche – und vor allem, woher – er seine Inspirationen nimmt. Ein spannender Fakt ist zudem: Obwohl ich mit dem Großteil des Casts bislang nicht so wirklich grün geworden bin, stört die Besetzung hier absolut nicht, sondern man wundert sich eher, dass wirklich diese Personen auf der Leinwand zu sehen sind: Sie fügen sich so wunderbar in den Plot ein, ohne Personenverherrlichung, die es auf Plakaten und in der PR bei Hollywood sonst übermäßig viel gibt.
Und mit dieser fast schon einzigartigen Genügsamkeit erobert sich der Film den Weg in die Herzen der Zuschauer ganz von allein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einprägsames Erzählerlebnis über das Leben eines vom Leben gezeichneten Menschen.
Die Story hinter ihm ist bezeichnend. Das Werk zeigt einmal mehr, dass Streaming-Giganten auch am Kino nicht vorbei müssen, sondern beide Optionen Hand in Hand miteinander kooperieren können. Die aufgelockerte und ruhig-fundierte Erzählweise sorgt für ein nachhaltiges Erlebnis beim Zuschauer und öffnet die Möglichkeiten für suchende Menschen, indem man viel Inspiration und Vorbildverhalten liefert. Und das ohne großartiges Helden-Rumgepose, sondern mit einer genügsamen und defensiven Einstellung.
Großartig!

 
Nachspann
✅ zeigt den wahren “Wegläufer” und zertifiziert damit die Geschichte als wahre Begebenheit.
Kinostart: 16. August 2018

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Dank Black Panther werden Filme im Kino derzeit ja mit außerordentlichem Gespür für Nischen und bislang unbeachtete gesellschaftliche Gruppierungen an die Front gebracht.
Oftmals kennt man die Welt ja nur von den Prestigeprojekten, die die öffentlichen Bühnen bevölkern, und dass direkt daneben Minderheiten und unbeachtete Menschen ihr Dasein Fristen, geht völlig an der Aufmerksamkeit der Welt vorbei. The Florida Project nimmt sich solcher Minderheiten an und erzählt unverblümt in hervorragenden Farben die Geschichte dieser Menschen.
Sehr interessant dabei ist der Kamerablickwinkel und die soziale Warte, von der aus man berichtet. Diese Geschichte auf diese Art und Weise zu erzählen, erzeugt bei manchen vielleicht erst einmal Unbehagen, führt dann aber zu einem unterhaltsamen und aufschlussreichen Ergebnis, dass auch im Nachgang noch sehr beschäftigt.
Dass dies in diesem Beispiel gelungen ist, davon zeugen die unzähligen Nominierungen und Preise, die dieser Film jetzt bereits verdient erhalten hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man vorher schon gehört haben, um was es im Film geht, braucht man sich keine weiteren Gedanken machen, da die Erfahrung, die man als Zuschauer nach diesem Titel aus dem Kino trägt, das Geld für das .kinoticket auf jeden Fall wert ist.
Die Schöpfer haben sich der Aufgabe gestellt und einen völlig neuen Blickwinkel in Bereiche dieser Erde installiert, und damit die Möglichkeit erschaffen, etwas bislang immer dagewesenes a) zu sehen und b) völlig neu zu bewerten.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf gerne wieder nach draußen.
Kinostart: 15. März 2018

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Fack Ju Göhte spaltet die Meinungen. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Grundsätzlich schon mal ein gutes Omen, denn Filme, die zum Meinungsdiskurs führen, sind grundsätzlich wert, angesehen zu werden.
Mit dem #FinalFack möchte man dem Ganzen nun ein Ende bescheren und sich aus der Trilogie verabschieden, die im Jahre 2013 begann.
Einerseits hat man für mich damit einen Teil der Bevölkerung wiedergegeben, die wir uns durch die Änderungen in der breiten Öffentlichkeit seit einigen Jahren selbst heranzüchten, andererseits ist offensichtlich, dass damit die “dumme Generation” angesprochen werden will – und das stößt einigen halt bitter auf.
Elyas M’Barek löst auch unterschiedliche Gefühle aus, deren Reaktionen im nun dritten und finalen Teil natürlich eine gewisse Eigendynamik entwickelt haben, auf die man möglicherweise völlig selbstverständlich hingearbeitet hat.
Grundsätzlich hatte ich auch nicht unbedingt Lust, mir ein weiteres Mal das Versagen von sämtlichen Klischees auf der Leinwand anzuschauen, wenn man dieses doch im Alltag so oft und vielfältig beobachten kann. Und was soll ich sagen? Es wurde tatsächlich mein Film der Woche!
Warum?
Fack Ju Göhte hat ein eigenes Image erschaffen, aus dem man jetzt tiefschürfend schöpft und auch keine Hemmungen mehr aufweist, zu sich selbst zu stehen – und dieses filmisch-ehrliche Selbstbewusstsein tut ungemein gut.
Ich denke, auch das hat zum Großteil dazu beigetragen, dass diese Filmreihe die erfolgreichste deutsche Publikation ist, die wir je aufweisen konnten.
Und mit diesem Selbstbewusstsein stürzt man sich jetzt in die finale Aufgabe, den natürlichen Weg bis zum bitteren Ende hin durchzugehen und setzt dabei voll auf die eigens kreierte Version von Humor und platten Sprüchen, die auf einmal nicht mehr billig, sondern authentisch wirken und somit zur gefeierten Ehrlichkeit zusätzlich beitragen. Man versucht nicht mehr, sich zu behaupten, man ist über Erklärungen und Einführungen weit hinaus und kann nun einfach spielen.
Und dabei sind mir ein paar Dinge ins Auge gestochen, die ich unfassbar passend in unserer Zeit finde und für die ich diesen Film abfeiere. Man hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, tatsächlich eine wertvolle Botschaft in die Öffentlichkeit zu vermitteln und damit sowohl Hater als auch Fans der Reihe anzusprechen, denen man damit unschlagbare Argumente für diesen Film mit auf den Weg gibt.
Und das wirkt nicht etwa belehrend oder “schulmäßig”, sondern fließt völlig locker in den Humor des Films ein, der damit auch die Moralverächter nicht vor den Kopf stößt, sondern ihnen ihren Spaß lässt und dennoch dafür sorgt, dass man irgendwo anfängt, mitzufühlen und eine Message versteht, die man viel öfters in die Gesellschaft transportieren sollte.
Damit holt man quasi nun endlich auch die ganzen Vollidioten ab, die diese Unterschicht zu dem machen, was sie ist und zeigt ihnen, wie es besser geht. An manchen Stellen vielleicht etwas peinlich, dafür aber so genial ausgearbeitet, dass dieser Appell nicht nur Dummheit erklärt, sondern auch für die Gegner des Films Erklärungsansätze bietet, die für bessere soziale Gemeinsamkeiten sorgen – und das ist für mich das lobenswerteste, das ein Film zustande bringen kann.
Ganz im Ernst: Meine Hochachtung für dieses gelungene Kunststück, dass man tatsächlich Massen damit begeistern kann, eine Gesellschaft ethisch aufzuwerten – denn die Kinosäle sind ausgebucht, egal, wie groß sie sind.
Also macht einfach weiter so und strömt zahlreich in die Vorstellungen, auch wenn danach Schluss ist: Die Umsetzung liegt bei jedem selbst und ich hoffe, dass sich viele Anhänger davon finden und wir alle damit eine bessere Welt gestalten.
Und dass der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleiben muss, davon zeugt Fack Ju Göhte 3 ganz von selbst. Also genießt ihn.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich nicht nur der beste Teil der Reihe, sondern ein ethisches Meisterstück, dass seinen Ruhm dafür ausnutzt, um moralisch wertvolle Botschaften an die Massen zu verteilen, ohne damit zu nerven.
Und dafür meinen größten Respekt und den Wunsch an euch alle: Geht ins Kino, habt ungemein viel Spaß und nehmt mit, was dieser Film an Mehrwert bietet – es geht ins Herz.
Grandioses Finale und damit womöglich ein packendes Ende einer bis dato großartigen, deutschen Kino-Meisterleistung. Zu Recht vielbesucht und hoffentlich noch lange im Kino zu sehen.

 
Nachspann
Unbedingt sitzen bleiben. Die Outtakes wirken zwar teilweise etwas aufgesetzt, aber funktionieren dennoch und huldigen den Rest der Reihe auch nochmal.
Kinostart: 26. Oktober 2017

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Maudie

Damals, ja damals, als die Welt noch in Ordnung war …
So oder so ähnlich denken und reden heute viele Leute. Und das komische dabei ist: Auch unsere Eltern haben zu ihrer Zeit so geredet. Und deren Eltern. Und deren auch… Das Band zieht sich hin bis in die düstere Vergangenheit, wo die Leute wohl auch noch so geredet haben. Denn niemand fragt danach, was damals wirklich abging, sondern man sieht nur die aktuellen Zustände und fragt sich, wieso nicht alles einfacher ist, so wie früher.
Nur, dass es früher eben nicht einfacher war. Weniger komplex – das vielleicht, aber sicherlich nicht einfacher, was Maudie eindrucksvoll beweist.
Regisseurin Aisling Walsh hat sich daran gemacht, das Lebenswerk und die Geschichte von Maud Dowley zu verfilmen und der Welt eine Künstlerin zurück ins Gedächtnis zu rufen, von der unsereiner garantiert noch nichts gehört haben dürfte.
Und jetzt knallt’s auf einmal auf den Screens und zum Vorschein kommen oscarverdächtige Leistungen von Sally Hawkins und Ethan Hawke, die hier dem Bild dieser Zeit erneut Leben einhauchen und in unvergleichlich guter Schauspielkunst bezeugen, was für interessante und vor Kunstgeist strotzende Persönlichkeit diese Frau war.
Und dabei stehen Farben und Lichtverhältnisse – zwei Elemente, von denen Kino generell lebt – ganz im Vordergrund und lassen den Zuschauer nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich in die Welt der Verhältnisse dieser Zeit eintauchen. Man sieht nicht nur, zu welchen Größen sich hier emporgearbeitet wurde, sondern man spürt es förmlich und befindet sich mittendrin.
Und der Film weiß durch seine liebevolle, simple und extrem berührende Art zu begeistern. Wer also seiner Freundin kurz vor Halloween nochmal ein herzensgutes Geschenk machen möchte, besorgt für sie und sich selbst ein .kinoticket und verbringt einfach einen wunderschönen Abend zu zweit im Independent-Kino um die Ecke.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Stille und Behutsamkeit, die aufkeimende Liebe und Berührtheit streichelt hier sanft aus einer grobschlächtigen Welt die Synapsen des Zuschauers und bohrt sich liebevoll ganz tief in sein Herz.
Die schauspielerische Leistung ist erstklassig und tatsächlich anwärtig für zumindest eine Oscar-Nominierung.
Wer berührendes Kino mag, ist hier völlig richtig. Machts euch auf den Sesseln gemütlich und vergießt dabei nicht zu viele Tränen.

 
Nachspann
ist gespickt mit der echten Dame und ihren Kunstwerken. Sehenswert!
Kinostart: 26. Oktober 2017

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Gleich zum Gewinnspiel? Dann einmal bitte ganz nach unten scrollen … 😉
Nachdem uns in Die Mumie Tom Cruise alle so wahnsinnig negativ begeisterte, wird es Barry Seal – Only in America unglaublich schwer haben, mit ihm als Frontmann wieder Punkte beim Publikum abzugreifen oder generell die Säle gefüllt zu kriegen. So zumindest mal meine Vermutung.
Und das ist schade, denn dieser Film hätte ausgebuchte Vorstellungen unglaublich verdient. Der Hype um diesen kontroversen Darsteller wird im Film nämlich absolut beiseite geschoben und einer Erzählung Platz gemacht, die es wert ist, von den Menschen gehört zu werden.
Dem Zuschauer hierzulande bleibt wohl nur der Vorschuss an Vertrauen, wenn man erklärt kriegt, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, die von Produzent Doug Davison und Drehbuchautor Gary Spinelli aus den Akten hervorgekramt wurden. Ich möchte nicht mal abschlagen, dass es sich hier tatsächlich um Tatsachen handelt, denn – wie jeder so schön aus dem Filmregelwerk weiß – ist eine Geschichte dermaßen bizarr, kann sie nur wahr sein.
Und dazu gesellt sich dann ein unglaublich frischer, spaßig aufgelegter und gute Laune verbreitender Tom Cruise, der wie aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein scheint und hier mit Frohsinn und Leichtigkeit seine Rolle spielt, die den Patzer aus seinen vorherigen Werken leicht vergessen lässt.
Und obwohl es eigentlich um seine Person geht, steht er als Persönlichkeit vollständig im Hintergrund und überlässt wieder dem Charakter, den er darstellen soll, das Spielfeld. Die Selbstbeweihräucherung fehlt und genau das gibt Barry Seal so unglaublich viel Auftrieb.
Man hat als Zuschauer enorm viel zu lachen, zu staunen, zu bewundern und zu sehen, dass die die Laufzeit von 115 Minuten wie im Flug vergeht. Und das Prädikat “Besonders wertvoll” wurde auch zu recht verliehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Cruise ist wie ausgewechselt und verbreitet auf einmal ganz andere Stimmung im Kino.
Der Film ist intelligent, unglaublich, wahnsinnig unterhaltsam und unfassbar und damit ein Garant für einen gelungenen Kinoabend mit der Freundesclique.
Also .kinoticket gekauft und ab in die Kinos!

 
Nachspann
bringt keine weiteren Überraschungen mit, wer also unbedingt raus muss, darf dies konsequenzlos tun.
Kinostart: 7. September 2017

* * GEWINNSPIEL * *

Universal Pictures hat euch fünf Plakate zur Verfügung gestellt, die euch den Kinostart von Barry Seal versüßen. Wie kommt ihr dran?
Ganz einfach unter diesen Beitrag oder auf Facebook im Post euren Lieblingsfilm kommentieren, in dem Tom Cruise mitgespielt hat. Die Auswahl ist ja groß.
Hier mal eine kleine Auswahl:

Es zählen alle Kommentare, die bis einschließlich 10. September 2017 unter einer der beiden Beiträge eingegangen sind. Kommentieren mehr als 5 Personen, entscheidet das Los. Ein Anspruch auf Barauszahlung des Gewinns besteht nicht.
Facebook oder andere Seiten / Firmen sind nicht in das Gewinnspiel involviert. Die Verlosung wird ausschließlich durch www.kinoticket-blog.de ausgeführt und die zu verlosenden Plakate von Universal Pictures International gestellt.
Ich wünsche jedem von euch viel Glück und natürlich mega viel Spaß und beste Unterhaltung im Kino bei Barry Seal – Only in America.
Ben

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Die Presse wirbt mit Charlize Theron, James McAvoy, Til Schweiger und Sofia Boutella, was sich auf den ersten Moment anhört wie ein schlechter Witz.
Tatsächlich bewegen wir uns wieder einmal im Comic-Genre, dessen sich die Filmemacher angenommen haben, um daraus ein stilistisch absolut anbetungswürdiges Stück zu machen, dass zwar in Sachen Plot ein wenig kränkelt, in allen anderen Belangen jedoch auf der Spitze gelungenen Kinos angelangt ist: Atomic Blonde.
Fangen wir gleich mal mit dem Style vom Film an: Diese gezeichnete Streetwork-Grey-Out-Ära, die exakt zu der Stadt, noch viel besser zu der Story und dem Zeitalter und am besten zu meinem persönlichen Geschmack passt: Hervorragend!
Das Design des Films, die Schriftzüge, die moderne und trotzdem vergangene Weise, seine Mitteilungen am Rande von allem anderen zu machen: Ahhhhh!
Die Idee, hier ein wenig über die Stränge zu schlagen und den Comic-Look zu seinen Höhepunkten zu führen: Klasse!
Da verblassen ziehende Filmführungspersönlichkeiten wie McAvoy fast schon zur Nebensache, obwohl man auch hier sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Besetzung und dem körperlichen sowie psychologischen Outfit bewiesen hat.
Dieser irre Trip in eine vergangene Zeit, der persönliche Kniefall vor einer Stadt, die (ich zumindest) vergöttere und das elegante Durchzelebrieren des dann doch recht simplen Plots erinnert ein wenig an Kunst mit Dingen, die man schon kennt, aber noch niemals in dieser Konstellation zusammengefügt hat.
Achja: Dann ist da ja noch Til Schweiger, dessen Anwesenheit man im Film (und glaubt mir, ich mein das ernst und habe das auch schon von anderen so gesagt bekommen, die den Film ebenfalls vor Kinostart gesehen haben!) gar nicht so wirklich mitkriegt und sich hinterher dann wundert und fragt: “Fuck, DAS war Til? Achja … jetzt, wo du es sagst…”
Allein das wäre für mich schon Grund, mir den Film anzusehen.
Atomic Blonde bietet aber so vieles mehr. Und ich habe ihn bereits zwei Mal gesehen und würde auch ein drittes Mal reingehen – diese liebevoll inszenierte Absurdität, die auf wohlige Weise mit einer möglichen Realität verschwimmt und dabei eine Story auf den Tisch prügelt, die so stattgefunden haben könnte, aber genauso abartig und überdreht wirkt, wie es bei Comics nun mal der Fall ist, hat bislang nicht nur mich vom Hocker gerissen, sondern ebenfalls ein breites Publikum.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also nicht nur hübsche Männer, geile Frauen und jede Menge Sex-Appeal gepaart mit einer Story für beide Geschlechter erleben möchte, sondern auch noch einen gelungenen Kinoabend in der Tasche und herrlich abgedrehte Action sein Eigen nennen möchte, ist mit diesem Werk hervorragend bedient.
Kino: Groß, Publikum: Viel und gute Laune kommt dann ganz von allein.
Herrlich schräg und definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Was ich zu erwähnen vergessen habe: der Soundtrack! Noch niemals hat man es so verzückend geschafft, mich für diese Beats zu begeistern, die eigentlich bekannt sind, aber seltenst so kunstvoll und überragend zutage getragen wurden. Wem das auch ein Ohrenschmaus ist, der sollte natürlich beim Abspann hocken bleiben, alle anderen, die weitere Bilder, Outtakes oder sonstiges erwarten, dürfen sofort gehen, um nicht enttäuscht zu werden.
Kinostart: 24. August 2017

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Now You See Me – wie der Titel im Original heißt – war einer der bahnbrechendsten Magierfilme schlichtweg. Die Imposanz, mit der man die Tricks, Persönlichkeiten und Idee auf den Markt brachte, sucht bis heute seinesgleichen und verblüfft auch beim fünften Mal ansehen immer noch mit überzeugendem Wahrnehmungsrausch.
Der Speed, den man im ersten Teil generierte, das Vorzeigen, Verblüffen, Ablenken und Erstaunen funktionierte auf einer Ebene, die bis dato noch kein anderer Film in dieser Form auf der Leinwand präsentiert hat. Schaut man sich den Streifen im Heimkino an (und regelt die Anlage entsprechend hoch), hat man immer wieder eine gigantische Show, die jeden Zuschauer mitreißt und hinterher erstaunt zurücklässt.
All dies bringt immense Erwartungen, Vorfreude und den Rausch auf Fortführung herbei, der dieses Jahr mit Now You See Me 2 in den Kinos zelebriert werden will.
Dabei knüpft die Vorstellung keineswegs an die Genialität des ersten Teils an, sondern offenbart sich eher als eine bittere Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Fragen, die sich der Zuschauer beim ersten Mal stellte, wie man aus dem Nichts heraus etwas so geniales erschaffen konnte.
Die durch die überragende Meisterleistung im ersten Teil hervorgerufene Stimmung konnte in der Fortsetzung irgendwie nur enttäuschend werden, denn man geht als selig-vergnügter Magiebegeisterter nun voller Erwartungen in den Saal und wird mit den dunklen Seiten der Zauberei betraut gemacht, die eben alles andere als prickelnde Stimmung hinterlässt, sondern – angestachelt durch das Anlernen darauf, tatsächlich hinzusehen – fast schon vorhersehbar und dadurch langweilig wird.
Man hat nicht mehr das Gefühl, dass man hier nun von absoluten Profis heimgesucht wird, die so talentiert sind, dass einem als Zuschauer förmlich die Luft wegbleibt und man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, sondern fühlt sich ihnen teils schon überlegen und beginnt sich zu fragen, ob das Ganze nicht umgekehrt ist und man sich nun auf die Jagd nach den Reitern macht, die mit ihren Shows dem Gros der Gesamtveranstaltung ständig hinterher hinken.
Auch das andeutungsweise polemische Hinweisen auf mögliche Mängel im Leben von uns allen erscheint dann eher als misslungener Versuch, aus allem doch noch etwas positives zu schlagen und wenigstens mit einer guten Moral von der Bühne zu treten, doch die scheitert irgendwie an Belanglosigkeit und einer Inszenierung, die weder verblüfft noch begeistert, sondern eben einfach da ist und in sich funktioniert.
Problematisch war unter anderem auch, dass die Tricks hier nicht mehr die feinfühlige Größe aufwiesen wie im ersten Teil, sondern man sich mehr und mehr Optionen bediente, die eben nichts mehr mit wahrem Können zu tun haben, sondern zeitweilig eher ins Lächerliche rutschen und somit als Gesamtkonstruktion eher fragwürdig sind. Vergleicht man hier das Gesehene allerdings mit den üblichen YouTube-Tricks, wird schnell klar, dass das Niveau eben doch sehr hoch ist und man viel Aufwand in die Präsentation der einzelnen Kunststücke investiert hat, die in sich geschlossen aber in einem Rahmen gezeigt werden, der nicht nur bröckelt, sondern sich in seine Einzelteile aufzulösen scheint.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob ich den Film wirklich empfehlen kann, weiß ich nicht. Meine Bewertung war bei Mittel mit Tendenz zu schlecht, weil mir einfach die spritzige Energie des Magischen gefehlt hat und man als Kenner des Vorteils höchstwahrscheinlich bitter enttäuscht aus der Show hervortreten dürfte.
Dennoch hat man viel Mühen investiert, um mit hohem Aufwand Tricks zu präsentieren, die teils schon beeindruckend waren, allerdings durch geschulten Blick vorhersehbar und beim Hinterfragen auch die Grundfrage offen lassen, wieso man das Ganze jetzt veranstaltet. Und damit geht eben einfach ganz viel Sympathie verloren, die man im ersten Teil noch hingebungsvoll spendete.

 
Nachspann
läuft wie üblich ohne weitere Szenen oder Fortsetzungen.

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Triple 9

Und weiter geht’s mit der nächsten verspäteten Sneak Preview, ein Film, den ich eigentlich schon lange im Rahmen dieser Vorvorführung erwartet hatte: Triple 9.
Mit Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Norman Reedus, Gal Gadot, Woody Harrelson und Kate Winslet ist dieser Film promitechnisch hochkarätig besetzt und verspricht, keiner von den halbgaren Vorstellungen zu werden, in denen man irgendetwas erzählt und dabei verschiedene wichtige Aspekte des Films vernachlässigt.
Und genau so startet man auch – fulminant und actionbeseelt mit einer Geschwindigkeit, die in den ersten 15 Minuten einfach nur Vorfreude auf den Rest des Films hervorbringt. Die große Introduktion verspricht viel und man ist sofort im Geschehen gefangen.
Dann fährt man erstmal mit dem Erzählflow nach unten und lässt dem Zuschauer Zeit zum Luftholen, was dieser sicherlich nutzt, aber – im Hinblick auf Blockbuster wie Sicario – keinesfalls von Nöten gewesen wäre.
Das Problem dieser Atempause: Es geht danach irgendwie nicht weiter. Der Plot baut auf der Auflösung des Triple 9 auf, dessen Erklärung komischerweise aber bereits im ersten Trailer aufgelöst wurde (wer zur Hölle winkt so etwas einfach durch?), was das Interesse des Zuschauers deutlich mindert, da er bereits zu Beginn des Films weiter ist als die gesamte Truppe auf der Leinwand zulassen möchte.
Irgendwie stockt daher die durchaus professionell aufgebaute Geschichte und man verweilt auf einer Plattform, die weder den Absturz noch den weiteren Aufstieg zulässt. Und dieses Ausruhen auf der anfänglich verbreiteten Überflieger-Mentalität macht dem Zuschauer letztendlich das Gesamtwerk kaputt, da in dieser Weise die Komponente des zeitlosen Klassikers feierlich untergeht.
Irgendwie war zum Schluss der Streifen nur ein kurzes Aufflammen gigantischer Gefühle mit Hoffnung auf mehr, die aber zuletzt nur in Enttäuschung endet, jedoch keinen minderwertigen Geschmack abgibt, da man sich trotz des heruntergefahrenen Tempos dennoch auf hochniveaulastiger Ebene bewegt.
Hier hätte ich wesentlich mehr Action, mehr Durchtriebenheit, mehr Klasse erwartet, so dass man als Zuschauer endlich ein modernes Äquivalent zu Der Pate in der Hand hätte, mit der man die zeitlose Geschichte von Korruption und Gewalt weitererzählt, die schon seit Jahrzehnten für gute Unterhaltung in der Filmbranche sorgt.
Aber dies sollte nicht sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer eine ruhige, gelassene Form von Action sucht, die gelegentliche Spannungsspitzen zulässt, aber nicht allzudeutlich hochfährt, der ist mit Triple 9 sicherlich auf der richtigen Fährte.
Insgesamt ist das Werk aber eher enttäuschend gewesen, da ich hier wesentlich mehr Action und Plot-Verzweigungen erwartet hätte, die aber nicht wirklich vorhanden waren und angesichts der heruntergefahrenen Erzählgeschwindigkeit auch das Potenzial eines modernen Pate verschenkt wurde. Mehr als etwas langatmiger Durchschnitt ist hier einfach nicht drin.

 
Nachspann
gibt’s nur die üblichen Texte, weitere Bilder oder Geschichtsbrocken bleiben aus.

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Hier mal schnell reinschauen um sich einen Eindruck vom Film zu machen, ist meines Erachtens nach gar nicht so ohne weiteres möglich.
Edward Zwick entführt in eine Welt, die den meisten wohl unbekannt vorkommt und von der man auf der Oberfläche des alltäglichen Medienkonsums eher weniger liest. Herrschaften älteren Semesters könnten sich noch an die wahren Ereignisse erinnern, auf denen die geschilderten Erfahrungen basieren. Dabei ist dieser Film seit langem mal wieder eine Form von cineastischer Kost, die ich jedem auf den Tisch packen würde, denn wie hier gearbeitet wurde, obsiegt im Sumpf medialer Verkrustung und wirtschaftlich-ambitionierter Arbeitsmoral.
Die Macher haben es komplett verstanden, ein Thema, das von Ruhe und Tatenlosigkeit geprägt ist, derart unterhaltsam umzusetzen, dass man als Zuschauer gebannt vor der Leinwand steht und einem herausragenden Tobey Maguire dabei zusieht, wie er im Kampf mit sich selbst das von ihm gesteckte Ziel zu erreichen versucht.
Überhaupt ist der Cast fast schon vergötterbar elegant in seinem Umfeld unterwegs. Die Szenen, die sich früher so im Fernsehen abgespielt haben, gepaart mit den Einblicken hinter die Kulissen und den ständigen Fragen und Ängsten, die damit einhergehen, wurden hier so dermaßen wunderbar umgesetzt, dass man am Schluss vor der Leinwand kniet und sich bei den Darstellern für die gute Unterhaltung bedanken möchte.
Wohl mag es diejenigen geben, die mit den Allüren von Bobby Fischer nicht ganz klar kommen und denen das ganze Spiel zu viel wird – jedoch unterstreicht genau dieser Punkt den psychologischen Wahnsinn, in den sich der Hauptakteur im Verlauf seiner Zeit manövriert und ganz nebenbei eben nicht nur über das Spiel der Könige, sondern auch die restlichen politischen Schachzüge entscheiden will.
Und diese mit Worten kaum beschreibbare Handlung so spannend zu inszenieren, dass dir während dem Film zu keiner Zeit langweilig wird und man alles andere gerne dafür vergisst, zeugt für mich von ganz großem Können und lässt die Hoffnung aufkeimen, das anspruchsvolles Kino noch nicht ausgestorben ist.
Möge dieser Film den Weg in die Kinos finden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wann immer es eine Chance gab, gegen die Oberflächlichkeiten der heutigen Massenfilme zu wettern, dieser Film zeugt von leidenschaftlicher Eleganz und intellektueller Würde und beleuchtet ein Thema, das in den Medien bisher viel zu selten Aufmerksamkeit bekommen hat.
Der Cast ist hervorragend, das Thema zwar recht handlungsarm, aber derart spannend inszeniert, dass es vor Anspannung im Kinosessel fast ungemütlich wird. So sieht großartige Unterhaltung aus. Also packt eure Leute ein und schaut euch diesen Film im Kino an – es lohnt sich!

 
Nachspann
Bei der Schwarzblende zum Abspann darf man gerne aufstehen und den Saal verlassen, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

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In China soll’s wohl ein Bestseller sein, hierzulande wird es wohl eher in einer Nische verschwinden – teils zurecht, teils so absolut gar nicht: Der letzte Wolf.
Das Problem bei diesem Kinostück ist ziemlich offensichtlich die innere Zerrissenheit, die man als Zuschauer zu überwinden hat. Da kommt zum Einen die so völlig klischeehafte Doofheit der chinesischen Darsteller zum Tragen, die den Film vom Blockbuster-Thron runter reißt und ihn zu einem billigen, chinesischen C-Movie verkommen lässt – und überdeckt wird das ganze dann von grandiosen Naturaufnahmen, sensationellem 3D und einem feinfühligen Gespür für die wechselseitigen Annäherungs- und Distanzierungsversuche von Mensch und Tier.
Eines steht definitiv fest: Für Tierschützer, Peta-Freunde und sonstige Öko-Fanatiker gibt’s hier so richtig was aufs Schnittchen: Das Gejammer und die Tränen sind groß, der intolerante Hass gegenüber den Machern lässt die Zähne nicht nur an ein oder zwei Stellen im Film knirschen. Denn hier werden teilweise wirklich an der Substanz kratzende Szenen gezeigt, die allerdings offen hervorgehen lassen, dass es sich eindeutig um animierte und keine echten Tiere handelt. Aber soweit denkt man in seiner Beschränktheit zu diesem Zeitpunkt dann einfach nicht mehr – die Geschichte reißt dafür viel zu tief in sich selbst rein und lässt vergessen, dass das hier “nur ein Film” ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Und genau das ist der Punkt: Hätte man den Hauptdarstellern hier ein klein wenig mehr Hirn spendiert, auf die übliche Allzeit-Gut-Wetter-Stimmung der typisch-chinesischen Darsteller verzichtet, wäre daraus ein richtig guter Film geworden, der auch in Europa zum Kassenschlager hätte werden können.
So bleiben Szenen im Gedächtnis, die sensible Mägen ordentlich umdrehen und neben unverhaltenen Lachern aufgrund von absoluter Doofheit halt auch irgendwie schocken und damit so richtig funktionieren.

 
Nachspann
darf getrost ignoriert werden – raus aus dem Saal und weiterleben.

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