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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 110 Minuten Page 1 of 2

Love, Simon

The time has come … und ich hab diesmal keine Ahnung, wie ich mich dem “Inhalt” zuwenden soll, ohne dabei nicht maßgebliche Teile des Films zu spoilern.
Fakt ist: Es gab bereits unzählige Versuche, diese Art Thematik auf die große Leinwand zu bringen und allesamt sind sie gescheitert. Bis auf zwei. Wobei mir beim einen die fehlende Akzeptanz der Masse verständlich scheint, weil er eben an besagten Stellen doch etwas “zu hart” ist. Ich würde nun zu gern die beiden Titel verlinken, aber allein die Nennung würde spoilern. Also keine Sorge, ich bleibe meinem Pitch treu. Keine Spoiler.
Großartig ist nämlich auch, dass es FOX ebenfalls geschafft hat, ein Plakat in die Runde zu werfen, dass keine Vermutungen aufkommen lässt und man sich hier also völlig unvoreingenommen und befreit dem Film zuwenden kann, insofern man nicht vorher den .trailer gesehen hat.
Mein Gedanke bleibt trotzdem der gleiche: Time has come … wir sind so weit und ich glaube, alle Vorherbeispiele waren einfach ihrer Zeit voraus und scheiterten quasi am fehlenden Toleranzvermögen einer Gesellschaft, die ihre Zeit gebraucht und Erfahrungen hat machen müssen, um hier mit anderen Wertvorstellungen ranzugehen.
Als jüngere Filme könnte man jetzt also einen weiteren Titel und diesen hier nennen, wobei ich den Mitspieler als “Erwachsenenvariante” bezeichnen würde und Love, Simon eher als Teeniefilm, da die Zielgruppe hier eindeutig jünger ist und man an vielen Stellen im Film auch festmachen kann, dass hier eben die Jugend angesprochen wird.
Erwachsene werden wohl oder übel sowieso in diesen Film gezerrt werden, zumindest wünsche ich mir das, weil es zum einen den Kids gewisse Dinge unfassbar erleichtert, zum anderen dieser Titel eben auch zur Generationenverständigung beiträgt und für allgemein mehr Verständnis und Liebe unter allen Beteiligten sorgt.
Manch einer der alteingesessenen Buchtreuen wird wohl das doch recht “kitschige” Ende verurteilen, jedoch dürft ihr dabei nie vergessen, dass das Zielpublikum wohl selten über die 14/15 Jahre hinaus ist und diese Generation sowas noch braucht, um vollends in Gefühlen zu ertrinken.
Dennoch herrscht hier ein wunderbarer Ton, der Cast wurde gut gewählt, die Story ist enorm wichtig und für mich zählt Love, Simon zu einer Revolution, die nun endlich das Zeitalter einläutet, in dem über derartiges nicht mehr gesprochen werden braucht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also folks, nutzt den Streifen, damit nicht ihr die Worte suchen müsst, sondern lasst die für euch sprechen, die mit Verbalkämpfen vertraut sind – hier steckt unglaubliches Potenzial, um sich das Leben ein großes Stück angenehmer zu machen. Sie werden’s verstehen.
An alle anderen: Dieser Film ist für die Jugend gemacht, beschäftigt sich mit unfassbar wichtigen Themen und bringt diese herausragend zur Sprache. In seinem Genre ist er ein wegweisender Meilenstein, der hoffentlich endlich das Zeitalter einläutet, in dem derartige Dinge nicht mehr besprochen werden.
Unterhaltung, Emotion und die ein oder andere Überraschung sind auf jeden Fall garantiert.
P.S: Keine .trailer vorab anschauen, sondern einfach ins Kino gehen!

 
Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 28. Juni 2018

Am Strand

Passend zum Sommer schickt PROKINO den Titel Am Strand in die Kinos, was einerseits als Aufforderung verstanden werden darf, andererseits geht es – wie man dem englischen Original On Chesil Beach entnehmen kann – um einen ganz bestimmten Strand. Saoirse Ronan als Hauptdarstellerin passt ebenso perfekt in die Rolle, wie ihr gegenüber Billy Howle, die sich gemeinsam an einem Thema zu schaffen machen, über das unsereiner heutzutage vielleicht nur noch lächeln mag.
Eben dies veranlasste mich dazu, die dargebotene Jahreszahl als etwas zu “jung” zu erachten. Aber meine Recherchen und einige Interviewgespräche haben ergeben, dass zu dieser Zeit damals tatsächlich nicht nur in England oder anderen Ländern solche noblen Sitten an der Tagesordnung waren, sondern selbst ein paar Straßenzüge von dem Kino, wo ich den Film gesehen habe, weiter derartiges Alltag war.
Wie schnell sich die Welt doch ändert. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb gerade solch ein Thema, exerziert aus einer Buchvorlage, heute auf der Leinwand so viel Spaß machen kann, weil man sich so köstlich über die Unbeholfenheit und teilweise Hilflosigkeit der beiden amüsiert und es wirklich herzallerliebst anzuschauen ist, wie sie sich stückweise nach vorne quälen und dabei immer wieder in verschiedene Fettnäpfchen treten.
Unterlegt mit wunderbaren Bildern ergibt dies einen herrlichen Film, der einem den Kinoabend vollends versüßen kann. Und macht es anschließend bitte besser als die beiden 😉
 

.kinoticket-Empfehlung: Kultiviert, konservativ und herrlich schräg dabei: Am Strand ist herrliche Lektüre, die sowohl als Buch, als auch auf der Leinwand wunderbar funktioniert.
Die Rollen sind hervorragend gecastet und das Thema ist heutzutage so herrlich altmodisch, dass eine durchaus ernste Angelegenheit hier die Basis für viel Schmunzeln und Lachen bildet. Wer sich einfach mal gut unterhalten lassen möchte, ist hier genau richtig.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 21. Juni 2018

Ocean’s Eight

Ocean’s Eleven. Danach … Twelve. Und … Thirteen. Alles mit Männern. In Hauptrollen. Geht gar nicht, in einem Zeitalter der Inklusion, des Genderwahnsinns, der Gleichmacherei, wo immer es geht. Right?

Genau dieses Beispiel gab es schon mal … mit Ghostbusters. Gab’s auch schon mal. Mit Männern. In den Hauptrollen. Ging gar nicht. Musste man also neu machen und hat einfach alles durch die Bank weg weiblich besetzt.

War scheiße. Oder so naja. Auf jeden Fall nicht überragend, sondern hatte so den faden Beigeschmack des “Wir machen das jetzt nur, um die Frauenquote zu erfüllen, egal, ob die was können oder nicht.”

Ocean’s Eleven war geil. Geiler Heist. Geile Typen. Geiler Style. Der Film lebte vom Heist und flutschte durch das coole Obermachogehabe der Jungs, die es einfach astrein durchgezogen haben.

Und jetzt kriegt ihr das alles mit Frauen. Mööööööp.

Was ist euer erster Gedanke?

Meiner war: “Scheiß Genderwahnsinn! Macht doch einfach alles kaputt durch irgendeine Quote.”

Und die Wirklichkeit?

Schaut sowas von geil anders aus. Wir haben Sandra Bullock. Diese Frau ist nicht bekannt für posende Überfliegerrollen, sondern wird eher von uns für ihr Understatement geliebt. Das hat sie irgendwo auch in den letzten Jahren geprägt und ich möchte schon fast sagen, es wurde zum Markenzeichen von ihr. Damit muss man sich abfinden.

Oceans’s Eight funktioniert nämlich genauso. Geiler Heist, geile Frauen, geiler Style! Hier wurde die weibliche Kiste ausgepackt, aber man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, man macht dies nur wegen der Frauenquote, sondern der Film hätte damals genauso als erster erscheinen dürfen und hätte mit Sicherheit genauso abgeräumt!

Die Ladies haben’s einfach voll drauf! Sind witzig, reichern den absolut treffsicheren Heist durch ihren Style komplett an und liefern damit das für die männliche Zuschauerschaft wohl begehrenswertere Ensemble ab, die nun in ihrem ersten Teil grandios abliefern und daraufhin hoffentlich den zu vermutenden Ocean’s Nine und … Ten nachliefern.

Sprich: Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen und dieses mal gibt’s keine Genderwahsinns-Enttäuschung, sondern das Ding zieht bis in die letzten Ecken und macht einfach komplett Spaß!

Allein schon das Aufgebot, dass man am Set fährt, ist einen Blick in den Film wert! Die Kulissen, der Beat, die Geradlinigkeit und die Crew – es passt einfach alles und macht selbst als Mann total Spaß, an dieser Odyssey teilzunehmen.

.kinoticket-Empfehlung: Keine Frauenquote, kein Verweiblichen etwas bereits dagewesenen, sondern ein komplett funktionierender, berauschender und eloquenter Streifen, der mit weiblicher Starbesetzung glänzt und dem männlichen Vorbild in absolut nichts nachsteht.

Hier hätten genauso die Frauen den Anfang machen können – der Heist ist gleich geil, die Sympathie und Coolness wirkt genauso gut und ich freue mich schon, wenn der Titel endlich anläuft und ich ihn – evtl. in einer Ladies Night nochmal schauen kann.

Daumen hoch!

Nachspann
❌ braucht ihr nicht ausharren, hier kommt nichts weiter.

Kinostart: 21. Juni 2018

Original Title: Ocean’s 8
Length: 110 Min.
Rate: FSK 0

I Feel Pretty

Amy Schumer hat bei mir schon längst tiefe, schmerzende Spuren hinterlassen, die sie für mich persönlich als Subjekt filmischer Überzeugungskraft durchfallen lassen haben. Ein Film mit Amy Schumer ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile, Fremdscham, niveaulosen Jokes, abwesender Tiefgründigkeit … sowas eben.
Wenn ich also in einen Saal voller Frauen spaziere und mir einen Film mit Amy Schumer anschaue, dann mit entsprechend abwesenden Erwartungen.
Und dafür hat mich I Feel Pretty wahnsinnig positiv überrascht!
Manche erinnern sich vielleicht noch an Embrace – ich würde sagen, das hier ist dasselbe, nur in Spielfilmform. Die Botschaft und Idee gehört vielleicht ein paar Dekaden weiter in die Vergangenheit, aber – sind wir mal ehrlich – waren es nicht diese Filme, die damals unser Herz erobert haben und damit restlos funktionieren? Genau dafür ist Kino doch wie geschaffen: Um auf der Leinwand etwas zu zeigen, dass unser Kindsein weiterhin am Leben erhält. Dass uns dabei unterstützt, weiter zu träumen und sich von dem Realismus, den man als Erwachsener in der Welt erlebt, seelisch nicht vollends umbringen zu lassen.
Genau darin liegt doch unser Problem: Sobald das Erwachsensein auf den Plan tritt, opfern die Menschen bereitwillig all das, was ihnen vorher dabei geholfen hat, ein unbeschwertes Leben zu leben, nur um anschließend darüber zu jammern, wie schwer doch alles geworden ist.
I Feel Pretty überredet einen dazu, erneut über solche Dinge nachzudenken und sich einfach mal wieder in eine Geschichte entführen zu lassen, die nichts mit ihren bösen Schwestern gleichen Genres’ zu tun hat: Man wird nicht mit dieser übertriebenen Peinlichkeit überschüttet, sondern alles findet in sehr ruhigen, subtilen und fast schon ernstzunehmenden Situationen statt, die das Augenmerk wirklich auf das Wesentliche lenken, ohne dabei hier und da den Humor zu vergessen.
Das Publikum im Saal hatte auch sichtlich Spaß dabei und sogar ich selbst habe mich an vielen Stellen erwischt, wie ich einfach lachen musste, nicht weil’s peinlich war, sondern Schumer hier tatsächlich zu Höchstformen aufläuft und ihr altes Film-Selbst damit mehr als in den Schatten stellt.
Und das, was dieser Film transportieren möchte, ist ungemein wichtig und ich glaube fest daran, dass die Message auch die entsprechenden Personen erreichen wird und ihnen zu neuen Höhen aufhilft.
Ist es nicht das, wofür Kino einst gedacht war? Den Menschen weiterhin träumen zu lassen? Ihm weiterhin Hoffnung zu schenken und ihn glauben zu lassen, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will?
Abseits all dieser “Niveaulosigkeit”, den viele Kritiker diesem Film attestieren, empfand ich die eigentliche Botschaft hervorragend rübergebracht und auf einem völlig glaubhaften Fundament begründet, dass hieraus nicht nur einen wunderbar erzählten Filmabend macht, sondern eben auch eine Grundsatzfrage meisterhaft beantwortet.
Mögen sich viele nach diesen Weisungen richten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überraschend gut gelungen und in meinen Augen der perfekte Film, um in der Ladies Night zu laufen.
Egal, was andere darüber schreiben: Ich finde, der Film gehört in die Kinos und sollte gesehen werden, denn diese ruhigen Töne, das zur Abwechslung mal richtig bereichernd Normale, birgt eine ernstzunehmende Weisheit, über die manche mal diskutieren sollten.
Embrace hat damals eine grundsätzliche Sache klargestellt und dieser Film liefert den nötigen Realismus dazu, um mehr Menschen dazu zu verhelfen, ein einfaches, wunderbares – ja fast traumhaftes Leben zu führen ohne sich von den ganzen Irrgedanken runterziehen zu lassen.
Deshalb ist I Feel Pretty in meinen Augen mehr als gelungen und zählt als die positive Überraschung der Woche!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 10. Mai 2018

Der Buchladen der Florence Green

Ihr kennt das: Den ewigen Streit zwischen Moderne und Konservativismus, die Frage, ob Film oder Buch, die Gegenwehr der “Alten” kontra Digitalisierung, das Aufstreben und der Reiz der “Jungen” hin zur technischen Revolution – ein ewiges Hin und Her der Gefühle und Gewohnheiten, das auf beiden Seiten mit Argumenten gefüttert vehement gegen die Gegnerschaft verteidigt wird.
Der Buchladen der Florence Green lässt all diese Machenschaften in Vergessenheit geraten und entfernt auf einmal alles Moderne, denn spätestens nach diesem Film keimt in dir der Wunsch dazu auf, wieder einmal echtes Papier in den Händen zu halten und wahrhaftig ein Buch zu lesen. Wirklich.
Und das liegt nicht etwa daran, dass dieser Film selbst auf einer Romanverfilmung basiert. Vielmehr schaffen es die Regisseurin und ihr Team, eine behutsam gepflegte, mit Träumen übersäte Welt zu arrangieren und dem Zuschauer in liebevolle, bezaubernde und entzückende Bilder eingepackt zu servieren, damit der sich darin verlieren kann.
Umgeben von Schauspiellegende Bill Nighy, der hier gemeinsam mit Emily Mortimer granatenmäßig spielt, erreicht dieser Film eine literarisch ausgeprägte Größe, die eigentlich gar nicht zu dem sonstigen Repertoire von Capelight passt. Und gerade deshalb überzeugt der Streifen, als hätte dieses Label in seinem ganzen Dasein nie etwas anderes gemacht.
Das umschmeichelnde Herantasten an menschliche Gefühle, der aufkommende Krieg, die liebevolle Umarmung zur Welt des gedruckten Buches … all das erlebt man hier in einer Vollkommenheit und detailverliebten Hingabe, dass es einem das Herz mit wohlwollender Wärme umspült.
Ein Film, der vielleicht per se eine ganz bestimmte Klientel anspricht, der jedoch trotz seines Titels von vielen gesehen werden sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man spürt das Verlangen der Regisseurin, eine Welt zu ergründen, die heute fast in Vergessenheit zu geraten scheint.
Die detaillierte und bedeutsame Tiefe, die dabei dem geschriebenen Wort zuteil wird, ist höchst erbaulich und entführt in ein völlig neues, friedfertiges und gleichermaßen spannendes Universum voller Entdeckerdrang.
Ein Film, den sich anzuschauen definitiv lohnt!

 
Nachspann
Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 10. Mai 2018

HERRliche Zeiten

Der Film spaltet in vielerlei Hinsicht. Zum einen warten wir seit dem bitteren Abgesang Fifty Shades of Grey‘s immer noch auf einen Film, der sich endlich anständig und ernstzunehmend mit dem Thema der Unterdrückung und Machtverteilung zwischen den Menschen beschäftigt und dies auf spielerische Weise dem Publikum näher bringt, zum anderen enthält auch dieses Werk wieder jede Menge Ansatz-Denkstoff, um sozial- sowie gesellschaftskritisch bewertet zu werden. Das Problem ist jedoch: Die Schaffensaufgabe liegt allein beim Zuschauer – selbst der Denkanstoß fehlt – was diesen Film zu nichts weiter als einer Lächerlichkeit verkommen lässt, die weder provokativ genug ist, um zu spalten, noch lustig genug, um als Unterhaltung angesehen zu werden.
HERRliche Zeiten ist irgendetwas dazwischen. Und dieses Wanken ist grausam, weil es dem Film jedwede Schärfe nimmt, die aus diesem Material etwas durchaus Bissiges und Nachdenkenswertes hätte machen können. Die Art und Weise, wie man sich hier dem scheinbaren Klischee der Subs widmet, schreit förmlich zum Himmel und ist ein grandioser Faustschlag ins Gesicht all derer, die sich gesellschaftlich immer noch nicht ordentlich vertreten sehen und ihre Vorlieben und Ängste, Wünsche und Sehnsüchte fernab der Öffentlichkeit ausleben müssen, immer mit der Angst, entdeckt zu werden.
Den großen Bogen hin zum gesamtsituierten Gesellschafts-Drama sieht man zwar willentlich gespannt, will man dran packen und ihn auf Echtheit prüfen, stellt man aber schnell fest, dass hier eigentlich gar nichts ist. Jede Form ernstzunehmender Kritik mündet in mies geschriebenen Dialogen, die einem schlechten SM-Roman entsprungen sein könnten. Tatsächlich ist dies auch eine Buchverfilmung, die ich selbstverständlich wieder mal nicht gelesen habe, um hier weitere Ausführungen machen zu können.
Dass sich dann aber ein Regisseur namens Roehler einem solchen Stoff annimmt und diesen – für seine Verhältnisse – Mist abliefert, verwundert nicht nur mich. Mit viel Mut und geistiger Schaffenskraft könnte man sich jetzt innerhalb eines philosophischen Stuhlkreises darüber unterhalten, welche Auswirkungen diese Methoden in und auf unsere Gesellschaft nehmen und die Unterwürfigkeit und Versklavung genauso in das großartige Bild des Menschen reininterpretieren, der sich auch an allen Ecken und Enden abhängig macht (von Strom, Politik, Mobilität, Erreichbarkeit etc.) – diese Ansätze werden aber nicht mal angerissen, sondern nur platt widergespiegelt.
Hier fehlt mir eindeutig der Mut, mit diesem schwierigen Thema ohne Hemmungen vorwärts zu preschen um dem Zuschauer wirklich die ganze Soße vorzusetzen und nicht nur ansatzweise den Geruch über den Kopf zu schütten, der dann entweder wahrgenommen wird oder eben nicht.
Klassische, deutsche Produktion – muss ich mehr sagen?
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Schauspieler agieren großartig im Rahmen ihrer Möglichkeiten und liefern auch ein gekonntes Bild dieser plattgewälzten Charaktere ab, der Plot gehört allerdings eher verboten als gefördert.
Man hätte hieraus ein kunstübersätes Stück Gesellschaftskritik machen können, das weiträumige Fragen aufwirft und Diskussionen über die Unterdrückung und Bevormundung respektive den faden Überfluss einiger ausgelöst hätte, so aber hat man sich wieder für die traurige, gehemmte Variante entschieden, um ja nicht aus dem üblichen Konservativ-Muster deutscher Filmemacher auszubrechen.
Schade eigentlich.

 
Nachspann
Sitzenbleiben lohnt sich auch diesmal wieder nicht, es kommt nichts mehr.
Kinostart: 3. Mai 2018

Gringo

… oder die total absurde Geschichte wie aus Harold “Harry” wurde als Untertitel sagt ja eigentlich schon alles aus, was?
Tatsächlich lehnt der bereits mit political incorrectness belegte Titel an eben jene Schiene an und bringt wieder jede Menge Spannung in die verbohrten Muskeln der heute politisch verkrümmten Welt: Man möchte sich aus dem ganzen Wust an Reglements freikämpfen und erobert das Herz des Zuschauers durch etwas völlig Simples: Plumpen Humor auf hoher Ebene.
Dabei feuert man zielsicher auf eben jene, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, dafür zu sorgen, dass wirklich ein jeder in heutiger Zeit alle Eventualitäten, Rassen, Gruppierungen, Abarten und Kindeskinder mit anspricht und sich nicht mehr um die Sache als solches bemüht, sondern im Sumpf der gefühlt grausamen Pflicht der sprachlichen Vergewaltigung bis hin zur Unleserlichkeit bzw. der bürokratischen Aussprache erschöpft und man zwar Mann und Frau, Es und Etwas und auch alle, die nicht davon betroffen waren, benannt hat, jedoch im Schwulst der Gruppierungsbezeichnungen völlig vergessen hat, was man eigentlich sagen wollte.
ÄH …. ja. Genau.
In Gringo habt ihr keine Zeit für solchen Schwachsinn, weil man eure Lachmuskeln wieder etwas mehr strapaziert und statt sich mit dem Unfug rumzuschlagen, sollte man lieber beherzt ins Popcorn greifen und sich den Streifen wohlig zu Gemüte führen.
Zwar hat man am Schluss nicht das Gefühl, jetzt etwas Großartiges gesehen zu haben, allerdings ist der Streifen gut genug, um ihn nicht in der Masse untergehen zu lassen und pointenreiche Jokes sind en masse vorhanden. Vor allem der Beginn macht unheimlich viel Spaß und man hätte – meiner Meinung nach – dieses Tempo einfach bis zum Schluss durchziehen müssen, doch da ging den Machern ein wenig die Puste aus.
Ist dieser Film deshalb nicht würdig, einen Abend dafür im Kino zu opfern?
Doch. Man sollte – und zwar völlig vorurteilsfrei, denn wie so oft schon gesagt: Geschmäcker sind verschieden und wer weiß, ob nicht vielleicht gerade du derjenige bist, für den dieser Film wie maßgeschneidert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gelacht werden wird in jedem Fall, auch wenn das Tempo gegen Ende des Films sehr nachlässt und die ballungsreiche Moral ein wenig fehlt.
Für Unterhaltungszwecke super zu gebrauchen und mit Popcorn und Softgetränk bewaffnet ganz sicher die richtige Wahl für einen amüsanten Kinoabend.

 
Nachspann
Rausgehen erlaubt – hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 05. April 2018

Flatliners

Zur Information: Es gibt bereits einen Streifen mit Kevin Bacon und Kiefer Sutherland, der sinnigerweise Flatliners heißt und eben jenes zum Thema hat, das Flatliners aus 2017 erneut auf die Bühnen bringt.
Die meisten wissen das nicht – und das ist im Vergleich zum Werk aus dem Jahr 1990 anders, denn damals wusste man nicht, dass so etwas tatsächlich nicht möglich ist und musste erstmal auf die nächste Veröffentlichung vom Spiegel warten, in der Hoffnung, dass die darüber berichten.
Die grundlegende Naivität, die aus dem Nichtwissen resultierte, da es eben keine Smartphones gab, mit denen man innerhalb von Minuten belegbar überprüfen konnte, ob der Sack Reis in China tatsächlich umgefallen war oder jemand einem nur einen Bären aufbinden wollte, war damals noch gegeben.
Zusätzlich war das eine Zeit, in der Unmögliches, Fantastisches und Faszinierendes in Filmen verarbeitet wurde und der Bezug zur Realität oftmals gar nicht automatisch hergestellt werden wollte, sondern die Menschen sich eher in ferne Welten entführen lassen wollten – was eignete sich dazu besser, als die Thematik aus Flatliners.
Nun kommen heute – in einer dermaßen aufgeklärten Welt, dass einem vor Langeweile oft nichts mehr einfällt, weil die Leute einfach alles wissen und das Großhirn nicht mehr Großhirn, sondern Google heißt, auf einmal ein paar Spinner daher und verfilmen etwas, dass Flatliners heißt und produzieren damit einen gigantischen Flop… so meinen zumindest viele, mit denen ich über die Erwartungen zur Neuverfilmung gesprochen habe.
Ich persönlich war von dem Film eher begeistert, auch wenn er sich nicht mit reichlich Glaubwürdigkeit ausschmückt, sondern innerhalb dieses Wissensfundus eher lächerlich wirkt: Es ist, als hätte Joel Schumacher seinen 78. Geburtstag und seine Erben kämen an und meinten zu ihm: “Hey, wir haben da ein Geburtstagsgeschenk für dich – schau mal!”
Flatliners aus 2017 ist nämlich ein genauso fanverschworenes Tribute an die Elemente von damals, das man nicht mit moderner Technik und sonstigem Firlefanz ausgeschmückt, sondern ebenso dezent, liebevoll und affin gestaltet hat, sodass die einzigartigen Elemente des Films von damals auch heute wieder ein zu Hause finden und man nicht durch Blödelei oder Abgesaufe in irgendwelchem Partystuss seinen Halt verliert und die Botschaft in Nichtigkeit untergeht.
Im Gegenteil: Man beschwört förmlich die naive Ernsthaftigkeit und bringt die selbe Moral, gespickt mit dezenten Effekten und tatsächlich wunderbar umgesetzten Drifts erneut auf die Plattform und liefert dazu einen herausragenden Cast, der seine Sache ob dieser durchdringenden Ernsthaftigkeit wirklich einzigartig meistert.
Das einzige, wovon ich abraten würde, sofern man des Englischen nicht perfekt mächtig ist: Die OV-Version zu schauen, denn hier muss man sich wirklich anstrengen um etwas zu verstehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein glorreiches Tribute an das Werk von 1990 mit herausragendem Cast und einer unglaublich eindringenden Ernsthaftigkeit zu einem eher lachhaften Thema in einem Film, der sich mit nichts anderem außer seinem eigenen Vorbild messen möchte.
Wer ihn damals liebte, wird ihn heute bestaunen, wer ihn damals schon suspekt fand, findet heute auch keinen Gefallen daran. Akzeptiert das und zieht nicht darüber her, denn das hat Flatliners in keinem Fall verdient!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, die üblichen Textfolgen ohne Sequenzen oder Nachspiel.
Kinostart: 30. November 2017

Ostwind – Aufbruch nach Ora

Nachdem ich hier bereits meine “große Freude” an dieser Filmreihe bekanntgegeben habe, hatte ich natürlich “wahnsinnige Lust”, mir dieses von frevelhaftem Deutsch durchzogene Nachfolgewerk im Kino anzuschauen.
Und sorry, ja, ich bin spät dran. Zu spät.
Und sorry für meine Vorurteile. Ich entschuldige mich zutiefst bei den Machern, denn mit dem dritten Teil der Ostwind-Verfilmungen hat man mich gelinde gesagt extrem vom Kinosessel gehauen!
Die Verniedlichungen sind weg. Alle. Das ist kein Kinderfilm mehr, sondern höchster Anspruch auf Erwachsenen-Niveau, der nicht nur metaphysische Gipfel erklimmt, sondern mit einer Tiefgründigkeit aufwartet, die mehr als erstaunlich ist!
Probe gefällig? Dann zappt allein mal in den Soundtrack des Films (Ostwind – Aufbruch nach Ora – “Opener” reicht da schon fast als Track) rein und macht eure Augen dabei zu. Was seht ihr?
Ich sehe keinen Kinderfilm mehr (auch wenn die Spielzeiten das vermuten lassen). Ich sehe großartiges Kino, wohl bedacht, mächtig, mit Tiefgang und Eleganz, ein Epos. Und genau das ist Ostwind – Aufbruch nach Ora auch: Ein mit Menschlichkeit durchzogener Strang einer Geschichte, die für Kinder erzählt anfing und eine tränenbringende Wendung angenommen hat, die mich zutiefst im Herzen erschüttert.
Ich schreie vor Verzweiflung und Ergriffenheit, wenn der Soundtrack in meinen Ohren dröhnt und die imposanten Bilder des Films in seiner glanzvollen Pracht in meinem Kopf nachhallen, während ich ungeduldig darauf warte, dass dieser Film wieder und wieder über die Leinwand flimmert und ich mich erneut in den Fluten dieser von Niedergeschlagenheit und Ernsthaftigkeit durchzogenen Welt verlieren kann und als stiller Begleiter der Hauptdarstellerin durch die Wesenszüge gleite, die dort sanft umspielt, ernsthaft untermauert und mächtig durch den Boden krachend in die Welt posaunt werden.
Das hier ist kein “Wir sind kleine Hippies, die Pferde anhimmeln” mehr. Es ist so viel größer. So viel ehrbarer. So viel imposanter und mächtiger, dass man längst das Genre verlassen muss, weil Kinder nur noch die nette Beigabe sind, die man außerhalb als Entschuldigung braucht, um sich als Erwachsener ein Bild davon machen zu dürfen.
Und sobald man im Saal sitzt und all die bunten, quietschenden Trailer vorbei sind, landet man in einem Emotionsstrudel, der vor Ernsthaftigkeit und Harmonie nur so sprudelt. Man fiebert. Man weint. Man leidet. Und da ist absolut nichts mehr von dem ursprünglichen Hass des Nichtskönnens oder irgendwelcher Sprache. Oder typisch-deutscher Blödheit. Nichts.
Herrschaft, ich seh kaum noch, während ich diese Zeilen schreibe, weil sich meine Augen bereits beim Klang wieder mit Wasser füllen…
Wie konnte man zwischen zwei Filmen so schnell “erwachsen” werden? Wie konnte man aus einer fast schon “Lachnummer” etwas so dermaßen großartiges werden lassen? Ich bin immer noch beeindruckt und wünsche jedem sehnlichst, dass er meine Worte versteht und sich tatsächlich auf den Weg macht und sich den Film im Kino anschaut.
Denn Kino ist der einzige Ort, wo diese präsente Wucht auch gebührend rübergebracht werden kann. Nicht umsonst landete die Ausstrahlung im größten Saal, der dem Film überraschend angemessen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überwindet euren Stolz und traut euch in diesen Film.
Er ist für Erwachsene fast besser geeignet als für Kinder, denn nicht nur die Charaktere sind älter geworden, sondern die Story bezeugt eine derartige Reife, wie sie manch andere – an Erwachsene gerichtete – Filme vermissen lassen.
Mich hat’s zutiefst beeindruckt (und dabei meine ich nicht nur, dass man sich von der üblichen Schmalzigkeit deutscher Filme gelöst hat).
Absolut sehenswert – und dieses Prädikat auch mehr als verdient bekommen!
Reingehen!

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen. Es endet langsam.
Kinostart: 27. Juli 2017

Die irre Heldentour des Billy Lynn

Zugegeben, der Titel liest sich ein bisschen wie in der verkanteten Ecke einer zahlreich bestückten Bibliothek, in die man als Nicht-Literatur-Fanatiker wohl kaum vorstoßen würde und sich dadurch unterschwellig fast schon die Frage stellt, ob man da überhaupt drüber nachdenken sollte, reinzugehen.
Man sollte.
Also nicht nur drüber nachdenken, sondern reingehen.
Die irre Heldentour des Billy Lynn greift eine Geschichte auf, die sich nicht nur mit dem in den USA so beliebten Thema “Krieg” auseinandersetzt, sondern auch in die kulturellen Gepflogenheiten dieses Landes eingreift, sie analysiert, stumm kritisiert und Dinge aufzeigt, die dem gemeinen Tagesschau-Zuschauer so wohl kaum ins Auge stoßen werden.
Wer hier jetzt die abartigsten Kriegsdemonstrationen mit viel Geballer, unglaublicher Gewalt und dem üblichen Blabla über Irak, Iran, Syrien und den ganzen Mist erwartet, der dann in patriotischer Manier fieberhaft von den geldgeilen Filmproduzenten in irgendeiner Art und Weise “verarbeitet” wird, um das amerikanische Publikum möglichst Army-wirksam zu beeindrucken, der geht mit den völlig falschen Erwartungen in diesen Film.
Was mir hier von der Leinwand entgegen gestoßen ist, waren unglaublich sensible Gefühle, eine Geschichte, die dein Herz tief angreift und etwas über einen Jungen erzählt, dass dir nicht nur fast die Tränen in die Augen treibt, sondern hier und da dein Herz bricht.
Das “irre” im Titel sollte man stellenweise tatsächlich als Wegweiser und Hinweis auffassen, was die Machart und Darstellung angeht. Ich fürchte, hier auf dieser Seite des Teichs wird dieser Film wohl nicht so eindrücklich aufzeigen, welche Andersartigkeit in diesen beiden Welten steckt, die vom Regisseur meiner Meinung nach recht gut und von sich selbst distanziert dargestellt wurden.
Mir hat nicht nur das Tänzeln und die Ineinanderverwebung gefallen, sondern auch die unglaubliche Fürsorge, die man hier in die Emotionen eines kleinen Jungen gesteckt hat, der sich dieser Situation auf seine Weise stellen muss und hier eben nicht nur sich selbst Rechenschaft schuldig ist.
Ich muss dazu sagen, dass ich ein “gebranntes Kind” bin, da mein Bruder in der Armee dient und ich somit einen besonderen Bezug zu diesem Thema habe. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – fand ich die Botschaft, die man uns hier überbringen wollte, umso eindrücklicher.
Die Perversion entsteht mal nicht durch irgendwelches Zerfetzen von Menschen, Fleischstücken und Blut, sondern findet auf einer völlig anderen Ebene statt, die damit wiederum hart die amerikanischen Kultureindrücke infrage stellt und somit zur Diskussion anregt.
Nicht nur ob dieser Tatsache ist Die irre Heldentour des Billy Lynn für mich ein sehr wertvoller Film, der die Gesellschaft durch Reflektionen, Provokationen und Aufarbeitungsversuche aus ihrem Tiefschlaf reißen will und Dinge auf den Tisch legt, die genauso diskutiert gehören wie die Tatsachen in Erschütternde Wahrheit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Filmkunstwerk, dass sich mit aktuellen Thematiken auseinandersetzt und sie aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet, ohne dabei ins Sinnlose oder niedrige Niveau abzurutschen.
Die Macher arbeiten hier mit sehr sensiblen Bildern, tasten sich dabei zärtlich in immer schlimmere Bereiche vor und führen dem Zuschauer eine Welt vor Augen, die uns die Medien in dieser Form bisher vorenthalten.
Die zaghaft-feinfühlende Weise, mit der man sich hier einem so harten Kern widmet, ist fast schon auszeichnungswürdig.
Ein Kinobesuch bedeutet hier garantiert eine Bereicherung fürs eigene Leben.

 
Nachspann
Keine Bilder, keine After-Credits Szenen, nichts weiteres – nur alle Teilnehmer in den üblichen Listen. Rausgehen erlaubt.

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