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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 107 Minuten Page 1 of 2

Liebe bringt alles ins Rollen

Ich denke, aufgrund des Kinoplakats spoiler ich nicht, wenn ich sage, dass es hier u.a. um Menschen mit Gehbehinderung geht, wir also einen weiteren “Inklusionsfilm” vor uns haben und manche schon wieder lautstark aufstöhnen, weil man diese unmögliche Wandlung in unserer Zeit kaum noch hören und sehen kann. Zumindest geht es mir so.
Man wünscht sich so sehr, dass die Welt es einfach tut, ohne großartig darüber zu reden oder eine große Sache daraus zu machen. Wenn ich jemand auf der Straße sehe, der meine Hilfe benötigt, dann brauch ich nicht erst Instagram zu Rate ziehen oder einen gesonderten Blogbeitrag verfassen, sondern ich helfe und gut ist. Die Politik zerbricht grade an ihren Aufgaben und nennt es “Integration”, “Flüchtlinge”, “Gender” und was weiß ich, dabei ist es eigentlich nur dieses eine kleine Wörtchen, dass die Lösung der Probleme wäre: Inklusion.
Ein sehr beispielhaftes und aussagekräftiges Bild hat der dazu passende Wikipediaeintrag (zu finden unter diesem Link an der rechten Seite), der es mit simpelster Anschaulichkeit so treffend auf den Punkt bringt: Genau das wäre der Optimalzustand für eine Welt ohne Ausgrenzung, Vernachlässigung und ungerechter Handhabe.
Wie man dort im Beispiel “Integration” sehr gut sehen kann, gibt es nämlich dann immer noch “die” und “uns”, was per Definition schon ein Ausgeschlossen sein aus Gesellschaft und alltäglicher Teilhabe bedeutet und niemandem etwas bringt. Genau das ist der Grund für das Aufstreben einer AfD, für den bürgerlichen Hass, der durch teils unmögliche Parolen aus sozialen Netzwerken und Hetzpropaganda geschürt wird und im Unvermögen der eigenen Denkfähigkeit einen Nährboden findet und dort prächtig gedeiht.
Die Frage ist: Wollen wir das? Wollen die das?
Liebe bringt alles ins Rollen ist nicht darum ein besonders wichtiger Film, weil es um Liebe und Inklusion geht, sondern weil dieser Film selbst in meinen Augen alles richtig macht: Er bringt unbeschreiblich großen Spaß auf die Leinwand und operiert mit einem völlig gesunden und vernünftigen Maß an Humor und Sarkasmus im Rahmen der ganzen biederen Debatten rund um die richtige Aus- und Ansprache von Persönlichkeiten, die wir durch unser unmögliches Handeln damit zwanghaft zu einer gesonderten Integrationsmasse verdammen.
Franck Dubosc, zeitgleich Regisseur und Hauptdarsteller, zelebriert hier eine gewaltige Lachsalvenorgie, die kaum Zeit zum Atmen lässt und die Bauchmuskeln extrem fordert – alles in einem Metier, in dem heute viele lieber die Finger still halten, um lieber nichts falsch zu machen. Diese “Angst” ist genauso falsch wie die Angst vor Bomben und Terrorismus und von dieser Angst ist innerhalb des Films kein Stück zu sehen. Man kann lachen – man kann sich so prächtig amüsieren und es ist fast unmöglich, nicht zu lachen, weil es einfach irre komisch und unglaublich lustig ist, was man hier drehbuchtechnisch und dialoglastig auf die Leinwand bringt.
Das ist in meinen Augen die genau richtige Form des Umgangs mit solchen Themen, Inklusion par excellence, wo aus schwierigen Themen nicht ein statistisch einwandfreies Produkt unaussprechlicher Unaussprechlichkeit geformt wird, sondern man sich vernünftig und ernsthaft auf Basis eines wunderbaren Humors mit den Dingen auseinandersetzt und somit quasi als Zustrom zum Lachen noch beiläufig eines der wichtigsten Dinge unseres Jahrzehnts lernt: Die Akzeptanz von Menschen, die grundverschieden anders sind und womöglich sogar Einschränkungen haben, von denen wir dankbar sind, dass wir sie nicht erleiden müssen.
Damit ist dieser Film ein schon lang nicht mehr dagewesenes Komödienmeisterwerk und Lehrmaterial gleichermaßen, der einmal mehr französische Filmkunst in Vollendung fabriziert und dessen Rollstuhl auf dem Plakat hoffentlich nicht zu sehr abschreckt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer hier nicht reingeht, der verweigert sich einer unwiederbringlichen Zeit voller Fröhlichkeit und Genuss, Lachen und purem Vergnügen.
So herrlich erfrischend, freudig und unkompliziert mit einem so “schwierigen” Thema umzugehen hat sich schon lange keiner mehr getraut. Hier hat Missmut, Angst, Vorsicht und betretenes Schweigen absolut keinen Platz und man ist eigentlich den ganzen Film über beschäftigt, dem Gagfeuerwerk entgegenzutreten und sich vor dem nächsten Joke wieder einzukriegen, weil einem sonst der Bauch vor Lachen zu sehr weh tut 😉
Seit langem mal wieder ein uneingeschränkt empfehlenswertes Stück lehrreicher Comedy-Meisterhaftigkeit, dass jeder im Kino gesehen haben sollte! Reingehen!

 
Nachspann
❌ wartet nur mit der üblichen Nameroll auf und bringt keine weiteren Erkenntnisse.
Kinostart: 5. Juli 2018

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

Zwei im falschen Film

Zwei im falschen Film verlangt dem Zuschauer tatsächlich einiges ab, da man zu mancher Zeit der Meinung ist, man wäre wahrhaftig im falschen Film. Idee und Script mögen zwar interessante Ansätze verfolgen, allerdings ist das Umfeld und die Umsetzung derart laienhaft, dass der Sehspaß schon bald genervter Langeweile und endlosen Szenen ohne wirkliches Weiterkommen weicht. Würde man die Laufzeit nochmals drastisch kürzen, käme man wesentlich schneller auf den Punkt und die Ausfallzeiten würden wegfallen, was daraus dann tatsächlich ein künstlerisches Werk mit Augenmerkverdienst generieren würde.
So aber bewegt man sich stellenweise überhaupt nicht, sondern braucht einfach nur gefühlte Ewigkeiten, um an die Stelle des Plots zu gelangen, die man sich im Verlaufe der Erzählung schon bald denken kann, was hieraus ziemlich zähe Masse werden lässt und nichts mehr von florierender Erzählwirkung beinhaltet.
Wer allerdings einen wirklich schrägen Film sehen will und auch vor unorthodoxen Methoden nicht zurückschreckt, der ist hiermit bestens bedient: Man befreit sich wirklich von allen Konventionen und macht komplett sein eigenes Ding, was eine Vergleichbarkeit nahezu ausschließt. Nur ob dieses Potpourri dann auch jedem schmeckt, sei dahingestellt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehr sehr langatmig, aber auch sehr eigen und stellenweise kreativ: Man spürt einfach, dass hier keine Profis am Werk waren, sondern man es mit Laien zu tun hat, wenn man so möchte.
Grundideen sind toll, Dialogansätze spitze, jedoch zieht sich alles nur durch teilweise Verirrtheit derart in die Länge, dass der Sehspaß dadurch sehr getrübt wird.
Wer auf richtig schräge Dinge steht, ist hier genau richtig.

 
Nachspann
✅ wenn auch nicht optischer Natur, die Kommentare beim Abspann sind mir lustigerweise schon oft im Kopf rumgegeistert.
Kinostart: 31. Mai 2018

7 Tage in Entebbe

Daniel Brühl gilt als deutsches Schauspielwunder und tatsächlich erfreuten sich auch einige Kinonachbarn an meiner Seite, als sein Name auf der Leinwand auftauchte und man wusste: Dieser Film wird wieder richtig gut!
So manch einer beschwert sich zwar über die zunehmende Anzahl “wahrer Begebenheiten”, die derzeit wie am Fließband abgespult und durch die Ränge in den Filmtoplisten gezogen werden, Fakt ist aber: Es ist eine funktionierende Möglichkeit, heutige Generationen, die quasi mehr oder weniger im hermetisch abgeriegelten Whatsapp-Gruppendiskussions-Zirkel aufgewachsen sind, die Geschichte der Welt zu lehren und sie aus vergangenen Taten und Fehlern der Menschheit lernen zu lassen.
Nach der Vorstellung habe ich mit einigen gesprochen, die die Live-Aktivitäten damals noch im Fernsehen verfolgt haben und quasi “aus erster Hand” erzählen konnten, wie es war und dass dieser Film das auch unglaublich gut rüberbringt.
Das Thema ist ernst – brandheiß und mit unglaublicher Sorgfalt beleuchtet worden und die Kombination, mit der man hier an die Erzählweise herangeht, ist bislang einzigartig.
Ich glaube, nur sehr wenige, aufgeschlossene Menschen werden diesen Film in seiner Gänze begreifen und ihn als das Kunstwerk verstehen, dass er tatsächlich ist. Es gehört allein schon übermenschliche Körperbeherrschung dazu, das zu vollführen, womit man im Nachspann verwöhnt wird – und ich glaube, dass diese Art Darstellung von vielen einfach missverstanden wird, weil eben mal absolut keine Standarderwartungen ausgeführt und erfüllt werden, sondern man sich völlig neu mit geschichtlichen Ereignissen auseinandersetzen muss aus einer Warte heraus, die so manch einem vielleicht nicht von Anfang an schmeckt.
Und die Riege an Schauspielern vollführt hier wahre Wunder: Es wird so überzeugend, ehrlich und realitätsgetreu gespielt, dass wirklich keine Zweifel an der Echtheit der Erzählung bestehen und man sich sehr gut in die Lage dessen hineinversetzen kann, auch wenn mir das von “politischer Seite” manchmal etwas zu “plump” wirkte. Die Inszenierung an sich ist aber den Besuch auf jeden Fall wert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Was einem hier vorgelegt wird, ist hochkarätige Kunst auf ganz hohem Niveau!
Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde fürs Kino erzählbar aufbereitet und von einer Mannschaft erneut zum Leben erweckt, die ihre Arbeit wahrlich versteht! Die Bilder, die Inszenierung und das Gesamtwerk gehören für mich weder zu Dokumentation, noch zu Unterhaltung, sondern sind wahrhaftige Kunst, die zu würdigen dem Standard-Zuschauer wohl schwer fallen dürfte.
Versprecht mir, dass ihr trotz allem in diesen Film geht – Avengers: Infinity War ist bis dahin noch nicht ausgekämpft, sondern der läuft nächste Woche noch genauso.

 
Nachspann
Zieht euch diese Körperbeherrschung rein – auch wenn es vielleicht absurd wirkt … probiert es mal aus – es ist unfassbar, was uns da vorgesetzt wird. Haut nicht vorher ab.
Kinostart: 03. Mai 2018

Das Etruskische Lächeln

Die Zeit der mageren Filmauswahl scheint vorüber zu sein – ein spektakuläres Werk jagt das nächste. Und dabei bleiben auch großartige Überraschungen nicht aus: Constantin Film verblüfft mit einer Herzensangelegenheit, die ich diesem Label aufgrund seiner sonstigen Humor-Eskapaden ganz ehrlich niemals zugetraut hätte!
 

“Ich bin stolz auf meine neueste Produktion, die manchen Zuschauer mit einem Lächeln für all das, was Leben bedeutet, aus dem Kino zu begleiten verspricht” – sagt Arthur Cohn (Produzent) zu diesem Werk.

 
Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Buchverfilmung, die jedoch kein schmalztriefendes Klischeekompott serviert, sondern die Zuschauer mit einer grandiosen Prise schwarzem Humor, der verbissenen, zynisch-sarkastischen und gleichsam super sympathischen Charakterart versorgt, die man sich gerne vorstellt und die einen aus der Langeweile des sonstigen Lebens entreißt.
Die Ironie, mit der so mancher Alltag der Menschen gesegnet ist, gipfelt in Das Etruskische Lächeln in einer höheren Erkenntnis, die nicht nur unterhaltsam ist, sondern vielversprechend lustig und gleichermaßen ernst, ohne jedoch die bekannten Roman-Erwartungen zu erfüllen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Macher dieses Werks haben es geschafft, eine Geschichte auf die Leinwand zu schmeißen, die völlig anders, völlig frei und absolut sehenswert ist und darum diese Woche von euch unbedingt in den Kinos angesehen werden sollte!
Keine Vorurteile, kein emotionales Gejammere, sondern eine spritzige, ironische Komödie, die vollkommen anders ist und dabei dennoch die Herzen erreicht: Das Etruskische Lächeln ist jetzt schon ein Hit!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 12. April 2018

The Death of Stalin

Wisst ihr, was großartige Menschen ausmacht?
Sie haben kein Problem damit, wenn sich andere über sie lustig machen, weil sie immer wissen, dass ihre Größe dadurch unangetastet bleibt. Man erinnere sich nur an den Auftritt von Max Giermann bei TV Total, der als Raab-Imitator von selbigem eingeladen wurde – genau diese Größe, über sich selbst lachen zu können, hatte Raab intus und das machte ihn u.a. zu einer unschätzbaren TV-Legende, die bis heute unvergessen ist.
Aber lasst uns mal vom Gegenteil sprechen:
Russland hat von staatlicher Seite aus The Death of Stalin in seinem Land mit der Begründung verboten, es handele sich um die “Verbreitung von Informationen, die auf dem Territorium der Russischen Föderation illegal” seien. Man verunglimpfe die sowjetische Geschichte und habe “noch nie etwas so Ekelhaftes gesehen” – wie die Vorsitzende des Kulturkomitees der Duma, Jelena Drapenko erklärt hat.
Seltsam, dass selbst die russische Presse sowie alle anderen Russen, die den Film vor seiner Veröffentlichung bereits gesehen haben, ihn als “lustig und wahr” empfanden.
Was das über die Regierung der Russischen Föderation aussagt – entscheidet selbst.
Fakt ist: Die Lizenz zum Ausstrahlen wurde erteilt – und dann wieder zurückgezogen. Betroffene Hunde bellen? Wenn man über seine eigene Vergangenheit und mögliche begangene Fehler nicht selbst lachen kann, sondern der Ansicht ist, im heutigen Informationszeitalter inmitten von Cyber-Kriegsführung durch “Rechteentzug” Dinge zum Tode verurteilen zu können, dann hat man sich gehörig geschnitten. Oder ganz mächtig einen an der Waffel.
Aber ich möchte hier nicht über andere urteilen, sondern lieber meine Eindrücke über den Film preisgeben, der so viel Unheil in Russland anrichtet, dass er besser auf den Index gehört:
Tatsächlich haben mir auch hierzulande einige zugespielt, dass sie nicht sonderlich begeistert von dem Werk gewesen seien, weil er weniger lustig, sondern eher dämlich gewesen ist.
Ich frage euch: Was habt ihr erwartet? Iannucci ist für seinen verbissenen Humor bekannt und erhebt einmal mehr das Schwert der Satire, um über Dinge zu sprechen, für die auch hierzulande in DDR-Zeiten unzählige Seelen ihr Leben lassen mussten. Wie – wenn nicht über politische Satire – kann man so etwas aufarbeiten? Oder zur Sprache bringen, um den öffentlichen Diskurs anzuregen?
Im Zuge dieser ironisch verblümten, offenkundigen Aussprache dieser Zustände empfand ich dieses Werk als – politisch betrachtet – sehr weise und ausnahmslos ehrlich – sich selbst und auch dem Zuschauer gegenüber.
Es ist in jedem Atemzug spürbar, dass es sich hierbei um Satire handelt – und eine Regierung bekommt davor Angst und verbietet es lieber? Was genau bedeutet das?
Und wieso reden die von “Informationen” und nicht von “Lügen” und “Unwahrheiten”?
Ist… da … vielleicht …. doch … äh … etwas ….. +grusel+ WAHRHEIT (!!!!!!!) dran?
OH MY ….
Tja, jetzt versteh ich auch, was die Russen meinten, wenn sie von “lustig und wahr” sprachen. Sei’s drum. Ich für meine Person halte es einfach nur für erbärmlich, wenn man seinem eigenen Volk verbietet, sich das anzusehen, worüber ab 29. März auch in Deutschland jeder lachen wird.
Tatsächlich ist es nämlich eine in meinen Augen gelungene Politsatire, die einerseits geschichtliche Randfakten überliefert und sie durch ihre gnadenlose durch den Dreckzieherei entpolitisiert und das Gebaren der unfehlbaren Russischen Föderation dadurch vollkommen durch die Brille der Menschlichkeit bewertet.
Und ja, davon können sich auch aktuell regierende Amtsinhaber dieses Landes noch eine ganz ganz große Scheibe abschneiden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Vorher das Lexikon aufschlagen und unter S wie “Satire” nachschlagen. Dann klappt’s auch mit der Vorstellung in den russischen Kinos.
Gegen Ende waren mir ein paar Längen drin, in denen es entweder zu wenig “Vorwärtskommen” gab oder man einfach das tiefschneidende Schwert bissigen Zynismus’ zu wenig wetzte. Wenn ich jetzt aber zurückdenke, dann ist mir diese irre Truppe doch irgendwie ans Herz gewachsen und ich sehne mich heimlich danach, dass in der nächsten Sneak Preview dieser Titel wieder über die Leinwand flimmert.

 
Nachspann
Aufstehen, rausgehen – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 29. März 2018

Die Sch'tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen

Dany Boon ist vielen ein Begriff und die Sch’tis feierten vor rund 10 Jahren ihren sensationellen Einstand. Dany Boon erzählt, dass sein aktueller Film einer seiner persönlichsten ist, da er hier viel in punkto Beziehung und Familie aufarbeitet. Manche Szenen seien sogar so emotional gewesen, dass sie es nicht in den Film geschafft haben, da sie nicht schneidbar waren, weil er zu sehr in Tränen ausgebrochen sei.
Diese Authentizität, auch wenn sie im Film gespielt ist, kommt sehr gut rüber und eröffnet ein plastisches, fühlbares und durchweg positives Erlebnis, dass seine Kreise in der Komödienwelt zieht und dabei so ziemlich alles an Gefühlsmomenten abgreift und ausschöpft.
Ich habe den Film inzwischen in beiden Varianten gesehen: Original mit Untertiteln und deutsch und kann an dieser Stelle empfehlen, sich der Originalvariante hinzugeben, auch wenn hier sehr viel (und schneller) Text ist, doch – auch wenn man es nicht versteht – begreift sich die Story im Original sehr viel sinnlicher, da erstens die französische Sprache grundsätzlich schon mal sehr sinnlich wirkt und zweitens der “Sprachfehler” hier sehr viel subtiler erscheint und man, sofern man das Original nicht gesehen hat, erstmal eine Zeit braucht, um überhaupt zu checken, dass hier etwas nicht ganz so stimmt.
Natürlich gibt es auch wieder eine Unzahl an heruntergewirtschafteten Ausdrucksstärken, die in der Übersetzung eher schlecht als recht etabliert wurden, jedoch macht der Film in beiden Varianten durchaus Spaß und vermittelt eine gemütliche, herzliche und zum Lachen freigegebene Atmosphäre, die man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dany Boon gilt als einer der Großen Frankreichs und beweist mit seinem persönlichstem Film einmal mehr, was er auf dem Kasten hat.
Story, Emotion, Herzlichkeit und Klamauk geben sich hier die Klinke in die Hand und bringen einen wunderbaren Film für die ganze Familie zurück auf die Leinwand.

 
Nachspann
lässt zwar manchmal zweifeln, dass diese Outtakes tatsächlich so passiert sind und nicht inszeniert wurden, sollte man sich aber dennoch nicht entgehen lassen.
Kinostart: 22. März 2018

Dunkirk

Christopher Nolan ist wieder am Start – und wie es aussieht, verkennt unsere Generation dieses Genie.
“Spoiler: Der ist scheiße.”
“Naja, ich fand ihn nicht so.”

und ähnliches kam mir zu Ohren, bevor ich ihn überhaupt selbst gesehen habe. Nun, was erwartet euch wirklich? Oder besser gesagt: Was habe ich für Erwartungen an den Film gehabt?
Nolan braucht keine Actionballaden, immerhin ist er Nolan und nicht Bay. Aus welchen Gründen auch immer, erwartet jeder aber genau das von ihm. Wieso? Weil der .trailer das bereits signalisierte?
Für mich eher nicht. Sieht man genau hin, hört auf die Musik, sieht die Bilder und erinnert sich an das, was er bei Interstellar abgeliefert hat, war mehr als deutlich, wohin die Reise führen würde.
Und sie tut es. Nolan begreift sich selbst als Unikat, als unverwechselbarer Geschichtenerzähler, der seinen ganz eigenen Stil, seine eigenen Farben, seine eigenen Kamerafahrten und ganz persönliche Note in seine Filme integriert. Wem das bisher nicht aufgefallen ist: Schaut euch doch mal ein paar seiner Filme im Split-Screen an und achtet auf ein paar dieser Faktoren.
Und Dunkirk passt genau in dieses Schema rein: Er ist ein Genie und Genies muss man selbst nicht verstehen. Das ändert nichts daran, dass dieser Mann großartig ist und hervorragende Kinofilme herstellt, auch wenn die breite Masse sie vielleicht nicht begreift oder mit seinen Aussagen nicht klar kommt.
Allein schon die alleinstellungsmerkmalbehaftete Stimmung, die man gleich zu Beginn an konsequent durch den ganzen Film zieht, bietet dem Zuschauer so viel mehr Raum für das, was er zu sagen hat. Hier wird einem nicht mehr Wort für Wort vorgekaut, was die Aussage des Films ist, sondern man bekommt zu jeder Szene genügend Luft, Ruhe, Eindrücke, um sich selbst auszumalen, was er damit sagen will. Und die Tiefe, mit der er dabei in ein Thema vorrückt, dass wir in der westlichen Welt heute alle nicht mehr live kennen, ist beeindruckend.
Gestern haben ich einen Film gesehen, in dem gesagt wurde, dass die Fantasien durch Worte beschränkt werden und man seine Möglichkeiten beschneidet, indem man Dinge in Worte fasst. Nolan tut dies in seinem aktuellen Werk erstaunlicherweise nicht, sondern erzählt durch Bilder, durch Momente, durch Eindrücke und nimmt einen mit auf eine mehrdimensionale Reise in einen Raum, der vor Bedrückung und niedergeschlagener Stimmung nur so strotzt.
Menschliches Ehrgefühl? Ein Epos sondergleichen? Eine von Moral durchklüftete Eindruck schindende Heldenstory mit phänomenalem Ausgang? Fehlanzeige. Ich glaube kaum, dass das eine seiner Absichten gewesen ist – im Gegenteil: Er wollte genau das aussagen, was er mit diesem Film in Bild, Farbgebung und Sound auch tut: Etwas Unbegreifbares greifbar machen und den Menschen in Portionen in den Kopf schütten, die sie verdauen können – Stück für Stück.
Und dafür muss man sich als ungebildeter Zuschauer ein Stück weit auf ihn einlassen und akzeptieren, dass er einfach kann, was er macht. Geht auf diese Reise. Freundet euch mit seinen Bildern an. Die Welt ist noch nicht so weit, dass sie von allein begreift, welche Aussagekraft in diesen Momenten steckt. In spätestens 10 Jahren werden die Menschen dann sagen: “Verdammt, wäre ich damals mal nur ins Kino gegangen und hätte ihn mir da angesehen. Die Chance ist jetzt vorbei.”
Lasst es nicht dazu kommen. Geht rein. Lasst es auf euch wirken. Ich war gestern schwer beeindruckt. Und ich bezweifle stark, dass die große Masse dieses Gefühl zu Hause auf den Minifernsehern nachstellen kann, die derzeit noch überall rumstehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht noch ein Soldatenfilm, nicht noch etwas, was es schon tausendmal gibt.
Nolan schickt euch auf eine Reise, die weitaus vielschichtiger und großräumiger ist, als bisher angenommen. Seine Genialität versteckt sich zeitweise hinter dem Minimalismus, der seinen Filmen angediehen ist und dem Zuschauer Luft gibt, selbst darüber nachzudenken und die Botschaft im eigenen Kopf zu entwickeln.
Er gibt die Verantwortung an den Zuschauer weiter und betet ihm nichts mehr vor. Zeit genug bleibt einem dafür, weil man mit Impressionen nicht überladen, sondern gemächlich zugeflutet wird, während sich die Kernaussage immer weiter manifestiert und in einem historischen Ereignis gipfelt.

 
Nachspann
Der bislang unerwähnte Soundtrack von Hans Zimmer ist es wert, beim Abspann sitzen zu bleiben. Überhaupt hat der Film einen akustischen Mantel, der zu unangefochtener Größe aufsteigt und aus diesem Werk zusätzlich etwas ganz besonderes macht.
Kinostart: 27. Juli 2017

Ghost in the Shell (3D)

Wir alle kennen (hoffentlich) den Anime, Ursprungsland: Japan – was auch gleich der erste große Kritikpunkt der Masse ist: “Wieso zur Hölle habt ihr keine Japanerin besetzt?”
Ähm – weil’s ne amerikanische Produktion ist und die gerne ihre eigenen Leute an die Front stellen? * augenroll *
Allerdings kann ich die Kritiker genauso verstehen, denn das Wesen eines Animes wird nunmal durch das typisch Japanische belebt und erhält nur von dort authentisches Leben eingehaucht, das kriegt man als Nachäffer definitiv nicht so hin – schon gar nicht mit einer fremdländischen Hauptdarstellerin. Und wohlgleich, Scarlett Johansson schafft es auch nicht, den Film durch ihre eigene Persönlichkeit allein zu tragen und damit ein Denkmal unglaublichen Ausmaßes zu setzen, dass Ghost in the Shell wieder auf international anbetungswürdiges Niveau setzt.
Dennoch schafft man es als Zuschauer auch nicht, während der Spielzeit Hass aufzubauen, denn die Macher drumrum haben sich unglaublich Mühe gegeben, um an allen Ecken und Enden Sympathien aufzubauen, die unbestreitbar geil sind. Allein die Kulisse, das Set-Design, die brachiale Action, die mysteriös-böse Stimmung läuten hier so heftig die Glocken der Glückseligkeit, dass man trotz allem frohlockend auf den Kinostühlen hin und her rutscht und vergnüglich bei der Sache bleibt.
Ich habe den Film mittlerweile drei Mal gesehen (und das allein sollte ja schon was heißen) und werde ihn mir – sofern die Zeit es zulässt – auch noch einige Male im Kino besehen, denn nur dort funktioniert er in seiner Wucht genau so, wie es von den Drehbuchschreibern gedacht war.
Am Ende fällt es gar nicht mehr weiter großartig ins Gewicht, dass der Hauptcharakter etwas blass erscheint, denn das Drumrum passt einfach. Allein schon, wenn man beim Raustigern aus dem Saal von dem düstren Soundtrack begleitet wird, fährt einem wieder einmal die Gänsehaut über den Rücken.
Ich fand ihn unglaublich spannend gemacht und das Mysterium, dass man in die Szenerien gesteckt hat, absolut gelungen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Folglich sollte man sich auch als Verabscheuer Hollywoods dazu bemühen, eine Kinovorstellung zu besuchen, denn nicht nur ich fand den Film trotz allen westlichen Mankos mehr als gelungen.
Natürlich sollte man jetzt nicht deeeeen tiefgreifenden Plot erwarten, der die Masse mit unglaublichen Überraschungen wegbasht, im Großen und Ganzen hat das Werk aber definitiv seine Daseinsberechtigung und wird anschließend wohl auch den Weg in mein Heimkino finden – aber auch nur, weil der Fernseher groß und die Anlage laut genug ist. Alles andere (Free-TV, Netflix und Co.) hat bei diesem Werk absolut keine Chance.
In diesem Fall zählt wieder einmal: Kino – Dafür werden Filme gemacht.
Also nutzt die Chance, solange sie da ist.

 
Nachspann
wird von tollen Sounds begleitet, während man langsam aus dem Saal waben kann, weil hinterher nichts mehr kommt.

xXx: Die Rückkehr des Xander Cage (3D)

Wir sind in einem Kinozeitalter angekommen, in dem die Technik das Bewusstsein des Menschen längst überholt hat. Smartphones, die weit über den Standards dessen sind, was damals angeblich zur Mondlandung verwendet wurde, und CGI-Animationen sowie technische Täuschungen, die erst auf Nachfrage hin enttarnt werden, gehören heute fast schon zum guten Ton.
In so einem Zeitalter ist xXx: Die Rückkehr des Xander Cage entstanden und triumphiert mit einem 3D, das nicht nur sensationelle Raumtiefe aufweist, sondern durchaus wieder Maßstäbe setzt respektive beweist, dass wir tatsächlich in dieser Moderne leben.
Vin Diesels Auftritte gehören aber nicht zur abgeflacht-mauen Form dieses Jahrzehnts, sondern er brilliert hier mit imposanten Stunts und lässt das Action-Kino des Millennium wieder aufleben, aus dessen Jahrzehnt auch die Vorgängerteile von Triple X stammen.
Eben jene, die damals richtig Spaß dabei hatten, ihren Titelhelden dabei zuzusehen, wie sie die Welt um sich herum für irgendeinen simplen Sinn in Schutt und Asche gelegt haben, werden mit der aktuellen Fortsetzung erneut in den Kinosessel gefesselt und nicht nur mit altbewährter Action überhäuft, sondern auch mit Stunt-Szenen, die Maßstäbe in Detail, Dreidimensionalität sowie Ästhetik setzen und sich damit fast schon zur Kunstform emporheben.
Ganz im Ernst: Die Dialoge, die “Bösewichte” im Film gehören zurück in die 90er, ihre stupiden und teilweise lächerlichen Darstellungen passen genau in das gewollte Actionkino dieses Jahrzehnts, was auch einen sehr genauen Eindruck des Zielpublikums vermittelt – die Actionmomente selbst jedoch steigen in eine ganz andere Liga auf.
Man spürt deutlich, dass man hier mehr als stumpfes Rumballern zeigen wollte und mit Kamera-Choreografien um sich wirft, die mich tatsächlich an liebevolle Kunstszenen erinnern statt an stupide Gewehrsalven und Haudrauf-Szenen.
Damit trifft man den Kern der Aussage und holt tatsächlich all jene, die ihre einstigen Helden wieder im Kino erleben möchten und liefert ihnen alte Geschichten in modernster Form auf der Leinwand.
Zur Jahrhundert-Umwälzung wird diese Fortsetzung wohl kaum mutieren, und sich extrem lange im Kino halten wohl auch nicht, allerdings reicht das Aufgebot bei weitem aus, um wieder mal einen so richtig abgefahrenen Action-Abend zu genießen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also: Popcorneimer voll machen, Hirn leer, hinsetzen und die Show genießen.
Die Sinnhaftigkeit gleicht derselben aus vergangenen Jahrzehnten aus diesem Genre, hier wird nicht viel modernisiert, die Grafik hat sich aber abartig verbessert und die Choreografien der ästethischen Kameraführung sind ein Augenschmauß sondersgleichen.
Und noch ein Pluspunkt zum Schluss: Diesel ist nicht austauschbar und sympathisiert hier wieder als ein Unikat vergangener Jahrzehnte.

 
Nachspann
Abgesehen vom Soundtrack passiert hier nichts sehenswertes mehr.

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