100 Minuten

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Wir sind wieder im deutschen Kino und man findet auf der Leinwand diesbezüglich fast alles, was hierzulande Rang und Namen hat – zumindest, wenn man die aktuellen Teenie-Stars mal so durchforstet. Dementsprechend kratzt man auch wieder an meiner heiß geliebten Theatersprache und beordert meine Fav-Stars gleich mal in den Keller, weil man so einfach nicht spricht. Aber was soll’s.
Samuel Finzi dürfte meinen Lesern aktuell noch aus HERRliche Zeiten in Erinnerung sein und wenn ich euch jetzt verrate, dass sein vorheriges Projekt Hot Dog war, dürfte jeder wissen, wie meine Sympathien um diesen Darsteller stehen und mit welchen Gefühlen und Erwartungen ich diesen Film begonnen habe.
Die Startvoraussetzungen sind also unterirdisch und genau da setzt wohl auch der Plot an, der – zu meiner großen Überraschung – zwar von vielen kleinen filmischen Gemeinheiten gebeutelt wird, sich daraus aber extravagant empor kämpft und dem Zuschauer, im speziellen dem Zielpublikum, eine wahrhaft sehenswerte Story vorbeibringt, die von Moral und guten Vorbildern geprägt ist und gleichsam durch seine Ungewöhnlichkeit ungemein viel Spaß bereitet.
Wer jetzt mit Anstand und Konservativismus ankommt, so von wegen “Teufel”, “Dämonen” und “Das ist nichts für Kinder, schon gar nicht für meine”, darf diese Vorurteile gerne sofort wieder einstecken, denn davon ist im Film rein gar nichts zu sehen. Schaut euch ein Profilbild des Darstellers an, dann seht ihr alles, was an “Teufelsfratze” im Antlitz erstrahlt – die Kindertauglichkeit ist demnach also gewährleistet.
Vielmehr finden die diabolischen Streifzüge eher in den Handlungen statt, wobei hier angemerkt werden darf, dass der Alltag in deutschen Schulen wohl oftmals wesentlich boshafter ist, als auf der Leinwand gezeigt. So mag wohl auch manch einer die Überschwänglichkeit der guten Seite anzweifeln, die jedoch im Rahmen des Films meiner Meinung nach super ausgelotet dargestellt wurde und fast wie der sprichwörtlich trockene Schwamm vorbildhaftes Verhalten an die Tagesordnung bringt, die unserer Gesellschaft in Teilen heute so arg fehlt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist schon bezeichnend, dass man erst in die Hölle hinabsteigen muss, um moralisch-ethisch vertretbares Handeln zu finden, was metaphysisch betrachtet schon wieder ein glanzvolles Beispiel zum derzeitigen Zustand unserer Welt offenbart.
Das alles in einen kinderfreundlichen Film verpackt, der wieder ehrbares Verhalten lehrt und dabei noch wunderbar unterhält, ist Inhalt dieses Films. Familientaugliche Kost, die gerne im Kino konsumiert werden kann – wer danach noch mit den Kids über das Verhalten der verschiedenen Charaktere spricht, hat pädagogisch alles richtig gemacht! Top!

 
Nachspann
✅ Ist zwar nicht sonderlich wichtig oder Story-vorantreibend, aber es werden alle Figuren nochmal schön bebildert gezeigt.
Kinostart: 28. Juni 2018

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Roman Polanski verdanke ich einen meiner absoluten Lieblings-Highlights aus meiner Kindheit: Die Neun Pforten. Ich liebe diesen Film für seine Hingabe und Eleganz gegenüber Büchern und dem skurrilen und niemals aufhörend spannenden Plot, der sich in vielschichtigen Charakteren vergräbt und alle irgendwo miteinander verflechtet. Ein Gourmet-Tableu auf höchster Ebene, dem man seinen Intellekt und die gebührende Wahrnehmung von exzellent geschriebenen Worten ansieht.
Genau dies kann man auch über Nach einer wahren Geschichte sagen, ein Film, der sich ebenfalls wieder in diesem Metier bewegt und dazu diesmal grandiose, weibliche Charakterstärken ausspielt. Man spürt einfach, dass sowohl die Autorin als auch der Filmemacher ihre Künste haben spielen lassen, um jeweils ein an die Leser-/Zuschauerschaft angepasstes Werk zu liefern, das wirklich keinerlei Wünsche offen lässt. Es ist sensationell, wie man sich stückweise immer tiefer in dieses Spinnengeflecht eingräbt und hier eine wunderbare Eva Green und Emmanuelle Seigner (mit der Polanski verheiratet ist) einfach genau das ausleben lässt, was die beiden am besten können.
Diese glückliche Ehe-Fügung gab es zuletzt in A Quiet Place – scheinbar ist es für alle von Vorteil, wenn die Darsteller irgendwie etwas mit Machern / Darstellern des Films selbst zu tun haben, weil hier dann wohl manchmal eben kurioserweise keine Worte gebraucht werden, sondern man einfach durch stillschweigendes Verständnis glänzen kann.
Mich hat’s umgehauen, auf literarisch-darbieterische Art, und der Twist, den man hier auffährt, führt einen hervorragend durch die Story, die schlussendlich in einem zufriedenstellenden und glorreichen Finale mündet, dass garantiert niemanden bockig wieder nach Hause schickt.
Warum auch immer man hier so zurückhaltend mit PR und Öffentlichkeitsarbeit umgeht, versteh ich zwar nicht, dass den Film jeder Liebhaber tiefgründiger Kost gesehen haben sollte, empfehle ich gerade deshalb.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es wird sich zeigen, inwiefern größere Kinos sich dazu ermuntern, eben jene Filme zu bringen und dem Gast anzubieten, sehenswerte Kost ist das auf jeden Fall!
Dafür muss man kein Fan von Polanski sein, sondern es reicht, wenn man den Dingen “alter Schule” ein paar Nettigkeiten abgewinnen kann. Auf die rasante Fahrt durch den Dschungel der Ereignisse reißt einen der Film dann ganz von selbst!
.kinoticket kaufen und reingehen – ihr werdet nicht enttäuscht!

 
Nachspann
❌ Braucht nicht ausgeharrt zu werden, außer Darstellern und Crew kommen hier keine weiteren Schmankerl zum Einsatz.
Kinostart: 17. Mai 2018

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Fünf Freunde zählt bereits zu den bekannten und etablierten Buchreihen, die sich in Kinderzimmern schon längst ausgebreitet haben und ebenso im Kino einer großen Beliebtheit erfreuen. Mit Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier erleben wir nun schon das fünfte Kinoabenteuer, dass jetzt nach mehrjähriger Pause und fast kompletter Neubesetzung einen quasi Neustart der Erzählungen hinlegt, da man bereits im Vorgänger schon gemerkt hat, dass die Schauspieler für ihre Rollen langsam zu alt wurden.
Um der angehenden Anzweiflung in Sachen Glaubwürdigkeit entgegenzuwirken, hat man also den Trupp neu besetzt und sich anschließend wieder vollends in die Kindererzählung geschmissen und dabei wohl nicht bemerkt, dass an (zu) vielen Stellen eben jene Glaubwürdigkeit weiterhin angezweifelt werden darf. Zumindest, was die denkende Bevölkerungsschicht betrifft.
Ich bin (als Erwachsener) auch weiterhin Verfechter und Möger von Kinderfilmreihen im Kino, nicht umsonst habe ich sogar dieses Blogprojekt mit einem herrlichen Kinderfilm gestartet.
Man findet mich bekanntlich auch in Babyfilmen vor, deren Sichtung ich zwecks Rezension gerne über mich ergieße, weswegen ich mich ebenso mit Freuden in das neueste Abenteuer der Fünf Freunde aus der Kinderbuchreihe von Enid Blyton gestürzt habe.
Was mir hier bitter aufgestoßen ist, war, dass man quasi grundsätzlich mit einer Lässigkeit davon ausgeht, dass die Zuschauerschaft zu doof ist, um zu kapieren, dass viele Dinge so einfach nicht funktionieren. Natürlich ist es dramaturgisch vorteilhaft, gewisse Handlungen eben mit einer “Spektakulär”-Portion auszustatten, die Kinderherzen gerne höher schlagen lassen darf, wenn’s dann allerdings pädagogisch gefährlich wird, sollte man spätestens die Reißleine ziehen und sich nicht mit physikalisch unmöglichen Dingen über die Szenen hinweghelfen.
Genau dies wurde hier aber reichlich getan. Inmitten eines Bads aus unzähligen Klischeerollen, die sich gegenseitig die Klinke in die Hand geben, wird hieraus ein von Älteren geächtetes Werk, da sich diese Dinge so weit von der Realität entfernt abspielen, gleichzeitig aber zu wenig Abstand da ist, um mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Kleinen dies als “nur” eine Geschichte respektive Märchen begreifen und nichts mit der Wirklichkeit assoziieren.
Natürlich sind die Kulissen beeindruckend und auch das prähistorische Zeitalter hat man wesentlich netter in seiner Rolle aufgehen lassen, als es z.B. bei Conny & Co. 2 der Fall war – allerdings bleibt der fade Beigeschmack von zu viel absurdem Klischee und zu wenig intellektueller Verantwortung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Den Kindern wird hier zu wenig zugetraut und zu sehr auf altbackene Klischees gesetzt – das gibt dem Film einen faden Beigeschmack und lässt ihn trotz exzellenter Neubesetzung weiterhin an seiner Glaubwürdigkeit scheitern.
Die Kulisse ist toll, der Soundtrack und das technische Drumrum hervorragend ausgestaltet, nur am Drehbuch und einigen pädagogisch fragwürdigen Aktionen hapert es hier und da.

 
Nachspann
ist gespickt mit Outtakes vom Dreh, man muss also nicht gleich raus sprinten.
Kinostart: 15. März 2018

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Bei diesem Titel braucht man vorab ein paar Setting-Erklärungen, sonst geht die Sache gewaltig in die Hose:

    • Der Film zählt zum Horror-Genre, darüber sollte man sich im Klaren sein. Das bedeutet, er kann auch im Rahmen einer FSK-18-Sneak Preview gezeigt werden. Das Kinopersonal anzuschnauzen, dass man so etwas doch nicht in einem Kino zeigen könne, ist hier garantiert nicht intelligent. Genau dafür sind u.a. Sneak Previews da: Um Dinge auf den Screen zu bringen, die nicht im üblichen Kinoprogramm durchlaufen würden. Danke an die Kinos – shame on you an die Beschwerer.
    • Erinnert ihr euch noch an die gute alte Zeit, wo man einfach Klamauk als festen Bestandteil eines jeden Horrorfilms kannte und es seltsam war, wenn die gewollt ironisch-billige Komik während der Blut- und Angstszenen fehlte? Genau da wollten die Macher Winchester – Das Haus der Verdammten haben: Als eine Hommage an diese Zeit. Billiger Plot, angsteinflößende Szenen, die in Lachkrämpfen enden und doch irgendwo horrös rüberkommen.
    • Ja, der Film sieht sich nicht als Blockbusterüberflieger und möchte genausowenig Independent-Geheimtipp sein: Er ist ehrlich zu sich selbst und vermittelt zu jeder Zeit, dass er einfach einen gemütlichen Kinoabend verspricht, der an die unbeschwerte Kindheit erinnert und einem mal wieder so richtig gechillt die Comedy-Eier durchschaukelt, während um einen herum diese von merkwürdigem Humor umflügelnden Angstzenen tanzen.
    • Man soll sich nicht gruseln, man soll belustigt sein.

 
 
Und damit wäre jetzt eigentlich alles gesagt und ihr seid bereit dafür, .kinotickets zu ordern und diesen Streifen zu genießen.
Die Idee ist nämlich durchaus gelungen, hält sogar Stücke aus der Realität parat – soll heißen: Die Gruselvorlagen entstammen dem echten Leben.
Das Bühnensetting steht auch völlig diskussionsfrei erhaben da: Die grandiosen Bauten und imposanten Einrichtungen allein sind ein Blick in diesen Film wert.
Und obwohl man während des Films manchmal seine Plot-Zweifel hegt (und auch hegen darf), so ergießt sich die Auflösung dann wieder völlig in Logik, insofern man oben benannte Regeln beachtet: Nehmt es einfach nicht ernst, sondern erfreut euch an einem wunderbar traditionellen Stück Horror.
Der Fakt, dass sich so viele bereits jetzt darüber aufregen (Ja, er lief in der Sneak) zeugt eigentlich nur von einer traurigen Wahrheit: Das Volk ist viel zu wenig getrimmt auf Horror – schon gar nicht im Kino. Wir wurden weichgespült und uns wurde der Umgang mit Horrorfilmen aberzogen. Der Zuschauer weiß nicht mehr, wie er mit solcherlei Stoff umgehen soll und fühlt sich überfordert, da er ansonsten nur mit geistigem Dünnschiss zugelallt wird oder mit ikonischen Blockbustern umschmeichelt.
Da kann der Horror in sich noch so gut sein, bewertet wird immer schlecht, weil: Horror.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und zieht euch dieses Werk rein, denn hier hat man den Griff ins Klo mal sagenhaft verfehlt 🙂
Man orientiert sich an alten Werten, komödiantischem Horror und trifft damit auf ein Genre, dass nichts im Mainstream verloren hat, sondern einfach Spaß macht und unterhält. Beachtet die obigen Regeln und ihr werdet dieses Ding lieben.

 
Nachspann
Hier seht ihr die originale Dame, was belegt, dass die ganzen Spukvorlagen tatsächlich aus realen Ängsten entstanden sind. Toll, dass dann so als Film herauszuarbeiten.
Kinostart: 15. März 2018

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Leute: GEHT! DA! REIN!
Es ist doch einfach unfassbar: Die Zeit ist absolut reif, um zu sagen: Pumpt etwas mehr Kohle in die deutsche Filmproduktion und wir haben in ein paar Jahren ernsthafte Konkurrenz für Hollywood in unserem eigenen Land!
Klar, auf dem Plakat ist Moritz Bleibtreu zu sehen, der als deutscher bekannter Schauspieler schon einiges verzapft hat und jetzt vielleicht nicht bei jedem Zuschauer Sympathien hervorruft. Nur Gott kann mich richten gehört meiner Meinung nach jedoch zu seinen besten Werken und hält – als Gesamtpaket – die absolute Spitze, was deutsche Filme angeht, derzeit spielend leicht im Alleingang aufrecht!
Die immer wieder erwähnte Tatsache, dass sich dieses Land Tragödien, Dramen und düsterer Materie zuwenden sollte, um cineastisch erfolgreich zu sein, wird einmal mehr überdeutlich aufgezeigt und entfacht in mir die Sehnsucht nach genau solchem Stoff – und zwar viel mehr!
Hier landet man direkt in einem packenden, faszinierenden und gleichzeitig emotional bewegenden Stück schwarzer Filmgeschichte, die gleich von Anfang an fasziniert und mitreißt – und bei der einfach alles stimmt!
Sprache => Dialekt. Ohne Fremdschämen. Klasse!
Soundtrack => hat Hollywoodblockbustern durchaus das Wasser gereicht und erzeugt eine bizzelnde und knisternde Stimmung, die den Big Budget-Produktionen in nichts mehr nachsteht.
Plot / Twist => mag einigen Vorbildern ein wenig nachhängen, ist aber im Rahmen dieser düster-schauerlichen Film-Noir-Atmosphäre richtig gut angepasst und erzeugt Stimmung. Und genau das treibt diesen Film richtig vorwärts und macht ihn zu einem der sehenswertesten deutschen Produkte, die derzeit auf dem Markt zu finden sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance und schaut, was aus deutscher Filmschmiede entstehen kann – auch wenn man hierzulande immer noch auf Erfolge baut, die kaum vorhanden sind: Dieser Film treibt das internationale Ansehen Deutschlands auf Kinoebene weit nach vorne.
Definitiv ein sehr empfehlenswertes, düsteres und ernstzunehmendes Genre, dem sich Özgür Yildirim da geopfert hat – weiter so!

 
Nachspann
Wer auf die Musik abfährt: Kinos haben immer noch geilere Anlagen als mancher zu Hause – ansonsten kommt da nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

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So herzlich und wärmend wie die Farben des Kinoplakats rüberkommen, so strahlt der Film eine familiäre, unglaublich lustige und zugleich dramatische Präsenz aus, die wieder absolut für das französische Kino spricht: Die Herren und Damen dort wissen einfach, was sie tun – und begeistern in Eine bretonische Liebe einmal mehr mit ihrer cineastischen Brillanz.
Man spürt, dass man hier nicht auf Schema F zurückgreifen wollte (obwohl viele Anhaltspunkte dafür da gewesen wären), sondern man sich ganz zielgerichtet und bewusst für die Divergenz zum sonstigen Kinoalltag entschieden hat – und Leute, das tut so unfassbar gut, dass es dafür kaum Worte gibt.
Damit landet Eine bretonische Liebe auch in meiner Toplist der besten Filme, die diese Woche anlaufen und die man sich zwingend im Kino anschauen sollte: Der Sehspaß ist nämlich nahezu ungetrübt von irgendwelchen Ausfällen jedweder Art.
Selbst die Portion Durchschnittsdepp, die man hier auch reingepackt hat, erzürnt in keinster Weise, sondern stößt höchstens hier und da mal mit etwas zu spürbarer Reserviertheit auf, was aber den Gesamteindruck nur wenig bis keinen Schaden nehmen lässt, sondern das durchaus gelungene Kinostück in seiner Glückseligkeit verharren lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier stimmt einfach alles: Eine mega Portion Herz, ganz viel Kinoverliebtheit, tolle Story, klasse Schauspieler und wahnsinnig gute Unterhaltung.
Für mich definitiv der Film der Woche – sofern man noch nicht weiß, wo man demnächst reingehen sollte.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, der läuft nur auf die übliche Weise durch und bringt keine Überraschungen mit sich.
Kinostart: 21. Dezember 2017

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Wer von euch hat manchmal (oder immer) das Gefühl, dass die Politik heutzutage nur noch am Versagen ist? Hände hoch!
Ich predige schon lange davon, dass man, um etwas zu lernen, heute nicht mehr in Schulen gehen oder TV schauen muss, sondern ins Kino gehen sollte, denn dort spielt sich das ab, was hinterher (oder vorher) auf unserer Welt passiert (ist).
Das Kongo Tribunal ist erneut ein meisterliches Beispiel dafür, dass an dieser Behauptung definitiv etwas dran zu sein scheint, denn dort, wo die Politik schon seit jeher versagt hat, obsiegt dieses Werk mit seinem unerschütterlichen Drang, den Schrei nach Gerechtigkeit zu beantworten, der aus so vielen Kehlen schon seit Jahrzehnten brüllt.
Milo Rau wird wohl für viele auch kein unbeschriebenes Blatt mehr sein, zumindest diejenigen, die sich mit seinen anderen Arbeiten befasst haben und man mag auch hier wieder Urteile über Selbstbeweihräucherung oder -inszenierung ausschütten, aber das alles interessiert mich reichlich wenig.
Das Kongo Tribunal spielt zwar in fernen Ländern, geht uns aber als Konsumenten alle an und durchdringt die Kulisse zur machtpolitischen Auseinandersetzung der Wirtschaftsriesen, die unseren unbändigen Hunger nach Konsum zu stillen versuchen und dabei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.
Und damit wird jeder – auch in Deutschland – zur Verantwortung gezogen und durch Rau seiner Untätigkeitsargumente beraubt – und das ist gut so. Denn Gerechtigkeit ist das einzige, dass uns vor dem Untergang bewahrt – und gerade davon existiert in letzter Zeit so unfassbar wenig, dass es einfach nur zum Heulen ist.
Und da prescht Das Kongo Tribunal als volksziviles Event nach vorne, um der Politik zu zeigen, was passieren muss, damit die entsprechenden Täter zur Rechenschaft gezogen und tatsächlich Urteile gesprochen werden, nach denen rechtskräftige Konsequenzen folgen – die auch als Präzedenzfall dienen und offenbaren, dass anderen Branchen das gleiche blüht, wenn sie Menschenleben so missbilligend behandeln.
Dieses Tribunal einzuberufen und es zu filmen, um es anschließend durch die Äther der Kinos an die Öffentlichkeit zu verteilen und zu beweisen, dass es eben doch geht – wenn man will – ist eines der größten Kunststücke, dass man in menschenrechtlicher Hinsicht in letzter Zeit gestartet hat – und ich bewundere es.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Gerechtigkeit sucht: Hier ist sie.
Als Vorbild, Präzedenzfall für die Politik und Beispiel, wie man ein guter Mensch sein kann.
Wieder einmal ist Kino menschlicher als das Leben selbst und beantwortet all die Schreie der Opfer in nur einem einzigen Film.
Das verwegene Konstrukt der Komplexität von Verantwortung und Rechenschaft zeichnet sich auch in diesem Werk hervorragend ab und überlässt dem Zuschauer, wie er damit umgehen möchte.
Meisterhaft.

 
Nachspann
Sitzenbleiben – hier werden noch einige wichtige Statements genannt, bevor man dann vollständig entlassen wird. Beim Scrolling könnt ihr quasi dann raus.
Kinostart: 16. November 2017

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Robert Pattinson kennt man in unserer Generation wohl eher aus der Twilight-Saga, mit der er sich international berühmt gemacht hat. Was ich an dem Jungen aber viel mehr bewundere, ist seine Entscheidung, sofort im Anschluss in die Independent-Produktionen zu wechseln und seine Karriere dort aufzubauen, statt sich – wie üblich – für Massenprodukte fürstlich bezahlen zu lassen.
Und es gibt ja bereits viele Titel, in denen er mitwirkt, die sich wirklich sehen lassen können und die ich den Twilight-Filmen immer vorziehen würde. Good Time gehört meines Erachtens dabei zu den wahren Stilblüten, in denen er die Hochkonjunktur seines kreativen Schauspielschaffens zeigen und erbarmungslos ausleben darf. Dieser Film ähnelt durch die Methoden des modernen Film Noir einer irren und subtilen Fahrt in die Abgründe des Wahnsinns solcher Eskapaden, die beim Zuschauer definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Es macht höllisch Spaß, dem düsteren Schaffen zuzusehen und selbst ein Teil davon zu werden. Dabei driften die Schöpfer auch niemals zu stark auf die Bahn der Hollywood-Geldmacherobjekte, sondern bleiben ihrem Hang zum Nischenkino immer treu. Angeführt von einer mehr als interessanten Persönlichkeit mit einer einzigartigen Ausstrahlung profitiert Good Time tierisch von Pattinsons Anwesenheit und macht aus diesem bislang nicht viel umworbenen Stück ein modernes Kinowunder.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unbedingt reingehen! Einer der besten Darbietungen, die Twilight-Star Robert Pattinson je abgeliefert hat!
Zerreißt vor Spannung, Ambiente und diebischer Hingabe an ein Kinogenre, dem wir wieder etwas mehr Aufmerksamkeit widmen sollten! Einzigartig!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiteren Szenen oder Abfolgen. Rausgehen erlaubt!
Kinostart: 2. November 2017

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Soll ich an dieser Stelle auch mal mit “Untertiteln” anfangen und über meine Kritik “Eine Abrechnung” schreiben?
Denn genau das ist es, woran der Film meiner Meinung nach tierisch krankt: Er schürt beim Zuschauer durch diesen blöden Untertitel immens falsche Erwartungen, was in derber Enttäuschung mündet, da genau diese absolut nicht geliefert werden.
Ich weiß natürlich nicht, wie andere das sehen oder auffassen, ich kann da nur von mir ausgehen – als jemand, der das Buch nicht gelesen hat (aber jetzt gerne lesen würde), hätte ich erwartet, dass eben genau das im Film gezeigt und inszeniert wird, was der Untertitel verspricht: Eine Putzfrau packt aus.
Dass im Bezug auf “Unter deutschen Betten” dann eben sehr pikante Details über das Privatleben “echter” Bürger offenbart werden, was wiederum eine interessante Fallstudie zum Thema Öffentlichkeitserscheinung vs. reale Tatsachen darstellen würde – und so etwas interessiert mich brennend! Ein Blick hinter die Kulissen der Fassaden, mit denen fast jeder auf der Straße rumrennt und die von jemandem widerlegt werden, der genau hinter diesen Kulissen arbeitet.
Und da ist der Film auf ganzer Linie enttäuschend: Man könnte fast meinen, er ist eine Art “Rahmenhandlung”, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen ist, der dabei wieder auf völlig andere Augenmerke wert legt und sich um den eigentlichen Inhalt einen Dreck schert. Und dabei aber immer mit dem nicht einsehbaren Werk vor den Augen der Zuschauer rum wedelt, der es kaum erwarten kann, doch endlich etwas präsentiert zu bekommen … und dann wohl oder übel auf den zusätzlichen Kauf des Buches angewiesen ist. Marketingstrategisch auf jeden Fall wiederum ein sehr kluger Schachzug, der allerdings auf dem Rücken des Kunden ausgetragen wird.
Kommen wir dann zum Film ohne diesen Untertitel, bleibt ein weiteres Werk, dass zwar bei Weitem nicht an die unterirdische “Größe” von High Society heranreicht, jedoch die gleiche Klientel zum Thema hat und daher bei mir etwas bitter aufstößt.
Ja, ich weiß, wie es ist, wenn man Geld hat – ich weiß aber auch, wie es ist, wenn man mit 10 Pfennig (umgerechnet 5 Cent) im Monat (!) klar kommen muss und 2 ½ Jahre auf eine Dose Pringles sparen müsste und daher seine ganze Kindheit über nie eine zu essen bekommen hat.
Und genau aus dem Grund halte ich es für falsch, mit Besitz und Reichtum hausieren zu gehen und diese blöde öffentliche Zurschaustellung zu zelebrieren, während woanders Leute um ihr Leben kämpfen. Und die peinlichen “Von oben herab”-Spendengalas sind einfach nur bitter und lächerlich, weil sie den Leuten vielleicht Geld vermachen, jedoch keine Wertschätzung und Anerkennung liefern – und genau das hätten die Ärmsten der Armen aber verdient.
Dass hier dann die Chance mal genutzt wird und diese Scherenstellung der Gesellschaft auseinandergepflückt wird, ist zwar tendenziell zu erkennen, mündet für mich aber auch nicht in der bleibenden Moral, die ich dabei hintenan gestellt hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich widersprechen sich Untertitel und Inhalt des Films, was in meinem Fall zu einer herben Enttäuschung mutierte, statt zu vergnügter Offenbarung der Fälle hinter den Kulissen unseres Lebens.
Die teils ausbleibenden Lacher im Kino zeugen davon, dass es anderen ebenfalls so geht und auch mit einer Ansammlung nationaler Stars dabei kein großer Hit gelandet wurde, sondern allenfalls eine Nebensächlichkeit.
Man könnte den Film quasi als Rahmenhandlung zum Buch sehen – und sollte spätestens danach zur Lektüre greifen, damit sich der Untertitel auch noch erfüllt.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – gebt den Saal zum Reinigen frei ^^.
Kinostart: 5. Oktober 2017

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Michael Bully Herbig gehört in Deutschland zu einem der ganz großen – zumindest, was meinen Geschmack und meinen Humor angeht. Seine berühmte Bullyparade war damals Aushängeschild im TV und hat eine ganze Generation begeistert.
Nachdem Stück für Stück all jene abgetreten sind, die man als Herangewachsener heute aus seiner Kindheit schmerzlich vermisst, landet nun endlich ein Meilenstein deutscher TV-Geschichte auf der großen Leinwand und bietet somit allen Fans die Chance, ihre Lieblinge nochmal auf dem Screen bewundern zu dürfen.
Und die Show lohnt sich! Die Dichte der Gags, die gewohnt übliche, durchgeknallte Form humoristischer Überlegenheit, der “alte Charme” – all das ist wieder da und besticht mit wahnsinniger Freude die Fans und das Publikum. Es fühlt sich an, als wäre die Bullyparade in seiner Gänze auf einen Kinofilm projiziert worden und man hätte einfach nur die Werbepausen von damals ausgelassen und stattdessen mit noch mehr Gags gefüllt.
Der Saal war jedenfalls am Brüllen vor Lachen und der Film erhielt bereits weit vor Kinostart schon standing ovations vom Publikum, die – zumindest meinen Interviews nach – alle sofort nochmal reingegangen wären.
Auch ich werde mir jetzt ein finales Bild dieses Films geben und die Chance nutzen, wieder und wieder reinzugehen, sofern es die Zeit zulässt, denn hier hat man endlich wieder einen deutschen Großmeister, der sein Handwerk wirklich versteht und dem nichts zu schade ist, um es in den Dreck zu ziehen, so dass eine ganze Nation sich darüber herrlich amüsieren kann.
Mehr davon!!!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz groß!
Nehmt euch die 14-Uhr-Vorstellungen vor, dann habt ihr direkt im Anschluss die Chance, gleich nochmal reinzurennen, denn ihr werdet sie brauchen.
Die Gagdichte ist überragend, die Jokes überzeugen, die Schauspieler können’s einfach und die deutsche Doofheit hat Zutrittsverbot. Mehr davon!

 
Nachspann
Es ist Bully: Sitzenbleiben! Schon in der TV-Show gab es damals immer Outtakes und dieser Marotte ist man sich beim Kinofilm genauso treu geblieben!
Kinostart: 17. August 2017

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