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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Robin Hood

© 2018 StudioCanal

Robin Hood gehört zu den Geschichten, die jeder als Kind mindestens einmal erzählt bekommen hat. Auch die Filmwelt hat sich darum gekümmert, dass bereits unzählige Interpretationen davon über die Bildschirme geflackert sind und die Lebenden unseres Zeitalters haben sich längst damit abgefunden, dass hier “nichts neues mehr kommen wird”.

Entsprechend verhalten reagiert das Publikum im Saal bei anderen Movies, wenn der .trailer dazu gezeigt wird und man kann die Gedanken in den Köpfen nur erraten: Irgendwie wirkt es, als ob man einen Film herausbringt, der zwar Größe aufweisen könnte, jedoch permanent mit angezogener Handbremse an den Start geht und dadurch niemals richtig aus sich raus kommt.

Ich halte große Stücke auf Taron Egerton und weiß, dass dieser Junge schauspielern kann und finde die Idee, ihn als Jungtalent auf so eine Geschichtsikone loszulassen, durchaus spannend, kann aber verstehen, warum der Stoff hier nicht so richtig zünden will. Es ist genau diese Art von “Blockbuster”, die zwar alles mitbringt, was man für einen Erfolg braucht, jedoch genau wie z.B. The Great Wall dieses gewisse Unbenannte aufwartet, mit dem der Zuschauer nichts anfangen kann.

Die Technik stimmt, die Optik stimmt, der Soundtrack ist große Klasse und extra erwähnenswert, nur schafft man es eben nicht, die Aquaman-Männerbrust-Stärke auf den Jungspund zu übertragen und ihn als “mächtigen Eroberer” zu kennzeichnen, der es tatsächlich mit dem System aufnehmen und hier den exzellenten Widersacher geben kann. Da zeichnen sich dann erste Actionfilm-Lächerlichkeiten ab, die zwar nicht schlecht geschauspielert sind, aber deutlich an Glaubwürdigkeitsdefiziten leiden, die der Zuschauer auch selbst aus keiner Reserve erübrigen kann.

Damit zerstört man ein wenig das Gesamtbild und durch die von anderen Seiten her erzwungene “Wir wollen brüllen und die ganze Zeit auf kampf-männlich machen” lässt man eben nicht zu, dass sich Egerton glaubhaft entwickelt.

Und darunter leidet letztendlich der ganze Film, der hoch explosives Potenzial in sich birgt und irgendwie in den falschen Kanonenrohren entfesselt. Mal schauen, was der Rest von euch dazu zu sagen hat.

.kinoticket-Empfehlung: Egerton als Jungdarsteller in solch einen Geschichtsepos hinein zu hieven ist ein gewagtes Unterfangen, welches Mut beweist, aber mit unglaubwürdiger Männlichkeit entblößt wird.

Dadurch verliert das Gesamtbild an Tragfähigkeit und mündet in einem eher belächelnswerten Film, bei dem zwar das ganze Drumherum stimmt, der jedoch in seiner Hauptaussage zu wenig Kraft mitbringt, um ihn für die Ewigkeit in den Köpfen der Kinogänger zu festigen.

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Robin Hood
Length: 116 Min.
Rated: FSK 12

Feuerwehrmann Sam – Plötzlich Filmheld

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© 2019 justbridge entertainment media

Ganz ehrlich? Ich hatte noch nie damit zu tun und musste mich selbst erstmal einlesen: Es gibt wohl mittlerweile einige Kinofilme, TV-Serien und was alles zu so einem Kinder-Universum dazu gehört … inklusive der Spielzeugtrailer vor Filmbeginn, die das neueste gleich zum Kauf feilbieten… erinnert mich an ein Transformers für 4jährige, nur dass die Optik und der Sound im Film längst nicht so geil aussieht, wie in Michael Bays Werken.

Tatsächlich ist überdeutlich zu sehen, dass alles über 8 Jahren hier deutlich fehl am Platz ist … und dafür fährt man gleich zu Beginn des Films schwere Geschütze auf: Die Art, hier Stimmung zu machen ist mega-billig und gleichermaßen altersentsprechend faszinierend und fast schon “überfordernd”.

Auch weiß ich nicht genau, wie so kleine Weltenkinder nun darauf reagieren, dass man offensichtliche “Erwachsenenkrankheiten” hier derart offen kommuniziert und veranschaulicht, was stellenweise sogar im Kino Fragen auslöst (“Mama, warum ist der so böse?”) – da ob des Zeichenstils wohl kaum ein Erwachsener aus eigener Intention in so einen Film gehen würde und dafür sogar Geld bezahlen, sondern man quasi nur bei seinen Kindern sitzt und darauf wartet, dass es endlich vorbei ist… Auf die Idee, hier eigene Lehren mit zu nehmen, kommt man während des Films einfach nicht.

Tatsächlich ist mir die offensichtliche Werbung für die Spielsachen diesmal auch echt negativ aufgefallen, da eben jene Features dann im Film offensichtlich präsentiert werden und den Eltern quasi hinterher keine Chance eingeräumt wird, überhaupt “nein” zu sagen. Die “Verkommenheit dieser Welt” nun so in ein Werk für Kinder zu verpacken … keine Ahnung, was ich davon halten soll.

Tatsächlich – um bei dem Transformers-Vergleich zu bleiben – fehlt mir hier einfach der Entertainment-Funke, der auch ohne Merchandising eine unterhaltsame CGI-Schlacht bietet, die nicht offensichtlich an den Kauf von Produkten gekoppelt ist, sondern mehr oder weniger auch tolle Leinwandmomente erzeugt … und dafür war das alles eben einfach zu schwach.

.kinoticket-Empfehlung: Um die Zeit zu überbrücken, bis die Kleinsten dann endlich in den aktuellen Transformers dürfen, reicht es allemal.

Intentionen, auch für Ältere, sind mit verarbeitet, gehen aber irgendwo im Strudel der Belanglosigkeit unter und zeichnen ein Bild von der Welt, dass in meinen Augen dem Zielpublikum zu dem Zeitpunkt noch nicht vorgesetzt werden muss. Man hat halt eine Stunde Ruhe und nimmt danach aber nicht wirklich was davon wieder mit heim. Belehrt mich eines besseren, wenn ihr Kinder und andere Erfahrungen damit habt .. bin auf eure Meinungen gespannt!

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, das hört alles sehr ruckartig wieder auf.

Kinostart: 05. Januar 2019

Original Title: Fireman Sam: Hollywood Hero
Length: 60 Min.
Rated: FSK 0

Ben is Back

Ben is Back

© 2019 TOBIS Film GmbH

Dass ich erstmal mit dem Namen sympathisiere … logo.

Lucas Hedges – ein Gott von einem Darsteller, der mich bis jetzt kein einziges Mal auch nur ansatzweise enttäuscht hätte – im Gegenteil: Ich liege ihm zu Füßen! Und sein Dad führt Regie und bietet seinem Sohn einmal mehr eine Bühne in Hollywood, die er mit seinem Charme füllen und den Kinozuschauer begeistern kann.

Und glaubt mir: Es geht vielleicht um völlig andere Themen, aber eines hat sich dieser Film in blutroten Buchstaben auf alle Fahnen geschrieben: Megakrasse Spannung! Im Ernst: Du fieberst sowas von mit und spürst allgegenwärtig eine Anspannung, die Gänsehaut, Grusel, Erwartung und Adrenalin gleichzeitig hervorruft und auch von einem alten Kinohasen wie mir noch nicht so gesehen wurde.

Julia Roberts verbinde ich zumindest immer noch mit Pretty Woman, das war ihre Traumrolle, mit der sie sich in unser aller Herz gespielt hat und die sie auch nicht so leicht wieder los wird. Was diese Frau jedoch in Ben is Back leistet, drückt dermaßen auf die Tränenkanäle, dass Taschentücher gemeinsam zum .kinoticket gereicht werden sollten.

Überhaupt: Wie kriegt man ein derart krasses Skript hin, bei dem eigentlich gar nicht viel passiert, was den Zuschauer so bannt, dass der sich kaum bewegen kann? Schon lange habe ich die Wartezeit zwischen Pressevorführung und Kinostart nicht mehr so unerträglich lang empfunden wie hier. Und ich werde ihn mir definitiv noch so oft wie irgend möglich reinziehen, denn dieser Film löst unglaubliches in einem aus!

Tut euch selbst den Gefallen und flieht förmlich vor .trailern und allem, was euch irgendwie den Lauf der Geschichte spoilern könnte … vertraut mir und geht einfach da rein. Wirklich: Hier kommt niemand enttäuscht wieder raus! Promise.

.kinoticket-Empfehlung: Einfach nur krass … hier tobt es an Spannung und gebannter Fesselung, dass einem Hören und Sehen vergeht!

Selten hab ich einen Film so mitreißen sehen, wie es Ben is Back tut – und das bei einem so vergleichsweise lahmen Titel! Lasst euch das nicht entgehen und schaut oder lest vorher NICHTS darüber, sondern geht einfach rein! Vertraut mir!

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Szenen oder Bilder, rausgehen erlaubt!

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Ben is Back
Length: 103 Min.
Rated: FSK 12

The Last Movie

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© 2018 Rapid Eye Movies

Zuallererst mal: Happy New Year! Ich hoffe, ihr seid alle gut ins 2019. Zeitalter gerutscht und habt den Jahreswechsel gebührend gefeiert.

Inzwischen driften die Meinungen ja auseinander, ob man solch ein Ereignis feiern möchte oder nicht – ob man Böller zünden möchte, oder nicht – ob diese Form der Festlichkeiten noch angebracht ist oder nicht …

Ja, es gibt durchaus berechtigte Gründe, hier zu mosern. Meine Meinung? Überlasst das Feuerwerk den Pyrotechnikern und veranstaltet ein einziges – dafür umso größeres, und wer keinen Bock drauf hat, geht eben nicht hin.

Aber schafft dieses Fest nicht ab: Es ist immerhin eines der wenigen global-gemeinsamen Traditionen, denen in Sydney genauso gehuldigt wird, wie auf den Malediven oder im böhmischen Land. Und gerade eine dieser wenigen Gemeinsamkeiten sollte man definitiv nicht abschaffen.

The Last Movie ist auch nicht der letzte Film hier, sondern eher der erste, dem ich mich im neuen Jahr widmen möchte. Seinerzeit auf dem Film Festival Venedig mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet bringt man dieses Werk nun digital remastered zurück ins Kino und lässt damit den Geist von 1971 wieder aufleben!

Jap, der Inhalt dieses Streifens hat satte 48 Jahre auf dem Buckel und wurde bislang von ziemlich wenigen gesehen – mir eingeschlossen. Vom nächsten großen Blockbuster brauchen wir an dieser Stelle also gar nicht reden.

Vom “größten Mist aller Zeiten” aber genauso wenig. Vielmehr gibt dieser Streifen eine Menge Rätsel auf und gräbt in den Untiefen cineastischer Geschichte. Hier treffen nämlich absonderliche Berühmtheiten aufeinander und erzählen eine sehr seltsame Story, die selbst Hollywood Jahre beschäftigt hat und die meines Erachtens auch betrachtenswert ist. Nicht allein deshalb, weil der Inhalt durchaus sehr selbstkritisch und auch sehr antipathie-hegend dem Kino gegenüber ist – zumindest dem westlich-kommerziellen Sektor, der auch hierzulande einen Großteil aller Schauspiele ausmacht.

Dass das mit einigem an geistiger Denkarbeit einhergeht, versteht sich von selbst. Auch die Effekte sind 48 Jahre nach ihrem Entstehen durchaus sehr beeindruckend, zumal hier einmal mehr deutlich wird, mit welcher Raffinesse man damals noch am Wirken war, um den Zuschauer zu beeindrucken. Kein CGI, keine hyperlastigen Space-Moves, sondern ehrliches, richtiges Kino.

Und das – gepaart mit dem Feeling, einmal selbst beim Filmdreh dabei zu sein – ergibt einen Flair, der auch im Jahr 2019 noch begeisterungswürdig ist und hoffentlich den ein oder anderen ins Independent-Kino lockt, denn The Last Movie dürfte tatsächlich ausschließlich dort zu finden sein.

.kinoticket-Empfehlung: 48 Jahre ist die Entstehung her – und heimste damals gleich den Kritikerpreis ein – Dennis Hoppers The Last Movie.

Back to the roots – möchte man meinen: Der Autor entführt ob seiner Zeit zurück an die Anfänge allen Seins und zeigt einmal mehr, was damals bereits möglich war und welch starke Kraft im Geschichten erzählen liegt.

Für die technologisierte Zukunftswelt ein interessanter Einblick in das Schaffen von damals, den man sich gerne auf der großen Leinwand gönnen darf.

Nachspann
❌ Die gute alte Schule: So etwas wie eine Leinwand-Zugabe gab es damals noch nicht. Rausgehen also erlaubt.

Kinostart: 27. Dezember 2018

Original Title: The Last Movie
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

Das Mädchen, das lesen konnte

© 2018 Film Kino Text

1851 ist nun schon ein wenig her. In Kürze feiern wir den Übergang ins Jahr 2019 … eine große Zeitspanne, in der manchmal gar nicht so viel anders geworden ist.

Das Mädchen, das lesen konnte trumpft mit einer „Idee“ auf, die tatsächlich sehr spannend ist und deren Erörterung sicherlich extrem viel Spaß machen kann. Jedoch befürchte ich bei diesem zeitlichen Abstand, dass viele eben nicht mehr wirklich den Anschluss an das Geschehen finden. Hier werden nämlich Probleme offenbar, die tatsächlich etwas mit „Ungleichheit“, „Freiheit“ und dergleichen zu tun haben. 167 Jahre sind nun mal kein Pappenstiel, wo viele schon mit einem 30-Jahres-Zeitraum ihre lieben Schwierigkeiten haben.

Und da der Film tatsächlich Anschluss an dieses Jahrhundert findet und wahre Probleme aufzeigt, ist es als Zuschauer zwingend erforderlich, sich mit dieser „Einfachheit“ auseinanderzusetzen und damit in gewissem Maße klar zu kommen. Und dabei hatte auch ich meine lieben Schwierigkeiten.

Nicht von der Hand zu weisen ist aber der Inhalt, denn der Gedanke, der im übrigen auf dem autobiografischen Werk der tatsächlichen Frau basiert, ist wahrhaftig interessant und den würde ich zu gerne in heutiger Zeit mal durchexerziert sehen. Dazu war mir der Film aber zu sehr im „falschen Jahrhundert“ und die Thematik zu abgedriftet, um reale Bezüge und sinnvolle Verknüpfungen herstellen zu können, die sich auch mit der heutigen Problematik auseinandersetzen.

Und den geistigen Aufwand, der der Zuschauer absolvieren muss, um hier vollends aufzugehen, bringen eben standardisiert die wenigsten mit.

.kinoticket-Empfehlung: Eine echt abgedrehte, wahre Geschichte, basierend auf dem autobiografischen Werk von Violette Ailhaud.

Stellt zu wenig Bezug zur heutigen Zeit dar und macht es einem schwierig, darin einzutauchen, da weder die Umstände, noch die „Technik“ dahinter mit irgendetwas belohnen, sondern hier echte Denkarbeit vor einem liegt. Das macht diesen Film zur schweren Kost, auch wenn die Grundidee eigentlich total spannend ist…

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Le Semeur
Length: 98 Min.
Rate: FSK (tba)

Die Frau des Nobelpreisträgers

Die Frau des Nobelpreisträgers

© 2018 SquareOne Entertainment GmbH

Glenn Close, die Dame, die uns als altehrwürdige Koryphäe aus Mord im Orient Express im Kopf geblieben ist und die für mich immer so ein wenig den Charakter von M aus James Bond verkörpert: Eine Schauspiel-Legende, die auch in diesem Film wieder aus dem Vollen schöpft und eine Darbietung abliefert, die seinesgleichen sucht.

Ich weiß, ich sollte nicht davon ausgehen, dass die Masse von Welt The Man Who Killed Don Quixote gesehen hat und darum Jonathan Pryce genauer kennt, der übrigens tatsächlich in einem Bond mitgewirkt hat – nämlich in Der Morgen stirbt nie.

Beide gemeinsam führen ein Regiment eines Statements an, das ich mit Preisen überhäuft sehen möchte: Die Darbietungen aller (ja, aller!) Darsteller ist hochrangig und bis ins letzte Detail perfekt gecastet. Und was dieses Mal in meinen Augen super geil geklappt hat, war die Transportation vom Buch auf die Leinwand: Man hat beim Plot genügend Zeit und Muße gehabt, um erst das Werk zu veröffentlichen und anschließend nicht mehr viel verdrehen müssen, um daraus eine gängige Geschichte zu erschaffen, die auch auf der Leinwand funktioniert: Die Thematik ist so ausgeklügelt und wohl gewählt und macht bis ins kleinste Detail einfach nur eine Menge Spaß.

Kürzlich schrieb ich über Themen, die die Welt heute immer noch bewegen und berühren und dringend notwendig diskutiert werden müssen – dieser Titel reiht sich da ins Beispiel aller Positivitäten ein und erzählt einmal mehr eine Story, aus der Ehre, Tiefe, Eloquenz und Würde nur so raus trieft und die in meinen Augen einfach nur sehenswert ist.

Glaubt mir – und das ist wirklich absolut selten inzwischen: Nur wegen der Schauspielerei lohnt sich der Film, da wäre das Thema und Genre fast völlig egal – aber auch das ist wahnsinnig toll und beides gemeinsam sieht schwer nach einem perfekten Kinoabend aus, sofern ihr euch für The Wife entscheidet.

.kinoticket-Empfehlung: Es ist lange her, dass tatsächlich die Schauspieler und Schauspielerinnen den Inhalt einer Story ausgemacht haben und es an ihnen lag, ob eine Erzählung lebt oder nicht … und genau das ist hier der Fall: Ein Volltreffer ins Schwarze!

Jede Figur wurde perfekt ausgewählt, die Story ist schweinegeil und das Schauspiel und die Dialoge leben von einer ehrwürdigen Aufrichtigkeit, die selten so schwer dazu beigetragen hat, dass ein Kinoabend tatsächlich perfekt werden kann. Lasst euch dieses Gourmet-Stück nicht entgehen!

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Januar 2019

Original Title: The Wife
Length: 100 Min.
Rate: FSK

Der Junge muss an die frische Luft

Der Junge muss an die frische Luft

© 2018 Warner Bros. Ent.

Dass Hape Kerkelings Buch demnächst auf die Leinwand kommt, haben ja bereits einige .trailer zahlreich angedeutet. Dass Julius Weckauf den jungen Hape spielt, haben auch viele schon sehnlich herbeigewartet … und nun ist der Film endlich im Kino!

Und ja, man hat in der Vorschau bereits gemerkt, dass der Cast-Operator hier einen Meistercoup gelandet hat und mit der Auswahl des Jungen DEN Volltreffer des Jahrhunderts gemacht!

Ganz ehrlich? Ich wünsche mir derzeit grad nichts sehnlicheres, als dass der Kleine einfach nochmal die Laufbahn von Hape einschlägt und wir ihn in der Form einfach nochmal ins Fernsehen bekommen! Wahnsinn! Der spielt einfach mal alles und jeden dermaßen an die Wand, dass es nur so kracht!

Und demnach waren meine Erwartungen vor dem Film bereits extrem hoch. Man spürt, welch gefühlvolle Kraft nebeneinander gepaart mit Humor und Tragik in diesem Stück eine große Rolle spielen werden… und bangt ein wenig, weil der Plot nahezu danach schreit: “So war er als Kind … so entwickelt er sich … um dann in seinem “ersten großen Auftritt” zu gipfeln”.

Und genau das passiert eben … nicht!

Ein weiterer der Punkte, die mich im Kino ungemein gefreut haben. Es ist nicht alles Freude-Sonnenschein, es ist kein völlig auf eine Seite gebügeltes Werk, man zielt nicht auf seine “Und so war er als Kind und da kommt das alles her” ab, man erwähnt manche Dinge einfach gar nicht und muss einige seiner Auftritte selbst kennen, um die Andeutungen überhaupt zu verstehen – und liefert damit ein wunderbar einfühlsames Porträt eines Lebens ab.

Und: Dieser Film ist beides – super lustig und gleichzeitig mega dramatisch und beides ist sehr eng beieinander. Da reinzugehen mit der Erwartung, jetzt hier DEN Comedy-Brüller geliefert zu bekommen, ist in meinen Augen genauso falsch, wie davon auszugehen, dass es da überhaupt nichts zu lachen gibt – beides ist nicht der Fall.

.kinoticket-Empfehlung: Wesentlich besser als erwartet mit einer Performance von Julius Weckauf, der einfach alles und jeden absolut an die Wand spielt und den Kinobesuch allein wert ist!

Wenn irgendwer was Problematisches daran entdecken möchte, dann finde ich nur die falschen Erwartungen, wer hier unbefangen ran geht, erlebt einen vollkommen wunderschönen Film, der einen mitreißt und viel mehr abliefert, als der .trailer verspricht.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 27. Dezember 2018

Original Title: Der Junge muss an die frische Luft
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

Bumblebee (3D)

© 2018 Paramount Pictures Germany GmbH

Inzwischen läuft der Streifen schon ne Weile und er wird von euch völlig zu Unrecht durch Nichtbesuchen abgestraft: Dem müssen wir langsam mal etwas entgegen wirken.

Viele haben sich von der Transformers-Tour der letzten Jahre etwas abschrecken lassen: Die Kombination Shia LaBeouf und Megan Fox hatte ja noch so ihre Reize, aber mit den Teilen 4 und 5 hat man es actiontechnisch dann echt übertrieben und die Menschen mehr oder weniger in die Enge getrieben, was bei vielen wohl für Überdruss an der Filmreihe über Hasbro-Spielzeuge geführt hat. Logisch, was soll noch groß kommen und die Realität sieht leider oft so aus, dass diese Art Film eben im falschen Kino angeschaut wird, was dann kein Genuss, sondern bloße Enttäuschung ist.

Dafür sind die meisten Dorfklitschen schlichtweg zu klein bzw. werden selbst in den Städten diese Titel oft nicht in den angemessenen Sälen präsentiert, was diese Filmreihe zusätzlich drückt, da diese Filme tatsächlich nur laut und groß und in 3D wirken und popcornmäßig Spaß machen.

ABER – und das ist das große ABER: Dieser Titel hier heißt Bumblebee und nicht: „Transformers 8 – Bumblebee“ oder sowas … man könnte also gut und gerne sagen, dass dieser Film erstmalig rein gar nichts mit Autobots und Decepticons zu tun hat, sondern etwas völlig anderes ist, obwohl diese Tierchen darin auftreten.

Fakt ist: Man hat endlich (!) gemerkt, dass mit stupider Action auf Dauer kein Geld zu machen ist und es die Leute zunehmend langweilt und hier echt richtig seine Hausaufgaben gemacht und Drehbuchautoren an das Game herangelassen, die sich nach Lust und Laune austoben durften. Und was dabei rausgekommen ist, ist echt ein sensationeller Film mit tollen Dialogen, einer wunderbar austarierten und liebevollen Geschichte, die fast schon vor Anmut und Herzwärme erstrahlt.

So viel Liebe, Mitgefühl, Normalität und Austariertheit kennt man schlichtweg nicht im Zusammenhang mit Transformers, dazu paaren sich sensibel erzählte Witze und eine absolut … ja … romantische (?) Story, die mehr oder weniger schon halb zu der Herzlichkeit an Weihnachten passt, weswegen der Starttermin gar nicht so doof gewählt ist.

Leider merkt dies der Zuschauer erst, wenn er bereits in dem Film sitzt und muss die Kaufentscheidung aber lange davor treffen – und dazu reichen weder .trailer noch andere Vorabinformationen aus, um ihn dazu zu bewegen.

Man könnte sagen: Michael Bay gibt die Schablone und zeichnet aus, wie die Transformer aussehen sollen, wobei auch hier ein wunderbar 80s-lastiger Look und nostalgischer Charme aufgespielt wurde. Steven Spielberg bringt seine BFG – Big Friendly Giant-Avancen mit ein und jemand anderes schreibt dazu das Drehbuch und liefert grandiose Dialoge. Dieser geniale Mix bringt’s einfach und macht aus Bumblebee den besten Transformers aller Zeiten, obwohl er eigentlich gar keiner sein möchte.

Hier werden nämlich noch ganz andere Dinge völlig richtig gemacht: Klischeerollen nicht besetzt, Menschen nicht die absolut dämlichsten Worte in den Mund gelegt, um sie wieder in diese Schubladen zu pressen, eine völlig unbefangene und tolle Freundschaft aufgebaut und viele der üblich-bekannten Actionfilm-Fehler nicht begangen: Hier stehen die Soldaten eben nicht einfach, nachdem sie von Betonklötzen erschlagen wurden, eigenhändig wieder auf und laufen, als wäre nichts gewesen … selbst in diesen Dingen hat man sich ein wenig Gedanken gemacht und es „realistischer“ gestaltet, was dem Film zusätzlich sehr viel mehr Glaubwürdigkeit und Ehre verleiht.

Bee hatte schon in den alten Teilen die Avancen dazu, „menschlicher“ zu sein als die anderen und in seinem eigenen Film kriegt er jetzt einfach vollkommen Spielraum, stiehlt dabei einer grandiosen Hailee Steinfeld nicht die Show und lässt sie ihre Geschichte erzählen. Und die ist den Kauf eines .kinotickets allemal wert!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist KEIN Transformers-Film – also lasst eure Vorurteile nicht eure Entscheidungsfreiheit trüben!

Die drei magischen Worte lauten: GROSSE Leinwand, LAUTE Anlage und 3D-BRILLE auf dem Kopf! Aber nicht, weil das wieder eine martialisch-bestialische Actionschlacht wird, sondern weil Filme wie dieser da einfach laufen. Das hier? Romantik, Feingefühl, Liebe und wahre Freundschaft. Weit weg von all dem, was Transformers früher geliefert hat – und damit wahrscheinlich der beste Transformers aller Zeiten.

Lasst euch den nicht entgehen!

Nachspann
❌ Den Song sollte man mitnehmen, der im Übrigen als Soundtrack generell grandios ausgewählt ist – neue Szenen kommen aber keine mehr.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Bumblebee
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12

Colette

Colette

© 2018 DCM Film Distribution GmbH

Kaum ein Film lässt so tief blicken, wenn es darum geht, etwas zu vollbringen und dafür die gebührende Ehre und den Lohn zu bekommen: Dort, wo heute alle nur noch wild durcheinander gackern und sich aufregen wie die Waldschnepfen, gab es früher echte Probleme, die sehr wohl aufzeigen, woraus so mancher inzwischen abwegiger Kulturzweig entstanden ist.

Was es wirklich bedeutet, unter dem Schemel gehalten zu werden, welche Auswirkungen es hat, wenn eine Gesellschaft so funktioniert, wie sie funktioniert, welches Leid und welche Qualen die stillen Helden unserer Welt im Kämmerlein ertragen müssen, darüber berichtet uns Colette – ein Film, der im Kern seiner Aussage vollkommen auf wahren Ereignissen und Menschen basiert und dessen Erstellung gar von den Erbinnen dieser Frau höchstpersönlich abgesegnet und unterstützt wurde.

Dabei ist es nicht nur Keira Knightleys höchst bewundernswerter Performance zu verdanken, dass dieser Titel als “oscarwürdig” ausgepriesen wird, sondern der Geschichte selbst, die danach schreit, an die Öffentlichkeit zu gelangen und von einer Frau vorgelebt wurde, die es zu Lebzeiten bereits zu Ansehen gebracht hat: Wer hier zuschaut, der weiß, was es bedeutet, Gleichberechtigung zu leben und welche Opfer manche dafür erbringen mussten und zum Teil bis heute müssen.

Und wer schon ein wenig länger mitliest, weiß, was ich von all den leidigen Diskussionen über teils völlig abstruse Forderungen halte und für wie entgleist ich diese Thematik im deutschen Fernsehen inzwischen finde … und wenn ich mich als “Online-Autor” mit solchen Dingen auseinandersetzen muss, dann kommt mir oftmals nur die Galle hoch: Worum geht es wirklich? Ist es tatsächlich ein “-in”, dass jemanden psychisch so dermaßen zermürbt, dass er und seine Familie den heiligen Weg ins Todesgrab antreten müssen oder stecken tatsächlich andere Dinge dahinter und das moderne Geheule ist tatsächlich nichts weiter als ein aufmüpfiges Schreien um des Schreiens willen?

Bevor ihr jetzt (lustig, wie auf einmal das Blut in Wallung kommt, wenn jemand ein wenig provokativ darüber textet, oder?) auf mich losgeht wie die Rohrspatzen, haltet inne und hört kurz zu: Geht auf die Straße, setzt euch in eurer Auto oder den Bus oder aufs Rad oder in die U-Bahn und tretet den kürzesten Weg zum nächsten Lichtspielhaus an und beseht euch Colette. Denn dieser Film drückt meine wahren Gefühle über Gleichberechtigung und die wahren Notstände und Misserfolge menschlichen Tuns aus und offenbart, worum es tatsächlich gehen sollte. Wenn Gleichberechtigung gelebt und aktiv praktiziert werden soll, dann mit Vorbildern wie dieser starken Persönlichkeit, die es im übrigen in Frankreich als erste Frau zu einem Staatsbegräbnis geschafft hat.

Ja, hier werden akute und krasse Dinge gezeigt, von Erfahrungen berichtet, die ich heute nirgends mehr sehen möchte und wo mir klar ist, dass das Thema noch längst nicht vom Tisch ist. Es wird jedoch ebenfalls offenbar, dass es mit einem “-in” nicht getan ist, sondern das respektvolle Behandeln unserer Mitmenschen nicht darin besteht, die Sprache derart zu zerstückeln, dass niemand mehr etwas sagen oder schreiben kann, sondern es manchmal einfach nur um Respekt, Ehre und aufrichtige Anerkennung geht und es das ist, was diesem Land zu großen Teilen fehlt und worunter ganz offensichtlich der “weibliche Flügel” zu leiden hat.

Und damit erhält man hier nicht nur ein wunderbar erzähltes Stück menschliche Historie, sondern ein grandioses Biopic einer Dame, die ich für alles bewundere, was sie in ihrem Leben geleistet hat und zudem ein fantastisches Werk, dass den Namen “Unterhaltung” mit dem hoch angesehenen Wort “Bildung” perfekt vermischt.

Sofern es möglich ist, mehr davon zu bekommen, dann lasst es mich wissen … und ich werde es hier für euch kund tun.

.kinoticket-Empfehlung: Ich weiß, ich benutze dieses Wort inzwischen inflationär oft: Großartig!

Viele andere mögen das Schauspiel Knightleys loben, ich bewundere den Stil und die Courage, eine so tolle Geschichte zu erzählen und damit vorzuleben, wie Gleichberechtigung tatsächlich funktioniert und was dieses Wort in seiner Tiefe bedeutet – ohne dabei auf irgendwelchen Öko-Pfaden zu wandeln und in absurde Diskussionen abzuschweifen.

Wer hier fern bleibt, der verpasst etwas … großartiges!

Nachspann
✅ nach den Schriftzügen ist dann endgültig Schluss, also rennt nicht sofort raus.

Kinostart: 03. Januar 2019

Original Title: Colette
Length: 111 Min.
Rate: FSK 6

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