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X-Men: Dark Phoenix (3D) (inkl. Gewinnspiel)

X-Men: Dark Phoenix - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 3×2 Freikarten sowie Filmplakate von X-Men: Dark Phoenix verlost werden.

Dolby Cinema™

Ich war wieder im Dolby. Und habe Erschreckendes festgestellt!

Entweder haben wir all die Jahre nicht gemerkt, was für eine Scheiße eigentlich auf den Leinwänden und in den Kinos veranstaltet wird – oder wir sind grade mitten dabei, ein Kino-Revival zu erleben, das sich abartig gewaschen hat!

Und – wie ich jüngst schon zu unliebst in Men in Black: International feststellen musste – es wird Zeit, dass wir alle endlich Englisch lernen!

Es ist unfassbar, wie arg manche Filme zugrunde gerichtet werden, während man sie durch die Synchro jagt, um ein landestypisches Pendant zu liefern. Ernsthaftigkeit geht flöten, ganze Charaktere werden dem Erdboden gleich gemacht und der Film bekommt ein seltsam-kritikwürdiges Flair, der zurecht erklären würde, weshalb Dark Phoenix hierzulande zum Flop graduiert.

Wenn man die Darsteller*innen nicht mehr ernst nehmen kann, weil ihre Stimmchen aufgesetzt wirken und man sich fühlt, als wäre man im Kindergarten, während die Optik etwas völlig anderes erzählt, dann fühlt man sich auch als Zuschauer leicht unbehaglich und möchte, dass dieser Umstand endet.

Und im englischen Original bleibt diese “Verarsche” aus: Die Mitspieler*innen wirken wieder so, wie sie angedacht waren und erheben sich in Performance-Pracht, wie es sich für einen Blockbuster dieser Größenordnung gehört.

Dolby Atmos™

Dazu fährt man ein Actiongewitter auf, das sich in der Moderne wiederfindet und nichts mehr von dem nostalgischen Anmut und “billigen Charme” der ersten X-Men-Filme aufweist. Die Technik ist erwachsen geworden, die Kids irgendwie auch.

Hier werden Szenen zum Leben erweckt, die vielleicht nur Sekunden dauern, aber noch Stunden danach in deinen Ohren widerhallen: Dir steht die Gänsehaut am ganzen Körper und du bist durch die brachiale Räumlichkeit und Wucht, die der Sound mitbringt, einfach nur geflasht.

Und das hat man nicht einfach nur “probiert”, sondern ich hatte das Gefühl, einige Szenen sind direkt dafür geschrieben worden: Um einmal zu zeigen, wie es richtig sein sollte – und was in der Vergangenheit alles für ein Müll als “echt” verkauft wurde.

Dazu der massive und durchdringende Sound von Hans Zimmer, dessen Kompositionen in der Filmwelt inzwischen über 28 Milliarden US$ in 150 Projekten eingespielt haben und der sich schwer in deinen Ohren einnistet und auch hinterher nicht mehr loslässt.

Dolby Vision™

Gleiches gilt fürs Bild – in 3D. Ja, viele haben Probleme damit, Shutter ist nicht jedermanns Ding, Pol-3D mögen auch einige nicht, Rot-Grün ist Mist (und hoffentlich inzwischen ausgestorben) und auch sonst finden sich immer wieder Kritiker dieser Technik, was jedoch nicht bedeutet, dass man auf diese 2 Buchstaben auf seinem Kinoticket verzichten darf: Die räumliche Ausgestaltung wurde hier dermaßen extrem behandelt, dass es für einen Kinogang meiner Meinung nach absolut unerlässlich ist.

Gerade am Anfang landet man in Phasen, wo man sich einfach nichts anderes wünscht und die in 2D absolut nicht das vermitteln, was sie in der dreidimensionalen Variante rüberbringen. Der technische Oberrand wird auch hier nicht allein Disney überlassen, sondern von Marvel akribisch gepflegt. Und das spürt man deutlich, denn das macht den Film definitiv zu einer Kinopflicht und bedeutet, dass der Konsum im Heimkino mehr oder weniger verboten werden müsste.

Auch hier also eine klare Empfehlung für 3D und natürlich für die bekannt satten und kontrastreichen Farben im Spektrum der Leinwand meines neuen Lieblingskinos.

Gewinnspiel

X-Men: Dark Phoenix - Freikarten
© Layout & Gestaltung der Freikarten by Twentieth Century Fox

Twentieth Century Fox war wieder spendabel und hat einiges an Freikarten und Postern aus der beginnenden Phoenix-Ära springen lassen, die ich natürlich an euch weiter verlose.

Diesmal möchte ich gerne von euch wissen, welche Comics ihr bevorzugt lest bzw. welche Superhelden ihr aus den bekannten (und unbekannten) Universen am besten findet.

Postet eure Kommentare bis einschließlich Sonntag, 23. Juni 2019 unter diesen Beitrag und ihr seid im Lostopf dabei.

Wie üblich wird der Gewinn weder ausbezahlt, noch darf doppelt teilgenommen werden oder anderer Unfug betrieben. Die Gewinner*innen werden persönlich von mir durch Zufallsverfahren ausgelost und via E-Mail benachrichtigt, also gebt bitte eine gültige E-Mail-Adresse bei den Kommentaren an, unter der ihr erreichbar seid.

Ich drücke jedem die Daumen und bin gespannt auf eure Rückmeldungen.

.kinoticket-Empfehlung: Reichhaltige Action, besondere Szenen und ein unglaubliches Tonspektrum, das im Dolby Cinema™ an dieser Stelle erreicht wird. Den Film sollte man zwingend in OV schauen, da hier den Charakteren keine widersprüchlichen Stimmen verliehen, sondern die Würde beibehalten wurde. Plot altbekannt, Action, Technik, Ton und Bild aber auf modernstem Standard.

Nachspann: Die Musik ist irre! Hans Zimmer honors Jóhann Jóhannsson – oder so ähnlich. Aber neue Sequenzen kommen nicht.

Kinostart: 06. Juni 2019

Original Title: X-Men: Dark Phoenix
Length: 114 Min.
Rated: FSK 12


Men in Black: International (3D)

Men In Black: International - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die schwierige 4

Es ist das Jahr der vierten Teile – so zumindest hat es den Anschein, wenn man sich das Kinojahr 2019 so anschaut. Und das bedeutet im Fachjargon: Viel aufgewärmter Mist, viele unbrauchbare Remixe, viel vereinheitlichter Quatsch, den sonst eigentlich niemand braucht.

Ihr habt sicherlich schon jede Menge Müll über den neuen Men in Black: International gelesen und seid dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine unglaubliche Falle getappt: Die eingedeutschte Landessprache-Version dieses Films.

OV – Original Version or die!

Dass ich gelegentlich einen gewissen Hass gegen die deutsche Sprachvariante habe, die uns in Filmen immer wieder präsentiert wird, ist inzwischen ja weithin bekannt. Men In Black: International bricht hier aber einen Rekord: Der schlechteste Synchro-Film, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Und das ist nach Black Panther eine echte Meisterleistung!

Um mal von vorne anzufangen: Dieser Film wurde mir im Rahmen der Pressevorführung in OV vorgeführt und ich habe mich sichtlich amüsiert und war begeistert von dem Respawn, den man damit in dieser Reihe angetreten ist: Eine großartige Emma Thompson (schreibt sie aufs Cover!), großartige Sprüche, hochkarätige Witze, ein echtes Spektakel, und zwar verbaler, und nicht – wie erwartet – grafischer Natur.

Genau das hat MIB in meinen Augen wertvoll gemacht: Man hat eben nicht das Action-Kampf-CGI-Schlachtgewitter losgetreten und voll auf grafische Effekte gesetzt, sondern Inhalte produziert und sie wunderbar humorvoll auf die Leinwand gepackt und damit die Erwartungen im Trailer sichtlich übertroffen. Und ja, ich hatte echt mega Bock auf das kommende Universum, das dieser Titel hoffentlich trotzdem antreten wird.

Und dann bin ich mit Freunden in die deutsche Variante davon. Mega-Fehler!

Normalerweise ist es ja so: Englisch ist eine sehr prägnante Sprache. Kurz. Präzise. Kommt schnell auf den Punkt. Bling Blong – Satzende.

Und das deutsche Pendant dazu sieht so aus: “Blablabla-Laber-Rhabarber-BlablaunverständlichlangeWorte. Ende des Satzes. Bürokratische Bemerkung.”

Heißt: Im Deutschen braucht man 3x so lange, bis man eine englische Pointe wirklich auf den Punkt gebracht hat – einfach nur aus “Sprachgründen”. Und wenn jetzt im englischen Original schon die ganze Zeit gesabbelt wird, bis man umfällt und man vor sprudelnden Worten manchmal schon nicht mehr weiß, wohin, was ist dann erst in der deutschen Variante los? Bildpausen, damit man mit Labern hinterher kommt?

Genau das hätte man machen müssen. Hat man aber nicht. Stattdessen hat die Klasse 4B die Aufgabe bekommen, im Schuldiktataufsatz diesen Film zu übersetzen. Und die haben viel nicht gewusst, teilweise keine Lust gehabt und darum nur rund 30% des Textes überhaupt abgearbeitet und dazu noch von jeglichem Wortwitz und sämtlichen Pointen befreit.

Statt “Oh mein Gott, wohin soll ich mit den Phrasen, ich hab keine Zeit” kriegt man im Deutschen Wortpausen!!! Und so dermaßen schlechte, sinn- und inhaltlose Aussagen, dass man sich die gesamte Zeit gerne selbst facepalmen möchte und hofft, dass einem irgendeine flauschige Katze dabei hilft, damit’s am Vorderstirnlappen nicht so abartig schmerzt.

Ganz ehrlich? Fuck You, Germany, wenn so etwas dabei rauskommt.

Ja, Synchronisation ist schwer. Man muss quasi den Film wieder drehen. Voicecast, Stimmen herausfinden, entscheiden, ob sie zum Inhalt passen, den Inhalt verstehen, ihn neu interpretieren und für das aktuelle Land neu umsetzen. Man arbeitet quasi als “Fake-Regisseur” und dreht dabei den Film nochmal neu. Mit dem Unterschied: Man hat extreme Auflagen: Die des Original-Regisseurs.

Und wenn’s dann schon am Voicecast scheitert, ist das Projekt von vornherein verloren.

Und das ist bei der Synchronisation dieses Films passiert. Und zwar so schlagkräftig, dass es mir als Cineasten mörderisch weh tut und ich überlege, ob ich schon rein aus Protest jetzt ein volles Jahr lang nur noch in OV gehen sollte…

Hier wurden eben diesmal nicht nur die Jokes runter gebuttert und durch schlechte Übersetzungen entfernt, sondern der Film seiner kompletten Seele vollständig beraubt.

Ein Dialog mag schlecht sein, wenn man Mr. Fitzelchen mit einer saukomischen Stimme und der passenden Süßhaftigkeit sich jedoch über irgendetwas beömmeln sieht, ist das unterhaltsam.

Und wenn irgendeine Büro-Trulla anschließend zwei Minuten vor Dienstschluss in ihrem Büro hockt und diesen Part lebhaft übersetzen soll – und die schon um 8 Uhr morgens keinen Bock auf ihre Arbeit hatte und dann mit einer derart lahmen Stimme den langweiligen und humorbefreiten Part deutscher … was eigentlich? … runterquasseln soll … dann – äh … wird das nix.

Und du hockst im Kino und denkst dir: Spinn ich eigentlich jetzt? So verkacken kann man’s doch eigentlich gar nicht? Und dann sieht man schon die ganzen Phrasen vor sich: “Ja, die Amis … komisches Volk … die finden sowas dummes wieder toll … ja, spinnen eh alle” … und dabei waren es die Deutschen, die diesen Scheiß zu verantworten haben und eine eigentlich großartige Leistung der Amis vollkommen konsequenzlos zerstört haben … unfassbar!

Und darum gilt:

.kinoticket-Empfehlung: Ich gelobe hiermit feierlich: Diesen Film schaue ich einzig und ausschließlich, ohne Ausnahme und diskussionsfrei mitsamt all meinen Freunden, Familie und Co. in der einzig wahren und anstandslosen Variante: OV! Alles andere ist Körperverletzung und zerstört, was die Macher im Ursprung hier aufgebaut haben. Wer das nicht wahr haben will, sollte besser einfach nicht reingehen und auf die Heimkinoveröffentlichung warten: Hier kann man dann szenenweise umswitchen und sich selbst davon überzeugen, dass die deutsche Variante das einzige Manko ist: Vollständiger Mist!

Dolby Vision™
Bekannt geil, tiefschwarz, großartige Bilder, klare Optik – war den Besuch definitiv wert.

Dolby Atmos™
Ein Grund, trotzdem ins Kino zu gehen – genau wie das 3D. Hier wurde optisch und akustisch wenigstens nichts verbockt. Lag wohl daran, dass der Synchro-“Meister” hier nicht mitsprechen durfte.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, es lohnt sich nicht mehr.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: Men In Black: International
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12


High Life

High Life - Kinoplakat
© 2019 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Robert Pattinson hat u.a. eine Sache richtig gemacht: Bekannt werden in einer Blockbuster-Reihe und danach ins Arthouse-Kino abtauchen und dort eine Größe bleiben!

Wahrhaftig ist jeder Film von ihm mehr oder weniger eine Insider-Perle geworden und seine Rollen darin großartig. Er kümmert sich – und dafür bewundere ich ihn – so überhaupt nicht darum, wieder in reißerische Massenproduktionen zu rutschen, sondern gibt sich erstaunlicherweise mit dieser Art Film so in sich zufrieden, dass es aufs Publikum überströmt und man als Gast im Kino mit sich selbst im Reinen ist, wenn man aus einem seiner Werke wieder ans Tageslicht tritt.

High Life hat bereits bei diversen Filmfestivals für erhöhtes Aufmerksamkeitsaufkommen gesorgt und wurde überall rauf und runter gespielt – und landet nun eben auch im regulären Kino. Die Sparte: Mein vielzitiertes SciFi.

Das bedeutet aber nicht einfach, dass hier irgendwo Weltraum und Sterne und Raumschiff und fertig vorhanden sind, sondern der Film als solches ist ein Produkt, dass sich nahezu schon als Stanley Kubrick der Gegenwart bezeichnen lässt: Absolut eigen, absolut originell, absolut authentisch.

Man taucht sehr tief in die Weiten des Weltalls und damit auch in die Weiten der Nische ein und vollzieht eine abstrakte Reise im Kopf, die genau das wieder einmal nahe an die Vollkommenheit herausragender SciFi-Filme trägt, die man in den “guten alten Zeiten” so gemocht hat.

Man hat viel Zeit, bei den ausdrucksstarken Bildern und dem oft nicht sofort selbsterklärenden Erzählstrang über Dinge nachzudenken, die Gedanken in die Ferne schweifen zu lassen und sich über die Ungewöhnlichkeit zu wundern, die hier mit absolut präzisen, klaren und gleichzeitig total verwobenen und undurchsichtigen Bildern aufgezeigt wird.

Genau das macht in meinen Augen einen guten Science Fiction aus: Dass man sich als Zuschauer wundert, teilweise unbehaglich fühlt und am Ende irgendwie absolut fasziniert ist – denn dafür ist Weltall da.

Dieser Coup ist Claire Denis sehr gut gelungen, was ihren Film zu einem der besten SciFi-Streifen der Moderne macht, der auf jedem Register gesehener Filme stehen sollte.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Stanley Kubrick der Gegenwart: Undurchsichtig, Vielschichtig, abgespaced und gleichzeitig tief in der Nische verwurzelt befriedigt High Life das unberührbare Verlangen, in fremde Welten abzutauchen und sich in der absurden Wahnvorstellung der Schwärze des Weltalls wiederzufinden.

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden. Das Weltall ist dunkel und weit …

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: High Life
Length: 110 Min.
Rated: FSK 16


Peter Lindbergh – Women’s Stories

Peter Lindbergh - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Mittlerweile gibt‘s ja schon einige Porträt-Filme von berühmten Berühmtheiten: Man hat in der Musik angefangen, sich langsam über Autoren und Künstler weitergerobbt und ist nun bei den Fotografen angelangt – von denen inzwischen auch einige Werke in den Kinos gelandet sind.

Peter Lindbergh – Women‘s Stories gräbt hier einen Fotografen aus, der es durch seine Arbeit erreicht hat, fünf Frauen zu Ruhm und Ehre zu verhelfen und dem mit diesem Werk ein Andenken geschaffen werden soll, auf dass man sich ewig an ihn erinnere.

Bereits im Vorfeld hatte der Streifen keine wirklich guten Kritiken von der Presse, sondern man wirkte eher verhalten und zurückhaltend. Dementsprechend unterschwellig waren meine Erwartungen, als ich den Saal betreten habe mit dem Hintergedanken, dass mich so manches Künstler-Leinwand-Rezitat bereits in der Vergangenheit des öfteren positiv überrascht hat.

Lindbergh hatte – wie jeder andere – seinen eigenen Stil und wenn man sich die Randfakten dieser Filme anschaut, stößt man irgendwo immer auf die gleichen Elemente: Verkannt in der Vergangenheit, Vorwärts-Streber-Gen, “einfach gemacht”, garniert mit unzähligen Zitaten, Interview-Schnipseln von Menschen aus dem Umfeld, die sich herrlich zurückbesinnen auf “damals” und wie es doch alles gewesen ist usw.

Genau das findet sich hier auch wieder – allerdings hat Jean Michel Vecchiet ein Style-Element integriert, dass mich wirklich begeistert hat: Die Art, wie die Kunst hier präsentiert wird, ist selbst schon fast wieder ein Kunstwerk.

Das Herumspielen mit Fotos, Foto-Reihen, inszenierten Rückblenden und anderes macht in diesem Film den großen Unterschied. Und dass am Ende seine Models irgendwo mehr Weltruhm auf ihrem Namen tragen wie er selbst, ist dann auch nicht weiter schlimm.

.kinoticket-Empfehlung: Die Darstellung seiner Kunst sowie das fotografische Aufbereiten eines ganzes Lebens ist in dieser Zusammenstellung selbst schon fast wieder ein eigenes Kunstwerk und überdeckt, dass der Film gewissermaßen immer wieder die “gleiche” Story erzählt und nur andere Namen dafür hernimmt.

Nachspann: Muss nicht ausgesessen werden, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Peter Lindbergh – Women‘s Stories
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12


Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer

Mister Link - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Auf dem Plakat macht das Aussehen der Figuren womöglich erstmal einen gewöhnungsbedürftigen Eindruck, jedoch sollte man sich nicht vorschnell davon abwenden: Dieser Film hat’s nämlich in sich!

Die Story entpuppt sich zu Recht als Prädikat besonders wertvoll-ausgezeichnet, denn hier ergreift man einmal mehr sehr liebevoll und packend die Herzen von jung und alt und trifft auf Leinwandfiguren, die sich sehr schnell den Weg in die warme Seele der Zuschauer erobern.

Diese Andersartigkeit, die in vielen anderen Filmen fremdartig wirken sollte, wird hier vollkommen neu umgesetzt und zeigt sich durch einen erfrischend anderen Erzählstil von einer ganz neuen Seite.

Somit erntet man relativ früh bereits unzählige Sympathiepunkte beim Zuschauer und hat damit die Möglichkeit, während des Films vollständig in eine neue Welt abzutauchen und den Film bis zur letzten Minute hin zu genießen!

Das wahrlich spannende an der ganzen Sache ist jedoch oft hinter den Kulissen versteckt: Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer wurde in der sogenannten Stop-Motion-Technik gedreht – sprich: Jede Szene wurde mit Puppen bewegt, fotografiert und somit Bild für Bild aneinander gesetzt, so dass der Eindruck von Bewegung entsteht.

Doch damit nicht genug: Ich kann euch mit Fun Facts erschlagen…

  • Für Mister Link wurden die Puppen nicht – wie üblich – ein Fünftel bis ein Sechstel der echten Größe von Menschen nachgebaut, sondern um 20% kleiner gestaltet: Damit war es möglich, auch die Kulissen kleiner zu machen, um die Arbeit ein wenig zu reduzieren.
  • Der Elefant im Film wiegt ungefähr 16 kg, verfügt über komplett unabhängig bewegbare Zehen und ist das einzige Tier, dass für diese Rolle beim Dreh verwendet wurde: Es gab also keine “Puppen-Doubles”.
  • Mister Link ist die schwerste Hauptfigur, die von LAIKA Entertainment jemals zum Einsatz gebracht wurde.
  • Die Kutsche beanspruchte 180 einzeln aufgehängte und bewegungskontrollierte Quasten. Sitze, Vorhänge und die Bewegung der Kutsche wurde durch 40 unabhängig voneinander operierende Motoren per Fernbedienung gesteuert.
  • Der Salonwagen hat keinen Boden, sondern das komplette Set wurde aufgehängt, damit die Puppenspieler von unten Zugang zu der Szene hatten.
  • Der Zug wurde durch rostig aussehende Klebestreifen auf den Schienen “gebremst”, da er sich zu geschmeidig bewegte.
  • Im Gegenzug dazu wurde das Schiff im Film nicht bewegt, da die Konstruktion zu groß und zu schwer war. Stattdessen bewegte man hier ein Kamera-Set um die Kulisse, die den Eindruck erzeugten, dass Schiff würde auf dem Ozean fahren.
  • Es gab mehr als 110 Sets und 65 unterschiedliche Drehorte.
  • Die Eisbrücke besteht aus 64 individuell geformten Eisblöcken, die unabhängig voneinander bedient werden konnten.
  • Die Karosse des Zugs war das größte Requisit, das im Film zum Einsatz kam.
  • Die Landschaften im Film entstanden aus Siebdruck- und laserbeschnittenem Kraftpackpapier, strukturierten Stoffen, Plastikperlen, Taschentüchern, Eisenbahnmaterial in Miniaturgröße, Ziegenhaar, Schaumstoffbällen sowie Schwarzlichtfarbe.
  • Die Bücher in Lionels Arbeitszimmer wurden – wie Zügel, Zaumzeug und Sättel der Pferde – aus echtem Leder mit traditionellen Techniken gefertigt.
  • Die Stop-Motion-Technik erforderte, dass für jede Sekunde Film insgesamt 24 Fotos gemacht wurden, zwischen denen die Figuren immer wieder ein winziges Stück bewegt wurden. So entstand ein Bild realer Bewegung.
  • Zu Spitzenzeiten befanden sich insgesamt 91 Teams beim Dreh im Einsatz.
  • LAIKA Entertainment besitzt 47 Motion-Control-Kamera-Vorrichtungen, von denen die älteste bereits aus dem Jahr 1928 stammt und seitdem von einem Effektstudio zum nächsten weitergereicht wurde.
  • Die Szene mit dem laufenden Elefanten macht im Film ungefähr 20 Sekunden aus und dauerte insgesamt 3 Monate, sie zu filmen.
  • Die VFX-Abteilung nutzte mehr als ein Petabyte – also eine Million Gigabyte – für die Speicherung des Materials.
  • Der Film benötigte insgesamt 112 Millionen Prozessorstunden, um als gesamtes Werk gerendert zu werden. Das wären mit einem PC 12.765 Jahre, um ihn fertigzustellen.

Und, habt ihr inzwischen ein bisschen Lust drauf bekommen, diesen tollen Film zu sehen?

.kinoticket-Empfehlung: Eine technische Meisterleistung, die nicht nur durch absolut verblüffende, technische Facts beeindruckt, sondern sich auch durch unglaublich sympathisch-andere Charaktere und einen tollen Plot von anderen Filmen absetzt.

Nachspann: Darf man getrost abwarten, hier folgt noch eine Kleinigkeit.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Missing Link
Length: 94 Min.
Rated: FSK 6


Rocketman

Rocketman - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Musik ist ein Phänomen, dass die Menschen auf unerklärbare Art und Weise immer wieder begeistert. Das merkt man daran, wie stark Musiker*innen weltweit verehrt werden und welche Rolle sie im öffentlichen Leben dieser Gesellschaft spielen.

Kein Wunder also, dass man sich seit einigen Jahren mit harter Konsequenz einen nach dem anderen vornimmt und die Leben derer verfilmt und mit Offenbarungen aus dem Potpourri hinter den Kulissen an die Öffentlichkeit tritt.

Dem hat sich auch eine wahre Song-Legende nicht entziehen können: Elton John. Und bereits im Vorfeld war irgendwo klar, dass Schauspieler Taron Egerton hier die Rolle seines Lebens antreten würde.

Dolby Vision™

Es war mein Einstand im neuen Kino – und ich habe beide Varianten des Films auf der gleichen Leinwand gesehen: Die unfertige Nicht-Dolby-Version und anschließend die finale Dolby Cinema™-Fassung, in der sowohl Dolby Atmos™ als auch Dolby Vision™ am Start waren – und der Unterschied ist immens!

Ich mach mir langsam Gedanken, wie das in Zukunft mit dem Bild weitergehen soll, damit ich nicht in jeder Rezension wieder neu das tiefdunkle Schwarz loben oder die Farbpracht herausheben muss: der schrille Vogel eignet sich definitiv nahezu perfekt, um hier auf farbliche Aspekte zu setzen und dem Zuschauer etwas zu bieten, dass ihn wirklich umhaut. Und ich glaube, das ist den Machern durchaus sehr gelungen.

Dolby Atmos™

Des Weiteren darf ich wieder einmal behaupten: Die Tonqualität ist tatsächlich das, was einen in diesem Kino wahrhaftig abholt und außerordentlich den Unterschied zu anderen Kinos macht. Auch anderen Dolby Atmos™-Sälen.

Natürlich spielen Töne in einem Musikfilm eine immense Rolle und damit dürfte dies eigentlich fast selbstverständlich sein. Hört man allerdings verschiedenen Kinogästen zu, bin ich mir manchmal nicht mehr sicher, worauf andere eigentlich heutzutage noch wert legen und was sie von einem Kino erwarten?

Mich jedenfalls hat der Soundtrack definitiv überzeugt – auch die Tatsache, dass sich Elton John höchstpersönlich darauf gefreut hat, die Interpretationen seiner Songs durch Taron Egerton zu erleben, der diese komplett für den Film eigenständig neu eingesungen hat.

In diesem Atemzug möchte ich noch den Score etwas herausheben: Diese “Langsamkeit” und mediale Schwere hat mir immens imponiert und mich sehr begeistert. Eine wunderschöne neue Form, in die man diese weltbekannten Klänge geschleust und dem Zuschauer auf völlig neue Art und Weise präsentiert hat.

Genau das macht die Seele dieses Films aus – abgesehen von dem natürlich einerseits kalkulierbaren Plot, andererseits aber auch der durchaus beeindruckenden Stärke, die hinter solch einer Entscheidung steht, erneut eine Weltkarriere anzutreten und damit auch zu bestehen.

.kinoticket-Empfehlung: Der Sound haut einen um, Taron Egerton überzeugt durch eine grandiose Darstellung und auch die Jungdarsteller bezeugen ihr Können durch glaubhafte Umsetzung ihrer Rollen.

Nachspann: Sollte man abwarten, hier folgen noch einige Bilder vom Original und verschiedene Impressionen, die u.a. zeigen, wie großartig der Cast berufen wurde…

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Rocketman
Length: 121 Min.
Rated: FSK 12


Zwischen den Zeilen (inkl. Gewinnspiel)

Zwischen den Zeilen - Filmplakat
© 2019 Alamodefilm

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 2×2 Freikarten für den Film verlost werden.

Um Zwischen den Zeilen wirklich verstehen zu können, sollte man ihn am besten gleich zwei Mal anschauen. Das Thema ist äußerst brisant und eine viel diskutierte Frage, zu der dieses Meisterwerk an Sprach- und Literaturkunst gleich mehrfache Antworten gibt, die sich dabei an keiner der vorherigen Fallen aufhalten, sondern gezielt und unumwunden allen bekannten Hindernissen ausweichen und somit erfrischend anders sind, als man es bisher so kennt.

Hier geht es um Tradition. Und Erneuerung. Moderne. Und Klassik. Um die “Alten” und das “Neue”. Und dabei wurde wirklich nichts ausgelassen, was der heutige Bürger sein Alltägliches nennt. Der Umfang ist wahrlich so reichhaltig, dass ich behaupten möchte, jede*r meiner Leser*innen wird sich hier irgendwo wiederfinden.

Und genau das tat mir ungemein gut: Eine geschundene Persönlichkeit, wenns um traditionelle Werte geht und man vehement moderne Technik ausgrenzen möchte – gleichermaßen jemand, der lieber zu Zeitung und Papier greift und den Digitalismus sich selbst überlässt. Zumindest zeitweise.

All die angesprochenen Problematiken hab ich persönlich bereits hinter mir und nächteweise darüber gegrübelt, wie ich nun meine ganz persönliche Zukunft diesbezüglich gestaltet sehen möchte.

Was Zwischen den Zeilen in meinen Augen auszeichnet, ist, dass der Film erstmal sich selbst absolut entspricht und extrem viel Material “zwischen den Zeilen” liefert, sowohl was die Story und den Plot als auch die Entwicklung der Charaktere in der Geschichte angeht, als auch, was gewisse Grundsatzfragen bezüglich Literatur und Wort betrifft.

Genau da empfand ich die zweite Vorstellung als extrem hilfreich, weil man die Story diesmal dann “ausblenden” konnte, um sich wirklich auf die Fakten zu konzentrieren, mit denen in diesem Streifen wahrlich nicht gegeizt wird: Die Konversationen prasseln in einer derart schnellen und gehaltvollen Intensität auf einen herunter, dass man sich wirklich konzentrieren sollte, wenn man den Saal betritt, und Zwischen den Zeilen definitiv nicht als gemütliches Beiwerk zum Abend betrachten.

Was mich ebenso begeistert hat, ist die wunderbar blumige Vielfalt an vertretenen Meinungen, die immer wieder herrschaftlich ausgebreitet und dem Zuschauer damit als offene Diskussionswiese mitgegeben werden: Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, dass die Macher es allen Recht machen wollten, sondern findet sich vielmehr in einer aktiven, von Diversität geprägten und verbalkonzentrierten Unterredung, in der solche Probleme angesprochen und mit starken Argumenten pro und contra vertreten werden.

Worauf ich Bock hätte: Diskussionsrunden nach diesem Film. Doch dafür müsst ihr ihn erstmal gesehen haben – und das geht am besten mit dem

Gewinnspiel

Zwischen den Zeilen - Freikarten
© Layout & Gestaltung der Freikarten by Alamodefilm

Alamodefilm hat für meine Leser*innen ein ganz besonderes Angebot: Mir wurden 2×2 Freitickets für den Film überlassen, die ich hiermit an euch weiter verlosen darf.

Diese können von dem/der Gewinner*in bis einschließlich 7. Juli 2019 in allen einsetzenden Kinos – ausgenommen der CineStar-Gruppe sowie Einzelhäuser – eingesetzt werden.

Was ihr dafür tun müsst?

Kommentiert bis einschließlich Montag, 10. Juni 2019 unter diesem Beitrag, ob ihr gerne lest und welches bisher euer liebstes Buch war.

Vergesst dabei nicht, eine gültige E-Mail-Adresse anzugeben, unter der ich euch erreichen kann, um eure Adressdaten abzufragen, damit ich euch die Karten im Gewinnfall auch zuschicken kann.

Diese Daten werden selbstverständlich nur zum Versand verwendet und anschließend wieder gelöscht.

Weiterhin gelten die üblichen, vernunftbasierten Gewinnspiel-Bedingungen: Keine Barauszahlung, keine Doppeleinträge und ähnliches sowie kein Anrecht auf den Gewinn. Der oder die Gewinner*in wird von mir persönlich nach randomisiertem Zufallsverfahren ausgelost und anschließend via E-Mail benachrichtigt.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche viel Glück und: Watch your inbox 😉

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich gehaltvolles, inhaltsreiches und wortgewandtes Duell verschiedenster Positionen in einer durchtriebenen Geschichte, die ihren Höhepunkt in häufig auftretenden Konversationen findet, die volle Aufmerksamkeit erfordern und den suchenden Geist immens erfreuen.

Nachspann: Fängt bebildert an, braucht aber nicht abgewartet zu werden, nach der Schwarzblende kommen keine weiteren grafischen oder verbalen Impressionen.

Kinostart: 6. Juni 2019

Original Title: Doubles Vies
Length: 107 Min.
Rated: FSK 6


Roads

Roads - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Roadmovies befriedigen eine ganz spezielle Truppe von Zuschauern und lösen gleichermaßen beim Diskutieren oft starke Kontroversen aus: Viele Menschen können sich einfach nicht vorstellen, unterwegs zu sein. Und das, obwohl es fast schon ein Klischee ist, nach der Ausbildung / Schule erstmal ein paar Jährchen auf Reisen zu gehen und die Welt zu entdecken.

Als BahnCard 100-Besitzer gehört Reisen zu meinem Alltag und ich glaube, ich würde verrecken, wenn mir eines Tages mal die Möglichkeit genommen werden sollte, ständig woanders zu sein, ständig neue Dinge zu sehen, neue Menschen zu treffen und die Vielfalt dieses Planeten auf meine eigene Weise erkunden zu können. Diese Freiheit ist mit nichts zu ersetzen – und auch mit nichts zu bezahlen. Genau das bedeutet “Leben” für mich – bzw. der Tod, wenn man es eines Tages mal nicht mehr können sollte.

Und genau da hoffe ich dann, dass möglichst viele Filme dieser Art existieren, die man sich auch als Rentner nach Hause (wo ist das?) liefern lassen kann, um wenigstens noch in der Seligkeit solcher Roadtrips zu schwelgen und das Gefühl im Kopf zu intensivieren, doch unterwegs zu sein.

Macke? – Yes. Und zwar nicht nur fürs Reisen, sondern auch für Fionn Whitehead.

Fionn Whitehead
Fionn Whitehead auf der Deutschlandpremiere von Roads im Kino International in Berlin

Dieser Kerl hat mich bei bislang allen Movies dermaßen durch seine Ausstrahlung und bloße Existenz überzeugt. Absolut sympathische Persönlichkeit, der in Roads zusätzlich noch ein überaus charmanter Charakter als Rolle angeheftet wurde, dass das Ding quasi schon ohne irgendwas sonst zu einem Erfolg führen muss.

Doch auch hier haben sich die Macher genügend einfallen lassen, um dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu verleihen und eben nicht nur ein weiteres Movie der Art zu sein, das universitär über Lebensphilosophien sinniert und dabei dem Zuschauer das Gefühl gibt, ungebildet zu sein.

Und da fängt die oft in solchen Streifen keine Rolle spielende Story an, Wertigkeit aufzubauen, von Belang zu sein und Momente zu erzeugen, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern tiefgreifende Gefühle, Fragen und eigene Kontroversen aufrufen, mit denen man sich dann befassen kann.

Und das in einer absolut angenehmen, ruhigen und fast schon “auf Wohlwollen gefilterten” Bildsprache, die ich jede Minute genossen habe.

Abschließend noch ein paar Eindrücke vom Roten Teppich am Kino International in Berlin bei der Deutschlandpremiere von Roads.

.kinoticket-Empfehlung: Bewegend, charmant, sympathisch und mit viel Charisma und Geist: Eine Geschichte, die noch einige Zeit nachhallt und definitiv zu den besseren ihres Genres gehört.

Nachspann: Szenen, Bilder oder weitere Elemente fehlen: Man darf den Saal also gern verlassen.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Roads
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


MA

MA - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Nun gibt’s wahrscheinlich von allen Arthouse-Freunden aufs Maul bei mir: “Wie kannst du nur so einen Film … in so eine Kategorie …”

Ja – Schande auf mein Haupt – ich sollte noch eine zusätzliche Kategorie einführen: Trash-Movies. Und da wäre der dann definitiv richtig. Nun wisst ihr, wieso ich mich bisher so um die Genre-Kategorisierung gedrückt habe: Man kann’s nur falsch machen.

Mein Anspruch: Wenig. Und überschaubar. Und weil’s kein Blockbuster ist (werden wird?), landet der eben hier. Nischenprodukt allererster Güte, der eine ganz bestimmte Klientel befriedigen möchte: Blumhouse-Zuschauer.

Ja, ich habe zu gegebener Zeit schon die Presse beschwichtigt mit den Worten: “… und Octavia Spencer“. Immerhin kann diese Frau Kino. Und dürfte es kaum nötig haben, in irgendwelche billigen Movie-Absteigen einzuchecken, um ihr Konterfei dort zum Verscherbeln freizugeben.

Sie ziert aber das Titelplakat … und nimmt eine gewaltige Rolle in diesem Film ein, der – überraschenderweise – erstmal sehr lange Zeit im düstren lässt, was hier überhaupt gespielt wird.

Wer es also bis dato geschafft hat, den Trailer zu umschiffen, erlebt hier eine erstmalige Sensation: Blumhouse verrät nicht innerhalb der ersten drei Minuten, wie der Film enden wird.

Und damit hatte man mich am Spieltisch und ich hab mich voller Vergnügen auf das Spektakel eingelassen und meine archivierten Zornestöne gegen dieses “Hasslabel” ein bisschen weiter gen Schredder wandern lassen.

Und tatsächlich überzeugt MA auf überraschende Art und Weise in vielerlei Hinsicht. Wo sich andere jetzt an Octavia Spencer und einer immensen Hollywoodgröße aufhängen, der man alle positiven Attribute im Kampf um Gleichberechtigung zuschreiben kann, möchte ich den restlichen Cast noch dazu addieren: Mir hat die Auswahl der Schauspieler*innen nämlich über alle Maßen gut gefallen. Das typische “Klischee”-Zusammenwürfeln ist zwar gewissermaßen dennoch vorhanden, fällt hier aber weniger auf, da die Darsteller*innen nahezu perfekt zu ihren Rollen passen und diese dann auch überzeugend rüberbringen.

All dies natürlich unter Beachtung des Niveaus, das vom Plot und der Rahmenhandlung natürlich gravierende Einschränkungen erlebt. Doch innerhalb dieser “Schlachtplatten-Wiese” fungieren allesamt hervorragend und genau so, wie man sich das in einem Film wie diesem wünscht.

Dazu kommt: Spannung.

Ja, das Gegenteil dessen, was man aus Erzeugnissen dieser Filmschmiede sonst so kennt – zumindest, wenn man ein Vielschauer ist wie ich. Kaum löst sich ein Bestandteil der Hauptpersönlichkeit auf, gewinnt der Film neue Stränge und erzeugt somit neue Fragen, neue Motive, neue Optionen und bastelt somit nicht mehr im Hintergrund mit den Bauklötzchen während das Drehbuch niedergeschrieben wird, sondern fummelt quasi “live” damit rum und lässt dem Zuschauer die Illusion, gedanklich an der Story mitwirken zu dürfen, während man sich im Suff der umgebenden Belanglosigkeiten ertränkt.

Und auch das kenne ich von Blumhouse so sonst nicht.

Man könnte also meinen, die Jungs (und Mädels) haben langsam begriffen, dass es doch noch andere Türchen in ihrer Festung gibt, die zu betreten man viel zu lange abgewartet hat und die man jetzt endlich zu ergründen beginnt.

.kinoticket-Empfehlung: Das gewünschte Ziel der Filmkonstruktion ist noch lange nicht erreicht, aber die Richtung und Tendenz stimmt definitiv: Blumhouse setzt Premierenmomente und fährt mit neuen Optionen auf, die Spannung erzeugen und das nervige Vorher-alles-schon-Verraten auf der Leinwand endlich einstellen.

Nachspann: Nachsitzen lohnt sich nicht: Alles wurde erzählt, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: MA
Length: 100 Min.
Rated: FSK 16


Godzilla II: King of the Monsters

Godzilla 2: King of the Monsters Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.

Spätestens jetzt habt ihr einen Grund, eure Reise zum Dolby Cinema™ anzutreten, denn: Wenn es einen Film gibt, den man in diesem Kino gesehen haben sollte, dann den.

Wer sich die Mühe macht und mal in einschlägigen Film-Datenbanken nach Godzilla sucht, wird feststellen, dass die Welt förmlich überschwemmt von Angeboten dieser Art ist: Hunderte Movies, Serien, Universen aus Japan, die einen Klassiker von Moviemonster erschaffen haben, der es hierzulande scheinbar nie zu solch bühnenreifer Allgegenwärtigkeit geschafft hat, wie dort.

Genau das wird Godzilla II: King of the Monsters jetzt wohl ändern.

Wenn Amerika etwas kann, dann das: Groß, größer, noch größer, Actionschlachten, viel Gebrüll und wenig Inhalt, dafür aber auf die Fresse, dass alles um einen herum zittert und man förmlich in tosendem Gewüte untergeht.

Eine brachiale Schlacht der Superlative, die vor CGI nur so strotzt und genau das par excellence liefert – in einer nie da gewesenen Überwältigung.

Dolby Vision™

Godzilla II: King of the Monsters ist von natura schon so aufgebaut, dass nicht mit präziser Schärfe und Knalligkeit, sondern eher mit Staub, Wirbeln, Ungenauigkeit und einer gewissen Computerspiele-Vehemenz gearbeitet wird, die die Tierchen eben nicht in jahrelange Rechen-Exzesse schicken, sondern sich nicht allzu sehr mit grafischen Details aufhalten, immerhin ist am Ende sowieso alles im Arsch.

Das heißt jetzt nicht, dass hier mit Minecraft-ähnlichen Blöckchen-Miesepeter-Grafiken gearbeitet wurde, sondern einfach nur, dass es etwas neblig, regnerisch und generell “dusty” in der Atmosphäre ist und man sich somit nicht all zu sehr auf oberkantige Linien konzentrieren musste, wie es z.B. bei Transformers oft der Fall war.

Und das heißt ebenfalls nicht, dass an irgendeiner Stelle die brachiale Gewalt in irgendeiner Form weniger beeindruckend wäre.

Und das Schwarz sieht im Dolby Cinema™ immer noch besser aus, als in anderen Kinos.

Der Grund, dieses Kino zu wählen liegt jedoch wieder einmal bei…

Dolby Atmos™

Yes. Hier – wird – gebrüllt! Und zwar wie!

Wer sich die Blöße geben möchte, sollte auf YouTube alles zusammensuchen, was er an originalem Trailermaterial auftreiben kann, seine Familie und Nachbarn an irgendeinen entfernten See schicken und dann die Boxen aufdrehen, dass sich schmutzige Scheiben und Fensterbretter von selbst putzen: Die PR-Arbeit für diesen Film ist obererste Sahne und sowas von mächtig geil, dass allein das schon reichen würde, damit einem im Kino einer abgeht.

Und der Höhepunkt ist dann, wenn man im Dolby Cinema™ hockt und wirklich alles um einen herum anfängt, zu toben: Dieses Spektrum an Sound-Effizienz und alles umgebender Lautstärke ist genau das, was diesen Film großartig macht: Ein Spektakel technisch überragender Majestät, die es so kein weiteres Mal auf der Welt gibt.

Und nein, ich übertreibe nicht.

Ja, der Film hat zwischendurch seine Längen, trieft wieder vor Schlecht-Sein in punkto Plot, hat die gleichen dämlichen Charaktere ohne Tiefgang und Profil und ist absolut vorhersehbar, doch deswegen geht man nicht in so einen Film, oder?

Was man hier sehen will, ist Action, Gewalt, Krach, fetzige Kämpfe, lautes Geschrei und eine Superlative nach der anderen – und genau das kriegt ihr geliefert.

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch nicht davon abschrecken, dass das nur ein zweiter Teil ist: Die Macher haben es absolut drauf und liefern erstklassiges Popcorn-Action-Kino, das – nicht übertrieben – alles bisherige weit in den Schatten stellt.


Superlativen, lautes Gebrüll und monströse Giganten, die aufeinander losgelassen werden und sich dabei eine epische Schlacht apokalyptischen Ausmaßes liefern, die nur im Kino wirklich wirkt.


Alles andere ist Quatsch und sollte gar nicht erst in Betracht gezogen werden.

Nachspann: Auch, wenn eure Mit-Kinogänger vorzeitig aus dem Saal rennen: Ihr seid am Ende diejenigen, die ihnen sagen können “Da kam tatsächlich noch eine sehr lange Sequenz, die die Vorfreude auf den nächsten Godzilla angeheizt hat, der bereits 2020 in die Kinos kommen soll.” – Also bleibt bitte unbedingt bis ganz zum Schluss sitzen!

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Godzilla: King of the Monsters
Length: 132 Min.
Rated: FSK 12