| wenn aus filmen leidenschaft wird

Stuber – 5 Sterne Undercover

Stuber - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Dass Dave Bautista einen an der Waffel hat und diesen Humor prächtig auf der Filmbühne zum besten geben kann, wissen wir dank Guardians of the Galaxy, womit er sich zumindest bei mir im Hirn eingebrannt und geprägt hat.

In Stuber schließt er sich mit Kumail Nanjiani zusammen und unterhält das Publikum in einer Komödie, die es einem unglaublich schwer macht, nicht zu lachen.

Der Humor ist durchgeknallt und fordert einen zeitweilig etwas, läuft aber immer wieder zu Höchstformen auf und sorgt für jede Menge Spaßgewalt in den Sälen, just wie man es von Twentieth Century Fox gewohnt ist: Filme können sie.

Was mir an diesem Werk gefällt, ist die unbeschwerte Leichtigkeit, mit der man das Thema angepackt und aus ihm wirklich lustiges Entertainment rausgekitzelt hat. Nirgendwo spürt man die Gequältheit, die so manchem Gagschreiber oft den Schlaf zu rauben scheint, sondern es sprudelt und fließt, dass sich die Balken nur so biegen.

Dass dabei auch mal Blut fließt und es hier und da gewaltdurchsetzter zugeht, stört insofern nicht weiter, die FSK hat hier ausnahmsweise mal keinen Fehler mit der 12 gemacht, auch wenn – aus dem Kontext gerissen – so manch harter Moment dabei ist, den man biedermeierhaft im Internet zensieren könnte: Das gehört dazu und wird im Film auch von den Kids richtig interpretiert und macht ihren Aussagen nach “richtig Spaß”.

.kinoticket-Empfehlung: Im Rahmen der Comedy-Offensive, der man sich derzeit scheinbar unterworfen hat, zählt dieser Film zu den “must sees” und sollte am besten in Gemeinschaft gerne von euch im Kino zelebriert werden: Für einen wunderbaren Abend mit viel guter Laune ist damit gesorgt.

Nachspann: Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Stuber
Length: 92 Min.
Rated: FSK 12


Good Boys

Good Boys - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Jacob Tremblay ist ein kleiner Süßfratz, dessen Mitwirken eines bislang immer garantierte: Der Film schlug ein wie eine Bombe!

Good Boys shakert zusätzlich mit dem Potenzial von Sausage Party, dem kranken Werk genialer Erfinder, die damals bereits eins bewiesen hatten: Humor können sie! Im Ernst, wenn ihr den Film bislang nicht kennt: Holt das zwingend nach!

Und auch der neueste Geniestreich lässt im Kinosaal niemanden trocken: Der Plot bewegt sich konsequent ohne Ausnahme unter der Gürtellinie, aber mit so unfassbar viel Niveau und Scharmützel-Schabrackismus, dass man aus dem Lachen einfach nicht mehr raus kommt 😀

Es ist der Titel, auf den ich mich seit der Pressevorführung am meisten gefreut hatte – und der jetzt endlich fürs ewige Wiederholen die Leinwand ziert und allein als auch im vollen Saal für unglaublich gute Stimmung sorgt. Ich frage mich manchmal, was man für einen an der Platte haben muss, um auf derartige Ideen zu kommen.

Good Boys hat überhaupt nichts damit zu tun, was man anfangs glauben könnte – der Titel ist nicht einschätzbar oder vorab kategorisierfähig, der Film selbst steht für mich eher als eine Art Monument gegen die allgegenwärtige Endzeitstimmung, die die “normalen Medien” momentan verbreiten und die allernorts das Gefühl aufkommen lassen, alles wäre verloren.

Ist es nicht – dieser Film beweist, dass die gute Laune tatsächlich noch existiert. Und ganz ehrlich? Wer es schafft, diesen Film ohne einen einzigen Lacher zu durchpflügen, bekommt von mir ‘n Kaffee spendiert. Geht nicht 😀

.kinoticket-Empfehlung: Abnormal geil – so etwas durchgeknallt Witziges gab es schon lange nicht mehr. Unbändige Ansammlung kantiger Gags mit einem unkontrollierbaren Schlauch an Comedy-Verspritzer, der im Saal für unglaublich entspannte Stimmung sorgt, bei der jeder mindestens 38x lachen muss! Zwingend ansehen!

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, hier folgt am Schluss nichts mehr.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Good Boys
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12


Once Upon A Time … in Hollywood

Once Upon A Time In Hollywood - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die Nation ist gespalten
Quentin Tarantino bestimmt derzeit das Innenleben vieler Kinos: Selbst die größten Bunker sind nahezu ausverkauft – unter der Woche – Spätvorstellung. Jeder rennt ins Kino und möchte den neuesten Tarantino mit eigenen Augen sehen und bewerten. Und nicht selten rennt die Menschenschar danach mit extrem unterschiedlichen Ansichten wieder an die Frischluft.

Selbst 161 Minuten Laufzeit sind keine Ansage mehr. Längst hat man sich mit den einstigen Ausnahme-Überlängen abgefunden oder Vorstellungen mit Pause erschaffen, die das Ansehen inzwischen soweit erleichtern, dass auch “Normalos” damit kein Problem mehr haben.

Und ich finde faszinierend, wie extrem unterschiedlich die Nationen inzwischen auf sein Machwerk reagieren. Tarantino – der Rebell Hollywoods, dessen ureigene Schärfe und blutiger Instinkt oft als ein Mahnmal gegen die Zivilisiertheit menschlicher Belanglosigkeit in den Himmel ragte und die christlichen Werteansichten durch erhabenes Gequatsche in Frage stellten. Der Mann, dem die Jugend trotzig folgte, um den elterlichen Widersachern eins auszuwischen.

Tarantino hatte Biss, lieferte Schärfe und ein ungekanntes Maß an abenteuerlicher Wut, die dennoch eloquent und niveauvoll, fast schon lasziv immanent durch den Raum schwebte und etwaigen Kritikern die Luft aus den Segeln schoss. Seine Filme waren blutig, sein Markenzeichen war das Gespucke ins Gesicht der adeligen Elite, eine Welt, die den Grenzen trotzte und sie niederschoss, wenn sie nicht so einfach zu übersteigen waren.

Damit schuf Tarantino einen Kosmos, der in sich funktionierte und immer wieder Fans und Hater gleichermaßen produzierte. Ein Mann, den man liebt, oder verachtet. Alles andere wäre kolossal falsch.

Sein aktuelles Werk schafft diesen Umstand in präziser Perfektion: Die Welt dotiert es mit 5 von 5 Sternen – oder hasst und verunglimpft es als “das schlechteste, was er je gemacht hat”. Dazwischen: Nix.

Schlechte Marketingstrategien oder geniale Verarsche
Mir geht das Gehype inzwischen einfach nur noch auf die Nerven. Inzwischen? Eigentlich schon immer. Warum hab ich damals kein Desperate Housewives geschaut, als jeder es frenetisch im Fernsehen verfolgte und sich mit den Zähnen in der Fernbedienung festbiss, damit ja niemand umschalten konnte?

Oder in der Tech-Sparte: Kaum ein Tag vergeht, in dem man sich nicht die Mäuler zerreißt über das, was womöglich kommen könnte: Apples iPhone 15 wird diskutiert, wenn das 9. noch nicht mal Marktreife erlangt hat, Leak hier, Enthüllung dort, dies könnte, womöglich, eventuell, war in der Vergangenheit eigentlich immer nicht ganz schlecht mit seinen Vorhersagen: Wir leben in einer Welt, die sich permanent selbst überholt und niemandem ist dabei aufgefallen, dass eigentlich keiner mehr die Dinge wirklich liebt und benutzt.

Kaum hat man etwas gekauft, muss man sich eigentlich nur damit beschäftigen, was die übernächste Version womöglich eventuell für Neuigkeiten bringen könnte… Leaks – die Medienwelt zerpflückt dieses Phänomen auf der heischenden Suche nach Klicks und verdammtem Geld. Ein Grund, warum ich mit diesem Blog niemals einen Cent verdienen möchte: Ich hasse dieses verfickte Geficke um Kohle, die jede Sehnsucht und jedes Gefühl von Liebe und Kino-Devotion verrät.

Und auch Hollywood ist vor dergleichen nicht gefeit. Man redet kaum über Filme, die aktuell im Kino laufen, zerfetzt sich aber das Maul darüber, wer was womöglich wann wie bringen könnte. Matrix 4? Cool. Lasst sie drehen. Haltet die Fresse. Und geht ins Kino, wenn’s soweit ist.

Bei Tarantino war es nix anderes: Wie die Aasgeier haben sich die Journis auf die Enthüllungen der Stars und falschen Fährten gestürzt, die Quentin im Vorfeld gelegt hat – mit dem bittersüßen Abgesang, dass auf einmal keiner das bekommt, was er vermeintlich versprochen gekriegt hat. Die wundersame Job‘sche Enthüllungsparty, die anschließend tatsächlich Material zum Anfassen liefert und eine große Show drumrum bastelt, ist längst vorbei: Es lebe die Welt der mutmaßlichen Leaks, in der nichts mehr greifbar und echt ist.

Hollywood ist tot – und einer räumt einfach nur in einem großen Rundumschlag auf
Hollywood ist echt. Auch, wenn viele das Gegenteil behaupten. Der neunte Film – sein vorgeblich vorletzter (Obacht: Leak!) – nimmt den Zuschauer zärtlich an die Hand und streift mit ihm quer durch das Hollywood von 1969 – längst vergangenen Zeiten. Ein Abgesang.

Ohne das ganze Gekreische im Vorfeld hätte man hier möglicherweise nun eine Ode an das Zeitliche, einen liebevollen Dekadentanz in nostalgischer Demut an Zeiten, über die heute keiner mehr sprechen darf, bekommen. Es wäre ein Film von bildhafter Größe mit einer Emotionalität, die sich in Kulisse und Bildaufbau, in dem Geist vergangener Äonen erstreckt hätte – und kein “blöder Tarantino“, weil er einfach dafür nicht der richtige Regisseur ist und sein Lebenswerk verrät.

Geht man unter diesem Aspekt ins Kino, fühlt man sich tatsächlich verraten. Drei bittere Stunden Langeweile, nichts passiert, keine Monologe oder Themen, die man erwartungsgemäß in seinen Schinken eigentlich um die Fresse gehauen kriegt, sondern dämliche Langeweile und das mühselige Warten auf 15 Minuten Spaß am Schluss, der irgendwie aus dem Zusammenhang gerissen wirkt und einfach nur da ist – ohne innerhalb eines Plots fügsam zu glänzen.

Vielleicht ist dies aber auch einfach nur die neue Art von Tarantino, der Welt erneut auf die Fresse zu hauen, indem er sich wohlwissend an das Unwiderbringbare majestätisch an den Mainstream ranschmeißt und ihn einmal vergnüglich durchvögelt. Genau das hätte nämlich niemand von ihm erwartet – und es könnte der Beginn des finalen Paukenschlags sein, den sein – seinen Worten nach – letzter und zehnter Film bringen würde.

Seine Wehmut an das frevelhaft-lustvolle Hollywood spürt man aber extrem deutlich. Ja, die ganzen kleinen Binsen mühevoller Detailarbeit erstrahlen in allen Ecken: Man möchte sich auch als Zuschauer einfach in den Boulevard reinwerfen und niemals seinem Sog entkommen: Tarantino hat es verstanden, das klassisch-traditionelle Träumerdasein der Filmfabriken nochmal zu kredenzen und ihren rühmlichen Untergang in tollen Kamerafahrten einzufangen, die den Geist in alle Winde zerstreuen.

Alle anderen Intentionen werden aber maßlos enttäuscht. Und darum liebt und hasst unsere Spezies diesen Film so sehr: Weil er etwas liefert, von dem keiner wusste, was niemand erwartet hat und was einfach anders ist als alles, was dieser Regisseur bislang zu Papier brachte.

.kinoticket-Empfehlung: Ich hätte mir ob des Hypes im Vorfeld etwas völlig anderes erwartet und fühle mich in den Grundfesten des Tarantino-Gedankens inständig verraten: Selten war ein Film in seiner Erzählung und Majestät so lahmarschig und langweilig, desaströs banal und dämlich. Gleichermaßen hat es kaum ein Film je geschafft, das Flair Hollywoods so authentisch wiederzuerschaffen und dem Zuschauer ein Fenster in die Vergangenheit zu liefern, an dem man sich aufhängen kann, um niemals dem vergangenen Sog zu entkommen. Über die schauspielerischen Größen der beiden Hauptis hat sich inzwischen jede andere Rezension gebührend ausgelassen – I’m with that.

Nachspann: Yes – auch hier bitte einmal sitzenbleiben, bitte.

Kinostart: 15. August 2019

Original Title: Once Upon A Time … in Hollywood
Length: 161 Min.
Rated: FSK 16


Gloria – Das Leben wartet nicht

Gloria - Filmplakat
© 2019 SquareOne Entertainment GmbH

Time has come … time has gone bye … Gloria ist in erster Linie eine Vergötterung der 80er Jahre, was man gleich zu Beginn merkt. Hierbei habe ich in den vergangenen Wochen ein interessantes Phänomen beobachtet: Ich fand den Film ehrlich gesagt ziemlich doof (erklär ich gleich, warum), aber: Sämtliches Publikum älterer Generation feiert ihn ab, als gäbe es kein Morgen.

Dann schleppt man die nächsten in die Spotlight-Vorstellungen und führt den Film vor in Erwartung an gleichmeinigender Negativ-Kritik und hört: “Nö, fand ihn ehrlich gesagt ziemlich gut.”

What?

Ich weiß selbst, dass es im Kino eigentlich viel zu wenig solcher Filme gibt, die nicht mit einer dermaßen immensen Filmgeschwindigkeit auftrumpfen, sondern alternde Gemütlichkeit an den Tag legen. Der bestrebend erschwerte Vorwärtsdrang und immerwährende Lärm der letzten Jahre zehrt ungemerkt an vielen Nerven und es sollte eigentlich unfassbar gut tun, mal einen Film zu erleben, der sich wirklich in allem tragend Zeit lässt und niemanden großartig erschreckt.

Darin ist Gloria groß: Es passiert quasi kaum etwas und der ganze Plot wäre in einem kurzen Satz erzählt. Dennoch hat mich die Machart des Films gleich zu Beginn extrem gestört.

Ich selbst bin ein Kind der 80er – ich bin aufgewachsen in genau den Klängen, die man dort auflegt – und zwar dankenderweise mal nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern eben auch ein paar Klamotten aus den Nischenkisten dieses Jahrzehnts. Und das tat selbst mir richtig gut – zumindest so lange, bis alles von den üblen Cuts zerschnitten wurde. Ganz im Ernst: Hat da jemand einfach keinen Bock mehr gehabt und einfach gesagt: Schluss aus, weiter, nächste Szene? Die Schitte im ganzen Film sind derart wüst – kein einziger Fade oder mal sanfter Ausklang oder auch mal ein Songtitel noch in die nächste Szene reinklingen lassen … nein, immer abruptes Abbrechen und Sofortstopp ohne Gnade. Was bringt das? Gegenteilig zur sanften Ruhe und Ausgeglichenheit, die man offensichtlich ja eigentlich ausstrahlen wollte oder? Ich checks nicht.

Dazu gepaart die seelige Es-passiert-absolut-nichts-Stimmung, in denen Julianne Moore singt und singt und singt … ja, auch ich habe begriffen, dass sie die nächsten Plot-Teile immer durch ihre Songtexte vorher selbst spoilert, aber was zur Hölle soll das? ARD für Arme, damit auch ja keiner Herzinfarkt kriegt, weil mal irgendwas passiert?

Nichts gegen Moore oder auch Turturro: Letzteren kennt unsereiner eher aus Blockbuster-Krachern wie Transformers oder gar noch aus The Big Lebowski, aber auch er nervt in seiner Persönlichkeit hier eher, als dass man ihn “witzig” und unterhaltsam findet. Zumindest ging’s mir so: Die ganz Show war einfach armselig banal und langweilig und hat meiner Meinung nach eher im TV als im Kino etwas verloren, weil selbst der Zeitgeist dieses Jahrzehnts dadurch nur bedingt rüberkommt und man den rettenden Absprung ins “Ach scheiß drauf, lass einfach leben” eben im Film nicht wirklich zelebriert, sondern alles nur dröge dahin siecht.

Was also finden alle an dem Teil so geil, dass mir keiner mit negativer Kritik ankommt und sagt: “Naja, geht so?” Dass der Film realistisch ist? Dass das genau so passieren kann? Dass man im Alter träger wird und sich eine statische Langsamkeit einstellt, in der eben einfach nicht mehr wild getanzt werden muss, sondern man froh ist, wenn man morgens aufwacht und noch in normalen Zyklen atmet?

Sorry, wenn das grad alles etwas altersfeindlich klingt – auch ich bin nicht mehr der Jüngste und den “Boyz freaking Out”-Zeiten hat mein Körper ebenfalls bereits den Kampf angesagt, jedoch kann’s doch echt nicht sein, dass es so dermaßen gravierende Generationenunterschiede gibt, die einen so krass unterschiedlichen Geschmack an diesem Film kenntlich machen, wie ich es in den letzten Wochen so erlebt habe?

Tell me – was findet ihr an dem Teil so heiß? Kinopublikum übrigens vorwiegend ältere Frauen: Genau denen hätte ich das Werk jetzt auch zugeschrieben. Ändert nichts an meiner Meinung, Geschmäcker sind jedoch zum Glück immer verschieden. Transformers-Bubis sitzen hier aber definitiv im falschen Film.

.kinoticket-Empfehlung: Der Film hält, was der Trailer nicht verspricht: Hier werden wohl viele enttäuscht rausgehen, dafür punktet er mit mir unbegreiflichen Komponenten, die allernorts Gefallen auslösen, mich aber ehrlich enttäuscht haben: 80er Jahre Style kurz vorm seelischen Tod in einer höchst merkwürdigen Story, die kaum Bewegung liefert, aber das Volk begeistert. Dann bitte >> Genießt die Show.

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Gloria Bell
Length: 102 Min.
Rated: FSK 0


Pets 2 (3D)

Pets 2 - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Auch schon längst wieder aus den Kinos verschwunden, aber dennoch nicht weniger sehenswert, ist der Nachfolger von Pets, der diesmal noch eine Schippe oben drauf legt und einmal mehr beweist, dass auch Illumination zu den Studios gehört, das man ungesehen den Kids vorsetzen kann, ohne irgendwelche boshaften oder langweiligen Überraschungen zu erleben.

Der Welterfolg mit den Minions hat sie berühmt gemacht und nicht etwa durch technische Rafinessen gepunktet, sondern vielmehr durch Fluffigkeit und Flauschigkeit, durch unglaublich knuffelige Süße, die sowohl von Kindern als auch Erwachsenen bislang immens angenommen wurde.

Dass marketingstrategisch dieser Erfolg nun kapitalistisch ausgeschlachtet gehört, ist eine Sache. Dass man dabei den Blick aufs Wesentliche nicht verliert und den Kindern trotzdem lehrreichen Stoff in den Plot packt, eine andere. Beides haben die Macher mit Bravour geleistet und zünden erneut die Rakete, die alt als auch jung mächtig Spaß im Kino (und demnächst zu Hause) garantiert.

Ich für meinen Teil fand den Nachfolger tatsächlich weitaus gelungener als den ersten Teil – und das soll etwas heißen.

Wer also das Unbeschreibliche noch nicht vollzogen und den Titel noch nicht im Kino gesehen hat: Sucht euch die letzten Schauplätze in irgendwelchen monströsen Multiplex-Kinos in den Kellerabteilen und zieht euch das Ding nochmal auf der großen Leinwand rein, bevor’s dann den Weg auf den heimischen Fernseher findet – beide Felder sind für diese Geschichten bestens geeignet.

.kinoticket-Empfehlung: Toppt den ersten Teil um Längen und produziert einmal mehr genialen Einfallsreichtum gepaart mit kindlicher Knuffigkeit in einer Story, die witziger nicht sein könnte. Reingehen!

Nachspann: Wer’s drauf anlegt, wird hier noch mit einer akustischen Überraschung belohnt.

Kinostart: 27. Juni 2019

Original Title: The Secret Life of Pets 2
Length: 86 Min.
Rated: FSK 0


Measure of a Man – Ein fetter Sommer

Measure of a Man - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Dieser “Sommer” ist quasi fast untergegangen, zumindest hab ich mal keine großartigen Kinos gefunden, die diesen Film überhaupt plakatiert haben. Und das in meinen Augen völlig zu Unrecht.

Natürlich kann man jetzt anfangen mit dem großartigen Donald Sutherland, der hier auch wirklich wieder eine grandiose Rolle abliefert und seinem unterschwelligen Bombast nochmal einen Schippe drauf legt, ich finde jedoch, dass dieser Film durch ganz andere Paritäten glänzt.

Zum einen: Blake Cooper. Ja, es tut den ganzen Film über weh, zu sehen, wie diesem Kerl zugesetzt wird und wie er sich allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder auferhebt und über seine psychisch angeknackste Seele stolpert, um am Ende zu wahrer Größe zu finden. Klingt kitschig? Ist es aber nicht.

Was mich zu Punkt 2 führt: Genau dieses ausgequetschte Konzept von Versager und Held, von Loser und Gewinner, von “Ich helf dir, du hilfst mir” ist in der Filmgeschichte gefühlt in jedem Film zu finden. Measure of a Man konzipiert daraus aber ein vollkommen anderes Erlebnis und erzeugt Gefühle in einem, die man bis dato so nicht kannte – zumindest nicht in diesem Zusammenhang.

Diese Geschichte rührt von einem Bestseller aus der Bücherwelt – und das zu Recht – und hat in meinen Augen auf der Leinwand viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren, was man nun dringend nachholen sollte. Inzwischen dürfte der Titel ja auch in den VoD-Vorratsschränken aufgetaucht sein. Aus diesem Grund hab ich beschlossen, trotz meiner unfassbaren Langsamkeit gerade, diesen Titel doch noch ins Blog-Archiv zu integrieren: Er ist viel zu gut, als dass er irgendwo in Vergessenheit geraten dürfte.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Plot, der aus bekannten Elementen etwas völlig neues zimmert und dabei die Emotionen der Seele aufs Tiefste anspricht: Dazu ein wundervoller Cast, rührselige Bilder und eine Geschichte, die von wahrer Größe erzählt.

Nachspann: Muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: Measure of a Man
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Back to Maracanã

Back to Maracana - Filmplakat
© 2019 jip Film & Verleih

Fußballfilme sind derzeit wieder aktuell, aus diesem Grund wird cineastisch alles vor die Kamera gezerrt, was sich nicht rechtzeitig sträubt.

Back to Maracanã ist allerdings kein Film über einen Fußballspieler oder eine Doku über einen Verein, auch wenn die Handlung an wahre Ereignisse anlehnt und sich quasi im Rahmen des Spielfeldes bewegt.

Jedoch blieb bei mir bei diesem Film die Begeisterung einigermaßen gebändigt. Das Problem ist, dass man nicht die euphorische Kraft und geballte Sehnsucht der Fans loslassen kann, sondern mit einem Plot an die Menschen heran tritt, der irgendwie nicht so richtig weiß, wohin er will.

Damit hat man zwar Fußball – ja – aber mit einer Story, die eben keine Richtung aufweist und am Ende auch irgendwie keinen Sinn macht. Wichtige Elemente der Geschichte muss man erraten oder sich selbst herleiten und fragt sich deshalb als Zuschauer des Öfteren einmal, was das alles überhaupt soll.

Dies ist insofern enttäuschend, als dass man in fremde Länder abgetaucht und hier tatsächlich die Chance hätte, andere Fußballkultur etwas besser kennen zu lernen und zu erleben.

Somit würde ich diesen Film als Mittelklasseevent einstufen, dass zwar nice anzusehen ist, aber eben nicht wirklich mit Power überzeugt.

.kinoticket-Empfehlung: Handelt im Rahmen von Fußball, ist aber keine Doku und lässt somit die pure Begeisterung der Fans auf der Strecke. Einige Punkte der Erzählung erschließen sich für den Zuschauer nur schwer.

Nachspann: Seichter Abgang, also rennt nicht gleich raus 😉

Kinostart: 18. Juli 2019

Original Title: Back to Maracanã
Length: 92 Min.
Rated: FSK 0


A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando

Toy Story 4 - Filmplakat
© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Saftige 24 Jahre ist’s her, dass Regisseur John Lasseter für Pixar ein unsterbliches Werk der Filmgeschichte zauberte, von dem bis heute die Kinder zehren.

Vier Jahre später (unfassbar lange für die heutige Massenproduktion) verfasste man dann die Fortsetzung, ganze 11 Jahre (!) dauerte es erneut bis zu Teil 3 und weitere 9 Jahre sollten ins Land ziehen, damit am heutigen Tag endlich Teil 4 das Licht der Welt erblickt und auf den Kinoleinwänden die Zuschauer begeistert.

Was das alles bedeutet?

Nunja, Filme werden immer dann schlecht, wenn zwischen den Fortsetzungen maximal 12 Monate liegen … denn in dieser Phase lässt sich nichts so ausgereift durchwurschteln, dass wirklich Kreativität und Geist sprudeln und Macher auch mit Freiräumen beschenkt werden können, damit die Filme tatsächlich etwas taugen.

Gleichermaßen bedeutet es fast immer automatisch: Liegen so immens große Zeiträume zwischen den einzelnen Veröffentlichungen, garantiert das nahezu, dass der aktuelle Schinken grandios wird.

Exakt das ist mit Toy Story 4 (diesmal haben die Amis den mieseren Titel von beiden) passiert: Der Film ist viel zu geil, um ihn an die Kinder zu verschenken!

Ich war Mitte März diesen Jahres bereits zu einer Footage-Präsentation des kommenden Toy Story zum Frühstück im Kino geladen, wo uns u.a. der Entstehungsprozess von Disney vorgestellt wurde und Oscar®-Preisträger sowie Produzent Jonas Rivera jede Menge Spannendes aus dem Nähkästchen erzählte.

Glaubt mir, es fiel extrem schwer, solange den Rand zu halten, um nun endlich an alle Welt hinauszuschreien: Er ist fertig, er ist auf der Leinwand und ihr dürft ihn endlich in allen Formen und Varianten genießen und euch immer wieder reinziehen: Toy Story 4 – der geilste Film dieser Reihe!

Im Ernst? Schickt eure Kinder ins Bett, legt euch Wein und Sekt parat, schlagt die Beine übereinander und genießt die Bauchlachkrämpfe, zu denen euch dieser Streifen zwingen wird! Es wird brutal geil und enthält sowas von freakige, spaßige und intensive Momente, dass mir manchmal wahrhafte Zweifel kommen, inwieweit das wirklich noch für Kinder geeignet ist.

Toy Story ist erwachsen geworden” zu sagen wäre fad, aber irgendwie ist er aus der Baby-Kinder-Youth-Schiene tatsächlich raus und ein immenses Vorbild nicht nur in technischer Hinsicht: Die Natürlichkeit der Szenen ist atemberaubend, die Animationen technisch an absolut vorderster Front, der Cast VIP-mächtig bis oben hin, die Erfolgsgarantie von Pixar macht auch hiervor keinen Halt und das, was man zu sehen bekommt, begeistert absolut alle – nicht etwa “nur die Kids”.

Also bringt eure Kinder zu Bett, geht in die Stadt, besorgt euch Tickets und dann genießt die Show. Mit den Kids könnt ihr danach nochmal rein – ihr wollt ihn sowieso mindestens 2x sehen! :))

.kinoticket-Empfehlung: Megamäßig gut – der beste Teil der Reihe und die unglaublich lange Produktionsphase lässt wieder einen Garantieschein im Schaufenster stehen, der aus diesem Ding erneut einen ungeheuren Erfolg machen wird: Der Humor toppt alles und irgendwie stellt sich die Frage: “Ist das wirklich für Kinder oder eher für Erwachsene gemacht?” – Ich denke eher letzteres. Definitiv ansehen!

Nachspann: Unbedingt sitzen bleiben – bis ganz zum Schluss, denn es wird noch 2x witzig nachgelegt!

Kinostart: 15. August 2019

Original Title: Toy Story 4
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0


Vox Lux

VOX Lux - Filmplakat
© 2019 Kinostar

Das Plakat wirbt mit einer “gewaltigen Provokation” und ich bin mir an dieser Stelle nicht sicher, ob der Zuschauer damit gemeint ist oder man – wie anzunehmen wäre – den Stoff anspricht. Provokativ ist es auf jeden Fall – und zwar für den Zuschauer, der sich seines Geldes beraubt sieht und nicht weiß, wie hoch die Verarsche noch sein kann, die einem da von der Leinwand aus entgegen schlägt.

In den USA hat dieser Titel sein Release bereits verjähren lassen und scheinbar hatte hierzulande keiner Lust, auf den aktuellen Zug mit aufzuspringen und den Streifen ins Programm aufzunehmen, weil er dort zu schlecht ankam?

Warum produziert man so etwas nicht als Direct-to-DVD-Option und lässt die Kinoauswertung aussen vor? Dann besinnt man sich automatisch bloß auf die Fan-Anhängerschaft und belässt es als Nischenprodukt ohne “gewaltige Wirkung”. Das hätte wohl so manche Peinlichkeit erspart.

Nichts gegen Natalie Portman oder Jude Law – beides herausragende Darsteller, die in der Vergangenheit wunderbare Werke abgeliefert und sich ihre Titel und Anerkennungen damit redlich verdient haben – doch in diesem Plot?

All das ist absolut übertrieben, driftet mit Vollkaracho in die “In den USA ist jeder behindert”-Klischeewand und reißt dann mit unübersichtlichen Besetzungsproblemen und irgendwelchen lapidaren Annahmen absolut nichts mehr aus dem Häuschen.

Singen? Irgendwo wirbt man mit Sia, die tatsächlich ein zwei Songs rausgebracht hat und tatsächlich singen kann – aber auf der Leinwand geht’s darum irgendwie überhaupt nicht, sondern man macht einfach was, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann zusammenhanglos irgendwas, vielleicht ist’s ein Rückblick – vielleicht aber auch einfach nur – ach nee, das ist .. hä? Warum ist die jetzt in der Vergangenheit die andere und die andere auf einmal wieder ne andere? Was war das nochmal? Nee … ach egal.

Genau das ist das breitflächige Gefühl gewesen, nach dem sich die Presse samt mir einig darüber war, dass Vox Lux (der Titel hat übrigens auch überhaupt nix mit dem Film zu tun komischerweise) der schlechteste Film des Jahres überhaupt ist.

Und diesen Titel muss man sich auch bei mir toleranter Sau erst einmal redlich verdienen.

Schade drum. Potenzial hat das Ding nämlich.

.kinoticket-Empfehlung: Ein absoluter Schuss, für den noch nicht mal ein Ofen herhalten will: Grausam zusammengestellt, absolut null kuratiert und für den Zuschauer eine reine Langeweile.

Nachspann: Hat noch zwei Hintergrundbilder … muss man aber nicht zwingend abwarten.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Vox Lux
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12


Leberkäsjunkie

Leberkaesjunkie - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Inzwischen hat’s ganz Deutschland infiziert und wir haben die gute Kunde: Ja, der alljährliche Eberhofer ist wieder im Kino … und es ist Zeit, einmal zwei Blicke auf die Eberhofer-Timeline zu werfen:

Dampfnudelblues (2013)
Winterkartoffelknödel (2014)
Schweinskopf al dente (2016)
Griessnockerlaffäre (2017)
Sauerkrautkoma (2018)

Und ich hoffe, ihr habt alle eure Hausaufgaben gemacht und euch die vorherigen Teile brav in Reihenfolge angeschaut … Derzeit spielen’s die Medien ja wieder rauf und runter: Klar, es ist ein bayerisches Gen, mit dem man klar kommen muss, ändert aber nix daran, dass die Nachfrage danach inzwischen in ganz Deutschland vorhanden ist, was zwei Dinge beweisen:

  1. Eure zahlreichen Feedbacks in den letzten Jahren aus den nordischen Gefilden, wann der Film dort startet…
  2. Die Tatsache, dass Constantin Film sich tatsächlich dazu entschieden hat, den Leberkäse dieses Jahr nicht nur in Bayern und Baden-Württemberg, sondern landesweit zu verteilen: Ja, auch der Norden hat seine Releases bekommen und man gibt der Nachfrage nun endlich statt. Thx 4 that an dieser Stelle.

Und wenn man jetzt nochmal ganz an den Anfang zurückspringt und sich an die bissige Bösartigkeit zynischen Humors zurückerinnert, mit denen Teil 1 und 2 so wunderbar gepunktet haben, dann kommt bei so manchem vielleicht wehmütiges Sehnen nach mehr Spaß, nachdem die letzten Jahre die Handbremse ein wenig angezogen wurde.

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Man zieht wieder an! Und zwar richtig gaudig mit jeder Menge Spaß, Heiterkeit und bayerischem Lebensgefühl, das man unverblümt und ohne Stolpersteine nun wieder nach Herzenslust auslebt.

Ja, Leberkäsjunkie macht extrem Lust auf mehr und ich freue mich schon auf die kommenden Teile … aber so lange: Kinoticket lösen und den aktuellen Part genießen. Und dazu am besten ein ganz fettes Stück Leberkäse. Ganz nach Eberhofer-Vorbild.

Und damit euch nicht langweilig wird, bis das Kino endlich anfängt: Hier noch ein paar Einblicke auf den Red Carpet in München zur Deutschlandpremiere von Leberkäsjunkie – mit jeder Menge Prominenz im Schlepptau. Have fun!

.kinoticket-Empfehlung: Legt wieder ordentlich los und macht richtig Laune – und vor allem Lust auf mehr. Go 4 it!

Nachspann: Nicht gleich aufspringen, hier kommt nochmal etwas …

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Leberkäsjunkie
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12