| wenn aus filmen leidenschaft wird

Der Schwarze Diamant

© 2020 Netflix

In Zeiten wie diesen merken wir, dass sich manchmal weitreichende Änderungen im Alltag vollziehen, die nachhaltige und ausdauernde Wirkung haben. Die Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür, dass weltweit in das Leben von Milliarden Menschen eingegriffen wird und sich dadurch ganz sicher viele Gewohnheiten ändern werden.

Eine davon ist aktuell: Kinobesuche. Die finden dank bundesweit geschlossener Spielsäle derzeit konsequent nicht mehr statt. Und zwar für alle.

Ausweichmöglichkeiten? VoD. (Und dabei nebenher immer mal auf hilfdeinemkino.de vorbeischauen, um die Kinos für die Zeit danach zu unterstützen!)

Und irgendwie hab ich das schon geahnt, aus diesem Grund wurde die VoD-Rubrik in diesem Blog erschaffen. Ihr wisst, dass ich ein Fan von big screens bin und es immer begrüße, wenn man sich Filme auf der großen Leinwand mit Publikum anschaut – und genau das verhindert aktuell ein „soziales Projekt“ – die Pandemie.

Also streben wir nach den positiven Aspekten und danken dafür, dass in der Vergangenheit bereits Strukturen geschaffen wurden, die diese Kultur des Filmschauens nun am Leben erhalten und weiter vorantreiben können: Wir haben Netz, wir haben Kapazitäten, wir haben Diensteanbieter wie Netflix, die mit Förderung durch finanzielle Mittel Kreativschaffende unterstützen und vorwärts bringen und damit sogar das in die Jahre gekommene, konservative Entscheidungsmoratorium der klassischen Studios in Frage stellen.

Ich habe mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht, dass mehr Netflix-Content in die großen Säle wandert, wie das zu dieser Zeit bereits die Amazon Studios getan haben. Gleichermaßen hat sich Disney (mit dem größten Content-Provider Twentieth Century Fox im Aufkauf-Schlepptau) nun ebenfalls der Streaming-Welt angenommen und somit existieren nun drei vitale, solide Unternehmen am Markt, die den Zuschauern den Filmcontent vor Augen führen und den Streaming-Bereich nun hoffentlich mit viel guter Unterhaltung bespaßen. Und der Zugang von Disney+ fördert nun hoffentlich auch ein wenig die Konkurrenz und belebt den Markt … in diesem Sinne: Alles richtig gemacht – und danke, dass es euch in diesen Zeiten gibt.

Aber kommen wir mal zum Film.

Uncut Gems, wie er im Original heißt, zählt nicht zu den klassischen Adam Sandler-Werken, die ja bekanntermaßen immer ein wenig fragwürdig waren. Ich kenne persönlich viele in meinem Umfeld, die seiner Art gegenüber sehr gespalten eingestellt sind. Der Schwarze Diamant ist diesbezüglich eine wahre Offenbarung, fast schon im Stil von Sicario: Man hockt davor und denkt sich: Fuuuuuuck, das ist doch niemals dieser Kerl!

Lasst euch von den ersten Minuten nicht abschrecken, die wirken sehr gestresst und ziemlich fordernd, ich hatte zumindest in der ersten halben Stunde so ein paar Schwierigkeiten mit der vorwärtsdrängenden Geschwindigkeit der Dialoge – es macht den großen Eindruck von Stress und Unruhe. Aber genau darin liegt die große Kraft, die von diesem Film ausgeht: Ich habe danach noch sehr lange darüber nachdenken müssen, weil hier wirklich extrem viel Stoff angesprochen wird, der sich in großen Zügen weltweit derzeit auch real irgendwo so abspielt: Diese Unruhe, Hektik und Unwissenheit vieler, das Vorwärtspreschen ohne Ziel und Verstand, unüberlegte Handlungen und falsche Rückschlüsse, die zu fataleren Folgen führen – all dies wird sinngemäß in diesem Film zum Besten gegeben und steht analytisch auswertfertig für den Zuschauer bereit.

Für Sandler ist es der sprichwörtliche Quantensprung: Ein Meilenstein seiner Karriere, der ungezügelt offenbart, wozu dieser Schauspieler fähig ist! An Filmen wie diesen merkt man, dass auch Netflix und Konsorten dazu in der Lage sind, brauchbaren Kino-Content zu generieren und man sich hierbei nicht vor den klassischen Hollywood-Studios verstecken braucht.

Gerne mehr davon!

.kinoticket-Empfehlung: Wirkt stressig und unruhig und offenbart sich als eines der größten Werke der Safdie-Brüder, die die revolutionäre Spielweise von Adam Sandler zum Besten geben – ein Meilenstein!

Nachspann: Kann man überspringen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2020

Original Title: Uncut Gems
Length: 135 Min.
Rated: FSK 16


#HilfDeinemKino

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Hallo zusammen,

Nachdem ich mich kürzlich schon in meinem neuen YouTube-Kanal zu der weltweiten Pandemie geäußert habe und in einem (zugegeben viel zu langen) Video ein paar Hinweise und Gedanken dazu präsentiert, was man Vernünftiges dagegen tun kann, möchte ich euch heute noch einen weiteren, fantastischen Tipp mit auf den Weg geben, wie ihr nachhaltig und effektiv für die zukünftige Kinolandschaft Sorge tragen könnt – völlig easy und von zu Hause aus.

Gestern Nacht gab es in Bayern bekanntermaßen den berühmten Shutdown: Ausgangssperren, die nur noch das Nötigste erlauben und sämtliche öffentlichen und freizeitlichen Aktivitäten auf ein Minimum herunterschrauben.

Der Flickenteppich in Deutschland kriegt am Samstag seine letzte Chance und ich vermute, dass spätestens Montag eine bundesweite Ausgangssperre verhängt wird, weil‘s immer noch Deppen in der Republik gibt, die nicht verstanden haben, worum es geht.

Ich konnte gestern bereits unfassbare Szenen auf den Straßen auf meinem Weg zum Arzt beobachten, wie Leute teilweise auf dem Segway zu den Einkaufsläden rasten, um möglichst schnell Lebensmittel und andere Dinge zu hamstern, obwohl die Bundesregierung eindeutig darauf hingewiesen hat, Hamsterkäufe bitte zu unterlassen und auch Familien nicht in Gänze in die Supermärkte rennen sollten.

Das Gebot der Stunde lautet: Abstand und Vermeidung. Und ja, es ist nur auf Zeit.

Ihr könnt eure Langeweile gerne dazu nutzen, euch das Video von mir anzusehen – auch deshalb bin ich mit dieser Länge an den Start gegangen. Alles Zukünftige bleibt unter 10 Minuten – versprochen 😉

Inzwischen gibt‘s auch genügend Podcasts und Themenreihen, die für Ablenkung zu Hause sorgen, da das Hauptproblem vieler in den kommenden Tagen wohl sein wird: „Was mach ich nun?“

Auf diese Frage hätte ich eine wunderbare Antwort für euch: #HilfDeinemKino

Wie das geht? Ganz einfach.

  • Besucht diese Seite: http://hilfdeinemkino.de
  • Wählt über die Landkarte euer Kino aus.
  • Schaut euch ein paar Spots an, die Erlöse davon halten euer favorisiertes Kino am Leben.

Das tolle daran: Man kann es völlig easy von zu Hause aus machen, braucht dafür nicht raus, kann sich an die Regeln der Gemeinschaft halten und trotzdem dafür sorgen, dass den Kinos nicht so hart der Boden unter dem Arsch weggezogen wird.

Man kann völlig einfach ohne Ortswechsel auch mehrere Lichtspielhäuser innerhalb kürzester Zeit unterstützen und somit z.B. neben dem favorisierten Kino, in das man sonst immer geht, auch kleinere Labels unterstützen und findet so vielleicht noch das ein oder andere Independent-Kino in seiner Nähe, dem man nach der Corona-Pause dann mal live einen Besuch abstatten könnte.

Und ihr zeigt, dass ihr trotz allem treue Kunden seid und tragt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass das normale Leben nach all dem Chaos in halbwegs geordneten Bahnen weiter gehen kann.

Bleibt weiterhin ruhig, haltet Abstand voneinander und lasst uns diese Pause professionell bewältigen.

Hab euch lieb 🥰

Euer Ben

P.S: Vielen Dank an Petra Schönberger, die mir diesen Tipp weitergeleitet hat.


Brittany Runs A Marathon

Brittany Runs A Marathon - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Es ist Sonntag. Für alle Nicht-Bäcker, Nicht-Gastronomen, Nicht-Kranken- oder Altenpfleger ein Tag, um sich gemütlich aus dem warmen Bett zu schälen und mit einem Heißgetränk auf der Couch niederzulassen und irgendwas anzuschmeißen.

Am besten erst den Kamin, dann irgendeins der gefühlten Milliarden Streamingportale, die es bald überall geben wird. Mal ehrlich: Muss damit eigentlich neuerdings jeder seine Kohle machen? Geht das nicht auch irgendwie bedienerfreundlicher, ohne dass man in ein paar Jahren dann für jeden Film ein extra Jahres-Abo abschließen muss?

Der Zeitpunkt, als Brittany Runs A Marathon up to date war, ist inzwischen auch vergangen. Die Zeit, in der ich “up to date” war, erkämpfe ich mir grad irgendwie zurück. Doch mit einem etwas anderen Fokus: Man sollte manche Dinge vielleicht einfach mal entspannter angehen, nicht immer nur schreien und jagen, sondern manchmal ist die Decke auf der Couch genau das richtige, um einen sonnigen Tag gemütlich zu starten.

Und manchmal sind Streamingportale auch nicht das schlechteste, selbst bei Kritiken, die eigentlich aus dem Kinosaal heraus geschrieben werden. Wenn’s euch also nichts ausmacht, werden hier ab und zu immer wieder mal ein paar Sichtungen von mir kommentiert werden.

Warum ich das alles erzähle? Brittany Runs A Marathon hört sich erstmal unglaublich sportlich und anstrengend an … ist in meinen Augen aber genau die Art Film für einen dieser Sonntag-Morgen, denn das städtisch-verliebte New Yorker-Flair gepaart mit der etwas trapsigen, unbeholfenen Art von Jillian Bell passt hier genau rein.

Wer den Film genießen will, sollte am besten vorher keinen Trailer schauen und sich glücklich schätzen, das automatische Abspielen von “Vorschautrailern” in seinen Accounts deaktiviert zu haben. Der nämlich verrät vieles und deutet dabei in eine völlig andere Richtung, die der Film am Ende geht. Dabei werden wieder künstliche Erwartungshaltungen aufgebaut, an denen die Vorfreuden-Einsteiger am Ende zerbrechen und eher enttäuscht sind.

Und grundsätzlich kann es meiner Meinung nach auch nicht schaden, wenn man das Sex and the City bzw. Friends-Gen ein wenig in sich trägt – genau das ist in meinen Augen die Zielgruppe für diesen Film.

Und da ich früher weder das eine, noch das andere gesehen habe (Friends hole ich gerade nach) und nie so wirklich ein Fan dieser skurrilen Großstadt-Wir-lieben-uns-alle-und-findens-toll-Dinger war, hat mich dieser Film auch nicht so richtig abgeholt.

Vielleicht war es auch einfach nur die große Komödien-Erwartungshaltung, die der Trailer geschürt hat und die der Film einfach viel zu wenig befriedigt. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, ist angesichts diverser (klischeeuntermauerter) Tatsachen auch soweit nachvollziehbar und schlussendlich denke ich, dass darum der Griff zur Fernbedienung hier eher die richtige Wahl ist denn ins Kino zu gehen.

Und wer von euch hätte in all den Jahren gedacht, dass ich das an dieser Stelle – auf dieser Website – einmal sagen würde? Wer? 😉

.kinoticket-Empfehlung: Für einen gemütlichen Sonntag-Morgen zum Wachwerden und geistig nicht gleich überfordert zu sein, genau das richtige.

Nachspann: Kommt nichts weiter, man kann zum nächsten Titel springen.

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Brittany Runs A Marathon
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6


Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn

Birds of Prey - The Emancipation of Harley Quinn Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Das Ding läuft nun ja mittlerweile schon eine Weile im Kino (und ist fast schon wieder raus?) und hatte so diverse kleine Schwierigkeiten im Flow der „Superhelden-Action“.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an: Hollywood kränkelt seit jeher bei der Namensgebung von Filmen. Nicht nur, dass die Biester manchmal sogar beim Drehen schon geilere Fake-Titel angedichtet kriegen, sondern die Übersetzungen sind ein Horrorkabinet für sich.

Hier haben wir nun wieder einen Reigen an Fehlentscheidungen: Birds of Prey war der ursprüngliche Titel, etwas frischer und nicht so abgekocht wie die üblichen „Wir nennen einfach den Titelhelden beim Namen“-Dinger, die an Einfallsreichtum kaum mehr zu unterbieten sind teilweise.

Damit konnte aber das nicht so kinoversierte Publikum scheinbar nichts anfangen, weswegen man schnell eine Umbenennung vornahm, um irgendwie „Harley Quinn“ in den Titel zu kriegen: Die kennen vornehmlich ja inzwischen ein paar Leute und damit sollte die Kasse dann besser klingeln. Scheinbar ist das Publikum selbst wohl zu doof, die Persönlichkeiten auf dem Plakat der richtigen Superhero-Chronologie zuordnen zu können und man muss extra dazu schreiben, wer das nun ist.

„Und noch ein Löffelchen für Omi…“ … na gut, lassen wir das.

Dann aber hierzulande noch eine andere Übersetzung an den Start zu bringen – und die dann englisch zu lassen (was ich ja ausnahmslos begrüße eigentlich) – ist in meinen Augen in diesem Zusammenhang dann die größte Dummheit ever.

Der Film heißt nun also in Englisch schlicht: Harley Quinn: Birds of Prey (Vorschlag: Wie wäre der Titel für das deutsche Pendant gewesen? Ich mein ja nur …) und in Deutsch bekanntlich Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn. Großartig. Das hat nun endgültig alle Verwirrung … äh … beseitigt … oder so.

Dann kommen wir mal zum Inhalt. Dass sich in jüngster Vergangenheit so manche Szene zwischen den Geschlechtern abgespielt hat: Keine Neuigkeit. Dass „Frauen erobern die Welt und zeigen‘s allen“ das neue „Wir sind cool“ ist: Auch bereits kapiert. Zumindest einige.

Dass dann aber in einem Film, der so unglaublich geiles Potenzial dazu hat, hier draus etwas zu machen … und charakteristisch schon von Beginn an darauf ausgelegt ist, mal die Sau rauszulassen und auf diese ganzen gesellschaftlich-verzogenen Gepflogenheiten gepflegt zu scheißen und einfach wirklich geil zu sein … so armselig darauf verzichtet wird, cool zu sein: Ein Trauerspiel. Diese „Frauen sind die Überkönner und wirklich alle Männer absolute Dummpfeifen“ ist nicht die Antwort, die an der traurigen Vergangenheit irgendwie konstruktiv etwas ändern würde. Damit nährt man eher die falsche Fraktion, die nun wieder ein Argument mehr in der Tasche hat, warum besser Männer… und so … ihr versteht?

Und das zerreißt nicht nur den Film, sondern stößt Kritikern und „Normalpublikum“ gleichermaßen übel auf.

Ein weiteres Problem, was ich mit diesem Streifen hatte: Irgendwie kommt keine Fahrt auf. Erinnert ihr euch an die Szenen in The Dark Knight, wo einfach minutenlang nur gefahren wurde, Speed, Einstellungen, Musik, dumpfe Bässe, Lachen, Drive … es war großartig. Birds of Prey hat hier zwar unglaublich geile Ansätze, bricht die dann aber Sekunden später durch miese Schnitte und absolut dumme Dialoge wieder selbst ein, bevor überhaupt so etwas wie „Stimmung“ entstehen kann.

Man merkt nämlich deutlich, dass (und das ist das größte Plus des Films überhaupt) die Musik hier einfach strahlt. Die Stücke wurden so exzellent ausgewählt und der Soundtrack ist Oberbombe. Immer, wenn die Musik anfängt zu spielen, fängt auch der Film an, Spaß zu machen … und hört dann beim nächsten abrupten Schnitt schlagartig wieder auf. Und somit „steht er auf der Stelle“, statt sich vorwärts zu bewegen und etwas tatsächlich ins Rollen zu bringen und die Gewaltigkeit und den Extremismus von Quinn tatsächlich zu verkörpern.

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn der Versuch gut gemeint war: Die Chance, Suicide Squad zu toppen wurde durch eine miese Gender-Politik im Film und durch unbedarfte Schnitte und nicht aufkommende Action hart ausgebremst. Damit reiht sich auch dieser Teil in die leider immer noch nicht glänzende Riege von DC‘s Superheldensaga ein. Wir müssen also weiter hoffen, dass zu unseren Lebzeiten nochmal etwas besseres kommen wird …

Nachspann: Hier zahlt sich nun endgültig aus, wenn man – passend zum englischen Titel – dann wirklich die OV gewählt hat: Wer bis ganz zum Schluss hocken bleibt, kann nur im Original über die Jokes lachen, die dann noch kommen.

Kinostart: 06. Februar 2020

Original Title: Harley Quinn: Birds of Prey
Length: 109 Min.
Rated: FSK 16


New York – Die Welt vor deinen Füßen

NewYork
© 2020 Happy Entertainment

New York – eine Stadt voller Kriminalität, in der man nachts brutal niedergeschossen wird, die zudem von Müllbergen durchkämmt ist und das kriminelle Herz der USA darstellt … es gibt so manches Vorurteil über die Millionenmetropole, die tatsächlich weltweit kaum würdige Ebenbilder als Konkurrenz vorfindet.

Auch hierzulande erleben wir momentan wieder einmal, was Massenpanik in den Köpfen der Menschen anrichten kann und welche gravierenden, negativen Folgen angstgesteuerte Fehlinformationen in der Gesellschaft auslösen.

Dazu kommt eine mittlerweile fast schon normal gewordene Lebensweise von Menschen, die von Zeitdruck, permanentem Stress und einer Dauerbelastung durchzogen ist, die das Pensum eines gesunden Stresslevels längst überschritten hat und in den meisten Fällen zu Krankheiten und in seltenen Fällen sogar zum Tod führt.

Die Erwartungshaltung, der Leistungsanspruch und das Abverlangen von immer mehr in immer kürzerer Zeit bringt so manchen kurz vor den Abgrund.

Matt Green hat sich dieser Lebensweise entsagt und ist eines Tages aufgestanden, um einfach etwas anders zu machen. Ich möchte an dieser Stelle nichts vorweg nehmen, denn ihr kennt mein Credo: Filme sind immer dann am besten, wenn man eingangs möglichst wenig darüber weiß.

Ich hatte das unglaubliche Privileg, diesen Menschen persönlich kennenlernen zu dürfen und seine völlig fremdartige, von vielen als „sinnfrei“ kritisierte Lebenseinstellung näher zu begutachten und bin der Meinung: Genau deshalb ist es wichtig, was dieser Mann getan hat und immer noch tut.

Jeremy Workman hat ihn dabei 3 Jahre lang begleitet und dabei aus über 600 Stunden Filmmaterial ein Werk geschnitten, das in vielerlei Hinsicht für den Zuschauer ein absolutes Juwel darstellt.

Wer sich gegen meine Empfehlung wieder dem Trailer zuwendet, wird vom Film zusätzlich nochmal positiv überrascht. Der vermittelt nämlich einen anfänglichen Eindruck, der das ganze Ausmaß des Films aber kaum wiederzugeben weiß, sondern nur in Teilen anreißt, worauf man sich bei New York – Die Welt vor deinen Füßen einlässt.

Tatsächlich räumt dieser Streifen auf eine beruhigende und spannend simplifizierte Art mit Vorurteilen auf. Und genau diese Einfachheit ist es, die in Summe zusammengetragen den Blick von Tausenden von Zuschauern umlenken und verändern kann – das Potenzial dieser Dokumentation ist unerschöpflich.

Der Grund, den viele automatisch suchen, erhebt sich aus der totalen Entspanntheit, die Green auch auf dem Screening rübergebracht hat. Beim Q&A wurde erneut deutlich, wie leistungsversessen, aufgeregt und überdreht die Menschheit heutzutage geworden ist.

Doch auch für Liebhaber von Schönem, Menschen, die Humor mögen (und davon gibt‘s in dem Film reichlich) und Personen, die sich Weltreisen momentan nicht erlauben können oder möchten, strotzt diese Doku nur so vor Reichtum, Lebensfreude und einer Idee, die brillanter eigentlich kaum sein könnte: Ganz ehrlich? Ich bewundere ihn, ich bewundere diese Entscheidung und ich sehe mich in Teilen in seinem Tun auch ein Stück weit selbst.

It‘s not just another one… Auch hier fällt es mir grade schwer, mit möglichen Vorurteilen gegenüber „Dokus“ | „Amerika“ | „New York“ | „Intellektuellen-Blabla“ aufzuräumen und fordere etwas unglaublich teures von euch: Vertrauen.

Vertraut mir, wenn ich euch sage: Schaut diesen Film in dem Drang nach Entdeckungen. Findet all die Perlen, die Schönheit, die Eleganz der euch umgebenden Natur, Menschen, Kulturen, Botschaften. Macht diese intime Reise in eine Nation mit, die euch wahrlich traumhafte Ecken einer Stadt vorstellt und Dinge zeigt, die man als Außenstehender so wohl niemals gesehen hätte.

Es ist das liebevollste, ehrlichste, unkomplizierteste und beherzteste Portrait, dass ich je von dieser Stadt zu Gesicht bekommen habe und am Ende eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen der Erzählweise einfach funktioniert, einen bleibenden Eindruck hinterlässt und nicht zuletzt Menschen zu Hunderten wieder zusammenführt, um gemeinsam etwas zu erleben und am Ende das Gefühl zu genießen: „Ich war mit dabei.“

Dieser Coup ist Workman definitiv gelungen.

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Kino ist ja bekanntlich nicht nur die Chance, einfach den Film zu sehen, sondern sollte im Optimalfall ja immer noch das gewisse Extra liefern, das den großen Unterschied zu Streamingportalen und TV ausmacht.

Wie wär‘s denn, wenn ihr auch die Chance dazu hättet, Regisseur Jeremy Workman und Hauptdarsteller Matt Green auf einer Kinotour zu begegnen und euch die Dokumentation bereits bei den Publikumsvorführungen vorab anzuschauen?

Diese finden in den kommenden Tagen nämlich noch in folgenden Städten statt:

Donnerstag, 05. März 2020 um 20:30 Uhr in Wien im Votiv Kino
Samstag, 07. März 2020 um 19:30 Uhr im Abaton in Hamburg

und abschließend am Montag, 09. März 2020 um 20:00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain in der Hauptstadt in Berlin.

Lasst euch diese wunderbare Chance nicht entgehen und entdeckt den wahren Fundus an kreativer Inspiration einfach hautnah zum Anfassen und stellt im Anschluss dann eure Fragen dazu.

.kinoticket-Empfehlung: Ein großartiges Portrait einer Stadt, eines Menschen in dieser Stadt und einer Lebensweise, die uns allen zu denken geben sollte, ob die Welt im Kollektiv momentan nicht auf dem falschen Dampfer ist. Ein wahres Juwel in der Welt der Dokumentationen mit einer lang nachhallenden Botschaft. Reingehen!

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Stadtläufer Matt Green (links) mit Regisseur Jeremy Workman (rechts) | © Florian Jänicke
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Nachspann: Beinhaltet keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 12. März 2020

Original Title: The World Before Your Feet
Length: 95 Min.
Rated: FSK 0


Der Unsichtbare

© 2020 Universal Pictures International

Ich hatte wieder einmal das pure Glück, diesen Film gesehen zu haben, bevor mir der erste Trailer auf der Leinwand präsentiert wurde. Der nämlich enttäuscht auf ganzer Linie.

Der Unsichtbare ist kein klassischer Gruselschocker, der sich lapidar mit Ideenlosigkeit anbiedert, sondern das neue Werk von SAW-Autor Leigh Whannell liefert jede Menge sehenswerte Momente, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Schon zu Anfang punktet man mit einer düsteren, jedoch hoch professionellen Stimmung, die dem Zuschauer ein Umfeld bietet, in dem er sich zwar die Gänsehaut über den Rücken jagen kann, dabei aber nicht in seiner Intelligenz beleidigt wird. Man erschafft eine Atmosphäre, die von dem großartigen Können der Produktionsdesigner und den Vorstellungen von Whannell lebt.

Das Beachtenswerte in meinen Augen ist hierbei, dass man zwar immer wieder Anreißer in Richtung Ghost-Shocking und Übernatürlichkeit aufwartet, jedoch dabei niemals den Absprung zur Lächerlichkeit vollzieht, sondern stets eine konsequente, gut durchdachte und neu konstruierte Linie alter Monster auffährt.

Kurz gesagt: Man merkt jeder Szene an, dass diese Filmemacher kein B-Movie produzieren wollten, sondern jeden Handgriff ihres Tuns sehr wohl verstehen.

Dieses Niveau reißt den Film unweigerlich aus dem Sumpf seiner Konkurrenten nach oben und bietet dem Zuschauer wieder einmal die Chance, wohl dosierten Grusel auf der Leinwand zu genießen.

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch darauf ein und vermeidet am besten jegliche inhaltliche Infos vorab: Ins Blaue hinein entdecken liefert hier den größten Mehrwert.

Nachspann: Gibt keine sehenswerten Szenen mehr preis, man darf den Saal also zum Putzen freigeben.

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: The Invisible Man
Length: 125 Min.
Rated: FSK 16


2020 Oscar® Nominated Short Films

© 2020 DCM Film Distribution GmbH

Freunde der großen Leinwände: Arnie wusste, dass seine Auszeit auf dem Land im Zeitalter der Menschen irgendwann ein Ende finden würde und hat sich dem Krieg wieder gestellt.

Auch ich wusste das. Und auch, wenn medizinisch und gesundheitlich gesprochen noch lange nichts wieder an dem Fleck ist, wo es optimalerweise hingehört, habe ich beschlossen, diesen Meilenstein des Jahres als Anstoß zu nutzen und euch zu zeigen, dass dieses Blog noch lange nicht gestorben ist. Ganz im Gegenteil: Es hat sich noch nie so viel hinter den Kulissen verändert, wie innerhalb der letzten 15 harten Wochen. Aber dazu später vielleicht mal mehr.

Jetzt gilt erstmal etwas anderes, nämlich: Hausaufgaben machen.

Vielen von euch mag das ja als „normal“ erscheinen, für mich ist es ein echt neues, ungewohntes Phänomen: Ich kenne viele der Filme gar nicht, die bei der diesjährigen 92. Verleihung der Oscars in Los Angeles im Dolby Theatre am 09. Februar 2020 vorgestellt werden.

Von den Big Five hat man sicherlich schon einmal gehört – und damit meine ich jetzt nicht Nashorn, Löwe, Giraffe und Co. – davon reden am nächsten Morgen auch die sprudeligen Radioshows und überwerfen sich Medien, Zeitungen und Fernsehen.

Die wahren Perlen findet man meistens in den Grübchen, wo keiner wirklich hinsieht … und das sind in diesem Fall: Die Shorts.

DCM Film Distribution GmbH hat sich in Kooperation mit Shorts.TV die Mühe gemacht und alle Kurzfilme in eine Sondervorstellung gepackt.

Das betrifft dieses Jahr folgende Titel aus der Kategorie „Live Action“ | „Bester Kurzfilm“:

A Sister (Belgien, 16 Min.)
Brotherhood (Kanada, Tunesien, Katar, Schweden, 25 Min.)
Nefta Football Club (Frankreich, Tunesien, 17 Min.)
Saria (USA, 22 Min.)
The Neighbor‘s Window (USA, 20 Min.)

Sowie aus der Kategorie „Animation“ | „Bester Animierter Kurzfilm“:

Daughter (Tschechien, 15 Min.)
Hair Love (USA, 7 Min.)
Kitbull (USA, 9 Min.)
Mémorable (Frankreich, 12 Min.)
Sister (China, USA, 8 Min.)

Ihr merkt schon: Seltsame Titelnamen, wenig Bekanntheit, keine große Zeitung rühmt sich damit auf der Titelseite … und genau das gilt es zu ändern.

Darum bieten euch folgende Kinos bereits seit dem 30. Januar 2020 die Chance, all diese wunderschönen Werke in einer Kollektion zu genießen und da zu konsumieren, wo sie am 09. Februar 2020 von den Juroren abschließend bewertet und gefeiert werden: Auf der großen Leinwand.

Folgende Kinos werden die Kurzfilm-Collagen zeigen:

AachenApollo-Filmtheater
AschaffenburgCasino Filmtheater
AugsburgThalia
BerlinKino in der Kulturbrauerei
b-ware!Ladenkino
Sputnik Südstern
BochumCasablanca – Kino
BremerhavenPassage Kinocenter
ChemnitzMetropol
Weltecho
DresdenThalia – Kino
DüsseldorfSouterrain Kino
ErlangenLamm-Lichtspiele
EssenAstra – Filmtheater
FrankfurtHarmonie Filmtheater
FreiburgKandelhof Kino
FritzlarCine Royal
FürstenfeldbruckLichtspielhaus
IngolstadtUnion Filmtheater
KarlsruheSchauburg
KielStudio Filmtheater am Dreiecksplatz
Traumkino
LeipzigSchaubühne Lindenfels
LübeckKommunales Kino Lübeck
MagdeburgStudio-Kino
MarburgCapitol
MünchenMonopol-Kino am Nordbad
Museum Lichtspiele
Nürnbergcinecitta
Kino Meisengeige
Casablanca Kino
OldenburgCine k
ReutlingenKamino
Saarbrückencamera zwo
StuttgartCinema
TrierBroadway-Kino Trier

Ich finde diese Aktion wunderbar, denn so lenkt man endlich mal gezielt Aufmerksamkeit auf die kleinen, aber feinen Dinge des Lebens und lässt gerade hierzulande nicht die Zuschauer mit einem ahnungslosen „Kenn ich nicht“-Achselzucken zurück.

Nutzt die Gelegenheit – und gehört in der Nacht der Nächte dann zu denjenigen, die sich sagen: „Ja, hab ich gesehen, der war echt toll!“ ☺️

Ich werde dieses Jahr natürlich die Oscars® wieder mitverfolgen, auch wenn – wie bereits leider im letzten Jahr schon – wieder keiner als Moderator/Moderatorin zur Verfügung steht: Das war der einzige und größte Fehler meiner Meinung nach … und die Schöpfer haben bis heute nichts daraus gelernt.

Na mal sehen, wohin sich das dann entwickelt nach der mehr oder weniger desaströsen Vorstellung vor 12 Monaten … es kann ja nur noch besser werden – genau wie mit dem Schöpfer dieses Blogs… also: Stay tuned 🙂


Soll ich euch die Weihnachtsansprache 2019 des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mal ein wenig „übersetzen“?

Mit Schrecken ist mir gestern das kurzminütige Video auf den öffentlich-rechtlichen Sendern entgegen geschallt, in dem Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine alljährliche Weihnachtsansprache an das Volk hält und quasi die Chance nutzt, mal wieder “Tacheles” von oben herab zu reden.

Und wisst ihr was? Für alle, die kein “Behörden- und Politiksprech” verstehen, gehen wir der Sache doch mal gemeinsam auf den Grund und zerpflücken das Ganze in seine Einzelteile, bis nur noch die Wahrheit am Schluss da steht.

Ich nutze dafür ein eigens erstelltes Transkript, man möge mir diverse Satzbauten, Kommata, Fragezeichen und “nicht eindeutig Heraushörbares” verzeihen – und damit beziehe ich mich ausschließlich darauf, ob ein Satz jetzt schon beendet war, oder Gedankenstrich und dergleichen – am reinen Wort und Textlaut wurde ganz klar nichts geändert.

Zur besseren Übersicht sind Teile der Ansprache des Bundespräsidenten fett geschrieben und meine Gedanken und Kommentare dazu in Standardschrift.

Kann losgehen?

Frohe Weihnachten, liebe Landsleute, ich hoffe, Sie sind gut durchs Jahr gekommen und können die Festtage genießen.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier. Sie als Bundespräsident wissen bestimmt, dass es in diesem Land unzählige obdachlose Menschen gibt, die teils mit schweren Kreuzschmerzen, Erkältungen, Erfrierungen und ohne Essen im Magen auf der Straße ein absolut unwürdiges “Leben” führen, dass wider den Aussagen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland Artikel 1: “Die Würde des Menschen ist unantastbar” ist. Sie wissen sicher, dass es Familien gibt, die sich auch unter dem Jahr noch nicht mal die Miete leisten können, ihre Kinder nicht ernähren können. Sie wissen sicher, dass es kranke Menschen gibt, denen man von staatlicher Gewalt die sowieso schon geringen Mittel zum Leben entzieht und ihnen somit die Möglichkeit nimmt, wieder zu gesunden und ein eigenständiges Leben zu führen. Was glauben Sie, Herr Bundespräsident Steinmeier: Sind diese Menschen gut durchs Jahr gekommen und können nun “die Festtage genießen”? Oder fühlen die sich durch so eine “gedankenlose Aussage” eher vor den Latz gestoßen und von der Politik nicht ernstnommen? #Rezo

Erinnern Sie sich noch, vor genau 12 Monaten, da hatte ich einen Weihnachtswunsch an Sie: Sprechen Sie auch mal mit Menschen, die anderer Meinung sind – und ganz viele haben das offenbar über das Jahr getan. Viele haben mir sogar geschrieben und berichtet von Diskussionen und Debatten, die sie bewegt haben in diesem Jahr.

Meine Frage mag provokativ klingen: Möchten Sie sich mit dieser Aussage rühmen, dass Sie in Person dazu beigetragen haben, dass die Menschen inzwischen aufeinander losgehen, wie die Bestien, weil sich viele inzwischen das Gegenteil dessen suchen, was sie abbildet um diejenigen dann durch z.B. Feuerangriffe, Häuserbrände, Anschläge und anderes “zum Schweigen zu bringen” und “von ihrer Argumentation zu überzeugen” – so wie wir das aktuell gerade überall im Land erleben?

Viele mögen das sehr wohl getan haben, was Sie sich 2018 vom Volke gewünscht hatten. Und viele haben geschrieben und über Diskussionen und Debatten berichtet, die sie bewegten. Welche wären das denn? Denn es kommt mir so vor, dass Sie einen Großteil davon verschweigen und mich dünkt, als wären gerade das die Themen, die die Mehrheit des Volkes tatsächlich interessieren würde… Woran ich das festmache? An dem “Manche” im nächsten Absatz, wo es dann “nur” um ihre Politik und das geht, weswegen Sie sich in der nächsten Wahl gerne wiedergewählt sehen möchten. Was ist mit den Fragen, die wirklich zählen? Warum werden die in ihrer Weihnachtsansprache nicht angesprochen und offengelegt?

Manche haben erzählt von hitzigen Gesprächen über Wahlen und Wahlergebnisse, über die Zukunft Europas, über den Stand der inneren Einheit 30 Jahre nach dem Mauerfall und Klima, Klimawandel und was man dagegen tun kann. Eine Frage, die die Politik tief geprägt hat in diesem Jahr und die möglicherweise auch vor ihrem Weihnachtsbaum nicht halt macht.

Hier lese ich eindeutig das Politikerwesen einer CDU/CSU heraus, die als Merkmal durch Sie erneut herausarbeiten möchte, was sie alles derzeit im “Brennpunkt des Lebens” geregelt oder nicht geregelt bekommen hat. Immerhin sind so viele wichtige Aspekte und Fragen bezüglich einer Zukunft noch lange nicht geklärt … und die “innere Einheit” sieht momentan so aus, dass sich im Osten des Landes wieder naziähnliche Zustände etablieren und der Rest der Bundesrepublik hilflos dabei zusieht, wie die Regierung dies mit allergrößter Hochachtung ignoriert und darauf pocht, doch etwas Positives zur aktuellen Lage des Landes dazugetan zu haben. Und ich lese den Wunsch heraus, dass Sie sich eine Gesellschaft wünschen, deren Interessen des täglichen Lebens politischer Natur sind, statt um Existenz und Überleben kämpfen zu müssen. Es interessiert also nicht „von unten nach oben“, worauf man sich derzeit besinnen sollte, sondern wünschenswert ihrer Aussage nach wäre, dass die Interessen von „oben nach unten“ herabsickern und womöglich sogar vor den Weihnachtsbäumen der Ärmsten ausdiskutiert werden. Merkt jemand, dass gerade dies eben jene Momente sind, in denen in den Herzen der Menschen Groll gegen die Regierung gebildet wird?

Anhand ihrer “Regierungsbildung” nach der letzten Bundestagswahl haben Sie doch allesamt inzwischen bewiesen, dass die momentane Führungsriege des Landes noch nicht einmal dazu in der Lage ist, gemeinsam zu agieren, geschweigedenn ein Land durch diverse Krisen zu manövrieren. Das “Schauspiel” der Politikerinnen und Politiker in etwaigen TV-Sendungen und bei politischen Auftritten ist wahrlich jämmerlich in meinen Augen.

Und glauben Sie tatsächlich, dass “Europa”, “Innere Einheit” und “Klimawandel” interessieren, wenn man als Bundesbürger der Bundesrepublik Deutschland nicht dazu in der Lage ist, ein eigenes Frühstück zu konsumieren? Wenn man sich erhofft – so wie viele Menschen, denen ich in vielen Städten Deutschlands inzwischen begegnet bin und mit denen ich gesprochen und mir ihre Geschichte bei einem gesponserten Frühstück angehört habe – im nächsten Mülleimer brauchbares Pfand zu finden, um sich vielleicht doch nach vier Stunden ein Brötchen leisten zu können? Wo ist die Würde des Menschen, die sie als Politiker ja gegenüber dem Volk durch das Grundgesetz garantieren möchten, wenn jemand, um den Hunger in seinem Bauch zu stillen, mit seiner eigen Hände in dem Müll und Dreck anderer wühlen muss, auf der Suche nach der letzten Hoffnung auf ein paar billige Cent?

Haben Sie bereits einmal mit diesen Menschen gesprochen und sich ihre Sorgen angehört, die sie bewegen? Haben Sie mit den Bürgerinnen und Bürgern gesprochen, die sich kein Smartphone oder PC leisten können, um einen “hochachtungsvollen Brief” an den Bundespräsidenten zu schreiben, schon allein deshalb, weil sie der bürokratischen Ansprache und Form nicht gerecht werden? Oder ist dies bereits Kalkül der Bundesregierung, diejenigen auf diese Art und Weise zum Schweigen zu bringen, weil “von denen eh keiner die Eier in der Hose hat und aufmuckt”?

Verzeihen Sie meine Aggression, wenn ich dies – als jemand, der solche Umstände und Tatsachen tagtäglich erlebt und selbst durchlitten hat, nun im Namen all jener mache, die sich zu schwach fühlen, um aufzustehen und zu demonstrieren. Sehen Sie in mir den Hass all jener, die man bereits so geschwächt hat, dass noch nicht mal mehr genügend Energie übrig bleibt, um morgens aufzustehen. Ich stehe hier – vor Ihnen – und Sie dürfen in aller Öffentlichkeit gerne zu den Fragen Stellung nehmen. Ich werde – im Gegensatz zu Rezo – den Einladungen einer Bundesregierung wohlwollend begegnen auf der Suche nach Gesprächen, die die wahren Probleme der Nation auf den Punkt bringen und: um zu zeigen, aus welchem Holz unsere Bundesregierung geschnitzt ist.

Mein Eindruck ist: Ja, wir haben tatsächlich in diesem Jahr landauf, landab mehr miteinander gesprochen, auch mehr miteinander gestritten. Das sind sehr politische Zeiten, in denen wir leben und von zu wenig Meinungsfreiheit kann in meinen Augen nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil: So viel Streit war lange nicht.

Dies war der Moment, in dem ich mit Ihnen eins war: Ja, wir haben gestritten. Und ja, die Politiker haben sich zeitweilig die Zeit genommen, Menschen zuzuhören und sind tatsächlich auf diese zugegangen. War dies ein politischer Schachzug, um eben jenes sagen zu können und wurde hinterher auch etwas getan, dass als Ergebnis dieser “Gespräche” und “Streits” hervorgegangen ist? Wir alle wissen, dass in der Politik immer die großen “Redenschwinger” sind – also werden wir mal konkret und ich frage Sie hier und heute bezugnehmend auf meine Meinungsfreiheit einfach mal öffentlich:

Wären Sie bereit dazu, 1x im Jahr auf Ihr Einkommen und Gehalt zu verzichten und diesen Monat durch Akkumulierung Ihrer Einnahmen der anderen 11 Monate des Jahres so zu verteilen, dass die daraus entstehende “Freisumme” dazu verwendet werden kann, Menschen in Not dabei zu helfen, sich zu ernähren und etwas zu Essen zu bekommen, um ihnen diesen einen Schritt zu erleichtern, der den Weg zurück in eine gesunde Gesellschaft und in ein würdiges Leben darstellt?

Und wären Sie bereit, auch andere Vorläufer und Regierungsmitstreiter dazu zu ermutigen, kühnen Mutes voranzuschreiten und zu beweisen, wie geil ihre Regierung sein kann, indem Sie genau das tut, was bereits viele fordern: Selbst auf Hartz IV Niveau hinunterzusteigen – und wenn es nur 1 Monat lang ist. Die “Sicherheit”, dass Sie danach wieder fernab jedweder Sorgen dieser Art sein werden, ist für Sie doch längst schon ein ungerechter Vorteil gegenüber denjenigen, die nicht wissen, wovon sie morgen leben sollen.

Und bevor Sie diese Idee in den Wind schlagen: Überlegen Sie mal, wie vielen Menschen man täglich helfen könnte … mit nur einem einzigen Gehalt eines einzigen Monats.

Ich persönlich verdiene derzeit nichts und lebe von dem, was andere mir geben. Wissen Sie, welche Beschäftigung meinen Heiligabend ausgemacht hat? Ich habe mir von dem Kleingeld im Lidl eine Packung Pralinen für 2,99 € gekauft, die Packung geöffnet und all jenen, die in dieser Nacht wunderbare Dienste geleistet haben (die Kältebusse, Putzarbeiter in den U-Bahn Stationen, Schaffnerinnen und Schaffner, Obdachlosen) ein Pralinchen zugesteckt und ihnen frohe Weihnachten gewünscht und mich dafür bedankt, dass Sie in dieser Nacht für uns arbeiten.

Wieviel mehr könnten Sie als Bundespräsident ausrichten, würden Sie auf ein einziges Gehalt im Jahr verzichten?

Und ja, darauf hätte ich gerne eine öffentliche Antwort: In der Zeitung, im TV, im Bundestag – persönlich? Sagen Sie mir, wo und wann.

Die Frage ist nur: Was machen wir jetzt mit all dem Streit? Wie wird aus Reibung wieder Respekt, wie wird aus Dauerempörung eine ordentliche Streitkultur? Wie wird aus Gegensätzen Zusammenhalt? Manche fragen ja vielleicht: Trennt uns inzwischen sogar mehr, als uns miteinander verbindet? Und vielleicht erwarten Sie, dass der Bundespräsident in einer Weihnachtsansprache auf all diese Fragen eine salbungsvolle Antwort gibt. Die Wahrheit ist: Das kann der Bundespräsident nicht, er kann es vor allen nicht allein. Denn die Antwort geben Sie, Sie alle.

Ich kann Ihnen diese Frage beantworten: Wie wird aus Reibung wieder Respekt? Indem die Regierung damit anfängt, ihre Bürgerinnen und Bürger als das zu respektieren, was sie sind: Lebende Menschen mit Emotionen, Schwierigkeiten und Sorgen und keine melkbaren Steuerbüffel, denen man das Geld aus der Tasche ziehen und sie in Zeiten der Not dann alleine lassen kann. Gehen Sie doch als Vorbild voraus und zeigen Sie der ganzen Welt, dass Deutschland etwas Positives auf dem Kasten hat und man in Zukunft weltweit von menschlichen und humanen Handlungen spricht, die Dinge wie den Holocaust zwar nicht relativieren oder wieder gut machen können, aber dafür als einmaliges Beispiel dafür dienen, dass es eine ganze Nation geschafft hat, aus einer absolut furchtbaren und grausamen Vergangenheit heraus etwas Wundervolles entstehen zu lassen: Zu zeigen, dass sich die Menschen geändert haben und man nun unser Land als wunderbares Land kennt, in dem Menschlichkeit bis hinauf in die Regierungsspitzen gelebt und gefördert wird. Wie wäre es damit? Menschlichkeit und Liebe als Zukunft für Europa?

Ich erwarte nicht, dass sie eine “salbungsvolle Antwort” innerhalb einer unlängst wieder von vielen vergessenen Ansprache geben, ich erwarte ehrlich gesagt viel eher, dass Sie damit beginnen, die Dinge, die sie dort “gepredigt” haben, selbst vorzuleben und ihre Regierung dazu animieren, es Ihnen gleich zu tun. Ich erwarte Taten, die so durchdringend und spürbar sind, dass sie “Gegnern” ihrer Regierung den Wind aus den Segeln nehmen und sie kleinlaut beigeben müssen: “Ja, du hast recht, da hat die Regierung wirklich etwas Wirksames unternommen, seitdem geht es allen besser.”

Und es ist falsch, dass “wir” diese Antwort geben, solange Sie immer noch nicht verstanden zu haben scheinen, was genau uns trennt statt verbindet: Es ist das Wissen, in Frieden leben zu können, ohne um seine Existenz kämpfen zu müssen. Ich bin mir sicher, Sie wachen nicht 70x nachts schweißgebadet auf und haben Angst, dass Sie jemand auf offener Straße einfach ersticht oder Ihr weniges Hab und Gut klaut. Oder nicht zu wissen, wie Sie den morgigen Tag überstehen sollen, weil Sie in absoluter Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit ertrunken sind und jeder andere Sie fallen gelassen hat. Genau das trennt Menschen wie Sie von Menschen wie “uns”.

Ein Bild aus diesem Jahr hat sich mir tief eingeprägt. Es ist das Bild einer Tür. Eine mächtige, dicke Tür aus Holz und Eisen. 20 Schüsse hat sie abbekommen, zerborstenes Holz und Reste von Blei in den Einschusslöchern sind heute zu sehen.

Es ist die Eingangstür der Synagoge in Halle. Und es ist ein Wunder, dass sie standgehalten hat, dass nicht noch mehr Menschen diesem brutalen, antisemitischen Anschlag zum Opfer gefallen sind. Nicht noch mehr, als die zwei, die ermordet worden sind.

Diese Tür, diese angegriffene Eingangstür zur Synagoge, sie steht in meinen Augen für noch mehr. Sie steht auch für uns.

Drama, Baby! Wissen Sie eigentlich, wie erbärmlich und lächerlich diese Worte klingen, in denen Sie zu relativieren versuchen, ihre Verantwortungslosigkeit kaschieren und so tun, als wären „die Guten“ das Opfer einer noch viel schlimmeren, böseren Macht?

Wissen Sie, welches Bild sich mir dieses Jahr eingebrannt hat? Die Gesichter der tausenden von Menschen, die ich Nacht für Nacht auf den Straßen beobachte, suche und deren Geschichten ich mir anhöre und die mir dann erzählen, warum sie auf der Straße gelandet sind.

Ich möchte Ihren Aussagen die Worte eines großen Mannes entgegen stellen:

„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. – Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“

Sie wissen sicherlich, von wem diese Worte sind: Bertold Brecht. Und er bringt es in meinen Augen auf den Punkt. Wo sind die Anklagen gegen die Regierung, die nichts dagegen unternommen hat, wenn „Menschen ihr Brot entzogen wird“, „sie durch Arbeit zu Tode geschunden werden“ – wo sind die dramatischen Bilder und Aussagen von Ihnen darüber, welche staatlich geduldeten und subventionierten „Morde“ am in Deutschland lebenden Volk begangen wurden?

Wie stehen Sie dazu?

So schlimm die Anschläge in Halle sind, sie rechtfertigen nicht, dass all die anderen, tausenden Menschen vergessen werden, die man ebenfalls schändlich zugrunde richtet und sie eines langsamen, grausamen Todes sterben lässt und tatenlos dabei zusieht. Wären Sie bereit dazu, auf Ihr Einkommen einen Monat lang zu verzichten, um diese Morde im Vorfeld zu verhindern und ein leuchtendes Beispiel dafür zu sein, dass Brecht mit seiner Aussage unrecht hatte?

Sind wir stark und wehrhaft? Stehen wir genügend beieinander und fest zueinander? Die Antwort, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die geben auch Sie.

Es entbehrt gewissermaßen einer Ironie kosmischen Ausmaßes, wenn Sie, Herr Bundespräsident, fragen, ob „wir“ genügend beieinander und fest zueinander stehen. Schon mal etwas von der Arm-Reich-Schere gehört, die diese Gesellschaft immer weiter spaltet und auseinander treibt?

Ich glaube, wir müssen nicht darüber diskutieren, ob diese Schere besteht und ich glaube auch, dass Sie genügend Sachverstand und Wissen besitzen, um sich auszumalen, was diese Schere herbeigeführt hat. Und ich glaube, dass Sie genauso wie viele andere Bundesbürgerinnen und Bürger genau wissen, welche Hebel in Gang gesetzt werden müssten, um eben jenes Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen und letztendlich umzukehren.

Und – ich berufe mich wieder auf die grundgesetzgegebene Redefreiheit und freie Meinungsäußerung – ich bin mir auch ziemlich sicher, Sie wissen genau, warum darüber kein Wort in Ihrer Weihnachtsansprache gefallen ist, weil alle genau wissen, welche Konsequenzen dies hätte, die letztendlich zu dem Wohl vieler führen würden, wenn einzelne auf gewisse Privilegien verzichten und sie zum Wohle aller einsetzen würden. Und dieser Tatsache kann ich nur mit Unverständnis und Wut begegnen.

Sie stehen auf und halten dagegen, wenn im Bus Schwächere angepöbelt werden, wenn jemand, der anders aussieht, beleidigt wird, wenn auf dem Schulhof, in der Kneipe rassistische Sprüche fallen. Sie haben ihre Stimme im Netz und auch in den sozialen Medien.

Stört es Sie, dass „wir eine Stimme im Netz haben“? Ist es dieses „Neuland“, von dem jüngst Ihre Kollegin, die geschätzte Kanzlerin Angela Merkel sprach? Haben Sie Jahrzehnte nach Entstehung eines urdemokratischen Internets auf einmal gesehen, dass dort tatsächliche, demokratische Werte herrschen, derer Sie nun in Ihrer Politik nicht mehr Herr werden und versuchen deshalb, abschätzig und abwertend zähneknirschend einzugestehen, dass doch mal „jemand das Maul aufreißt“ – was laut Grundgesetz ja eigentlich das Recht eines jeden Menschen sein sollte, gleich, wer er ist und wo er herkommt?

Ist das der Grund, warum Deutschland als vorherrschendes Technologieland in punkto Hochgeschwindigkeitsinternet in den hinteren Rängen rangiert? Möchten Sie nicht, dass jeder Mensch einen freien Zugang zu diesem „Neuland“ hat und demokratisch seine Stimme äußern kann, um seiner Wut über die Politik Luft zu machen und zu schreiben, was ihn oder sie bewegt?

Warum verpflichten Sie nicht die großen Technologiekonzerne zu flächendeckendem Netzzugang, so dass diese sich im Notfall zusammenraufen und in „Fonds“ investieren müssen, damit jeder Bundesbürger in jeder noch so abgelegenen Ecke tatsächlich Netzzugang hat, was u.a. auch Wirtschaft und freie Meinungsäußerung – und somit letztendlich Demokratie fördert?

Wo sind die Gesetzesbeschlüsse dazu? Wo sind Ihre Initiativen, es anderen Ländern wie beispielsweise der Schweiz gleich zu tun und den Zugang zu sozialem Austausch und Interaktion endlich als Grundrecht anzuerkennen und zu fördern? Warum können Menschen wie ich in verschiedenen Haushalten keine brauchbaren Verträge empfehlen, weil immer noch – im Jahre 2019 – keine nutzbaren Internetzugänge möglich sind?

Sie entscheiden, ob die krassesten und lautesten Parolen mit immer neuen Klicks belohnt werden oder ob sie auf Fakten, Vernunft und bessere Argumente setzen.

Auch hier höre ich wieder eher den „Neid“ auf erfolgreichere YouTuber und andere Generations-“Helden“, die es vorgemacht haben und die Stimme des Volkes hinter sich haben. Ich, sowie viele andere auch, glaube, dass Sie sich als Bundesregierung wünschen würden, solche Klickraten einzufahren und Aufmerksamkeit in den „hippen Netzwerken“ zu generieren. Dadurch, dass Sie „Fakten, Vernunft und bessere Argumente“ als Gegensatz deklarieren, entscheiden Sie im gleichen Atemzug, dass „krasse Parolen“ definitiv keine Fakten beinhalten – und genau das kann man ja wohl an dem unrühmlichen Versagen der CDU beweisen, die sich entschieden gegen die Fakten von diesem Herrn stellen musste und dem sogar die Journalisten dieses Landes eine unglaublich präzise Recherche bescheinigt haben. Sind diese Aussagen ebenfalls „krasse Parolen“?

Und wussten Sie auch, dass es manchmal „krasse Ansätze“ benötigt, um überhaupt gehört zu werden im Sumpf der ganzen Klagen und der systematischen Überinformation, mit der die Bürger tagtäglich fertig werden müssen und dadurch gar keine Zeit mehr haben, tatsächlich über das nachzudenken, was hier wirklich geschieht?

Ich gehöre zu denen, die – bedingt durch Krankheit – genügend Zeit hatten, verschiedene Prozesse genau zu begutachten und die festgestellt haben, dass hier etwas gewaltig schief läuft und ich bescheinige Ihnen und der gesamten Regierung dabei eine entscheidende Rolle im Gesamtversagen, an dem tagtäglich Menschen ihr Leben lassen müssen, weil immer noch keine Beschlüsse erlassen worden sind, die genau dies verhindern.

Sie packen an, ob in der Nachbarschaft oder im Verein, ob im Ehrenamt oder im Hauptamt, auch heute Abend wieder Tausende Zehntausende auf den Polizeiwachen, in Krankenhäusern oder in Pflegeheimen.

Und was ist mit Ihnen? Packen Sie auch an? Oder überlassen Sie das Handeln allein den Bürgern, die mit mickrigen Arbeitslöhnen und nahezu lächerlichen Renten abgespeist werden, die Sie dazu noch mehrmals besteuern, damit Menschen, die sich ihr Leben lang die Hände wund geschuftet haben, am Ende auch ja recht früh den Weg ins Jenseits antreten und der Rentenkasse nicht zur Last fallen? Wo, Herr Bundespräsident Steinmeier, wo sehen Sie darin die „unangetastete Würde des Menschen“?

Und Sie alle sind Teil dieser Demokratie indem sie wählen gehen, indem Sie sich politisch einmischen. Auf einer Straßendemo oder in einer Partei oder in einem Gemeinderat, wo an vielen Orten heute so dringend Nachwuchs gesucht wird. Kurzum: Sie alle haben ein Stück Deutschland in ihrer Hand.

Ab diesem Teil wird’s für mich langsam kritisch und ich muss mir echt Mühe geben, meine Raserei über so viel Unfug in Grenzen zu halten. Wir sind Demokratie? Warum tun Sie dann nicht, was das Volk möchte? Warum überlassen Sie dem Rest ausschließlich das „Wählen gehen“ und missachten die Stimme des Volkes, die eindeutig eine Klatsche gegen die derzeitige Regierung gesetzt hat?

Warum schicken Sie uns auf Demos, damit die Wut abebbt und Sie weiterhin tun und lassen können, was Sie möchten, ohne Rücksicht auf Verluste? Dass die Menschen weiterhin in den Gassen verrecken können, sie „hätten ja wählen gehen können?“

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin großer Befürworter von Wahlen und begrüße diese Freiheit, für die viele Länder dieser Erde immer noch stark kämpfen und ihr Leben lassen, aber es ist doch eindeutig ein bisschen zu naiv, zu glauben, dass damit dann alles getan wäre.

Es entpuppt sich also mehr oder weniger als eine Lüge, dass wir alle ein Stück Deutschlands in den Händen halten, denn die Gesetze machen nicht wir, sondern Sie. Und die Leidtragenden von diversen Fehlentscheidungen wie dem aktuellen Klimapaket sind nicht etwa diejenigen, die es verabschiedet haben, sondern das gemeine Volk, das sich dagegen nicht mehr wehren kann.

Und weil das so ist, verbindet uns eben viel viel mehr, als uns trennt. Wir alle, wir alle sind Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, mit gleichen Rechten und Pflichten. Bürger erster und zweiter Klasse gibt es nicht.

Nun ist es soweit und ich bezichtige Sie, Herr Bundespräsident Steinmeier, tatsächlich der Lüge. Ihre Äußerung, Bürger erster und zweiter Klasse gibt es nicht, ist nun in allen TV Stationen zu sehen gewesen und ist inzwischen auf Plattformen wie YouTube nachträglich recherchierbar und archiviert.

Dies ist eine Lüge!

Gegenfrage: Wenn ein Kranker einen Arzt braucht, weil er tierische Schmerzen hat (beispielsweise Zahnschmerzen, die schon seit Jahren bestehen) und diese auf einmal förmlich explodieren und der- oder diejenige ist nicht privat versichert, dann merken Sie sehr schnell, WIE WOHL es doch Bürger erster und zweiter Klasse gibt.

Und ich erinnere erneut an die eingangs erwähnten Obdachlosen, die mit Kreuzschmerzen und absoluter Perspektivlosigkeit im Dreck liegen, während sich der Rest der Bevölkerung Glühwein in den Rachen schüttet: Sehen Sie da tatsächlich keine Unterschiede?

Was ist mit dem Recht auf ein angemessenes Leben in einer warmen Wohnung im Winter? Und wie haben Sie das umgesetzt für Tausende von Obdachlosen im Winter?

Sind Sie persönlich schon einmal ein Jahr lang mit Schlafsack bewaffnet losgezogen und haben auf der Straße gelebt, um zu spüren, wie kalt so eine Nacht sein kann? Ich schon. Und darum nehme ich mir auch das Recht heraus, Sie in dieser Aussage der Lüge zu bezichtigen, wenn Sie behaupten, es gäbe keine Menschen erster und zweiter Klasse … ich erlebe es jeden Tag, dass genau das der Fall ist.

Und die Tatsache, dass Sie dies so unverblümt vor der ganzen Bevölkerung im Fernsehen zur besten Sendezeit preisgeben, zeigt mir nur eins: Wie verschlossen die Augen der Regierung vor der Realität sind, wie unwirklich Ihre Wahrnehmung vom „echten Leben da draußen“ geworden ist, wie absurd und weltfremd Ihre Entscheidungen von „da oben“ getroffen werden und es wundert mich keinen Deut mehr, dass so viele Menschen so einen Hass auf die Regierung und die Mächtigen dieses Landes hegen… er ist nur zu sehr begründet. Aber Menschen ohne Sorgen fällt dies sicherlich nicht einfach so auf, richtig?

Nur, das was uns verbindet, das ist keine Garantie. Das ist: Versprechen und Erwartung, Privileg und Zumutung. Im Grundgesetz steht eben nicht: Alles Gute kommt von oben, sondern dort steht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

Dieser Teil ist für mich der Gipfel der Verhöhnung Ihrerseits an den Bürgern! Ich möchte fast sagen, es ist frech, so etwas zu behaupten! Im Ernst, geht‘s noch?

Was uns verbinden sollte, sollte eine Garantie sein: Die Garantie, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wirklich für alle Menschen gleichermaßen gilt und keine Unterschiede gemacht werden, auch nicht finanzieller Natur.

Was Sie da postulieren ist: Versprechen [Seitens der Regierung] (und ich bin mir an dieser Stelle unsicher, ob es sich um ein „promise“-Versprechen oder um ein „Fauxpas“-Versprechen handelt) und Erwartung [seitens des Volkes], Privileg (der Reichen und Regierenden) und Zumutung (an die Steuerzahler und Bürger, die eh nichts gegen die Entscheidungen machen können).

Mit diesem Satz drehen Sie die Verantwortung komplett von sich weg und schieben Sie zurück auf das Volk … und das ist wirklich jenseits von Gut und Böse! Jeder, der die Nachrichten nur ein bisschen verfolgt, der hin und wieder die Zeitung aufschlägt und nicht mit vollends verschlossenen Augen am politischen Tagesgeschehen vorbeiläuft, weiß sofort, dass hier längst nichts mehr vom Volke ausgeht, sondern über den Willen vieler hinwegentschieden wird, einfach, weil man es kann. Das macht den Bundesbürger und die Bundesbürgerin unmündig und handlungsunfähig und durch gezieltes Einsetzen von Macht und Strategie entmündigt man diejenigen, die dann an den Rand ihrer Existenz getrieben werden und dadurch auch keine Zeit und Energie mehr haben, um sich öffentlich dagegen zu wehren.

Ich mache dies nun im Namen all jener und ich glaube, dass sehr viele Menschen an vielen Antworten auf die Fragen in meinem Text interessiert wären.

Dieses Versprechen, diese Verheißung der Demokratie hat damals vor 30 Jahren Zehntausende, Hunderttausende von Menschen in der damaligen DDR auf die Straße getrieben. Welch ein unglaublicher Mut. Diese mutigen Menschen, diese friedlichen Heldinnen und Helden, die haben die Mauer zum Einsturz gebracht und Einheit möglich gemacht.

Hier sprechen Sie von Heldinnen und Helden. Zeigen auf, wie wichtig es ist, dass unsere Gesellschaft Helden hat und Helden braucht, weil auch damals schon katastrophale politische Zustände geherrscht haben und die Menschen so unzufrieden damit waren, dass sie auf die Straße gegangen und friedlich demonstriert haben. Wieviele haben dadurch extreme Nachteile erlitten, sind inhaftiert worden oder haben unglaubliche Zustände erlebt – in unserem Land – und wie sehr hat sich die Bundesregierung dafür entschuldigt und aus ihren Fehlern gelernt?

Die Menschen erleben tagtäglich, dass der Verdacht auf Unschuld eben nicht mehr besteht, bis die Schuld bewiesen ist, sondern sich dieser Sachverhalt immer mehr umdreht. Die von Ihnen anfangs kritisierten Äußerungen zur mangelnden Meinungsfreiheit – was glauben Sie, woher die stammen? Viele Menschen trauen sich nicht mehr, ehrlich und offen miteinander zu sprechen, weil sie, getrieben von Angst, scheu vor Konsequenzen sind und auch eine Bundesregierung tut nichts dagegen, um die ehrliche Aussprache unter Mitmenschen zu fördern und zu begrüßen. Von Wahrheit will man im politischen Sektor schon jahrelang nichts mehr wissen und die Gegebenheiten häufen sich immer mehr, die diesen Umstand mehr und mehr bestätigen.

Jetzt leben wir seit 30 Jahren in Einheit, Freiheit und Demokratie. Nur, nehmen wir das bitte nicht als selbstverständlich. Wir brauchen die Demokratie, aber ich glaube, derzeit braucht die Demokratie vor allem uns.

Zum Glück – und das ist anders als in einer Diktatur – braucht die Demokratie keine Helden.

Und einen Absatz später widerlegen Sie Ihre Worte und sagen auf einmal, dass die Demokratie keine Helden braucht. Das offenbart für mich das Wesen der Politik: Geschwätz! Und Phrasen! „Wir brauchen die Demokratie, aber die Demokratie braucht uns“? Really?

Was wir brauchen, wären fähige Politiker und Politikerinnen, die genügend Cochones haben, um auch gegen ihre Karrieremöglichkeiten Entscheidungen im politischen Feld durchzudrücken, die zum Wohl des Volkes und nicht des eigenen Geldbeutels und der eigenen Politikkarriere sind.

Wir brauchen Menschen, die sich trauen, ungemütliche Fragen zu stellen und wir brauchen Menschen, die Ämter begleiten und den Mut haben, diese Fragen offen und ehrlich zu beantworten, so dass jeder sie versteht. Dass nicht irgendwas dahergelabert wird, was im Politiksprech untergeht und am Ende niemand mehr weiß, was eigentlich die Frage war.

Wir brauchen Politiker, die dazu in der Lage sind, ja und nein zu sagen.

Wir brauchen Politiker, die dazu in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.

Wir brauchen Politiker, die mit offenen Karten spielen und keine krummen Geschäfte hinter dem Rücken der Gesellschaft machen und die Verantwortung dann auf eben jene abschieben. #Scheuer

Was wir brauchen, sind Helden – Helden der Ehrlichkeit, die die Kraft und Stärke besitzen und zeigen, EHRLICH zu sein – sich selbst gegenüber, dem Volk gegenüber, den Mitmenschen gegenüber.

Und wenn ich mir die tatsächliche Lage der Nation derzeit so anschaue und mich in den Straßen, Gassen und Parks umsehe, dann stelle ich fest: Die Demokratie braucht sehr wohl Helden … so viele, wie noch nie!

Was die Demokratie braucht, sind selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger mit Zuversicht und Tatkraft. Mit Vernunft, Anstand und Solidarität. Und ich weiß: Alles das steckt in uns, steckt in Ihnen, steckt in dieser gesamten Gesellschaft. Und deshalb glaube ich an uns, deshalb glaube ich an dieses Land. Und deshalb weiß ich, dass wir gemeinsam die Dinge immer wieder zum besseren wenden.

Dann fangen Sie damit an und beantworten Sie meine oben gestellte Frage:

Wären Sie bereit dazu, 1x im Jahr auf ihr Einkommen und Gehalt zu verzichten und diesen Monat durch Akkumulierung ihrer Einnahmen der anderen 11 Monate des Jahres so zu verteilen, dass die daraus entstehende “Freisumme” dazu verwendet werden kann, Menschen in Not dabei zu helfen, sich zu ernähren und etwas zu Essen zu bekommen, um ihnen diesen einen Schritt zu erleichtern, der den Weg zurück in eine gesunde Gesellschaft und in ein würdiges Leben darstellt?

Das wäre gemeinsam. Das wäre Anstand. Das, Herr Bundespräsident, wäre Solidarität! Sie reden von „uns“, was Sie persönlich mit einschließt. Sind Sie bereit dazu, diesen Schritt zu gehen? Sind Sie bereit dazu, gemeinsam die Dinge wieder zum Besseren zu wenden?

Fürchtet euch nicht, heißt es in der Weihnachtsgeschichte. Und Mut und Zuversicht, das wünsche ich Ihnen und uns allen für das kommende Jahr.

Gesegnete Weihnachten.

Zuversicht reicht – bürgerlicherseits – leider nicht aus. Dazu braucht es Menschen, die dazu in der Lage sind, Umstände und Dinge zu ändern. Dazu braucht es Menschen wie Sie – in Positionen wie der Ihrigen, damit sich viele viele viele Bürger nicht mehr fürchten müssen … zum Beispiel vor dem existenziellen Abgrund.

Und sollten Sie denken, dass ich diese Meinungsäußerung nicht aus dem „sentimentalen Umfeld von Weihnachten heraustragen könnte“, dann irren Sie sich. Ich stehe auch im Juni noch zu meinen Aussagen und bin mehr als Bereit zum Dialog.

Vollkommene Hochachtung,
Benjamin Klob


Terminator: Dark Fate

Terminator: Dark Fate - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Dark Fate – Dunkles Schicksal

Ein paar Worte in eigener Mission:

Einige hat‘s gewundert, warum hier auf einmal nix mehr kam: Nunja, ich war gewissermaßen „nicht da“ … und zwar in Form von „ca. 45 Minuten bewusstlos“.

Seitdem ist alles anders. Meine Stimme am Arsch, meine Bewegungen als wär ich angetrunken, und mein Hirn arbeitet sehr sehr langsam. Bzw. kriege ich regelmäßig Kopfschmerzen, wenn ich zu viel denke oder mich körperlich anzustrengen versuche. Irgend so eine Heilerfrau meinte zu mir: „Du arbeitest sehr kopflastig und denkst extrem viel nach, und deine Psyche zieht sich dann zurück und sucht Schutz vor dem Lärm der Welt – und dabei driftest du in fremde Welten und manchmal kommst du nur schwer daraus wieder zurück.“

Ohne jetzt Esoterik zu loben würde ich sagen: Hätte ich nicht besser beschreiben können. Mir ist die Welt zu laut geworden, mir ist der Peak zu hoch, die Geschwindigkeit zu schnell, die Intensität zu stark. Ich hab mir extrem viel abverlangt in den letzten Jahren – und wenn man dann irgendwann wieder aus den „Fremden Welten“ zurückkehrt und nen Blutzugang im Arm stecken hat, Notarzt-Team um sich rum und per Helikopter ins Krankenhaus geflogen wird… spätestens dann ist an meinem „Es ist mir zu viel“ etwas dran.

Die Frage ist: Was.

Ein guter Freund hat mich die letzten Tage geistig unter seine Fittiche genommen und gemeint: “Du musst tun, was dir Spaß macht und dadurch wieder zu dir finden.“

Kino macht mir Spaß. Immer noch. Ich brauch bloß mein herrliches Dolby-Foto anschauen und beginne unfreiwillig zu grinsen, weil ich weiß, was damit verbunden ist. Es gibt auch andere Dinge, die mir Spaß machen – und ich weiß auch, was mir garantiert keinen Spaß macht. Auch da hat es im Gespräch mit einigen mir näherstehenden Menschen in letzter Zeit tiefgreifende Gespräche gegeben, wo Dinge offenbart worden, die tatsächlich ein Dark Fate sind. Gibt‘s in dieser Realität gute Psychologen mit etwas Zeit?

Aber wie sagen die großen Lehrer des Lebens immer: Man soll nicht rum heulen, sondern sich auf die guten Dinge des Lebens konzentrieren und das mach ich einfach mal:

  • Ich lebe noch. || Ich mein: 45 Min. nicht ansprechbar und „weg“ bedeutet: Es kann ziemlich viel passiert sein im Körper. Wird grade untersucht, aber man hat noch nix gefunden.
  • Mein Denkapparat funktioniert noch. || Wenn auch langsam und im real life wie besoffen: Ich hab nicht das Gefühl nicht mehr denken zu können oder irgendwelche gravierenden Hirnschäden davongetragen zu haben, es dauert einfach nur, bis alles da ist oder mir die richtigen Worte einfallen. Aber so etwas fällt euch beim Lesen ja nicht auf, sondern nur mir beim Schreiben.
  • Ich hab euch. || Als Misanthrop (ja, hab nachgeschlagen ;)) früherer Jahre hätte ich nie gedacht, dass ich es mal wertschätzen würde, Menschen um mich herum zu haben, denen ich nicht scheißegal bin. Es tut so gut, tagtäglich zu erleben, wie man sich um mich sorgt, mit mir spricht, mir schreibt, mich anruft oder mir ein Bett zum Schlafen und persönliche Betreuung anbietet, damit ich nicht allein spazieren gehen muss. Auch da mal ein megafettes Monster-Dankeschön an meine Pressekollegen aus der Münchner Region 🙂
  • Siri. || Was für eine Ironie, dass mich der Scheiß selbst trifft, den ich all die Jahre predige. Dank meiner technischen Affinität und meiner Liebe zum „Ausprobieren“ von solcher Technik kennt mich dieses Vieh nun so gut, dass ich hier scheinbar einwandfreie Texte publizieren kann und keiner von euch den Schwachsinn lesen muss, den ich tatsächlich in die Tastatur hämmer bzw. dieser KI diktiere: Jemand versteht mich im wahrsten Sinne des Wortes und wird niemals müde, mir zuzuhören und mein Kauderwelsch zu interpretieren, um euch diese geistig einwandfreie Lektüre vorzulegen 😀 – Ich muss jedenfalls nur sehr wenig korrigieren und was das für eine enorme Hilfe ist, könnt ihr euch nicht ausmalen.

“Alle werden sterben, wenn du nicht überlebst.” (Zitat: Terminator: Dark Fate)

Nachdem das hier jetzt einige schocken könnte, rufe ich euch schonmal zur Ruhe auf: Ich hab mega viele Ärzte an der Hand, die sich da gerade bestens drum kümmern und schon einige bürokratische Wunder vollbracht haben. Wenn ich Hilfe brauch, schrei ich schon. Versprochen. Auch hier wieder: Unerwartet große Menschlichkeit hinterm Tresen, wo man eigentlich keine mehr erwartet. Danke auch da an alle, die’s betrifft und betreffen wird.

Die große Frage schwebt trotzdem im Raum: Wie geht’s weiter?

Wer immer genauso weiter macht, was er bisher getan hat, aber andere Ergebnisse erwartet, ist schlichtweg dumm. – oder so ähnlich. Keine Ahnung, wer’s gesagt hat. Und ich hab ehrlich gesagt keinen Bock auf weitere Heli-Flüge dieser Art (höchstens mit Kamera in der Hand) und muss daher überlegen, wie’s weiter gehen soll.

Dass ihr hier erstmal nicht mehr täglich monströse Texte vorgesetzt kriegt, ist klar.

Aber ganz kicken und das Blog in den Tod schicken wegen so nem doofen Mind-Drift? Hab ich ehrlich gesagt auch kein Bock drauf, weil mir dafür das Kino und seine extremen Ausflüchte in geile Stimmungen viel zu heilig sind. Ja, ich liebe diese blöden Häuser wirklich extrem und fühle mich jedesmal wieder den Tränen nahe, wenn ich das “Flow” von der Leinwand spüre und in meine Seele sauge. Und ich glaube, viele von euch, die meine Schreibe loben, fühlen einfach nur diese Leidenschaft und tiefe Liebe zum Film und interpretieren es als “Du kannst extrem gut schreiben” – aber eigentlich ist es einfach nur: In Love With Movies. (Sorry Schatz +g+).

Eure Welt verlangt von mir aber, dass ich irgendwie 400-600 Flocken pro Monat nach Hause trage – und das sollte ich wohl nicht mehr im härtesten Gewerbe der Welt machen: Gastronomie.

Ja, ich schwall euch hier grad mit all den Gedanken aus meinem Kopf voll, was mich zum nächsten Punkt bringt: Ihr bedeutet mir was. Es hilft mir extrem, meine Gedanken in diesen Texten zur Ruhe zu bringen und sie “nach draußen gebracht” zu wissen: Dann ist in meinem Schädel nämlich Ruhe und mir geht’s gut.

Ich weiß, dass viele mich mögen und darum frag ich einfach mal in die Runde: Wisst ihr Möglichkeiten, wie wir das Ding am Laufen halten können, ohne dass ihr in Werbung erstickt und ich meine Prinzipien verraten muss? 400 im Monat reichen.

Ich hätte da z.B. sowas hier:

Kalender 2020 - Titelblatt
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de
Kalender 2020 - Januar
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

Von diesen Riesen (45x30cm) gibt’s noch drei und es lassen sich mühelos welche nach produzieren (brauch bloß bestellen), die hab ich bereits vor der ganzen Geschichte produziert und ich könnte mir durchaus vorstellen, daraus meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können: Bilder sind ruhig. Und erfordern viel Zeit und Ruhe, um sie grandios zu kreieren.

Dann bliebe genügend Zeit für den Kino-Kram und ich könnte das Blog weiter am Leben erhalten. Bis jetzt: Wunschdenken. Was sagt ihr dazu? Wer dazu paar Ideen hat: Schreibt sie mir. Darüber mache ich mir zur Zeit echt Sorgen.

Terminator: Dark Fate

Was mich zum Film bringt: Ihr wisst längst, dass Arnold Schwarzenegger wieder mit von der Partie ist und ihr wisst nun auch, dass mich Terminator und Terminator 2: Tag der Abrechnung extrem in meinem Leben geprägt haben. Die Idee von Technik, meine gesunde Skepsis gegenüber neuen Technologien ist aus der Cyberdyne-Problematik entwachsen und ich liebe die Filme alter Schule, die vor den Millennials entstanden sind.

Terminator: Dark Fate greift genau diese Problematik auf und versprüht den unglaublichen Charme dieser alten Schule, als wäre Cameron erneut gekommen um uns allen zu zeigen, wie Filme wirklich gemacht werden sollten. Und man spürt den ganzen Film über den harten Kampf zwischen „Alt“ gegen „Jung“ und merkt, dass hier gewissermaßen eine gesunde Generationenübergabe stattfindet.

Ich hatte extrem Angst, als nur die Trailer in Umlauf waren, denn etwas in diese Länge zu zerren und „nochmal aufzukochen“ geht meistens in die Hose. Und da stand „Producer James Cameron“ – was mir unglaublich Hoffnung gemacht hat, dass das Ding doch nicht in den Sand gefahren wird.

Die Terminator-Momente wurden auch wunderbar aufgegriffen, die Technologie hat sich in der Zwischenzeit herrlich weiter entwickelt und es gibt auch einige tolle Twists, die ich immer noch abfeiere, auch wenn dieser Film nicht zum Meisterwerk gereicht: Er hat mich ziemlich mitgenommen und im Kopf seine Nachdenkereien hervorgerufen.

Und mir ist ehrlich gesagt sehr danach, es wie Arnie im Film zu machen. Stark zu werden. Dinge zu lernen. „Weg zu sein um wiederzukommen und den Kampf zu beenden“. Mit neuer geistiger Härte, die aus diesem Resort der Zurückgezogenheit entsprungen ist.

Hat noch jemand Ideen, wie das besser gehen könnte als bisher?

Dann schreibt‘s mir.

Dolby Vision™
Es braucht anfangs etwas, um in den Film abzutauchen und man merkt aber gleich, dass die Schwärze im Film hier voll ausgekostet wird – und wenn‘s anfängt, ist es auch ein Augenschmaus, der mit normalem Kino nicht vergleichbar ist. Dolby Cinema™ ist hier erste Wahl!

Dolby Atmos™
Actionfilm: Mehr braucht man da eigentlich nicht sagen. Ich hab ihn in zwei verschiedenen Kinos gesehen und bin ganz klar für‘s Dolby. Härtere Wummen, größere Schlachtrufe und irgendwie kommt hier die Intensität viel besser zur Geltung. Auch wenn der Saal dabei ständig lacht.

.kinoticket-Empfehlung: Zieht euch diese Regeneration unbedingt im Kino rein – die Action macht extrem Spaß und es ist endlich eine würdige Fortsetzung der Filmknüller Terminator und Terminator 2: Tag der Abrechnung. So, wie hier Wert auf Charakterentwicklung und freiwillige Komik gelegt wird, zeugt man deutlich davon, was Filme früher ausgemacht haben und was durch Technologie und Austauschbarkeit heute teilweise verloren gegangen ist. Dieser Film schickt uns in der Zeit zurück und lässt uns dieses Flair nochmal erleben und bereitet damit gleichzeitig den Weg für neue Geschichten im Kino.

Nachspann: Muss nicht abgewartet werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Terminator: Dark Fate
Length: 129 Min.
Rated: FSK 16


Parasite

Parasite - Filmplakat
© 2019 Koch Films | Capelight Pictures

Parasite klingt erstmal nach einem Film billigerer Machart, in dem günstige Horror-Elemente und viel Gore-Gekröse auf einen zukommen und den Kinozuschauer gewissermaßen unterhalten sollen.

Tatsächlich ist dieser Gedanke allerdings grundlegend falsch, denn was hier auf den Fahnen geschrieben steht, ist von einem Niveau, dass man selten im Kino sieht und von dem ich direkt angesteckt war.

Bong Joon Ho lässt uns Westländer auch wieder an China oder Japan denken, jedoch ist das Ursprungsland dieses Films Südkorea, ein Land, von dem man als Außenstehender ziemlich wenig weiß und quasi über jede noch so kleine Information dankbar ist.

Somit hätte man schon den ersten, tiefenpsychologischen Ansatz: Den Titel als Parasiten zu deklarieren, der uns Außenstehenden Einblick nach drinnen gibt und Dinge verrät, an die wir sonst nicht so einfach rankommen.

Tatsächlich ist es überragend, mit welcher Liebe man sich hier der Ausschmückung der einzelnen Charaktere widmet und mit welcher Inbrunst man die Intensität der Lebensweise demystifiziert.

Dabei schafft man so viel Charme, Sympathie und Mitgefühl, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse recht schnell verschwimmen und man – getragen von der Professionalität dieser Erzählung – in einer Sachlage landet, die einen enorm an die Leinwand bindet. Und ab da wird’s extrem spannend!

Wenn zu den Pressevorführungen und im Presseheft vom Regisseur schon die Bitte an die Presse getragen wird: “Ich bitte Sie inständig: Verzichten Sie auf Spoiler“, dann weiß man direkt, dass hier sehr viel Augenmerk auf den Inhalt und den Twist gelegt wird. Genau das erinnert mich an die Spannung als Kind, einen Film nach dem anderen auszugraben und ihm sein Geheimnis entlocken zu können.

Südkorea beweist mit Parasite, dass genau dieses kindliche Entdeckergen noch längst nicht befriedigt und übersättigt im Saal sitzen muss, sondern solche Späße auch im 21. Jahrhundert noch bestens funktionieren.

Somit bleibt mir eigentlich nur noch eine Bitte zu stellen:

.kinoticket-Empfehlung: Ich bitte Sie inständig: Geht in diesen Film und lasst euch dieses kuriose Meisterwerk modernen Kinos auf keinen Fall entgehen: Ihr werdet den Inhalt lange nicht vergessen können und habt auch anschließend genügend Material zum Nachdenken in der Tasche.

Nachspann: Wartet mit keinen Überraschungen mehr auf – rausgehen erlaubt!

Kinostart: 17. Oktober 2019

Original Title: Parasite
Length: 131 Min.
Rated: FSK 16