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wenn aus filmen leidenschaft wird

The Silence

The Silence
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

 

Lust auf ein Experiment?

Wer, wie ich, durch Zufall an den .trailer dieses Films im Kino gelangt ist, hat ganz sicher direkt den Slogan A Quiet Place 2 im Kopf und kriegt ihn nicht mehr los: Viel zu viel ist einfach irgendwo gleich.

Falsch. A Quiet Place 2 steht noch auf der Liste, auch der wird kommen und dann wieder im gleichen Sektor spielen, wie der unerreichte erste Teil, der einen Vorteil hatte: Er war eher.

Jap. Genau das ist jetzt echt ein großes Problem: A Quiet Place hat ein Genre eröffnet und ist dabei gleichzeitig bereits die Vollendung dessen, was in diesem Genre erreicht werden kann.

Es war klar, dass hier zig Filme folgen werden, die in diese Schneise springen und ihre Interpretationen dazu liefern werden und es genauso hollywoodös ausgeschlachtet werden wird, wie überall anders auch. Und dadurch, dass bereits das perfekte Ergebnis auf dem Markt ist, wird man es auch niemals wieder schaffen, dieses soweit zu überragen, als dass man von einem neuen Meilenstein wird sprechen können: Der Zug ist längst abgefahren.

Dazu kommt: Zu diesem Titel hier existiert eine Romanvorlage – und auch die gab es bereits vor der Filmgenreeröffnung – und beide Teile wurden im gleichen Jahr für die Leinwand konzipiert: A Quiet Place feierte fantastische Erfolge, während The Silence niemals released wurde und sich schließlich Netflix erbarmt hat, das Ding unters Volk zu bringen.

Und bitte: Schaut es euch an!

Nur, weil andere hier die Schnauze früher am Hebel hatten, bedeutet das nicht, dass der Titel deswegen schlechter ist, auch wenn die Vergleichswünsche nur so nach dir greifen: Der Film generiert genauso Atmosphäre, bringt tolle Ideen ins Spiel, hat Momentum und lässt einen stellenweise gruseln.

Die Story ist nicht ganz ausgereift, man hätte in viel mehr erzählerische Zweige abdriften, andere Lösungen bieten können und zeigt klar auch deutlich, dass man nicht an das Niveau des Vorbilds heranreicht, ihn deshalb als Rohrkrepierer zu verkaufen empfinde ich aber als falsch. Ich würde gern mehr dieser Art im Kino sehen, und sei es nur darum, um das Genre wieder etwas mehr zu beleben und mir so etwas nicht immer auf diesen dämlichen Miniscreens anschauen zu müssen, weil einem die Leinwand in solchen Fällen versagt bleibt.

Erwähnte ich schon Stanley Tucci? Sagt mir einen Film, in dem er mitgespielt hat, der ihn nicht als bravouröse Rolle auf die Leinwand geschlotzt hat? Ich kenne keinen und genieße jede Filmminute von ihm als ein rares Gut und weiß jetzt schon, dass ich ihn nach seinem Tod schmerzlich vermissen werde.

 

.kinoticket-Empfehlung: Gebt dem Ding eine Chance – Atmosphäre wird hier genügend geboten und auch an konsequenter Durchführung fehlt nichts.

Dafür, dass andere schneller waren, kann dieser Film nichts und dass ein bekannter Vergleichsfilm sowohl Genre eröffnet als auch perfektioniert hat, ist tragisch aber eben nicht mehr vermeidbar.

Das macht hieraus noch lange keinen schlechten Film. Sondern einfach nur passive Zuschauer, die ihre Vorurteile nicht reichlich abstreifen können.

 

Nachspann
❌ birgt nichts neues, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: The Silence
Length: 91 Min.
Rated: FSK 16

The Sun is also a Star

© 2019 Warner Bros. Ent.

Jugendbuch-Verfilmung. Also zieht schon mal schleimabweisende Klamotten an. Es trieft. Und zwar gewaltig. Dennoch kann dieser Titel eine Sache richtig gut: Sich in die Situation hineinversetzen, wie sie das Mädchen erlebt.

Und das … richtig gut! Nicht mal ansatzweise habe ich bisher so einen sagenhaft-plastischen Einblick in das Leben betroffener Menschen bekommen, die mit diesem medial-ausgelutschten Satz abgespeist werden, den man als Außenstehender gerne beiläufig abwinkt.

Die Härte, mit der er auf Familien runter prescht, bekommt man hier emotional volle Kanne auf die Zwölf. Dafür: Respekt!

Der Rest? Zu süß, zu selbstverliebt, zu kitschig, zu romanaffektiert, zu sehr am süßen Fluss poetischer Ausflüchte, die sich aus dem Realismus entziehen und einfach nur auf Wolke Sieben schweben wollen, obwohl alle Beteiligten längst wissen, dass diese Form der Realität nicht existiert, niemals existiert hat und auch niemals existieren wird.

Das nimmt so manch ernst gemeintem Satz die Würze und versetzt heroische Ansprachen eher auf BRAVOBILD-Niveau und lässt den Zuschauer älterer Generation darüber einfach nur noch Schmunzeln.

Auch so packt einen der Plot relativ wenig, aber seit After Passion bin ich vorsichtig, was meine Kritiken gegenüber den Autoren angeht: Dieses Buch fickt mich grad richtig im Schädel, obwohl der Film echt dermaßen scheiße war. Vielleicht ist das hier auch so? Und nein, erstmal les ich ne andere Buchreihe fertig O_o

Fakt ist: Schickt die Pubertierchen ruhig rein, für die ist der Stoff eventuell brauchbar und die glauben den Mist noch … alle anderen, die dem flauschigen Pink-Woll-Rosa der unverblümten Liebe längst entfleucht sind, werden auch mit diesem Streifen nicht mehr neu warm.

.kinoticket-Empfehlung: Kitschig bis ins Ende, dafür aber extrem plastisch, was die „Notlagensituation“ angeht: Dafür lohnt sich das reingehen.

Die Liebe erwarten sollte man nicht, hier packt der Streifen so überhaupt nicht.

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: The Sun is also a Star
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6

Das Familienfoto

Das Familienfoto
© 2019 Alamodefilm

 

Nischen-Label, amouröser Familien-Kuschel-Titel, irgendwas mit Vanessa Paradis (muss die wieder was machen oder wie?) und schon steht man da und weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Eigentlich steckt hier ja Potenzial am Start, dass eigentlich alle Voraussetzungen bietet, um einen famosen Insider zu landen… aber: Es langweilt.

Keine Ahnung – ich bin nach dem Film raus und dachte mir: Was war das denn? Völlig spurlos, keinen Plan, was man eigentlich will, und der Titel hat mit dem Inhalt gewissermaßen überhaupt nix zu tun, wenn man die letzten 30 Sekunden verschläft. Äh?

Sorry, auch wenn ich normalerweise viel für Filmperlen und abseits der Hauptspur-Filme übrig habe: Aber das geht deutlich besser. Da helfen auch die ganzen französischen Namen auf den Plakaten nix mehr, denn per se zu sagen: „Okay, ist aus Frankreich, muss gut sein“ zählt nach diesem Titel definitiv auch nicht mehr als Generalentschuldigung.

Kurzum: Spart euch die Zeit, oder handelt nach eurem Bauchgefühl nachdem ihr den .trailer gesehen habt: Mich hat das Ding absolut nicht abgeholt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Schade um die Zeit, das geht deutlich spannender und besser.

Was hier geliefert wird, ist total planlos, ziellos und einfallslos – und wenn man die letzten 30 Sekunden verpasst, weiß man nicht mal, warum der Film überhaupt so heißt.

 

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Photo de Famille
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Under the Tree

Under the Tree

© 2019 farbfilm verleih GmbH

Hafsteinn Gunnar Sigurðsson – muss ich mehr sagen? Lasst euch einfach drauf ein: Under the Tree ist ein oberkrankes, krasses, grandioses Kinostück sarkastischen Ausmaßes, das ich absolut feiere!

Hier ist Lachen angesagt! Mit so bitterbösem Zynismus nimmt man die Vorstadtidylle auseinander und sorgt mit warmherzigem, tiefschwarzem Humor dafür, dass dem Kinozuschauer zu keiner einzigen Sekunde langweilig wird.

Das nicht-amerikanische Non-Mainstream-Kino lässt eine Perle der Filmkultur ganz neu erblühen: Eine Ballade schwarzen Humors, das großartig besetzt und großartig gespielt ist sowie mit herrlichen Pointen punktet.

Genug der Worte: .kinoticket lösen und endlich wieder erfrischend anderes Kino genießen!

.kinoticket-Empfehlung: Black Humor at its best!

Nordisches Kino, Arthouse-Vorzeigestück mit herrlich-düstrem Humor, der seine Pointen exakt austariert hat und dem Kinozuschauer erfrischend anderen Leinwand-Teint liefert.

Spitzenklasse!

Nachspann
❌ birgt keine weiteren Enthüllungen: Dieses Ende ist sowieso schon grandios genug!

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Undir Trénu
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12

Greta

Greta
© 2019 Capelight Pictures

 

Greta folgt dem Weg der mysteriösen Geschichte, für die wir Leinwand eigentlich immer gemocht haben: Das Absurde, das Seltsame, das Kuriose in einer toll erzählten Dimension auf der Leinwand präsentiert zu bekommen und dabei zu wissen, dass in der Realität keinem Menschen Leid zugefügt wurde.

Die Art, mit der man hier eingestiegen ist, macht am Anfang auch tatsächlich extrem Lust auf mehr, allerdings verfitzt man sich schon bald in diversen kleinen Mankos, die aus einem aufstrebenden Nischen-Meisterwerk nur ein zweitklassiges B-Movie werden lassen. Warum?

Chloë Grace Moretz als heranwachsendes Jüngchen zu erleben, dass sich mitten ins Leben stürzt und dabei allerlei Kuriositäten begegnet, ist zu Beginn des Films wunderbar anzusehen und ihre Figur ist – bis auf die Tatsache, dass sie sich zum Ende in ein Klischee entwickelt – auch absolut glaubhaft und gut dargestellt. Meine Probleme lagen eher in ihrem Gegenpart und der Tatsache, dass der Film zu schnell Auflösungsansätze liefert, die von Filmkennern natürlich direkt korrekt gedeutet werden und den Plot dann unerträglich langsam durch den Äther schippern lassen.

Auch, wenn Isabelle Huppert in ihrem Auftreten dennoch eine gewisse Graziosität vermuten lässt, ihre Figur ist für mich zu unausgereift und zu schnell erklärt. Und das lässt stellenweise Langeweile aufkommen und führt zu einem finalen "Ich habs von Anfang an gewusst", statt einem großartigen und überraschenden Filmende zu kommen.

Empfehlen kann man dies tatsächlich bloß für diejenigen, die sich seltenst Filme anschauen und damit der naiven Grundordnung filmischer Grundsätze noch nicht erlegen sind, sondern sich von "Alltäglichkeiten" noch überraschen lassen können. Die erleben dann tatsächlich ein völlig neues Movie, dass mit Überraschungen und illustrer Düsternis punktet und den Zuschauer mit Abnormität begeistert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nichts für alte Filmhasen, dafür steckt zu viel Alltag im Filmgeschehen und die Charaktere werden zu schnell aufgelöst.

Wer jedoch nur hin und wieder ins Kino geht, erlebt hier eine Geschichte der anderen Art, die durchaus den Abend versüßen kann.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Greta
Length: 98 Min.
Rated: FSK 16

Die Kinder der Utopie

© 2019 S.U.M.O. Film

Dieser Beitrag bedarf besonderer Aufmerksamkeit von euch, denn: Zum ersten Mal in Deutschland kommt ein Film nicht regulär in die Kinos, sondern ist quasi “Kino on Demand” und wird nur an einem Tag in ausgewählten Städten Deutschlands gezeigt: Stichtag ist der 15. Mai 2019!

Worum geht´s?

Inklusion. Kein dummes Gewäsch oder blödes Gelaber oder politisches Rumgetue, sondern ganz banal: Kinder wurden vor 12 Jahren bereits in einer Inklusionsklasse gefilmt und blicken nun auf ihren Werdegang als Herangewachsene zurück: Ein wunderbares Einstiegsfeld, um über Inklusion zu reden, praktische Beispiele zu Wort kommen zu lassen und: Dank des Kino-on-Demand-Gedanken definitiv und absolut wahrhaftig immer mit Gesprächen im Anschluss.

Genau das macht dieses Werk einzigartig: Als Film allein würde das Werk wohl irgendwo in den Nischen verloren gehen, aber durch die exzellente Vorbereitung und nunmehr schon über 18.000 Interessensbekundungen spielen deutschlandweit mehr als 160 Kinos diesen Film.

Sucht euch einfach euren Standort, bucht noch Tickets und lasst euch diesen Abend auf keinen Fall entgehen. Eine übersichtliche Auflistung findet ihr auf dieser Website und ich kann euch versprechen, dass hier keine Sudelei aus dem immergleichen Gewäsch an Unterhaltungen angestrebt wird, wie ihr es sonstwoher kennt.

Unterstützt und gefördert wird die Kampagne übrigens von verschiedenen Firmen und Vereinen, wie z.B. mittendrin e.V., Aktion Mensch, SAP, der Bertelsmann Stiftung, DATEV und der randstad stiftung.

Was mich an Die Kinder der Utopie persönlich so fasziniert hat, ist die Loslösung von dem üblichen “Das kann ich nicht mehr hören”, weil es immer noch viele Menschen gibt, die von Inklusion persönlich nicht betroffen sind bzw. die vorgefertigte Meinungen dazu im Kopf haben und bislang keinerlei Anlass dafür bekommen, sich davon zu lösen.

Hier bereitet man einen fantastischen Weg vor, den man als Gesellschaft wohlweislich zu gehen im Stande ist und der die Möglichkeit auf ein wunderbares Miteinander anstrebt – und damit das große Ziel, als eine Gesellschaft auf einem Planeten miteinander in Frieden auszukommen und zu leben.

Ganz ehrlich: Dieses Projekt ist extrem wichtig und trägt für mich den Kern einer gesunden Gesellschaft in sich. Auch ich persönlich habe keine Menschen in meinem Umfeld, die in diesem Ausmaß davon betroffen sind, und konnte persönlich enorm viel daraus lernen.

Also nehmt euch ein Herz – und schiebt das hier mal nicht auf die To-Do-Liste: Stichtag ist der 15. Mai 2019! Danach war’s das.

.kinoticket-Empfehlung: Hervorragend ausgearbeitetes Kino-on-Demand-Projekt, in dem über Inklusion gesprochen werden soll – völlig fern von jedwedem “üblichen Gewäsch”.

Hubertus Siegert offenbart nach 12 Jahren eines ehemaligen Projekts die Ergebnisse und lädt eine ganze Nation dazu ein, über dieses wichtige Thema zu sprechen, im Rahmen eines Aktionstages, das in Deutschland am 15. Mai 2019 von über 160 Kinos getragen und gestaltet wird.

Nehmt daran teil und ladet andere mit dazu ein!

Nachspann
✅ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr. Danach wird es jedoch definitiv Gesprächsrunden geben! Also sitzen bleiben.

Kinostart: 15. Mai 2019

Original Title: Children of Utopia
Length: 84 Min.
Rated: FSK 0

Breakthrough – Zurück ins Leben

© 2019 Twentieth Century Fox

Erinnert ihr euch noch an Himmelskind? Dieser merkwürdige Film mit einem Baum, einem Kind und jeder Menge unglaublicher Phänomene, der einfach nur seltsam und bizarr war und von sich behauptete, echt zu sein?

Die Macher desselben kommen zurück auf die Leinwand und haben jede Menge neue Wunder im Gepäck. Doch diesmal scheint alles anders zu sein. Breakthrough – Zurück ins Leben kommt demnächst in die Kinos und erzählt abermals eine Geschichte voller Wunder. Doch diesmal ergreift sie euer Herz und schüttelt euren Glauben mächtig durch.

Ich weiß nicht, was diesmal anders ist, denn vergleicht man die Plots, die Aufstellung, die Komponenten des Films, stellt man fest, dass eigentlich alles 1:1 übernommen und einfach nur durch andere Namen, andere Orte und andere „Schicksale“ ersetzt wurde, um am Ende dann doch auf den richtigen Erkenntniszweig hinauszugelangen und zu offenbaren, dass eben doch alles nochmal das gleiche ist.

Warum wirkt diese Story dann aber so anders? Glaubhafter? Echter? Ich weiß es nicht.

In ersterem Werk spielte Jennifer Garner eine Rolle, und dieser Frau kann ich ihre „Besorgtheit“ aus irgendeinem Grund nicht wirklich abkaufen. Ich weiß nicht, warum ich mit ihr niemals warm geworden bin, auch deshalb waren evtl. antipathische Gefühle für sie am Start. Und auch, wenn man beim Cast dieses Mal die Übertreibung des Jahrhunderts gewählt hat (wieso eigentlich?), empfand ich alle Darsteller sehr überzeugend und mit genügend Charme umhaftet, so dass man von Beginn an mitfiebern muss und stellenweise vor Tränen nichts mehr sieht.

Es ist auch der erste Film überhaupt, dem ich seine religiöse Affinität absolut nicht verübeln möchte, sondern fast schon verteidige. Und ihr wisst, wie extrem hoch ich auf „Kirche“ und Co. anschlage und meine aufbrausende Wut gegenüber dieser „Institution“ unkontrolliert zeigen (muss). Alles wie weggeblasen, denn man leidet mit und wird von einem empathischen Schmerz durchzogen, der es einem unmöglich macht, nicht die Gefühle der Mutter oder Angehörigen nachzuempfinden.

Und kurioserweise ging es auch vielen Journalisten so: Allgemeine Zustimmung, allgemeines „Okay, dann ist das halt so“ und keine Abneigung. Ich mein: Die Behauptung steht erneut im Raum, dass alles genau so abgelaufen sein soll … und es ist unglaublich – wirklich unglaublich! Ich hab gefragt, ob man an die Originale herankommt, um sie evtl. zu interviewen und man verneinte mir, verwies aber auf vorhandene Bücher und die Tatsache, dass eben jene Geschichte wohl durchs amerikanische Fernsehen ging, was der Echtheit wiederum ziemlich Nachdruck verleiht und unsereiner eher erstaunt zurücklässt.

Fakt ist: Breakthrough – Zurück ins Leben ist einer der Filme, die man sich schon aus Emotional-Durchgeschüttelt-Werden-Gründen definitiv im Kino besehen sollte, denn selbst, wenn alles nur Humbug sein sollte (was ich an dieser Stelle tatsächlich selbst nicht mehr glaube), ist es eine verdammt gut erzählte Story, die Kino in sich selbst aufleben lässt und in einem Gefühle auslöst, für die man eigentlich genau ins Kino rennt.

Und ich schreib es hier einfach mal öffentlich aus: Ich würde euch wirklich gerne kennenlernen. Sollte aus irgendwelchen Gründen dieser Text also über den großen Teich schwappen, meldet euch doch mal bei mir: Ich hätte da einige Fragen.

.kinoticket-Empfehlung: Selten so eine emotionale Wucht gesehen, auf der das „Ist wirklich so passiert“-Siegel klebt und die einen trotz religiöser Zugehörigkeit so mitreißt.

Es ist fast unmöglich, keine Empathie und Mitgefühl für diese Familie aufzubringen: Dieser Film fesselt in allen Formen auf den Kinosessel und an die Leinwand und macht Unmögliches möglich. Und selbst, wenn‘s am Ende doch nicht stimmen sollte: Der Film ist unglaublich und ein definitives Muss fürs Kino! Also pflanzt eure Ärsche in den Saal und ich will keine Ausreden hören – schon allein deshalb, weil ich ein paar weitere Meinungen hören möchte, was ihr zu dem Ganzen sagt.

Nachspann
✅ Nicht gleich raus rennen: Hier werden noch die Originale vorgestellt!

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: The Impossible
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12

Glam Girls – Hinreißend verdorben

Glam Girls

© 2019 Universal Pictures International

Ich mag Rebel Wilson mittlerweile eigentlich echt gerne … ihr Niveau ist nicht glänzend, aber sie macht ganz solide Filme, die eben keinerlei Anspruch erheben, sondern einfach nur unterhalten wollen – und das auch irgendwie schaffen.

Nun haben wir aber ein, nein zwei Probleme:

1964 – Bedtime Story. Mit Marlon Brando in der Hauptrolle.

Yes. Da kommt’s her.

Ein Remake gibt’s auch bereits:

1988 – Dirty Rotten Scoundrels. Mit Legenden Steve Martin und Michael Caine in den Hauptrollen.

Und in diese Vorbild-Rollen sollen nun nach dem Millennium-Break Stars wie Anne Hathaway und Rebel Wilson steigen?

Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass die Originale heute keiner mehr kennt oder die Säle stürmen würde, würde man sie erneut screenen. Dass die “überholt” sind, ist eine Sache. Da wäre dann aber irgendwo noch der Millennium-Break: Dieses magische Zeitalter, als alles Geile auf einmal nur noch Scheiße war und kein Abklatsch mehr. In der Musik, in der Comedy, in der Kunst, bei Filmen: Früher hattest du Comedy und konntest beim einen mehr, beim anderen weniger lachen, aber irgendwo hatte alles Niveau und einen gewissen Anspruch.

Und mit fortschreitendem Zeitalter haben sich immer mehr peinliche Dinge etabliert, die immer mehr Humor von der Leinwand gewischt und durch oberpeinliche Fremdscham ersetzt haben, die heute in teilweise geistigem Dünnschiss mündet, der noch nicht mal mehr zum Himmel schreit, sondern einfach nicht da sein sollte.

Und im Rahmen dieser “Filmreihe” – wenn man so möchte – kommen nun eben Stars der heutigen Generation, mit denen die Jugend zwar namentlich etwas anfangen kann, die aber auch keinerlei Anstalten machen, den Anspruch und das Niveau von damals zu bedienen um dem Film gegenüber gerecht zu werden.

Und genau das spürt man deutlich, denn der Streifen ist keineswegs mitreißend oder sowas von wahnsinnig humorvoll, dass man vor Lachen einfach nicht mehr kann, sondern verhält sich viel zu abgehalftert und einfallslos im Vergleich zu seinen Originalen.

Durch teilweise viel zu stupide Gag-Kopien trägt man hier nicht mehr zu pointierten Höhepunkten bei, sondern lässt alles irgendwo im Nirgendwo versickern, stellt hier und da durchaus ein, zwei witzige Momente auf die Waagschale, die aber auch keinerlei Konsequenzen oder Notwendigkeit bedürfen, weil sie im Film danach einfach null angeschnitten werden.

Damit hinkt der Film seinen eigenen Jokes eigentlich nur permanent hinterher und liefert hier alles – außer irre Spaßigkeit. Und damit hat man die großen Fußstapfen des Vorbilds eindeutig verlassen und endet irgendwo in der Wüste der Vergessenheit, in der sich in 20 Jahren niemand mehr umsehen und nach Schätzen buddeln will.

Dabei hat Hathaway eigentlich das Zeug dazu, in dieser Rolle zu brillieren, aber sie geht im Schein einfach unter und liefert eben nicht die Höhepunkte, zu denen sie bereit ist. Gleichermaßen reduziert man Wilson viel zu sehr auf die “dumme Außenseiterin”, wahrscheinlich auch ein Grund, wieso man einer solchen Person keine ernsthafte Hauptrolle zumutet – und das ist erbärmlich und traurig, denn ich bin der Meinung, diese Frau kann wesentlich mehr als solche Schulhof-Charaktere wiedergeben.

.kinoticket-Empfehlung: Meine anfänglichen Erwartungen und die Vorfreude auf diesen Film wurden maßlos enttäuscht, auch wenn der Film hier und da mit ein paar witzigen Momenten auftrumpft: Das Gesamtkonzept kackt einfach ab und stirbt an seiner eigenen Planlosigkeit.

Das Drehbuch ist schlecht, die Jokes teilweise absolut humorfrei und einen Sinn hat das auch alles nicht: Wenns dann noch wenigstens zum Schreien komisch wäre… aber auch das ist es eben nicht. Schade.

Nachspann
✅ Seltsam: Irgendwie fand ich’s extrem unkomisch, aber es ist halt eine elendig lange Sequenz, der nur absolut der Sinn fehlt: Bleibt … geht … was immer ihr wollt.

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: The Hustle
Length: 94 Min.
Rated: FSK 6

Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Detective Pikachu

© 2019 Warner Bros. Ent.

Zur Zeit ist ein interessantes Phänomen in Deutschland (und ich schätze auch, international) zu beobachten: Durch Avengers: Endgame merken die Kinos auf einmal, was sie leisten müssen, wenn man den Wunsch, dass sie häufig und regelmäßig besucht werden, tatsächlich bewahrheiten würde. Die Kinos merken, dass die OV-Vorstellungen in Deutschland sehr wohl gefragt sind, weil einerseits bereits längst genügend internationale Besucher innerhalb dieses Landes wohnen, die gar kein gutes Deutsch können respektive einfach das Original direkt ansehen wollen, andererseits aber auch genügend Deutsche immer mehr Gefallen daran finden, sich die originale Version eines Films anzusehen.

Zum anderen merkt man, dass an den Behauptungen, VoD würde Kino aussterben lassen, auch ein gewisser Mythos-Faden hängt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Aussagen wie “Kino ist bald tot” enden spätestens dann, wenn du in einer Abendvorstellung versuchst, vom Einlass zum Klo zu gelangen und dabei nicht die Hälfte deines Films zu verpassen. Durch Endgame sind die Lichtspielhäuser zum ersten Mal seit langem wieder so richtig rappelvoll und von überall her hagelt es klagen, weil man im Kino auf einmal was arbeiten muss und die ewige Rumsteherei längst passé ist. Willkommen im Gastgewerbe – meiner Berufsbranche. Da ist sowas Alltag.

Diese ganzen auf den ersten Blick unschönen Umstände sind aber auch eines: Die riesige Chance, einer unglaublichen Vielzahl an Menschen endlich zu präsentieren, was Kino tatsächlich kann, um sich von den restlichen Konsum-Möglichkeiten von Filmen abzusetzen.

Ich werde demnächst Gast einer Vorstellung von Deutschlands erstem, vollwertigen Dolby Cinema(™) und werde euch natürlich hier im Blog darüber berichten. Ein weiteres Zeichen, dass Kino noch lange nicht tot ist und auch hier hinter den Kulissen mächtig gearbeitet wird, um zukunftsfähig zu bleiben.

Ich vertrete auch weiterhin die Position, dass sich Streaming-Anbieter, Verleihe und Kinos zusammentun müssen, um in Zukunft ein vollwertiges Angebot für den Endkunden zu präsentieren, bei dem jeder Zweig bedient wird und es am Ende dem Zuschauer überlassen bleibt, wann er wo welches Medium konsumiert. Es ist genügend für alle da und es täte jeder gut daran, wenn man verstehen würde, dass Zusammenarbeit hier das perfekte Mittel zum Zweck ist.

Stichprobe: Würde der Beginn der finalen Staffel von Game of Thrones exklusiv 2 Wochen vorab im Kino ausgestrahlt werden, würdet ihr nicht reingehen wollen?

Jeder säße drin – allein schon, weil das unbeschreibliche Gefühl einer Community mit 500 weiteren Menschen im Saal etwas auslöst, dass man zu Hause kaum selbst herstellen kann. Und natürlich, weil man mitreden möchte.

Und wenn man dann die ersten 4 Folgen im Kino gesehen hätte, wer von euch würde später nicht auf Netflix oder Co. weiterschauen wollen? Nur, weil ihr ins Kino gegangen seid, schaut ihr die Serie später unter keinen Umständen mehr im Portal?

Schwachsinn.

Genau das müssen die Anbieter kapieren.

Warum ich das alles erzähle?

Pokémon Meisterdetektiv Pikachu bedient sich der Möglichkeit, zu zeigen, was er kann und läuft parallel zum Schreckens-Publikumsmagneten Avengers im Kino an. Und dieses Werk wird – wie glaube ich momentan so ziemlich alles neben Avengers – im Kino nur süß und müde belächelt auf die Seite geschoben, denn Säle ohne den Master-of-Endboss-Film sind in der Tat zur Zeit relativ ruhig.

Und genau das ist bei Meisterdetektiv Pikachu ein Fehler. Obwohl der Streifen eine Freigabe für FSK 6 bekommen hat, bin ich der Ansicht, dass Kids hier nicht in erster Linie das Zielpublikum sind, sondern vielmehr diejenigen, die damals mit Pokémon gespielt haben und jüngst auf den neuen Pokémon Go-Zug wiederaufgesprungen: Die Geschichte wird lebendig gemacht und in meinen Augen verdammt gut erzählt.

Dabei fährt Warner fast schon positive Disney-Avancen auf, indem man hier eine unglaubliche Vielzahl an Gimmicks, Easter-Eggs und Entdeckenswertes in die Bildfläche packt, die es fast schon notwendig erklärt, den Film mehrere Male anzuschauen, um überhaupt alles entdecken zu können.

Der Plot ist völlig okay und der Pokémon-Welt angepasst, das bezaubernde an dem Film ist aber wieder einmal das, worin Kino absolut großartig ist: Eine Welt auferstehen zu lassen, die die Grenzen unserer Realität überwindet und uns in ein Reich eintauchen lässt, dass wir dann tatsächlich mit bloßen Augen sehen, hören und erfühlen und um uns herum existent werden lassen können.

Hier hat man unfassbar detailverliebte, technisch ausgereifte Arbeit geleistet, sie in Bilder gepackt, die ordentlich und präzise von der Leinwand scheinen und dabei nicht übertrieben, sondern den anmutigen Charme der “mies designten” Originale genussvoll eingegliedert, so dass am Schluss einfach ein Film entstanden ist, in dem sich alt, mittelalt und jung (Warum muss sowas in den Köpfen der Erwachsenen immer ausschließlich für Kinder sein?) wohl fühlen.

.kinoticket-Empfehlung: Hier nicht rein zu gehen, wäre ein Fehler: Man lässt eine ganze Kindheit zu neuem Leben auferstehen und liefert eine fantastische Welt, die sich in Detailverliebtheit und überraschend vielen Entdeckbarkeiten offenbart und dazu noch eine sanftmütige Geschichte erzählt.

Dabei hält der Film einige Überraschungen parat und bildet den Auftakt zu einer hoffentlich fortgesetzten Filmreihe – zumindest sieht das an einigen Stellen bereits jetzt scharf danach aus.

Nachspann
✅ Da kommt’s her – wunderschön anzusehen, also bleibt sitzen und genießt die Nostalgie 🙂

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Pokémon Detective Pikachu
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6

Master Z: The IP Man Legacy

© 2019 NEW KSM Cinema

Ein spannendes Phänomen ist: Bei uns westlichen Kulturen besteht förmlich eine “Blindheit”, wenn wir in asiatische Gefilde blicken – für viele von uns “sehen die alle gleich aus”. Trotz massiver Unterschiede.

Das gleiche ist von asiatischer Seite her mit uns Westlern genauso: Wir sehen für sie allesamt “gleich aus”. Trotz massiver Unterschiede.

Gewissermaßen geht es mir mit asiatischen Filmen genauso: Die sind alle irgendwo gleich. Trotz massiver Unterschiede.

The IP MAN zählt zu den chinesischen Martial Arts-Wunderwerken, die es in diesem Genre weit gebracht haben und sogar hierzulande bekannt sind.

Eben jene Filme bekommen nun Nachwuchs: Man könnte fast sagen das Creed des Rocky Balboa taucht von chinesischer Seite her auf und schließt Kreise.

Aus dem Grund braucht man auch nicht viel über den Plot sagen: Ich weiß nicht, ob wir je dazu in der Lage sind, hier vernünftig einzusteigen und den diversen Sinn dahinter zu begreifen, oder ob das tatsächlich alles “nur ein Mix” aus asiatischer Weisheit und Lebensweise ist und zur puren Unterhaltung dient.

Fakt: Die Martial Arts Moves sind berauschend geil. Das, wozu die Protagonisten körperlich fähig sind – ob mit oder ohne Tricks – ist immer wieder atemberaubend und definitiv wert, dass man sich Master Z: The IP Man Legacy im Kino besieht: Die wunderschöne Choreographie körperlicher Kampfkunst in Vollendung auf der Leinwand zu erleben ist selbst für mich, der diesem Genre sonst eigentlich nicht viel abgewinnen kann, ein kultureller Genuss und optischer Augenschmaus.

Und auch an Schauspielern fährt man einige bekannte Gesichter auf. Manch einer wird Drax von den Guardians of the Galaxy sicherlich direkt wiedererkennen: Auch hier wieder: Schauspielerisch eine Topleistung, wenn man bedenkt, zu was dieser Mann fähig ist und was er im Film verkörpert.

Also hadert nicht lang mit euch rum, bewaffnet euch mit Süßkram und Flüssigkeit – und dann genießt einfach die Show.

.kinoticket-Empfehlung: Die Kampf-Choreos sind der helle Wahnsinn, der Plot darum halbwüchsig und dennoch ist es das Spin Off des weltweit erfolgreichsten Martial Arts-Franchise der letzten Jahrzehnte.

Genießt die Show!

Nachspann
✅ Lohnt sich wieder mal, also rennt nicht gleich raus 🙂

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Cheung Tin-Chi
Length: 107 Min.
Rated: FSK 16

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