| wenn aus filmen leidenschaft wird

Drei Schritte zu dir

Drei Schritte zu dir - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Filme über Krankheiten hat’s inzwischen einige im Portfolio der Movie-Industrie – immer mit dem faden Beigeschmack, dass hier kaum verwertbare Fakten auf der Leinwand erscheinen, sondern alles zugunsten der Dramaturgie an entscheidenden Stellen realitätsentfremdet wurde, um beispielsweise mehr Spannung zu erzeugen oder ähnliches.

Ich hatte die große Ehre, diesen Film bereits vorab mit dem Bundesvorsitzenden des Mukoviszidose e.V. Stephan Kruip zu sehen, mit dem ich hinterher ein sehr interessantes Gespräch führen durfte und der mir u.a. sagte, dass sich die Macher des Films tatsächlich sehr echt und extrem nah an den Alltag von echten Muko-Erkrankten gehalten haben.

Einziger Kritikpunkt: Im Film wird hin und wieder von “ZF” gesprochen, was laut unseren altbekannten Übersetzungshelden die “gängige Abkürzung für Zystische Fibrose” sein soll – dies stimmt nicht, sondern wird im Alltag von Betroffenen tatsächlich ebenfalls “CF” genannt – also “Cystic Fibrosis”.

Der Rest vom Film spiegelt tatsächlich die echten Probleme unfassbar realitätsgetreu wieder und erklärt einmal mehr eine Krankheit, von der die Allgemeinheit wenig zu wissen scheint.

In Deutschland sind hiervon derzeit rund 8000 Menschen betroffen. Was eine seltene Krankheit im Leben für einschneidende Wirkung haben kann, weiß ich aus eigener Erfahrung, meine Abkürzung ist “EoE” (für Eosinophile Ösophagitis) was in Deutschland ungefähr 300 Menschen haben. Ich kann also extrem gut nachvollziehen, wie es ist, wenn von der Leinwand auf einmal Verständnis, Mitgefühl, Offenheit und wahre Erklärungen sprudeln, die man den Menschen vor die Nase halten und sie damit in ihrer “Ratschlägerei” ruhigstellen kann.

Das Gefühl, verstanden zu werden, ist etwas Unbezahlbares. Das Gefühl, etwas zu haben, woran man sich orientieren kann, wenn jemand im Umfeld von dieser Erkrankung betroffen ist, etwas ebenfalls Beruhigendes und Haltspendendes. Beides liefert Drei Schritte zu dir par excellence und stellt ein mögliches Leben zweier Betroffener – unglaublich gut gespielt von Haley Lu Richardson und Cole Sprouse – nach.

Ihr solltet also nicht nur aus Informationsgründen unbedingt diesen Film anschauen, sondern auch, damit ihr wisst, was ihr empfehlen könnt, wenn jemand in eurer Umgebung unter dieser Krankheit leidet.

Außerdem darf man sich in solchen Fällen auch sehr gerne an den Mukoviszidose e.V. wenden:

Mukoviszidose e.V.
In den Dauen 6
53117 Bonn

Tel.: +49 228 98780-0
E-Mail: info@muko.info
www.muko.info

Dort ist quasi die “Anlaufstelle” für diese Krankheit, bei der euch geholfen wird, weitere Schritte zu gehen und die sehr dafür kämpfen, dass diese Erkrankung mehr Bekanntheit erreicht und medizinisch besser gefördert und unterstützt wird.

In Bonn sitzt der Bundesverband, unter dessen Dach auch noch einzelne Regionalverbände agieren, nähere Auskünfte darüber erteilen euch gerne die Mitarbeiter am Telefon oder via E-Mail. Schaut also gerne auf der Website vorbei.

.kinoticket-Empfehlung: Perfekt recherchierte medizinische Fakten innerhalb einer wunderbaren Geschichte, die nach Lebensbejahung schreit und mutigen Schrittes Zeugnis davon ablegt, wie in diesen außergewöhnlichen Situationen miteinander umgegangen werden kann.

Nachspann: Muss man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Five Feet Apart
Length: 117 Min.
Rated: FSK 6


Spider-Man: Far From Home (3D)

Spider-Man: Far From Home - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ich bin spät dran, ich weiß. Dennoch läuft Spider-Man: Far From Home immer noch in allen Kinos und ihr tätet gut daran, ihn euch dort zu besehen – in 3D. Es ist nämlich nicht weniger als der beste Spider-Man aller Zeiten, und ich glaube selbst immer noch nicht so richtig daran, dass ich das noch erleben darf.

Spidey war immer der Charakter, der zwar von Marvel geboren wurde und überall seine Finger im Spiel hatte, jedoch fremd umgesetzt und damit mehr oder weniger verkackt auf der Leinwand landete und nirgends so richtig zündete.

Man mag von den vorherigen halten, was man will: Tobey Maguire war zu alt, Andrew Garfield meiner Meinung nach absolut fehlbesetzt und eher Riege Erwachsener und mit Tom Holland hat man nun endlich den Milchbubi, der Spidey auch in den Comics ist: Schüler, Kleinkind, Heranreifender und kein 35jähriger, den man mit Mühe auf jung gestylt hat.

Dazu kam das absolut erlösende, sich an den Schultern der Avengers emporschwingende Einbetten in eine funktionierende Leinwand-Familie, allen voran Tony Stark alias Robert Downey Jr., dem bis jetzt in dieser Rolle niemand das Wasser reichen kann und der plotbedingt eine genauso große Lücke auf dem Big Screen wie Stefan Raab im deutschen TV hinterlässt.

Durch diese Konstellation und die comicbasiert-animierte Miles Morales-Adaption hat man den Bann von Spider-Man scheinbar endlich gebrochen und fängt nun zum ersten Mal im Zyklus der Menschheitsgeschichte an, ihm wirklich einen funktionierenden und überraschend geilen Film zu spendieren: Far From Home – quasi der erste Spider-Man-Movie überhaupt.

Vergesst alles, was ihr bisher über ihn kanntet, erinnert euch daran, dass man euch dazu verpflichtet hat, die Story und Universen neu kennenzulernen und bedenkt, was ich euch schon damals gesagt habe: Marvel muss erstmal den Dreck beiseite räumen, den alle anderen vorher verzapft haben und kann dann beginnen, den Charakter zu retten, um letztendlich mit ihm zu spielen.

Und genau das haben sie getan: Aufgeräumt, Bühne geschaffen und mit Far From Home geht‘s nun endlich richtig los. Und damit treffen sie voll ins Schwarze: Die Kulissen sind absolut liebenswert und dürften hierzulande sowieso offene Türen einrennen, die Story-Elemente sind bravourös gewählt und überzeugen auf ganze Linie, der typische Marvel-Humor ist wieder vorhanden und zieht sich durch bis zur allerletzten Minute, der Cast ist hervorragend gewählt und selbst in Nebenrollen prima besetzt und verloren geglaubte Puzzlesteine erwärmen auf einmal in frischer Glückseligkeit des Cineasten Herz.

Eine neue Ära ist angebrochen, obwohl dies eigentlich das Ende der dritten Phase ist, und ich kann es kaum erwarten, dass es in diesem Tempo auf diesem filmischen Niveau so weitergeht.

Und wer vorzeitig den Saal verlässt, ist schlichtweg doof, weil ihr zwei gigantische und alles umwälzende Szenen verpasst, die selten von so großer Bedeutung waren.

Dolby Vision™
Über die Technik des Dolby Cinema™ brauch ich ja nicht mehr viel sagen: meiner Meinung nach kommt nichts an die Bildqualität dieses Kinos heran. Hier merkt man nun auch deutlich, dass CGI im Spiel ist und das durch schlechte Technik verstecktere Rumkruscheln ist dank der beängstigend hohen Auflösung nun nicht mehr möglich.

Dafür sieht man den Film in 3D enorm hell und absolut räumlich und erlebt beeindruckende Szenen, die ein noch tieferes Eintauchen in den Film ermöglichen und der Kulisse noch das gewisse Extra verleihen. So kommen wichtige Szenen des Films erst richtig zum Tragen, weil diese die Stärken des Dolby für sich ausnutzen und hier an oberster Front mitspielen.

Dolby Atmos™
Auch hier geht meiner Meinung nach nichts an der neuen Technik vorbei: Gerade in den Kampfszenen vermittelt man ein absolut mehrdimensionales Klang-Gebäude, was im Kino unbändig viel Spaß macht und dem sowieso schon enorm guten 3D zusätzlich eine klare Räumlichkeit verleiht.

.kinoticket-Empfehlung: Endlich ist er da: ein funktionierender, ehrlicher und nicht versemmelter Spider-Man, dem nichts mehr von den misslungenen Filmen der Vergangenheit anhaftet, sondern der sich auf Marvel-Niveau emporschwingt und dabei zum vielleicht besten MCU-Movie aller Zeiten wird. Der riesige Erfolg, den dieser Streifen bislang eingefahren hat, sei ihm aus allen Herzen gegönnt.

Nachspann: Da es scheinbar immer noch nicht genügend Leute verstanden haben: Sitzen bleiben! Das bei Endgame war ein finales Plot-Ding, weswegen hinterher nichts mehr kam … ab sofort ist es wieder Marvel und darum: Es kommen noch zwei (ja, zwei !!) sehr lange Szenen – einmal mittig und einmal ganz am Schluss – also bitte bleibt im Saal, bis wirklich alles vorbei ist! Die Dinger sind sogar storytechnisch sehr relevant!

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Spider-Man: Far From Home
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12


Kursk

Kursk - Filmplakat
© 2019 Wild Bunch

Das Jahr 2000 ist irgendwie noch gar nicht so lange her, und dennoch sind schon wieder fast 20 Jahre vergangen, seit sich im Barentssee diese Ereignisse zutrugen.

Kursk ist die Verfilmung des Buches von Journalist Robert Moore: A Time to Die: The Untold Story of the Kursk Tragedy, das die tragischen Ereignisse dieses Manövers beleuchtet und hintergründig recherchiert hat. Und der Film dazu ist überraschend gut gelungen.

Wenn ich Matthias Schweighöfer lese, dann kriege ich erstmal Angst. Immerhin stehen seine Leistungen für mich nicht unbedingt für seriöses, internationales Schauspiel, sondern er markiert eher den deutschen Blödel-Großmeister, der sich mit seinen Kumpanen zusammengerottet hat und hierzulande abgreift, was andere bislang nicht erobert haben.

Doch Kursk ist keine deutsche Produktion, sondern wurde von Belgien, Frankreich und Norwegen zusammengetragen, was für mich wiederum verwunderlich ist, weshalb dann deutsche Namen wie Schweighöfer oder auch der von mir geliebte August Diehl darin auftauchen.

As said before – die Angst ist unbegründet: Hier markiert man keine Prolls oder lässt den Witzbold raushängen, sondern liefert international seriöses Schauspiel und stellt die Ereignisse nach, die einen – trotz bekanntem Ausgang – dennoch im Film mitfiebern lassen und hier unfassbar viel Sympathie, Mitgefühl und Spannung aufbauen.

Die ganze Erzählung wirkt selbst wie ein kuratiertes Kunstwerk, in der mehr die sensiblen, ethischen Absichten menschlicher Existenz in den Vordergrund gestellt, und nicht – wie erwartet – amerikanischer Patriotismus zelebriert wurde.

Gleichsam ist dieser Film ein Vorzeigebeispiel für junge Generationen, was in Sachen Politik vor ihrer Zeit falsch gelaufen ist und was sie demnächst dann gerne besser machen dürfen, auch wenn dabei die Hoffnung wohl eher Mutter der Gedanken ist als dass irgendwer ernsthaft daran glauben würde, dass sich dadurch etwas ändern ließe.

Zumindest kann am Ende keiner mehr behaupten, er hätte es nicht gewusst. Und ihr könnt mir nicht mehr vorwerfen, ich hätte euch nicht empfohlen, diesen Film unbedingt zu sehen, denn der ist berührend hoch 10 und fordert einige Male die emotionalen Nerven heraus.

.kinoticket-Empfehlung: Wahre Begebenheiten – erst geschrieben, dann verfilmt und trotz bekanntem Ausgang doch unglaublich packend und spannend erzählt.

Nachspann: Muss man nicht aussitzen, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 11. Juli 2019

Original Title: Kursk
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12


Kroos

KROOS_Plakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Fußball: Entweder man liebt es, oder hasst es. Dazwischen? Kaum.

Genau das führte in der Vergangenheit auch schon oft zu Reibereien und viel Hass: Die einen feiern es fanatisch, schwelgen zwischen Bundesliga, Europameisterschaft und Weltmeisterschaft und dann gleich wieder von vorne – die anderen können dem ganzen schwarz-rot-gold-Trubel nichts mehr abgewinnen und sehen es noch nicht einmal mehr als Grund an, sich einfach besinnungslos zu saufen, so wie bei allen anderen “Anlässen” ebenfalls.

Ich gehöre auch zu der Fraktion, die Fußball nichts abgewinnen kann: Kein Verein, keine Mannschaft, die “mir” gehört, nichts, für das ich in dieser Hinsicht brenne und ich hatte jahrelang auch kein Verständnis dafür, dass man diesen Sport (warum genau den?) so frenetisch von allen Seiten vollgepumpt hat, während alles andere sang- und klanglos unterging.

WM in Deutschland: Flaggenmeer. Das hat mir gefallen. Einfach, weil ich den gesunden Geist eines ganzen Landes scheinbar wieder in den Vorgärten gesehen habe und die freudige Aufbruchsstimmung der Menschen mochte, denen eher zum Feiern als zum Griesgrämen zumute war. Davon gern mehr.

Da habe ich dann auch begonnen, Fußball ein wenig zu verfolgen, wenn “unser Land” gegen den Rest von Europa / der Welt angetreten ist – habe aber immer noch keine favorisierten Mannschaften oder Vereine oder gar Spieler.

Irgendwann kam Island und lehrte uns alle, was an Fußball einst besonders war, bevor es dem Kommerz verfallen ist und durch kontroverse Machenschaften seiner Seele beraubt wurde, die von der FIFA und Geldmogulen diktiert das Leben vieler Menschen auf so unterschiedliche Weise bestimmt. Und da war sie wieder: Die pure Freude und ein Grund zum Feiern: Emotionen rauszulassen und die Menschen von Grund auf zu begeistern und mit Emotionen zu überschwemmen.

Genau das mögen viele auch an diesem Sport und sehen es als Freikarte, endlich mal weinen zu dürfen, endlich mal schreien zu dürfen, endlich mal emotional und nicht “deutsch” sein zu müssen.

Und dennoch sind es irgendwie immer die gleichen Bilder, die gleichen Momente, die gleichen Situationen, die wir Menschen da vorgesetzt kriegen. Das übliche “Blabla”, auf das eben viele keinen Bock mehr haben.

Und genau da kommt Kroos ins Spiel: Eine Dokumentation über einen Fußballspieler – und nicht über Fußball. Manfred Oldenburg hat die Kamera dann eingeschaltet, wenn alle anderen wieder weg waren. Die Szenen eingefangen, die sonst keiner kennt. Das Bild eines Ausnahmespielers gezeichnet, das eben niemand in der Öffentlichkeit kennt und dessen Leben beleuchtet.

Meine These vor dem Film: “Wenn du Fußball jetzt hasst, wirst du spätestens nach diesem Film zu mir sagen, dass sich der Gang ins Kino gelohnt hat.”

Und die wurde mir inzwischen mehrfach bestätigt.

Wenn ich also “Toni Kroos” sage, dann wendet euch nicht ab, weil ihr denkt: Och nö, nicht der auch noch mit Fußball und Gelaber…, sondern geht ins Kino und schaut euch diese faszinierende, witzige und absolut menschliche Dokumentation an, die in meinen Augen absolut gelungen ist – und zwar nicht nur inhaltlich!

Zum ersten Mal hat man sich in einer Dokumentation nämlich auch um alles andere als den Inhalt gekümmert: Das Design der Bauchbinden ist perfekt, die Art und Weise, wie man als absoluter Fußball-Laie behandelt wird, ist vorbildlich und man kommt sich nicht als der übliche Vollspack vor, nur, weil man eben keine Ahnung hat, sondern wird von den Machern liebevoll herangeführt und immer mit Infos dazu begleitet, um genau zu wissen, wer das ist.

Und auch der Kameramann wusste oft genug, wo sein Arbeitsgerät am perfektesten positioniert ist, um berührende Bilder einzufangen, die man eben so noch nicht kennt. Wow!

Und da es hier um einen Menschen geht, und nicht den Sport, hat dieser Film seine ganz persönliche charmante Note, die das alles in nochmal einem völlig anderen Licht darstellt und dich am Ende eben doch anders überlegen lässt, was es nun mit Fußball alles auf sich hat.

Oder, um es mit den Worten von Toni Kroos zu sagen:

Und abschließend noch ein paar Eindrücke vom Red Carpet im mathäser Filmpalast in München zur Premiere des Films.

.kinoticket-Empfehlung: Ein berührendes Bild innerhalb eines Sport-Metiers, mit dem viele nichts mehr anfangen können, dass packend erzählt ist und völlig neue Einblicke liefert, die es bislang im TV nicht zu sehen gab und die eine völlig andere Welt offenbaren. Oldenburg hat es geschafft, das Leben eines Ausnahmespielers zu portraitieren, so dass auch Fußballgegner von seinem Film begeistert sein können.

Nachspann: Sollte man mitnehmen – hier kommen noch eine Menge weiterer Szenen.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Kroos
Length: 113 Min.
Rated: FSK 0


The Dead Don’t Die

The Dead Don't Die - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Das Star-Aufgebot des Films ist hoch, Jim Jarmusch als Regisseur selbst eine Berühmtheit des Independent-Films, sein Werk war der Eröffnungs-Paukenschlag der Internationalen Filmfestspiele in Cannes und erfreut / enttäuscht seitdem die Fans gleichermaßen.

Viele haben sich von ihm wohl mehr erwartet. Jarmusch fährt mit Bill Murray und Adam Driver sein Anti-Only Lovers Left Alive-Ensemble auf eine klassische Schiene und zollt damit dem nostalgischen 90er Jahre Horror-Movie Tribut, was ich persönlich sehr erfrischend fand.

Vielleicht ist die Welt seitdem etwas intellektueller geworden, weshalb auf einmal jeder neunmalkluge Avancen entwickelt und sich empört über so viel Unfug vom Bildschirm abwendet, aber genau das waren doch die Momente, die man als Kind so gefeiert hat, wenn irgendwelcher Unsinn die Leinwand zierte und man sich genüsslich ins Fäustchen lachte, während sich die Erziehungsberechtigten kopfschüttelnd darüber aufregten.

Oder sind wir alle einfach nur zu alt geworden und haben verlernt, Leinwand-Kinder zu sein?

Hier wird rumgeblödelt, Unsinn gemacht und dabei doch ein, zwei nette Ideen aufgegriffen, über die man sich dann immer wieder im Film wundert und die damit genau das tun, was ein Film tun sollte: Von der Realität ablenken und in fantastische Welten entführen.

The Dead Don’t Die tut genau dies – und wartet wieder mit ein paar Szenen auf, die sich zur Kult-Klamotte entwickeln könnten. Was mir dabei am wichtigsten ist: Der Film ist ehrlich gegenüber sich selbst und möchte nicht mehr sein, als er ist. Er befriedigt ein Genre und muss dafür auch nicht von einer großen Masse akzeptiert werden.

.kinoticket-Empfehlung: Graziler Unsinn geschmückt mit hochkarätigen Stars in einer Independent-Movie-Umgebung, die ihre Nische nicht verlässt und sich selbst dabei immer ehrlich gegenüber ist.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: The Dead Don’t Die
Length: 105 Min.
Rated: FSK 16


Sunset

Sunset - Filmplakat
© 2019 MFA+ FilmDistribution

Die Presse feiert Sunset ab, als gäbe es kein Morgen: Meisterregisseur László Nemes aus Ungarn hat sich erneut seiner Spielmethoden bedient und ein Werk in die Welt geworfen, das in meinen Augen niemand versteht.

Irgendwie gehört es wohl zu den Voraussetzungen, Dante‘s Inferno gelesen UND verstanden sowie studiert zu haben, eine eigene Uni zu besitzen als auch mindestens 500 Schüler zu Meistern ihres Fachs gemacht zu haben, um überhaupt in die nähere Auswahl derer zu kommen, die sich zu den Erleuchteten zu zählen vermögen.

Mir wird oft vorgeworfen, ich sei „intelligent“ und „hätte ein gewisses Verständnis“ und ich steig bei diesem Ding absolut aus! Keine Pointe, kein Sinn und absolut keine Ahnung, was da nun Sache ist und was nicht.

Wer also mit diesem absoluten Studier-Uni-Thema in Masterarbeitsniveau-Doktorarbeit nicht firm ist: No way. Bleibt weg. Ihr hockt sonst stundenlang in einem Film, der zu nichts führt …

… und gleichermaßen: WENN ihr davon Ahnung habt, seid ihr wahrscheinlich komplett begeistert, wie die Elite-Fuzzis der Presse auch und dürft euch zu Recht zu den Erleuchteten zählen und euch von allen anderen feiern lassen.

Wer weiß, was die „Belle Époque“ ist? Da geht‘s schon los. Jugendstil oder Moderne mag man sich als Durchschnitts-Doofie vielleicht noch herleiten können, aber Belle Époque? Und dann das gequirlte Gefasel von Captain Subtext auf diesem Eliten-Niveau: Nicht meins.

Ja, ich beschwere mich oft über die Dummheit der Bevölkerung und frag mich manchmal, ob es wirklich so schwer sein kann, zwei Worte aneinanderreihen zu können, ohne dabei seine eigene Landeskultur zu verraten und verstehe nicht, wieso manch einer meine Texte so abfeiert, aber wenn ich dann das hier sehe, und spüre, wie die Welt der Elitären diesen Stoff abfeiert, dann … bin ich selbst einer der Idioten.

Und da wollte ich nie hin.

Oder ich hätte einfach doch mit Dante anfangen sollen. Und damit ist nicht der Hund aus Coco gemeint.

.kinoticket-Empfehlung: Elitär. Mehr braucht man dazu wahrscheinlich auch nicht sagen. Es entführt euch in eine Welt, die dem Durchschnitt entsagt hat und irgendwie zu wenig liefert, um wahrhaftig als Film zu gelten – auch wenn manche Einstellungen ganz passabel sind: Ich war zutiefst genervt und denke, dass das definitiv nichts fürs Massenpublikum ist.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, auch hier wird’s nicht mehr besser.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: Napszállta
Length: 142 Min.
Rated: FSK 12


TKKG

TKKG - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

TKKG – wer kennt sie nicht: Tim, Karl, Klößchen und Gabi – die Detektive meiner Kindheit, von denen glaube ich jeder “coole” Junge diverse Hörspiele hatte – und ganz ehrlich: Ich hab sie als Halbwüchsiger aufgesogen und jedes Abenteuer von ihnen verfolgt.

Irgendwann wird man erwachsen, verliert die “absolut unvermeidbaren Wichtigkeiten” aus den Augen und vergisst, wofür man als Kind immer gelebt hat.

Dass Hollywood sich schon desöfteren geopfert hat, um eben jene Dinge in prähistorischem Schwelgen wieder ans Tageslicht zu bringen, um erneut auf die “Wow, das muss ich haben, weißt du noch?”-Geldausgebereien zu hoffen, wissen wir schon längst. Dass solche Unternehmungen gerne mal den Bach runtergehen, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Hier gibt es – und wird es wohl auch immer geben – nur zwei Lager: Die, die es unfassbar cool finden, dass “ihre” XY jetzt wieder aktuell sind, die also “auf jeden Fall reingehen” – und jene, die mürrisch drüber bocken, dass man damit alles in den Sand gesetzt hat und man es seinem Heiligtum auf diese Weise niemals zumuten dürfte und es “eine Schande sei”.

Auch TKKG hat beides: Einen Vorfilm aus dem Jahr 2006, der in den Augen mancher tatsächlich besser gewesen sein soll, einen weiteren Vorfilm, der nochmal 14 Jahre in der Vergangenheit zurückliegt, und eine TV-Serie, die ebenfalls nicht der Brüller war, weil man hier der mystischen Vorstellungskraft eines Kindes beraubt wurde, die diese Abenteuer damals dank ungebändigter Fantasie lebendig werden ließen. Darum: Hörspiel.

Nun setzt Warner Bros. zu einem Revival dieser Kultreihe an und startet gleich mit einem fulminanten Auftakt: Man hat neu besetzt – sowohl vor als auch hinter der Kamera – und kündigt bereits für 2020 den nächsten TKKG-Film an, der unter gleicher Regie erscheinen soll.

Ich zähle mich zu jenen, die diese Sache ziemlich feiern, denn meiner Meinung nach hat man beim Cast tatsächlich nicht ins Klo gegriffen und gibt nun den Kids auch die Chance, ein wenig in dieser Reihe zu brüten, ohne gleich wieder wegen Altersschwierigkeiten abgesetzt zu werden.

Desweiteren fand ich die Art der Herangehensweise beim Detektivismus ziemlich lässig und die Charaktere so wieder hervorgerufen, wie ich sie noch aus meiner Kindheit heraus kenne – mit eben jenen Eigenschaften, über die sich mancher heutzutage gerne streitet: Immerhin zählt auch diese Kinderbuch-Reihe zu denen, die man heute allernorts gern umgeschrieben sähe.

Doch darauf kommt’s in meinen Augen gar nicht an: Die Story ist spannend, der Fall erfordert einiges an Arbeit, die Kids unterhält’s und auch allgemein macht die Show im Kino einfach Spaß und ist selbst zum mehrmaligen Anschauen absolut tauglich.

.kinoticket-Empfehlung: Cool umgesetztes Revival, das natürlich für Nostalgiker einiges an Kritikpunkten mit sich bringt, für die neuen Generationen aber völlig ausdefinierte und sehenswerte Charaktere liefert, denen man als Heranwachsender gerne nacheifern darf.

Nachspann: Unbedingt sitzen bleiben, hier folgt noch einiges.

Kinostart: 06. Juni 2019

Original Title: TKKG
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

Mirai - Filmplakat
© 2019 AV Visionen Filmverleih

In eigener Sache:

Ich weiß, ich bin spät dran … es kam einiges zusammen: Der Blog-Umzug, der Respawn, unvorhergesehene, technische Schwierigkeiten (an dieser Stelle mal ganz persönlich ein megafettes Dankeschön an “Oli” :)) und dazu noch ein paar persönliche Schicksale … darum “hängt” hier grad alles ein bisschen. Aber keine Angst: Dies ist keiner dieser “Es wird bald weiter gehen – 10 Minuten später: Alles tot”-Beiträge, sondern ein heiliges Versprechen: Auch wenn ihr grad nicht so arg viel davon merkt: Mein “zu Hause” ist immer noch im Kino und ich schaue nebenher fleißig weiterhin Stoff für euch, um ihn hier gebührend zu rezensieren… und werde das alles brav weiter abarbeiten und im Rahmen meiner Möglichkeiten kontinuierlich veröffentlichen.

Also habt ein wenig Nachsehen mit mir und gönnt mir noch etwas Zeit, bis alles wieder seinen normalen Gang läuft. Außerdem dürfte die “Pause” wohl einigen Lesern auch ganz gut tun … 😉

Machen wir also mit einem Anime weiter, dessen Wurzeln – wie üblich – in Japan liegen und der bereits lange Zeit vor diesem Eintrag seinen Weg auf die Leinwände gefunden hat: Ich fürchte, dass das nun für niemanden in irgendeiner Form nachzuholen sein wird, weil das Werk längst in Richtung “Heimkino” segelt und wohl eher auf diversen VoD-Plattformen zu finden sein wird.

Ich hab ihn vor gefühlten Ewigkeiten bereits gesehen und war recht angetan von der intensiven und unfassbar umfangreichen Einträglichkeit, mit der Mirai den Weg in die Familie antritt und gewisse Dinge ganz konkret beleuchtet. Dabei ist nicht das Fremde “weit weit weg”-Gefühl, das man oft bei japanischen Filmkünsten bewundern darf, sondern eine unglaublich starke Vertrautheit zu spüren, die auch in westlichen Kulturen pädagogisch extrem wertvoll sein dürfte.

Die übliche Verworrenheit, die Animes zu Eigen ist, tritt zwar auch hin und wieder auf, aber durch die einfache Zeichnung und den absolut verständlichen Plot fühlt man sich hier sehr aufgehoben und hat genügend kreativen Freiraum, um auch in der OmU-Variante alles hinreichend zu verstehen.

.kinoticket-Empfehlung: Mein Gefühl nach dem Verlassen des Saals war: Pflichtlektüre für angehende Eltern, die sich viele Fehler in der Kindererziehung sparen möchten, indem sie einfach die 98 Minuten investieren und sich diesen Film ansehen, um aus ihm zu lernen.

Nachspann: Muss man nicht aussitzen, hier folgen keine weiteren Schandtaten 😉

Kinostart: 28. Mai 2019

Original Title: Mirai
Length: 98 Min.
Rated: FSK 6


Inna de Yard – The Soul of Jamaica

Inna de Yard - Filmplakat
© 2019 MFA+ FilmDistribution

Musik hat hierzulande ja schon einen fast inflationären Wert: Wo immer man ist, dudelt irgendein Lautsprecher vor sich hin und quasselt die ganze Zeit den selben Quatsch. Sender umschalten bringt inzwischen auch nichts mehr: Einheitsbrei in Dauerbeschallung.

Wäre man bösartig, könnte man meinen, es gäbe fortan landesweite Foltertorturen, denen man sich (zumindest im Berufsleben) kaum noch entziehen kann.

War man früher hier und da noch auf der Suche nach geeigneter Musik (und hat sie tatsächlich manchmal auch gefunden), heißt die heutige Challenge oft: Radio aus, ohne dass jemand von den Kollegen es merkt und man endlich mal ein paar Minuten Stressfreiheit im Kopf hat.

Unter dieser Prämisse geht völlig unter, dass Musik einst mal dafür da war, Kulturen auszudrücken, Lebensweisen wiederzugeben, Dinge zu erzählen, die von der Geschichte und dem Wirken eines Landes, einer Gesellschaft, einer Zunft oder ähnliches berichten – dass Musik eine Art “Way of Life” sein kann und tatsächlich auch heute hier und da noch ist.

Wer dann “Jamaica” liest, ist wohl an dieser Stelle endlich raus, da sehr viele damit erst recht nichts anfangen können … und hier beginnt, der Film interessant zu werden, denn genau dieses “Vorurteil” durchlebte der Protagonist auch und machte sich auf die Suche nach der Tiefe dieser Musik-Kultur.

Was dabei raus kommt, hat sogar mich ergriffen – und ich zähle zu jenen, die mit “Kiffer-Mugge” nichts anfangen können.

Die Eindrücke, die Beats, die Festen im Leben dieser Menschen werden hier eindrucksvoll beschrieben und man wird mitgerissen auf eine Reise der besonderen Art.

.kinoticket-Empfehlung: Taucht ein in eine Kultur und zeigt, wozu Musik einst fähig war, bevor der Kommerz sie getötet und gefressen hat: Zurück an die empfindsamen Eindrücke, in der man sich mit Musik weltweit noch Gehör verschaffte. Dieses Portrait einer Kultur ist definitiv sehenswert!

Nachspann: Darf man mitnehmen, hier wird man noch mit einigen Bildern und Szenen verwöhnt.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Inna de Yard
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Brightburn: Son of Darkness

Brightburn - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Lasst euch mal nicht vom Plakat abschrecken, oder von irgendwelchen dummdoofen Bezeichnungen wie “Horror” oder dergleichen – und habt auch keine Angst, dass es wieder einer der alten, einfallslosen, idiotischen Streifen ist, der so häufig im Kino als “Massenware” vermarktet wird und allseits als Ausrede für “Aber es gibt doch Horror im Kino” herhalten muss.

Brightburn ist auf jeden Fall anders. Und zwar richtig geil anders!

Lange habe ich keinen so grenzgenialen Coup mehr in diesem Genre erlebt … und eigentlich gab es bislang ja auch noch überhaupt keinen Film dieser Art, denn Altvisionär James Gunn produziert hier mit einigen anderen Gunns ein visionäres Werk und eröffnet damit ein völlig neues Genre: Superhelden-Horror.

Ihr merkt schon: Es geht zur Sache. Und zwar nicht im Einheitsbrei, sondern völlig neu, völlig kreativ und in einer filmischen Art und Weise, die mir immens zugesagt hat und von der ich definitiv mehr sehen möchte.

Nun ist es wie immer, wenn irgendwas neues am Start ist: Viele Konservative rennen weg und heulen rum, weils nicht ihrem langweiligen Tatort-Schema entspricht und jammern, dass es ja sooooo schlecht sei usw. – und es gibt sogar einige, die vorzeitig rausrennen und es nicht ertragen… das mag aber auch daran liegen, dass “FSK 16” hier wieder mal sehr gewagt ist und unsereiner in Kindesalterzeiten so etwas wohl viel eher auf dem Index wiedergefunden hätte bzw. wenigstens ein FSK 18 auf dem Label gedruckt gesehen hätte.

Werden wir langsam zu Amerika, was die Freigaben angeht?

Brightburn stellt sich diesen Herausforderungen und liefert dabei noch ein Umfeld voller Charme und einem unvergleichen Humor, der diesem Film das gewisse Etwas verleiht und damit der eigentlich depressiven Horror-Note eine kickige Frische spendiert und hier niemals Langeweile aufkommen lässt.

Im Ernst? Wenn’s so weiter geht, dann bitte viel mehr davon!

Achja: Noch niemals hab ich ein Filmende so gefeiert, wie dieses. Schade um all die Sneak-Vollspacken, die vorzeitig den Saal verlassen mussten … 😉

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Erfindung eines völlig neuen Genres: So viel Filmblut-Frische gab es zuletzt vor meiner Geburt … Der Trailer wird diesem Film kaum gerecht, denn selten gab es so genialen Horror mit Charme, Humor und Einfallsreichtum, wie diesen hier. Unbedingt reingehen!

Nachspann: Muss man nicht zwingend aussitzen, es folgen keine weiteren Überraschungen.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Brightburn
Length: 91 Min.
Rated: FSK 16